HYCOP
HYCOP ist ein hochkonzentriertes, kupferbasiertes Fungizid zur Bekämpfung bedeutender pilzlicher Schaderreger in Sonderkulturen. Mit seinem Wirkstoff Kupferhydroxid (767,9 g/kg), formuliert als wasserdispergierbares Granulat, bietet das Pflanzenschutzmittel einen bewährten und zuverlässigen Schutzbelag auf den Zielflächen der Kulturen. Es ist im deutschen Markt als wichtiger Baustein im integrierten sowie im ökologischen Anbau etabliert.
Das Wirkungsspektrum konzentriert sich primär auf den Falschen Mehltau (Plasmopara viticola) im Weinbau sowie auf den Schorf (Venturia spp.) im Kernobstbau. Durch die feine Partikelstruktur des Kupferhydroxids wird eine hervorragende Verteilung und Haftung auf den Blättern und Früchten erzielt, was eine hohe Regenbeständigkeit und lang anhaltende Protektion gewährleistet.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Kupferhydroxid gehört zur FRAC-Gruppe M01 (Multi-Site-Inhibitoren). Nach der Applikation und bei Feuchtigkeit werden zweiwertige Kupferionen (Cu2+) sukzessive freigesetzt. Diese Ionen werden von den Pilzsporen passiv aufgenommen und akkumulieren im Inneren der Zellen. Dort entfalten sie eine unspezifische, multilokale Wirkung: Sie denaturieren essentielle Proteine, blockieren wichtige Enzymsysteme und stören die Zellatmung sowie die Membranpermeabilität der Schaderreger. Da dieser Prozess an zahlreichen Stellen gleichzeitig ansetzt, wird das Keimen der Sporen effektiv unterbunden, bevor eine Infektion der Kultur stattfinden kann.
Resistenzmanagement
Aufgrund des Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC M01) ist das Risiko einer Resistenzentwicklung gegen Kupferhydroxid bei den Zielpathogenen als äußerst gering einzustufen. HYCOP eignet sich daher hervorragend als Partner in Spritzfolgen, um die Wirksamkeit von gefährdeten, systemischen Fungiziden mit spezifischem Wirkort (Single-Site) abzusichern. Ein bewusster Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen im Rahmen des Antiresistenzmanagements schont die Effizienz moderner Pflanzenschutzmittel nachhaltig.
Mischbarkeit & Tankmischung
Bei der Herstellung von Tankmischungen ist besonders auf den pH-Wert der Spritzbrühe zu achten. Ein stark saurer pH-Wert (unter 6,0 bis 6,5) führt zu einer beschleunigten Freisetzung von löslichen Kupferionen, was das Risiko von Phytotoxizität (Kupferschäden) an den Kulturen drastisch erhöht. Mischungen mit stark sauren Düngemitteln oder bestimmten Netzmitteln sollten vermieden werden. Vor der großflächigen Anwendung empfiehlt sich stets eine Mischbarkeitsprüfung in einem Kleingebinde sowie die Beachtung der optimalen Wassertemperatur.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Als kupferhaltiges Pflanzenschutzmittel unterliegt HYCOP strengen Umweltauflagen. Der Wirkstoff ist als fischgiftig und gefährlich für aquatische Organismen eingestuft, weshalb strikte Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und der Einsatz abdriftmindernder Technik zwingend vorgeschrieben sind. Beim Ansetzen und Ausbringen der Spritzbrühe ist die persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und Handschuhen, zu tragen, um den Anwenderschutz lückenlos zu gewährleisten. Zudem sind potenzielle Akkumulationseffekte im Boden bei der jährlichen Mengenplanung zu berücksichtigen.
Zugelassene Anwendungen
Häufige Fragen
Warum ist der Applikationszeitpunkt bei HYCOP so kritisch?
Da Kupferhydroxid ein reines Kontaktfungizid ist, besitzt es keine kurativen oder systemischen Eigenschaften. Der Schutzbelag muss sich bereits vor dem Keimen der Pilzsporen (z. B. vor einem Regenereignis) auf der Kultur befinden, um die Infektion wirksam zu verhindern. Ein nachträgliches Abstoppen bereits etablierter Infektionen ist nicht möglich.
Wie beeinflusst die Witterung die Dauerwirkung des Kupferbelags?
Die Dauerwirkung hängt stark von der Niederschlagsmenge und dem Zuwachs der Kultur ab. Obwohl die Formulierung von HYCOP eine gute Haftung bietet, waschen starke Regenfälle (über 20–25 mm) den Belag allmählich ab. Zudem wird neu zuwachsendes Gewebe nicht systemisch geschützt und muss bei anhaltendem Infektionsdruck durch eine Folgebehandlung abgedeckt werden.
Was muss bezüglich der Phytotoxizität bei Kernobst beachtet werden?
Kernobst reagiert in bestimmten BBCH-Stadien, insbesondere nach dem Aufbrechen der Knospen bis zur Blüte, sehr empfindlich auf freie Kupferionen. Feucht-kalte Witterung verzögert das Antrocknen des Spritzbelags und verstärkt die Ionenfreisetzung, was zu Berostungen an den Früchten oder Blattschäden führen kann. Die Anwendung sollte daher bevorzugt unter rasch trocknenden Bedingungen erfolgen.
Kann HYCOP im ökologischen Landbau eingesetzt werden?
Ja, Kupferpräparate wie HYCOP sind im ökologischen Landbau gemäß den geltenden EU-Verordnungen zugelassen, unterliegen jedoch strengen jährlichen Reinkupfer-Mengenbeschränkungen pro Hektar. Anwender müssen die lokalen Verbandsrichtlinien beachten, die oft noch restriktivere Obergrenzen vorschreiben als der Gesetzgeber.
Wie verhält sich HYCOP in Bezug auf das Resistenzmanagement im Weinbau?
Da Kupferhydroxid als Multi-Site-Fungizid (FRAC M01) an verschiedenen biochemischen Prozessen des Erregers gleichzeitig ansetzt, ist die Gefahr einer Resistenzbildung bei Plasmopara viticola vernachlässigbar gering. Es eignet sich ideal als Mischungspartner oder im Blockwechsel, um die Selektion resistenter Stämme gegenüber systemischen Fungiziden zu verhindern.
Wie finde ich im Agronomie-Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Falschen Mehltau?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktionen auf agronomy.farmable.tech. Filtern Sie in der Produktübersicht nach der Zielkultur „Weinrebe“ (VITVI) und dem Schaderreger „Falscher Mehltau (Plasmopara viticola)“, um alle in Deutschland registrierten Alternativen und deren spezifische Anwendungsbestimmungen direkt miteinander zu vergleichen.