Mildicut
Mildicut ist ein hochwirksames, spezialisiertes Fungizid zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus (Plasmopara viticola) im Weinbau. Als moderne flüssige Formulierung kombiniert das Pflanzenschutzmittel zwei komplementäre Wirkstoffe, um Reben während der kritischen Wachstumsphasen optimal zu schützen. Es hat sich als Standardbaustein im integrierten Weinbau etabliert, insbesondere in Phasen mit hohem Infektionsdruck.
Durch die Kombination eines protektiven Kontaktwirkstoffs mit einer systemisch aktiven Komponente bietet Mildicut sowohl einen hervorragenden Belagsschutz auf den Blättern und Gescheinen als auch eine Verteilung in neu zuwachsenden Pflanzenteilen. Dies macht das Produkt zu einem verlässlichen Partner vom frühen Laubwachstum bis hin zur Reifephase der Trauben.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die hervorragende Wirkung von Mildicut basiert auf dem synergistischen Zusammenspiel seiner beiden Wirkstoffe Cyazofamid und Dinatriumphosphonat. Cyazofamid gehört zur FRAC-Gruppe 21 (QiI-Fungizide) und greift gezielt in die Atmungskette der Schadpilze ein. Es blockiert den Elektronentransport am Komplex III (Cytochrom bc1) auf der Innenseite der Mitochondrienmembran. Dadurch wird die Energieproduktion des Erregers unterbunden, was die Sporenkeimung und das Myzelwachstum von Plasmopara viticola effektiv stoppt. Dinatriumphosphonat (FRAC-Gruppe P07) ergänzt diesen Mechanismus durch eine zweifache Wirkung: Es besitzt eine direkt hemmende Wirkung auf den Schaderreger und aktiviert gleichzeitig die natürlichen Selbstverteidigungsmechanismen der Kultur (induzierte systemische Resistenz). Durch diese Kombination wird der Pilz an verschiedenen physiologischen Stellen attackiert, was die Gesamtwirkung absichert und stabilisiert.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Resistenzen bei Plasmopara viticola vorzubeugen, solltest du Mildicut stets im Rahmen einer vorausschauenden Spritzfolge einsetzen. Da Cyazofamid einer spezifischen Wirkstoffgruppe (FRAC 21) angehört, ist die Anzahl der aufeinanderfolgenden Anwendungen konsequent zu begrenzen. Nutze für nachfolgende Behandlungen Wirkstoffe aus anderen chemischen Klassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen. Die Kombination mit dem systemisch und indirekt wirkenden Phosphonat im Produkt selbst stellt bereits einen integrierten Schutz gegen Resistenzselektion dar.
Mischbarkeit & Tankmischung
Mildicut zeichnet sich durch eine gute physikalische und biologische Mischbarkeit mit gängigen Weinbaufungiziden, Insektiziden und Blattdüngern aus. Bei geplanten Tankmischungen empfiehlt es sich jedoch, vorab eine kleine Mischprobe auf physikalische Verträglichkeit durchzuführen. Achte auf eine ausreichende Wasserqualität und vermeide extrem saures oder stark alkalisches Ansetzwasser. Die Zugabe von Netzmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, da die Formulierung bereits für eine optimale Benetzung und Haftung auf der Wachsschicht der Rebenblätter optimiert ist.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Mildicut steht der Schutz des Anwenders und der Umwelt an erster Stelle. Trage während der Ausbringung und beim Ansetzen der Spritzbrühe stets die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen sind die Abdriftrandbehandlungen und die allgemeinen Abstandsauflagen strikt einzuhalten. Da keine spezifische Einstufung zur Bienengefährlichkeit vorgegeben ist, solltest du aus Vorsorgegründen Anwendungen nicht in blühende Bestände oder an Orten mit aktivem Bienenflug durchführen und die Behandlung bevorzugt in die späten Abendstunden verlegen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Weinrebe | Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) | 15–85 | 1 LITER_PER_HECTARE | 21T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung mit Mildicut?
Der optimale Einsatzzeitpunkt liegt in den kritischen Infektionsphasen ab dem Fünfblattstadium (BBCH 15) bis hin zur beginnenden Reife (BBCH 85). Besonders vor vorhergesagten Niederschlägen und bei warm-feuchter Witterung, die den Falschen Mehltau begünstigt, solltest du die Behandlung protektiv durchführen, um den Infektionszyklus frühzeitig zu unterbrechen.
Wie profitiert die Kultur von der systemischen Komponente Dinatriumphosphonat?
Dinatriumphosphonat wird von der Kultur rasch aufgenommen und systemisch verteilt. Es regt die Produktion pflanzeneigener Abwehrstoffe an. Dadurch ist auch der Neuzuwachs zwischen den Spritzungen besser gegen den Falschen Mehltau geschützt, was dir eine höhere Flexibilität im Behandlungsmanagement gibt.
Was muss ich bezüglich der Regenfestigkeit von Mildicut beachten?
Dank der modernen Formulierung haftet der Spritzbelag nach dem Antrocknen hervorragend auf der Blattoberfläche. Bereits kurze Zeit nach der Anwendung ist das Mittel regenfest. Dennoch solltest du darauf achten, dass die Spritzbrühe vor dem nächsten Regenereignis vollständig angetrocknet ist, um die maximale Schutzwirkung zu gewährleisten.
Kann ich Mildicut in einer Spritzfolge mit anderen QiI-Fungiziden kombinieren?
Um das Risiko von Resistenzen zu minimieren, solltest du Blockbehandlungen mit Wirkstoffen der FRAC-Gruppe 21 vermeiden. Wechsle stattdessen nach ein bis maximal zwei Anwendungen auf Fungizide mit anderen Wirkmechanismen, um die langfristige Wirksamkeit dieser wichtigen Wirkstoffklasse zu sichern.
Wie verhält sich Mildicut bezüglich der Wartezeit vor der Ernte?
Für Mildicut gilt in der Kultur Weinrebe eine gesetzlich festgelegte Wartezeit von 21 Tagen. Dies gibt dir eine hohe Flexibilität, um die Trauben auch in der späten Phase der Entwicklung wirksam vor spätem Befall mit Falschem Mehltau zu schützen, ohne Rückstandsprobleme bei der Ernte zu riskieren.