PeroStar 80
PeroStar 80 ist ein hochwirksames Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung des Falschen Mehltaus (Plasmopara viticola) im Weinbau. Als wasserdispergierbares Granulat (WG) formuliert, zeichnet sich das Produkt durch eine hervorragende Löslichkeit und eine einfache Handhabung bei der Spritzbrühenbereitung aus. Der bewährte Wirkstoff Folpet bietet Weinbaubetrieben eine verlässliche und robuste Basis für den vorbeugenden Rebschutz.
Das Produkt nimmt eine Schlüsselrolle im modernen Weinbau ein, da es speziell auf die kritischen Infektionsphasen der Rebe abgestimmt ist. Durch seine ausgeprägte Kontaktwirkung schützt es die behandelten Pflanzenteile zuverlässig vor dem Keimen der Sporen. Die moderne Formulierung sorgt für eine gute Regenbeständigkeit, was besonders in niederschlagsreichen Perioden, in denen der Infektionsdruck durch den Schaderreger stark ansteigt, von entscheidendem Vorteil für den Erhalt gesunder Kulturen ist.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in PeroStar 80 enthaltene Wirkstoff Folpet gehört zur chemischen Gruppe der Phthalimide und ist im FRAC-Code unter der Gruppe M04 (Multi-Site-Inhibitoren) klassifiziert. Folpet greift an mehreren Stellen im Stoffwechsel des Pilzes gleichzeitig an. Es interagiert intensiv mit den Thiol-Gruppen verschiedener Enzyme und Proteine im Schaderreger, was zu einer weitreichenden Störung der Zellatmung, der Zellteilung und der Membranpermeabilität führt. Da dieser biochemische Eingriff unspezifisch an multiplen Zielorten erfolgt, wird das Keimen der Pilzsporen effektiv unterbunden, noch bevor der Erreger in das Pflanzengewebe der Kultur eindringen kann. Diese protektive Wirkungsweise erfordert eine vorbeugende Behandlung vor dem eigentlichen Infektionsereignis, um einen lückenlosen Schutzfilm aufzubauen.
Resistenzmanagement
Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC M04) weist PeroStar 80 ein extrem geringes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen auf. Das Pflanzenschutzmittel eignet sich daher hervorragend als unverzichtbarer Baustein in einem integrierten Antiresistenzmanagement. Du solltest PeroStar 80 gezielt im Wechsel oder in Kombination mit systemischen oder lokalsystemischen Fungiziden einsetzen, um deren wirkstoffspezifische Resistenzen abzusichern und die langfristige Wirksamkeit des gesamten Behandlungsplans im Weinbau zu sichern.
Mischbarkeit & Tankmischung
PeroStar 80 ist im Allgemeinen gut mit gängigen Fungiziden, Insektiziden und Blattdüngern mischbar. Bei der Herstellung von Tankmischungen solltest du jedoch darauf achten, dass der pH-Wert der Spritzbrühe im neutralen bis leicht sauren Bereich liegt, da Folpet in stark alkalischem Milieu einer beschleunigten Hydrolyse unterliegen kann. Vermeide Mischungen mit stark alkalischen Produkten wie Kupferkalkbrühen oder bestimmten Blattdüngern ohne vorherige pH-Wert-Anpassung. Ein vorheriger Mischungstest in einem kleinen Gefäß wird empfohlen, um die physikalische Kompatibilität abzusichern.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit PeroStar 80 ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, unerlässlich, um den Anwenderschutz zu gewährleisten. Da keine spezifische Bienengefährdungsstufe in den Zulassungsdaten vorgegeben ist, solltest du aus Vorsorgegründen Anwendungen nicht in blühende Kulturen oder an Orten durchführen, an denen Bienen aktiv auf Futtersuche sind; verlege die Behandlung vorzugsweise in die späten Abendstunden. Achte zudem streng darauf, dass keine Abdrift in angrenzende Gewässer oder Saumstrukturen gelangt, um aquatische Organismen und die lokale Biodiversität zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung mit PeroStar 80?
Du solltest mit den Behandlungen vorbeugend starten, sobald die ersten Infektionsbedingungen für den Falschen Mehltau gegeben sind. Dies ist meist ab dem BBCH-Stadium 17 (7. Laubblatt entfaltet) der Fall. Warte nicht, bis erste Symptome sichtbar werden, da das Mittel rein protektiv wirkt und bereits im Blattinneren etablierte Pilze nicht mehr bekämpfen kann.
Wie beeinflusst der pH-Wert des Spritzwassers die Wirkung von PeroStar 80?
Der Wirkstoff Folpet ist empfindlich gegenüber alkalischer Hydrolyse. Wenn dein Spritzwasser einen pH-Wert von über 7 aufweist, kann sich der Wirkstoff in der Spritze vorzeitig abbauen. Verwende in diesem Fall einen geeigneten pH-Puffer oder pH-Regulator, um das Wasser auf einen leicht sauren Bereich (pH 5,5 bis 6,5) einzustellen, bevor du das Produkt einmischst.
Warum variiert die Wartezeit bei PeroStar 80 so stark zwischen 35 und 56 Tagen?
Die tatsächliche Wartezeit hängt stark vom genauen Anwendungszeitpunkt und dem Verwendungszweck der Trauben (Kelter- oder Tafeltrauben) ab. Spätere Anwendungen bis zum BBCH-Stadium 85 erfordern aufgrund des langsameren Abbaus von Rückständen im reifenden Gewebe längere Sicherheitsabstände vor der Ernte. Halte dich strikt an die für deine spezifische Spätanwendung vorgeschriebene Wartezeit.
Kann ich PeroStar 80 auch bei feuchtem Wetter oder kurz vor Regen applizieren?
Das Pflanzenschutzmittel benötigt nach dem Antrocknen eine gewisse Zeit, um seine volle Regenbeständigkeit zu entwickeln. Du solltest die Behandlung so planen, dass der Spritzbelag vor dem nächsten Regenereignis vollständig abgetrocknet ist (meist reichen 1 bis 2 Stunden). Einmal angetrocknet, haftet die Formulierung hervorragend und schützt die Kultur auch bei anschließenden Niederschlägen.
Wie integriere ich PeroStar 80 am besten in mein Antiresistenzmanagement?
Da Folpet als Multi-Site-Wirkstoff (FRAC M04) extrem resistenzunempfindlich ist, solltest du es als Mischpartner für systemische Fungizide nutzen, die nur an einem einzigen Ort im Pilz ansetzen (Single-Site). Durch diese Kombination nimmst du den Selektionsdruck von den gefährdeten systemischen Wirkstoffen und sicherst deine Behandlungsstrategie langfristig ab.
Was muss ich bei der Applikation in Hanglagen oder windigen Bereichen beachten?
Um Abdrift in sensible Nachbarstrukturen oder Gewässer zu vermeiden, solltest du abdriftmindernde Düsen verwenden und die Windgeschwindigkeit genau im Auge behalten. Da PeroStar 80 ein reines Kontaktmittel ist, ist eine lückenlose und gleichmäßige Benetzung der gesamten Laubwand – insbesondere auch der Blattunterseiten – entscheidend für den Bekämpfungserfolg.