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Sonstige · BASF Agricultural Solutions Deutschland

RAK 1+2 M

BVL Zul.-Nr. 044170-00

RAK 1+2 M von BASF ist ein hochspezialisiertes, umweltschonendes Pflanzenschutzmittel zur biotechnischen Regulierung von Schaderregern im Weinbau. Als bewährtes Verwirrungssystem basiert es auf der kontinuierlichen Abgabe von synthetischen Sexualpheromonen, die den natürlichen Lockstoffen der weiblichen Falter nachempfunden sind. Die Formulierung liegt in Form von anwendungsfertigen Ampullen (Dispensern) vor, die direkt in den Kulturen aufgehängt werden und über die gesamte Saison hinweg aktiv sind.

Das Produkt zielt primär auf die beiden wirtschaftlich bedeutendsten Wicklerarten ab: den Einbindigen Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella) und den Bekreuzten Traubenwickler (Lobesia botrana). Durch den flächendeckenden Einsatz im Weinberg wird eine Paarung der Altfalter effektiv verhindert, was den Befall der Trauben durch die nachfolgenden Raupengenerationen drastisch reduziert und somit die Ertragsqualität sichert.

Wirkstoffe

(E,Z)-7,9-Dodecadien-1-ylacetat
41.1 g/kg · Wirkstoff
(Z)-9-Dodecen-1-ylacetat
46.8 g/kg · Wirkstoff

Wirkungsweise

Die Wirkungsweise von RAK 1+2 M basiert auf dem Prinzip der Paarungsstörung (Verwirrungsmethode). Die beiden aktiven Wirkstoffe (E,Z)-7,9-Dodecadien-1-ylacetat und (Z)-9-Dodecen-1-ylacetat entsprechen den natürlichen Sexuallockstoffen der weiblichen Traubenwickler. Nach dem Ausbringen geben die Dispenser diese Pheromone kontinuierlich an die Umgebungsluft ab, wodurch eine gleichmäßige Duftwolke über der gesamten Kultur entsteht. Diese künstliche Pheromonkonzentration überlagert die feinen Duftspuren der echten Weibchen vollständig. Die männlichen Falter können die Orientierung nicht mehr aufrechterhalten und finden keine Partnerinnen zur Paarung. Da keine Befruchtung stattfindet, bleibt die Eiablage aus, wodurch der gefürchtete Raupenfraß an den Gescheinen und Beeren (Sauerwurm und Heuwurm) ohne den Einsatz klassischer Insektizide verhindert wird.

Resistenzmanagement

Da es sich bei RAK 1+2 M um eine rein verhaltensmodifizierende, biotechnische Methode und nicht um ein toxisches Insektizid handelt, ist das Risiko einer Resistenzbildung im klassischen Sinne äußerst gering. Dennoch solltest du das Verwirrungsverfahren stets in ein integriertes Pflanzenschutzkonzept einbinden. Bei extrem hohem Ausgangsbefall oder starkem Zuflug aus unbehandelten Nachbarflächen kann eine ergänzende Behandlung mit zugelassenen Insektiziden zur ersten Generation sinnvoll sein, um den Populationsdruck auf ein kontrollierbares Niveau zu senken.

Mischbarkeit & Tankmischung

Da RAK 1+2 M als Feststoff-Dispenser manuell im Weinberg aufgehängt wird, entfällt die klassische Zubereitung einer Spritzbrühe im Tank vollständig. Es gibt somit keine physikalischen oder chemischen Unverträglichkeiten mit flüssigen Pflanzenschutzmitteln. Du kannst deine regulären Fungizid- und Insektizidbehandlungen während der gesamten Saison völlig unabhängig von den installierten Dispensern durchführen.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Ausbringen der Dispenser solltest du geeignete Schutzhandschuhe tragen, um direkten Hautkontakt mit den Wirkstoffdepots zu vermeiden. Da das System selektiv auf die Zielschädlinge wirkt und keine Spritzabdrift erzeugt, ist es extrem schonend für die Umwelt. Nützlinge wie Raubmilben, Florfliegen und Schlupfwespen werden nicht beeinträchtigt. Zum Schutz von Bienen und anderen Bestäubern ist die Anwendung völlig unbedenklich; dennoch empfiehlt es sich, verbrauchte Dispenser nach der Saison ordnungsgemäß aus der Anlage zu entfernen und zu entsorgen.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WeinrebeBekreuzter Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm)12–99500 PIECES_PER_HECTARE
WeinrebeEinbindiger Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm)12–99500 PIECES_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt, um RAK 1+2 M in deinen Kulturen aufzuhängen?

Du musst die Dispenser unbedingt vor dem Beginn des ersten Falterfluges der Überwinterungsgeneration ausbringen. Dies ist in der Regel im Frühjahr der Fall, meist im BBCH-Stadium 09 bis 12 (Knospenaufbruch bis erste Laubblätter entfaltet). Sobald die ersten Falter fliegen, muss die Pheromonwolke bereits etabliert sein.

Wie viele Dispenser pro Hektar musst du ausbringen und wie verteilst du sie?

Die genaue Anzahl richtet sich nach den Zulassungsvorgaben, liegt aber typischerweise bei einer festen Stückzahl pro Hektar. Achte darauf, die Dispenser gleichmäßig über die gesamte Fläche zu verteilen und an den windexponierten Randbereichen die Dichte leicht zu erhöhen (Randbeladung), um Verdünnungseffekte auszugleichen.

Auf welcher Höhe in der Kultur solltest du die Dispenser platzieren?

Hänge die Dispenser im oberen Drittel der Laubwand auf, idealerweise im Bereich der Traubenzone oder leicht darüber, im schattigen Bereich der Rebe. Vermeide direkte Sonneneinstrahlung auf die Ampullen, um eine gleichmäßige und langanhaltende Verdampfung der Pheromone über die gesamte Saison zu gewährleisten.

Wie kontrollierst du den Bekämpfungserfolg, wenn du das Verwirrungsverfahren anwendest?

Da klassische Pheromonfallen im verwirrten Weinberg ebenfalls blockiert sind, solltest du den Erfolg durch regelmäßige visuelle Kontrollen überwachen. Suche im Frühjahr nach Gespinsten der ersten Generation (Heuwurm) und im Sommer nach Eiablagen oder angestochenen Beeren (Sauerwurm).

Funktioniert RAK 1+2 M auch auf kleinen, isolierten Flächen?

Die Verwirrungsmethode ist ein populationsdynamisches Verfahren und funktioniert am besten auf größeren, zusammenhängenden Flächen (idealerweise ab 1 bis 2 Hektar). Auf sehr kleinen oder stark zergliederten Einzelparzellen ist der Randeffekt durch einfliegende, bereits begattete Weibchen aus benachbarten, unbehandelten Anlagen zu hoch.