Sanvino
Sanvino ist ein hochwirksames, kombiniertes Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus (Plasmopara viticola) im Weinbau. Als wasserdispergierbares Granulat (WG) formuliert, vereint dieses Fungizid zwei komplementäre Wirkstoffe, um einen lückenlosen Schutz der Reben während der kritischen Infektionsphasen zu gewährleisten. Es hat sich als fester Baustein im modernen, integrierten Weinbau etabliert, insbesondere in Phasen mit hohem Infektionsdruck.
Durch die Kombination eines systemischen beziehungsweise translaminaren Wirkstoffs mit einem bewährten Kontaktwirkstoff bietet Sanvino sowohl einen vorbeugenden Schutz der Blattoberfläche als auch eine Tiefenwirkung im Pflanzengewebe. Dies macht das Pflanzenschutzmittel zu einer zuverlässigen Option für Winzer, die ihre Kulturen effektiv vor Ertrags- und Qualitätsverlusten durch Peronospora schützen wollen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die hervorragende Wirkung von Sanvino basiert auf dem synergistischen Zusammenspiel seiner zwei aktiven Komponenten. Der Wirkstoff Amisulbrom gehört zur Gruppe der QiI-Inhibitoren (Quinone inside Inhibitors, FRAC-Gruppe 21). Er greift gezielt in die Zellatmung des Pilzes ein, indem er den Komplex III der Atmungskette blockiert. Dies führt zu einer schnellen Hemmung der Sporenkeimung und der Freisetzung von Zoosporen, wodurch die Erstinfektion sowie die weitere Ausbreitung des Schaderregers im Gewebe der Kultur unterbunden werden. Ergänzt wird dieser spezifische Mechanismus durch Folpet, einen klassischen Multi-Site-Inhibitor (FRAC-Gruppe M04). Folpet greift an verschiedenen Stellen im Stoffwechsel des Pilzes an und wirkt rein protektiv auf der Pflanzenoberfläche. Diese Kombination sorgt dafür, dass der Schaderreger kaum Möglichkeiten hat, Abwehrmechanismen zu entwickeln, während gleichzeitig ein stabiler Schutzfilm auf den Blättern und Gescheinen der Weinrebe etabliert wird.
Resistenzmanagement
Aufgrund der Kombination des spezifischen Wirkstoffs Amisulbrom mit dem Multi-Site-Wirkstoff Folpet besitzt Sanvino bereits ein integriertes, robustes Antiresistenzmanagement. Um die Wirksamkeit der QiI-Fungizide (FRAC-Gruppe 21) langfristig zu sichern, sollte die Anzahl der Anwendungen pro Saison streng begrenzt werden. Es wird empfohlen, Sanvino im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen einzusetzen. Ein konsequenter Wirkstoffwechsel verhindert die Selektion resistenter Biotypen von Plasmopara viticola im Weinberg.
Mischbarkeit & Tankmischung
Sanvino zeichnet sich durch eine gute physikalische und chemische Mischbarkeit mit den meisten gängigen Pflanzenschutzmitteln und Blattdüngern aus, die im Weinbau Verwendung finden. Bei der Herstellung von Tankmischungen sollte das Granulat stets als erste Komponente im fast vollständig mit Wasser gefüllten Spritztank unter ständigem Rühren vollständig aufgelöst werden, bevor weitere Partner hinzugefügt werden. Die Zugabe von Netzmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, da die Formulierung bereits für eine optimale Benetzung optimiert ist. Extrem saures oder stark alkalisches Spritzwasser sollte vermieden werden, um die Stabilität der Wirkstoffe nicht zu beeinträchtigen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Sanvino ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, zu tragen. Da der Wirkstoff Folpet als gewässergefährdend eingestuft ist, müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Abdriftminderungsklassen und Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern strikt eingehalten werden. Das Pflanzenschutzmittel ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte der direkte Kontakt mit blühenden Kulturen oder Unkräutern während des Bienenflugs vermieden werden, um jegliche Risiken für Bestäuber auszuschließen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Weinrebe | Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) | — | 0.375 KILOGRAM_PER_HECTARE | 28T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Sanvino im Weinberg?
Der optimale Einsatzzeitpunkt liegt in den kritischen Infektionsphasen des Falschen Mehltaus, typischerweise ab der Vorblüte bis zur Nachblüte. Da Sanvino stark protektiv wirkt, sollte die Behandlung stets vorbeugend vor den ersten prognostizierten Infektionsbedingungen (Warmregenperioden) erfolgen.
Wie verhält sich Sanvino bei Niederschlägen kurz nach der Applikation?
Dank der schnellen Antrocknung und der starken Haftfähigkeit des Wirkstoffs Folpet sowie der translaminaren Eigenschaften von Amisulbrom ist Sanvino bereits kurze Zeit nach dem Antrocknen des Spritzbelags hervorragend regenfest. Ein moderater Regenschauer nach dem Antrocknen beeinträchtigt die Schutzwirkung in der Regel nicht.
Kann Sanvino auch bei hohen Temperaturen im Sommer gespritzt werden?
Ja, Sanvino weist eine gute Kulturverträglichkeit auf. Dennoch sollten Applikationen bei extremer Hitze (über 25 °C) und intensiver Sonneneinstrahlung in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden, um Spritzschäden (Phytotoxizität) durch schnelle Verdunstung auf den Blättern zu vermeiden.
Warum ist die Kombination aus Amisulbrom und Folpet so wertvoll für das Resistenzmanagement?
Amisulbrom ist ein hochspezifischer Wirkstoff mit einem erhöhten Risiko für Resistenzbildung. Folpet hingegen wirkt als Multi-Site-Fungizid an vielen Stellen im Pilzorganismus gleichzeitig, wodurch praktisch keine Resistenzen entstehen können. Folpet schützt somit die Wirkung von Amisulbrom und verhindert die Selektion resistenter Pilzstämme.
Welche Rolle spielt die Wartezeit von 28 Tagen bei Sanvino?
Die gesetzliche Wartezeit von 28 Tagen stellt sicher, dass bis zur Weinlese alle Wirkstoffrückstände auf den Trauben unter die strengen gesetzlichen Grenzwerte abgebaut sind. Dies garantiert die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Leseguts und verhindert negative Einflüsse auf die spätere Gärung im Keller.
Wie trage ich zur Schonung von Nützlingen bei der Anwendung von Sanvino bei?
Sanvino schont wichtige Raubmilben (z. B. Typhlodromus pyri), die im Weinbau eine entscheidende Rolle bei der biologischen Spinnmilbenregulierung spielen. Um diese Nützlinge und die lokale Biodiversität weiter zu schützen, sollten Abdriften in angrenzende Saumstrukturen durch den Einsatz abdriftmindernder Düsentechnik minimiert werden.