Shirlan
Shirlan ist ein hochwirksames, protektives Fungizid, das sich als verlässlicher Standard im professionellen Kartoffelanbau zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) etabliert hat. Formuliert als modernes Suspensionskonzentrat (SC) mit dem Wirkstoff Fluazinam, bietet dieses Pflanzenschutzmittel einen hervorragenden Schutz der Kultur vor Primärinfektionen sowie der weiteren Ausbreitung des Schaderregers im Bestand.
Die besondere Stärke von Shirlan liegt in seiner ausgeprägten Kontaktwirkung und der extremen Regenfestigkeit. Nach der Behandlung haftet der Wirkstoff fest an der Wachsschicht von Blättern und Stängeln, wodurch ein langanhaltender, stabiler Schutzfilm entsteht. Dies macht das Produkt zu einem unverzichtbaren Baustein in Spritzfolgen, insbesondere in Phasen mit schnellem Krautwachstum und unbeständiger Witterung.
Neben dem Schutz des oberirdischen Krautes zeichnet sich Shirlan durch eine hervorragende Wirkung gegen die Sporenmobilität aus. Indem es die Keimung und Bewegung der Zoosporen unterbindet, verhindert es effektiv das Abschwemmen der Erreger in den Boden. Dadurch schützt es die heranwachsenden Knollen zuverlässig vor der gefürchteten Knollenfäule während der Abreife und Ernte.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Fluazinam gehört zur chemischen Klasse der Pyridinamine und ist im FRAC-Code der Gruppe 29 (Entkoppler der oxidativen Phosphorylierung) zugeordnet. Der biochemische Wirkungsmechanismus basiert auf der gezielten Störung der Energieproduktion in den Mitochondrien des Pilzes. Durch die Entkopplung der Atmungskette wird die ATP-Synthese unterbrochen, was zum schnellen Absterben der Sporen und Keimschläuche führt. Da dieser Prozess an mehreren Stellen des Energiestoffwechsels gleichzeitig ansetzt (Multi-Site-Aktivität), besitzt Fluazinam ein inhärent sehr geringes Risiko für Resistenzbildungen. Es wirkt stark antisporulierend und verhindert sowohl die Freisetzung als auch die Keimung von Zoosporen auf der Pflanzenoberfläche, noch bevor der Pilz in das Gewebe der Kultur eindringen kann.
Resistenzmanagement
Um die langfristige Wirksamkeit von Shirlan zu sichern, sollte das Pflanzenschutzmittel stets im Rahmen eines integrierten Antiresistenzmanagements eingesetzt werden. Obwohl das Risiko für Resistenzen aufgrund des Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC-Gruppe 29) als äußerst gering eingestuft wird, empfiehlt sich der konsequente Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit systemischen oder lokalsystemischen Eigenschaften. Die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison gemäß der Zulassung durch das BVL ist strikt einzuhalten, um den Selektionsdruck auf den Schaderreger im Feld zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Shirlan ist im Allgemeinen hervorragend mischbar mit gängigen Insektiziden zur Blattlausbekämpfung sowie mit Flüssigdüngern und Mikronährstoffen, die im Kartoffelanbau üblich sind. Bei der Anwendung in Tankmischungen ist auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge zu achten, um eine lückenlose und gleichmäßige Benetzung der Kultur zu gewährleisten. Die Zugabe von speziellen Haftmitteln oder Adjuvantien ist in der Regel nicht erforderlich, da die Formulierung bereits auf optimale Haftung optimiert ist. Vor dem Ansetzen größerer Mischungen wird dennoch ein physikalischer Mischtest empfohlen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Shirlan ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und robusten Nitrilhandschuhen, für den Anwender obligatorisch. Da der Wirkstoff Fluazinam als umweltgefährlich eingestuft ist, müssen strenge Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern eingehalten werden, um aquatische Organismen vor Abdrift zu schützen. Das Pflanzenschutzmittel ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zum Schutz der lokalen Fauna stets unter windstillen Bedingungen ausgebracht werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Kartoffel | Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) | — | 0.4 LITER_PER_HECTARE | 7T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Ersteinsatz von Shirlan in der Kartoffel-Spritzfolge?
Der optimale Einsatzzeitpunkt liegt vorbeugend (protektiv) vor dem ersten Auftreten von Infektionsbedingungen, meist ab dem Reihenschluss der Kartoffeln (BBCH 39). Shirlan eignet sich hervorragend für die frühen bis mittleren Spritzungen, um den Bestand von Beginn an frei von Phytophthora-Sporen zu halten.
Warum ist Shirlan besonders effektiv bei der Verhinderung von Knollenfäule?
Shirlan besitzt eine extrem starke Wirkung gegen Zoosporen. Es verhindert, dass diese mobilen Sporen vom infizierten Kraut durch Regenwasser in den Damm gewaschen werden und dort die Knollen infizieren. Ein Einsatz zur Krautminderung oder in den Abschlussbehandlungen schützt somit direkt die Erntequalität.
Wie verhält sich Shirlan bei Niederschlägen kurz nach der Anwendung?
Dank seiner hervorragenden Haftfähigkeit und Wachsaffinität ist Shirlan bereits kurz nach dem Antrocknen des Spritzbelags (ca. 1 bis 2 Stunden) extrem regenfest. Ein moderater Regenschauer wäscht den Wirkstoffbelag nicht ab, was eine kontinuierliche Schutzwirkung garantiert.
Kann Shirlan mit Krautminderungsmitteln (Sikkationsmitteln) kombiniert werden?
Ja, eine Tankmischung mit gängigen Sikkationsmitteln zur Abschlussbehandlung ist hochgradig sinnvoll. Während das Kraut abstirbt, verhindert Shirlan, dass noch lebensfähige Phytophthora-Sporen auf den Boden und an die freigelegten Knollen gelangen.
Welche Rolle spielt der Wirkstoff Fluazinam im Resistenzmanagement bei Phytophthora?
Als Wirkstoff der FRAC-Gruppe 29 greift Fluazinam an mehreren Stellen im Energiestoffwechsel des Pilzes an. Da es sich um einen Multi-Site-Inhibitor handelt, ist das Risiko einer Resistenzentwicklung äußerst gering. Es eignet sich daher perfekt als Partner in Spritzfolgen mit systemischen oder lokalsystemischen Fungiziden, die ein höheres Resistenzrisiko aufweisen.