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OTHER · BASF SE

Tessior

BVL Zul.-Nr. 008835-00

Tessior ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel von BASF, das für den präventiven Schutz von Weinreben gegen wirtschaftlich verheerende Holzkrankheiten wie den Esca-Komplex und die Eutypiose entwickelt wurde. Als innovatives Wundverschlussmittel kombiniert es eine physikalische Barriere mit einer gezielten chemischen Schutzwirkung, um das Eindringen von Pilzsporen über frische Schnittwunden während des Rebschnitts im Winter zu verhindern.

Die Formulierung basiert auf einer einzigartigen Polymer-Technologie, die nach dem Antrocknen einen elastischen, wasserunlöslichen Schutzfilm über der Wunde bildet. In diesen Film sind die bewährten Wirkstoffe Boscalid und Pyraclostrobin eingebettet. Dadurch wird eine langanhaltende Barriere etabliert, die selbst unter feuchten und kalten Witterungsbedingungen im Spätwinter stabil bleibt und das Eindringen von Schaderregern wie Phaeomoniella chlamydospora, Togninia minima, Botryosphaeria dothidea und Eutypa lata zuverlässig blockiert.

Durch die punktgenaue Anwendung direkt auf die Schnittflächen wird der Eintrag von Wirkstoffen in die Umwelt minimiert, während gleichzeitig die Langlebigkeit und Ertragsfähigkeit der Rebanlagen nachhaltig gesichert wird. Tessior besetzt damit eine Schlüsselrolle im modernen, präventiven Weinbaumanagement, da einmal etablierte Holzkrankheiten im Nachhinein nicht mehr kurativ bekämpft werden können.

Wirkstoffe

Boscalid
10 g/L · Wirkstoff
Pyraclostrobin
5 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Die biochemische Wirkung von Tessior beruht auf der Kombination zweier komplementärer Wirkstoffe aus unterschiedlichen chemischen Klassen. Boscalid gehört zur Gruppe der Succinat-Dehydrogenase-Inhibitoren (SDHI, FRAC-Gruppe 7). Es blockiert den Komplex II in der mitochondrialen Atmungskette der Pilze, wodurch die Energieversorgung (ATP-Synthese) der Schaderreger zusammenbricht und das Myzelwachstum sowie die Sporenkeimung unterbunden werden. Pyraclostrobin, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Strobilurine (QoI-Inhibitoren, FRAC-Gruppe 11), greift ebenfalls in die Zellatmung ein, blockiert jedoch den Komplex III (Cytochrom-bc1-Komplex). Diese duale Blockade der Energieproduktion führt zu einer synergistischen Wirkung und verhindert extrem zuverlässig, dass keimende Sporen der Esca- und Eutypiose-Erreger in das freigelegte Holzgewebe der Schnittwunde eindringen können.

Resistenzmanagement

Da Tessior präventiv als Wundschutzmittel in einer polymeren Matrix appliziert wird und die Wirkstoffe Boscalid (FRAC 7) und Pyraclostrobin (FRAC 11) in einer fertigen Mischung vorliegen, ist das inhärente Resistenzrisiko bei dieser spezifischen Anwendung als äußerst gering einzustufen. Dennoch ist es im Sinne eines nachhaltigen Resistenzmanagements wichtig, die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison strikt einzuhalten und bei nachfolgenden Blattspritzungen während der Vegetationsperiode auf einen konsequenten Wirkstoffklassenwechsel (Rotation mit Nicht-SDHI- und Nicht-QoI-Präparaten) zu achten, um Selektionsdruck auf andere im Weinberg vorhandene Pilzpopulationen zu vermeiden.

Mischbarkeit & Tankmischung

Aufgrund der speziellen Formulierungstechnologie als gebrauchsfertiges Polymer-Präparat wird Tessior solo mit speziellen Applikationsgeräten direkt auf die Schnittwunden aufgetragen. Eine Tankmischung mit klassischen Pflanzenschutzmitteln oder Blattdüngern ist weder vorgesehen noch ratsam, da dies die Filmbildung, die Viskosität und die Haftungseigenschaften des schützenden Polymerfilms auf dem Holz negativ beeinflussen könnte. Bei Fragen zur Reinigung der Applikationsgeräte oder zur Verwendung spezieller Reinigungszusätze sollten stets die Herstellervorgaben beachtet werden.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit Tessior steht der Schutz des Anwenders im Vordergrund; das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), insbesondere Schutzhandschuhe und Schutzbrille bei der Ausbringung und Gerätereinigung, ist obligatorisch. Da das Pflanzenschutzmittel punktgenau auf die Schnittwunden appliziert wird und nicht großflächig verdriftet, ist das Risiko für Nichtzielorganismen wie Bienen (B4-Einstufung) oder nützliche Arthropoden bei sachgemäßer Anwendung vernachlässigbar gering. Dennoch sind die üblichen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern einzuhalten, um den Eintrag der Wirkstoffe, insbesondere des aquatoxischen Pyraclostrobins, in aquatische Ökosysteme strikt zu vermeiden.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WeinrebeEsca-Erreger der Weinrebe (Togninia minima)0–020 LITER_PER_HECTARE
WeinrebeEsca-Erreger der Weinrebe (Phaeomoniella chlamydospora)0–020 LITER_PER_HECTARE
WeinrebeEutypiose (Eutypa lata)0–020 LITER_PER_HECTARE
WeinrebeEsca-Erreger der Weinrebe (Botryosphaeria dothidea)0–020 LITER_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Tessior im Weinberg?

Die Behandlung sollte möglichst zeitnah nach dem Winterschnitt erfolgen, idealerweise innerhalb von 48 Stunden, solange die Schnittwunden frisch und noch nicht von Pilzsporen besiedelt sind. Die Anwendung erfolgt in der vegetationsfreien Zeit (BBCH-Stadium 00) bei trockener Witterung, damit der schützende Polymerfilm vollständig abtrocknen und aushärten kann.

Kann Tessior auch bei Frost oder feuchtem Wetter ausgebracht werden?

Für eine optimale Filmbildung sollte die Temperatur bei der Anwendung über dem Gefrierpunkt liegen (idealerweise frostfrei und trocken). Bei Regen oder starkem Frost direkt nach der Applikation kann die Trocknung des Polymers beeinträchtigt werden, was die Schutzwirkung mindert. Ein kurzes Antrocknen vor dem nächsten Niederschlag ist essenziell.

Warum ist die Bekämpfung von Esca und Eutypiose über den Wundschutz so wichtig?

Holzkrankheiten wie Esca und Eutypiose werden durch Pilze verursacht, die einmal im Holz etabliert nicht mehr kurativ bekämpft werden können. Sie führen schleichend zum Absterben von Trieben oder ganzen Rebstöcken. Da Schnittwunden die Hauptinfektionspforten für Sporen darstellen, ist der präventive Wundverschluss die einzig wirksame Methode, um die Kulturen dauerhaft zu schützen.

Welche Applikationstechnik wird für die Ausbringung von Tessior empfohlen?

Tessior wird nicht flächig gespritzt, sondern gezielt auf die einzelnen Schnittwunden appliziert. Hierfür werden spezielle, vom Hersteller empfohlene Applikationsgeräte (z. B. Rückenspritzen mit speziellen Düsen oder das Tessior-System) verwendet, die eine exakte Dosierung und Benetzung der Wundflächen ohne Abdrift ermöglichen.

Wie lange hält der Schutzfilm von Tessior auf den Schnittwunden an?

Der elastische Polymerfilm ist extrem witterungsbeständig und bietet über mehrere Monate hinweg – also über die gesamte kritische Infektionsphase im Spätwinter und Frühjahr – einen zuverlässigen Schutz. Er dehnt sich mit dem natürlichen Holzgewebe aus und wäscht sich auch bei anhaltenden Niederschlägen nicht ab.

Wie finde ich im Agronomie-Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Holzkrankheiten im Weinbau?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktionen auf agronomy.farmable.tech. Filtern Sie nach der Kultur 'Weinrebe' (VITVI) und wählen Sie im Bereich Schaderreger gezielt 'Esca' oder 'Eutypiose' aus. Das Portal listet Ihnen alle in Deutschland (BVL) aktuell registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Anwendungsbestimmungen auf.