Bräunlicher Obstbaumwickler
Der Bräunliche Obstbaumwickler (Archips podana, EPPO-Code: CACOPO) ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger im europäischen Obstbau. Er gehört zur Familie der Wickler (Tortricidae) und befällt vor allem Kernobstkulturen wie Apfel (Malus domestica) und Birne (Pyrus communis), ist jedoch polyphag und kann auch an Steinobst sowie Beerenobst Schäden verursachen.
Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich vor allem aus dem Fraßverhalten der Larven im Spätsommer. Während die Frühjahrsschäden an Knospen und Blüten meist tolerierbar sind, führt der sogenannte "Schnittschaden" (oberflächlicher Schalenfraß) an den reifenden Früchten kurz vor der Ernte zu erheblichen Qualitätsverlusten. Solche Früchte sind nicht mehr lagerfähig, da Fäulniserreger wie Monilinia leicht in die Wunden eindringen können.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung erfolgt als junge Larve (L2/L3) in einem Gespinst an der Rinde oder in Knospenschuppen. Im Frühjahr (ab BBCH 09–51) werden die Larven aktiv und fressen an Knospen, jungen Blättern und Blütenorganen. Nach der Verpuppung im Mai schlüpfen ab Juni die Falter der ersten Generation, deren Eiablage flach auf den Blattoberseiten erfolgt. Die daraus schlüpfenden Larven verursachen im Hochsommer den typischen Blattschaden (zusammengesponnene Blätter) und verpuppen sich im Juli/August. Die zweite Faltergeneration fliegt ab August und legt Eier ab, aus denen die überwinternde Larvengeneration schlüpft, die vor dem Einwintern den folgenschweren Schalenfraß an den reifenden Früchten verursacht.
Bonitur
Die Überwachung des Falterflugs erfolgt ab Mai mithilfe von Pheromonfallen, um den optimalen Zeitpunkt für gezielte Behandlungen zu bestimmen. Ein wichtiger Richtwert für den Behandlungsbeginn gegen die Eilarven ist das Überschreiten einer Schadschwelle von 15–20 Faltern pro Falle und Woche während des Hauptflugs. Zudem sollte im Frühjahr (BBCH 53–59) eine visuelle Kontrolle von 100 Blütenbüscheln auf Larvenbefall durchgeführt werden; hier liegt die Schadschwelle bei etwa 5–8 % befallenen Büscheln. Im Sommer (BBCH 75–81) empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Triebspitzen auf zusammengesponnene Blätter.
Symptome
Im Frühjahr zeigen sich zusammengesponnene Knospen, Blüten und junge Blätter mit Loch- und Skelettfraß. Der typischste Schaden im Sommer und Herbst ist der Schalenfraß an den Früchten: Die Larven spinnen oft ein Blatt an die Fruchtwand und fressen geschützt darunter flache, unregelmäßige Gruben in die Fruchtschale (Schnittschaden). Häufig sind diese Fraßstellen von einem feinen Gespinst und Kotkrümeln umgeben. Im Gegensatz zum Apfelwickler dringen die Larven von Archips podana in der Regel nicht bis zum Kernhaus vor.
Integriertes Management
Die Regulierung basiert auf einem integrierten Pflanzenschutzkonzept. Biologische Maßnahmen umfassen den Einsatz von Verwirrungstechniken (Pheromondispenser), die flächendeckend im Frühjahr vor Flugbeginn ausgebracht werden müssen, sowie den Einsatz von Präparaten auf Basis von Bacillus thuringiensis (Bt) oder Granuloseviren gegen junge Larvenstadien. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Häutungsbeschleuniger oder Larvizide) sollten gezielt zum Hauptschlupf der Eilarven appliziert werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffklassenmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen im Generationswechsel rotiert werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Schadfraß von Archips podana von dem des Apfelwicklers (Cydia pomonella)?
Während die Larve des Apfelwicklers direkt in das Fruchtfleisch eindringt und sich bis zum Kernhaus vorfrisst (mit deutlichem Auswurfloch und Kot), verursacht Archips podana primär oberflächlichen Schalenfraß ("Schnittschaden"). Die Larven fressen geschützt unter einem an die Frucht gesponnenen Blatt und dringen fast nie tief in die Frucht ein.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Bacillus thuringiensis gegen diesen Schaderreger?
Der Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten ist am effektivsten gegen die jungen, frisch geschlüpften Larven (L1/L2), bevor sie sich fest in Blätter oder an Früchte einspinnen. Die Anwendung sollte bei warmen Temperaturen (über 15 °C) erfolgen, da die Larven aktiv fressen müssen, um das Toxin aufzunehmen. Die Flugüberwachung mittels Pheromonfallen liefert hierfür die nötigen Daten zum Schlupfzeitpunkt.
Kann die Verwirrungsmethode (Pheromondispenser) allein zur Bekämpfung ausreichen?
In Befallslagen mit geringem bis mäßigem Druck und bei ausreichend großen, zusammenhängenden Anbauflächen (idealerweise ab 1–2 Hektar) kann die Verwirrungsmethode den Schaderreger unter der wirtschaftlichen Schadschwelle halten. Bei starkem Ausgangsbefall oder kleinen, isolierten Parzellen mit Randeffekten sind jedoch ergänzende Behandlungen mit nützlingsschonenden Pflanzenschutzmitteln im Sommer unerlässlich.
Welche Rolle spielen natürliche Gegenspieler bei der Regulierung des Bräunlichen Obstbaumwicklers?
Schlupfwespen (z. B. der Gattungen Trichogramma als Eiparasitoide oder Colpoclypeus florus und andere als Larvenparasitoide) sowie räuberische Wanzen und Ohrwürmer leisten einen bedeutenden Beitrag zur natürlichen Populationsbegrenzung. Durch den gezielten Einsatz nützlingsschonender Pflanzenschutzmittel und die Förderung von Blühstreifen im Unterwuchs der Kultur kann diese biologische Regulation effektiv unterstützt werden.
Wie finde ich im Agronomie-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Wickler?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion im Hub, indem Sie nach der Kultur (z. B. Apfel oder Birne) und dem Schaderreger "Bräunlicher Obstbaumwickler" filtern. Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die aktuellen BVL-Zulassungen, die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die Wartezeiten sowie die Einstufung in die IRAC-Wirkstoffklassen zur Vermeidung von Resistenzen.