Alle Schaderreger
Schädling

Chrysomelidae

Chrysomelidae
1CHRYF

Die Blattkäfer (wissenschaftlich: Chrysomelidae, EPPO-Code: 1CHRYF) gehören zu den artenreichsten Familien der Käfer (Coleoptera) und stellen weltweit bedeutende Schaderreger im Ackerbau, Gartenbau und insbesondere im Zierpflanzenbau dar. Sowohl die adulten Käfer als auch ihre Larven ernähren sich phytophag von Blättern, Trieben und teilweise Wurzeln ihrer Wirtspflanzen. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit und das breite Wirtsspektrum können sie in betroffenen Kulturen erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.

In Mitteleuropa treten verschiedene Gattungen dieser Familie als relevante Schädlinge auf. Während einige Arten hochgradig spezialisiert sind (monophag oder oligophag), weisen andere ein breites Wirtsspektrum auf, das von krautigen Zierpflanzen bis hin zu Gehölzen reicht. Der wirtschaftliche Schaden entsteht nicht nur durch den direkten Kahlfraß und die damit verbundene Reduktion der Photosyntheseleistung, sondern im Zierpflanzenbau auch durch die optische Entwertung der Ware, was oft zu vollständiger Unverkäuflichkeit führt.

Typ
Schädling
EPPO-Code
1CHRYF
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Meist 1 bis 2 Generationen pro Jahr
Verbreitung
Blattkäfer sind weltweit verbreitet und kommen in fast allen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Anbauregionen Mitteleuropas vor, wo sie insbesondere unter warm-trockenen Bedingungen epidemische Ausmaße annehmen können.
Erstbeschreibung
Latreille, 1802

Biologie / Lebenszyklus

Die Entwicklung der Blattkäfer verläuft über eine vollständige Metamorphose (Ei, Larve, Puppe, Imago). Die Überwinterung erfolgt meist als adulter Käfer im Boden, unter Laub oder in der Bodenstreu, seltener im Eistadium. Im Frühjahr, meist ab Erreichen bestimmter Temperaturschwellen im April oder Mai, verlassen die adulten Käfer ihre Winterquartiere, beginnen mit dem Reifungsfraß an jungen Trieben und legen ihre Eier meist in Gruppen auf den Blattunterseiten ab. Die schlüpfenden Larven durchlaufen je nach Art drei bis vier Stadien, in denen sie intensiv an der Kultur fressen, bevor sie sich im Boden oder direkt an der Pflanze verpuppen. Nach dem Schlupf der neuen Generation im Sommer folgt oft ein weiterer Fraßzyklus, bevor sich die Käfer im Herbst zur Überwinterung zurückziehen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits früh im Frühjahr mit dem Austrieb der Kulturen (ab BBCH-Stadium 10 bis 12) beginnen. Du solltest die Bestände regelmäßig visuell auf erste Fraßspuren (Loch- oder Skelettierfraß) und das Auftreten der adulten Käfer kontrollieren, insbesondere an warmen, sonnigen Tagen auf den Blattoberseiten. Bei Zierpflanzen liegt die Schadensschwelle aufgrund des hohen ästhetischen Anspruchs extrem niedrig; oft reicht bereits der Nachweis einzelner Larven oder Käfer pro Pflanze aus, um eine Behandlung zu rechtfertigen. Der Einsatz von Gelbtafeln oder Klopfproben (insbesondere bei holzigen Zierpflanzen) unterstützt dich dabei, den Erstflug und die Populationsdichte präzise zu erfassen.

Symptome

Typische Symptome im Feld sind charakteristische Fraßbilder an den Blättern der Kultur. Dazu gehören der sogenannte Lochfraß, bei dem unregelmäßige Löcher in die Blattspreite gefressen werden, sowie der Skelettierfraß, bei dem nur die härteren Blattnerven stehen bleiben. Bei starkem Befall kann es zum vollständigen Kahlfraß der betroffenen Kulturen kommen. Zudem sind oft schleimige Larven (manche Arten tarnen sich mit ihrem eigenen Kot) auf den Blättern zu finden. Sekundärsymptome sind Kümmerwuchs der Kultur und Welkeerscheinungen, wenn bestimmte Arten auch Wurzelfraß durch die Larven im Boden aufweisen.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus vorbeugenden, biologischen und chemischen Maßnahmen. Mechanisch kannst du den Befall in kleineren Beständen durch Absammeln der Käfer oder den Einsatz von Kulturschutznetzen reduzieren. Zur biologischen Regulierung eignen sich nützliche Organismen wie Nematoden (gegen bodenlebende Larven und Puppen) sowie der Einsatz von Präparaten auf Basis von Bacillus thuringiensis subsp. tenebrionis gegen junge Larvenstadien. Wenn der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel unumgänglich ist, sollten Wirkstoffe aus unterschiedlichen IRAC-Klassen (z. B. Pyrethroide oder Neonicotinoide) im Wechsel angewendet werden, um einer Resistenzbildung konsequent vorzubeugen. Achte dabei stets auf die genauen Zulassungsbestimmungen und die Einhaltung der Wartezeit.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie kann ich im Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Blattkäfer suchen?

Nutze im Hub die Filtersuche und filtere nach der Kultur, die du behandeln möchtest, sowie nach dem Schaderreger "Blattkäfer" (oder der spezifischen Art). Achte darauf, dass die jeweilige Anwendung für das aktuelle BBCH-Stadium deiner Kultur zugelassen ist und prüfe die spezifischen Auflagen sowie die vorgeschriebene Wartezeit vor der Ernte.

Warum ist die Resistenzvermeidung bei der chemischen Regulierung von Blattkäfern so wichtig?

Da einige Blattkäferarten sehr kurze Generationszyklen und eine hohe Nachkommenzahl aufweisen, können sich Resistenzen gegen häufig eingesetzte Wirkstoffklassen (wie Pyrethroide, IRAC-Gruppe 3A) schnell etablieren. Du solltest daher unbedingt Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen im Wechsel einsetzen und chemische Behandlungen nur bei Überschreiten der wirtschaftlichen Schadensschwelle durchführen.

Welche Rolle spielen Bodentemperatur und Feuchtigkeit für den Bekämpfungszeitpunkt?

Die Aktivität der adulten Käfer im Frühjahr hängt stark von der Bodentemperatur ab; sie verlassen ihre Winterquartiere meist erst ab einer konstanten Bodentemperatur von über 10–12 °C. Wenn du biologische Präparate wie nützliche Nematoden gegen die im Boden lebenden Larven oder Puppen einsetzen willst, muss der Boden ausreichend feucht und warm (mindestens 12 °C) sein, da die Nematoden sonst austrocknen oder inaktiv bleiben.

Kann ich den Befall durch Blattkäfer rein mechanisch oder kulturtechnisch eindämmen?

Ja, im Zierpflanzenbau und im geschützten Anbau kannst du durch den rechtzeitigen Einsatz von feinen Kulturschutznetzen das Einfliegen der adulten Käfer im Frühjahr verhindern. Zudem hilft eine sorgfältige Bodenbearbeitung im Spätherbst oder frühen Frühjahr, da dadurch die im Boden überwinternden Puppen oder Käfer an die Oberfläche befördert werden, wo sie Frost und natürlichen Feinden ausgesetzt sind.

Wie unterscheide ich den Schaden von Blattkäferlarven von dem von Schmetterlingsraupen?

Blattkäferlarven verursachen oft einen typischen Fenster- oder Skelettierfraß, bei dem die Epidermis der Blattunterseite gefressen wird, während die obere Schicht stehen bleibt (Fensterfraß), oder sie hinterlassen nur das feine Adernetz (Skelettierfraß). Schmetterlingsraupen hingegen fressen meist vom Blattrand her tiefe Buchten oder verursachen unregelmäßigen Lochfraß durch das gesamte Blattgewebe hindurch und hinterlassen oft deutlich größere Kotkrümel.