Chrysomelidae
Die Blattkäfer (wissenschaftlich Chrysomelidae, EPPO-Code 1CHRYF) bilden eine der artenreichsten Familien der Käfer (Coleoptera) und umfassen zahlreiche wirtschaftlich bedeutende Schaderreger im Acker-, Gemüse-, Obst- und Zierpflanzenbau. Sowohl die adulten Käfer als auch ihre Larven ernähren sich phytophag, wobei das Spektrum von hochgradig spezialisierten (monophagen) bis hin zu polyphagen Arten reicht. Zu den bekanntesten Vertretern gehören der Kartoffelkäfer, die Getreidehähnchen sowie verschiedene Erdfloh-Arten.
Besonders im Zierpflanzenbau und in Sonderkulturen können Massenauftreten einzelner Arten zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen. Der Schaden entsteht primär durch intensiven Loch- und Skelettierfraß an den Blättern, was die photosynthetische Aktivität der Kulturen drastisch reduziert und bei Zierpflanzen direkt den Marktwert mindert. Zudem fungieren einige Chrysomeliden-Arten als Vektoren für pflanzenpathogene Viren und Bakterien, was das Schadpotenzial zusätzlich erhöht.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung erfolgt bei den meisten mitteleuropäischen Chrysomeliden-Arten als adulter Käfer im Boden, unter Laub oder in Pflanzenresten. Im Frühjahr, meist ab Bodentemperaturen von über 10 °C, verlassen die adulten Tiere ihre Winterquartiere, um an jungen Kulturen einen Reifungsfraß durchzuführen, gefolgt von der Paarung und Eiablage an Blättern, Stängeln oder im bodennahen Bereich. Nach dem Schlupf durchlaufen die Larven meist drei bis vier Entwicklungsstadien, in denen sie oft den Hauptschaden durch intensiven Fraß verursachen, bevor sie sich im Boden oder direkt an der Pflanze verpuppen. Je nach Art und Witterungsverlauf schlüpft im Sommer die neue Generation, die entweder eine Sommerdiapause einlegt oder direkt eine weitere Generation ausbildet, bevor sie sich im Herbst zur Überwinterung zurückzieht.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits früh im Frühjahr mit dem Auflaufen bzw. dem Austrieb der Kulturen (ab BBCH 10 bis BBCH 30) beginnen. Zur Befallsüberwachung werden Gelbtafeln, Klopfproben (insbesondere bei Gehölzen und Zierpflanzen) sowie visuelle Bonituren auf Lochfraß und Eiablage eingesetzt. Wirtschaftliche Schadschwellen sind stark artspezifisch; so gilt beispielsweise bei Getreidehähnchen im Fahnenblattstadium (BBCH 37–39) ein Richtwert von 0,5 bis 1 Larve pro Halm, während im Zierpflanzenbau aufgrund der optischen Qualitätsansprüche oft eine sehr niedrige Toleranzgrenze herrscht und bereits bei ersten Fraßspuren eingegriffen werden muss.
Symptome
Typische Symptome eines Befalls durch Chrysomelidae sind charakteristische Fraßbilder an den Blättern, die von feinem Fensterfraß (durch Junglarven) über unregelmäßigen Lochfraß bis hin zum vollständigen Skelettierfraß reichen, bei dem nur noch die stärkeren Blattadern stehen bleiben. Bei Erdfloh-Arten zeigt sich zudem ein typischer, kleinflächiger Lochfraß („Schusslöcher“) an Keim- und Laubblättern junger Kulturen. Neben dem Blattfraß sind oft dunkle Kotbällchen der Larven auf den Blattoberflächen sowie die auffälligen Gelege (häufig gelbliche oder orangefarbene Eipakete) auf den Blattunterseiten sichtbar.
Integriertes Management
Die Regulierung der Blattkäfer erfordert ein integriertes Pflanzenschutzkonzept. Vorbeugende acker- und kulturbauliche Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge, sorgfältige Bodenbearbeitung zur Störung der Puppenwiegen im Boden und die Förderung natürlicher Gegenspieler (wie Laufkäfer, Schlupfwespen und Raubwanzen) stehen im Vordergrund. Biologische Verfahren umfassen den Einsatz von nützlichen Nematoden gegen bodenlebende Larvenstadien oder den gezielten Einsatz von Bacillus thuringiensis subsp. tenebrionis gegen bestimmte Larven. Wenn chemische Pflanzenschutzmittel unumgänglich sind, müssen diese präzise auf die empfindlichen Larvenstadien ausgerichtet werden. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement durch den Wechsel von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen gemäß der IRAC-Klassifizierung (z. B. Pyrethroide, Neonicotinoide oder Spinosyne) zwingend erforderlich.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich der Befall von Blattkäferlarven von Schmetterlingsraupen im Feld unterscheiden?
Blattkäferlarven haben im Gegensatz zu Schmetterlingsraupen (die Bauch- und Nachschieber besitzen) meist nur drei echte Brustbeinpaare und oft einen gedrungeneren, warzigen oder schleimigen Körper. Zudem hinterlassen viele Chrysomeliden-Larven einen schleimigen Überzug oder tragen ihren eigenen Kot auf dem Rücken zum Schutz vor Fressfeinden, was bei Schmetterlingsraupen in dieser Form nicht vorkommt.
Welche Rolle spielt die Bodentemperatur für den optimalen Behandlungszeitpunkt?
Da die adulten Käfer im Boden überwintern, ist ihre Aktivität im Frühjahr stark temperaturabhängig. Ein Behandlungsfenster öffnet sich meist erst, wenn die Bodentemperaturen konstant über 10–12 °C steigen, da erst dann der Massenaufstieg und der Reifungsfraß einsetzen; Behandlungen bei zu kühler Witterung sind aufgrund mangelnder Aktivität der Schaderreger meist wirkungslos.
Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Blattkäfer suchen?
Nutzen Sie im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und suchen Sie nach der spezifischen Käferart (z. B. Kartoffelkäfer oder Getreidehähnchen) oder der übergeordneten Familie Chrysomelidae. Filtern Sie die Ergebnisse anschließend nach Ihrer spezifischen Kultur und dem aktuellen BBCH-Stadium, um nur die aktuell in Ihrem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit den korrekten Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.
Warum ist die Bekämpfung von adulten Käfern im Spätsommer oft weniger effektiv als die Larvenbekämpfung im Frühjahr?
Adulte Käfer besitzen eine dicke, chitinisierte Kutikula, die sie widerstandsfähiger gegen Kontaktinsektizide macht, und sie können bei Störung schnell abfliegen oder sich fallen lassen. Larven hingegen sind wesentlich empfindlicher, weniger mobil und nehmen durch ihren intensiven Fraß systemische oder fraßwirksame Pflanzenschutzmittel deutlich schneller und in letalerer Dosis auf.
Welche kulturtechnischen Maßnahmen mindern das Risiko eines Massenauftretens im Folgejahr?
Eine tiefe Bodenbearbeitung (Pflügen) nach der Ernte stört die Verpuppung im Boden und setzt die Puppen sowie überwinternde Käfer Frost und natürlichen Feinden aus. Zudem reduziert das konsequente Beseitigen von Ausfallgewächsen und Unkräutern, die als Zwischenwirte dienen, das Nahrungsangebot für die abwandernde Generation.
Wie vermeide ich eine Resistenzbildung bei der chemischen Regulierung von Chrysomeliden?
Vermeiden Sie aufeinanderfolgende Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln derselben IRAC-Wirkstoffklasse innerhalb einer Saison. Kombinieren oder rotieren Sie beispielsweise Pyrethroide (IRAC-Klasse 3A) mit systemischen Wirkstoffen anderer Klassen und nutzen Sie biologische Präparate in frühen BBCH-Stadien, um den Selektionsdruck zu minimieren.