Diaporthe phaseolorum var. sojae
Diaporthe sojae (EPPO-Code: DIAPPS), oft auch unter der Nebenfruchtform Phomopsis sojae bekannt, ist ein bedeutender pilzlicher Schaderreger an Sojabohnen (Glycine max). Der Pilz ist der Hauptverursacher der Hülsen- und Stängelfäule (pod and stem blight) sowie der Samenfeuchte und Samenfäule. Diese Krankheit führt weltweit, insbesondere in feucht-warmen Anbaugebieten, zu erheblichen Ertragseinbußen und mindert die Saatgutqualität drastisch.
Die wirtschaftliche Relevanz des Schaderregers ergibt sich vor allem aus der Keimfähigkeitsminderung des Ernteguts und dem vorzeitigen Absterben infizierter Kulturen. Bei spätem Befall und feuchter Witterung zur Erntezeit kann die Infektionsrate der Samen extrem ansteigen, was die Vermarktung als Saatgut oder hochwertiges Speisesojabohnen-Produkt unmöglich macht. In Mitteleuropa gewinnt der Erreger mit der Ausweitung des Sojaanbaus zunehmend an Bedeutung.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als Myzel oder in Form von Perithezien und Pyknidien auf infizierten Ernterückständen im Boden oder direkt im infizierten Saatgut. Im Frühjahr und Frühsommer werden bei feucht-warmer Witterung Ascosporen und Konidien freigesetzt, die durch Wind und Regenspritzer auf die jungen Kulturen übertragen werden. Die Erstinfektion verläuft meist symptomlos (latent), während der Pilz das Gewebe besiedelt. Erst mit Beginn der Seneszenz der Kulturen, begünstigt durch anhaltende Niederschläge im Spätsommer, bricht die Krankheit voll aus und bildet sichtbare Fruchtkörper (Pyknidien) auf Stängeln und Hülsen, die wiederum die heranreifenden Samen infizieren.
Bonitur
Die systematische Befallskontrolle beginnt ab dem Stadium der Blüte (BBCH 60–69), wobei der Fokus auf der Überwachung der Witterungsbedingungen liegt, da anhaltende Blattnässe und Temperaturen zwischen 20 °C und 28 °C das Infektionsrisiko massiv erhöhen. Eine gezielte visuelle Bonitur der Stängel und unteren Blattachseln sollte ab der Hülsenentwicklung (BBCH 70–79) bis zur beginnenden Reife (BBCH 80–89) durchgeführt werden. Da die Infektion lange Zeit latent verläuft, dient die Überwachung vor allem der Abschätzung des Risikos für das Erntegut; ein Schwellenwert im klassischen Sinne existiert nicht, weshalb bei feuchter Abreifeperiode und bekanntem Vorjahresbefall präventive Maßnahmen eingeleitet werden müssen.
Symptome
Typisch für den Befall mit Diaporthe sojae ist die Ausbildung zahlreicher kleiner, schwarzer Fruchtkörper (Pyknidien), die in charakteristischen, parallelen Längsreihen auf den abgestorbenen Stängeln und Hülsen angeordnet sind. Befallene Stängel weisen oft eine aschgraue Verfärbung auf, insbesondere im Bereich der Nodien. Die Hülsen zeigen bei starkem Befall eine vorzeitige Vergilbung und Schrumpfung. Die infizierten Samen im Inneren der Hülsen sind häufig mit einem weißen, watteartigen Myzel überzogen, wirken geschrumpft, rissig und weisen eine deutlich reduzierte Keimfähigkeit auf.
Integriertes Management
Ein integriertes Management basiert primär auf vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen. Dazu gehören eine weite Fruchtfolge (mindestens zweijährige Anbaupause für Soja), das vollständige Unterpflügen von Ernterückständen zur Förderung des Rotteprozesses sowie die ausschließliche Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut. Eine termingerechte Ernte direkt nach der Reife minimiert das Risiko einer Sameninfektion bei Spätsommerregen erheblich. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) können bei hohem Infektionsdruck in den BBCH-Stadien 65 bis 75 (Vollblüte bis Hülsenansatz) appliziert werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. Strobilurine und Triazole) zwingend einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie wirkt sich eine verzögerte Ernte auf den Befall durch Diaporthe sojae aus?
Eine verzögerte Ernte bei feuchter Witterung nach Erreichen der Vollreife (BBCH 89) führt zu einer explosionsartigen Ausbreitung des Pilzes von den Hülsenwänden auf die Samen. Jede zusätzliche Woche im Feld unter feuchten Bedingungen kann den Prozentsatz infizierter Samen verdoppeln, was die Keimfähigkeit drastisch senkt.
Kann der Erreger auch auf anderen Leguminosen überdauern?
Ja, obwohl Sojabohnen der Hauptwirt sind, kann Diaporthe sojae auch auf anderen Kulturpflanzen und Unkräutern wie Lupinen, Gartenbohnen oder bestimmten Knöterich-Arten latent überleben und als Infektionsquelle für die Hauptkultur dienen.
Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung dieses Schaderregers?
Eine wendende Bodenbearbeitung (Pflügen) ist hochwirksam, da sie die infizierten Ernterückstände tief vergräbt. Dies beschleunigt den Abbau des organischen Materials und entzieht dem Pilz die Basis für die Bildung von Überdauerungsorganen, wodurch der Infektionsdruck im Folgejahr deutlich sinkt.
Wie unterscheidet sich die Hülsenfäule optisch von der Diaporthe-Stängelkrankheit (D. caulivora)?
Während Diaporthe sojae Pyknidien in streng parallelen Längsreihen auf den Stängeln bildet, erzeugt Diaporthe caulivora (Stängelkrebs) unregelmäßig verteilte, rötlich-braune Krebslesionen an den Nodien, ohne diese typische lineare Anordnung der Fruchtkörper.
Wie finde ich im Agronomy-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Suchen Sie im Hub nach der Kultur 'Sojabohne' und filtern Sie die registrierten Pflanzenschutzmittel nach der Indikation 'Hülsen- und Stängelfäule' oder direkt nach dem Erreger Diaporthe sojae. Achten Sie dabei auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten für Ihr Bundesland.
Warum ist eine Fungizidbehandlung nach BBCH 75 meist nicht mehr wirtschaftlich?
Nach dem Stadium des Hülsenansatzes (BBCH 75) haben die meisten Infektionen der Hülsenwand bereits stattgefunden. Späte Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln können das Eindringen des Myzels in den Samen kaum noch verhindern und bergen zudem das Risiko von Rückständen im Erntegut sowie die Nichteinhaltung der gesetzlichen Wartezeit.