Diaporthe phaseolorum var. sojae
Diaporthe sojae (EPPO-Code: DIAPPS), auch bekannt unter der Nebenfruchtform Phomopsis sojae, ist ein bedeutender pilzlicher Schaderreger an Sojabohnen (Glycine max). Der Pilz ist der Hauptverursacher der Hülsen- und Stängelfäule (pod and stem blight) sowie der samenübertragbaren Phomopsis-Samenfäule. Diese Krankheit tritt weltweit in fast allen Sojaanbaugebieten auf und kann bei feucht-warmer Witterung erhebliche Ertragseinbußen sowie eine drastische Verschlechterung der Saatgutqualität verursachen.
Die wirtschaftliche Relevanz des Schaderregers liegt vor allem in der Beeinträchtigung der Keimfähigkeit des Ernteguts. Infizierte Samen sind oft geschrumpft, rissig und von einem weißen Myzel überzogen, was sie für die Saatgutproduktion unbrauchbar macht. Zudem führt ein früher Befall an Stängeln und Hülsen zu vorzeitiger Abreife und Ertragsverlusten von bis zu 30 % in anfälligen Sorten unter epidemischen Bedingungen.
In Mitteleuropa gewinnt der Erreger mit der Ausweitung des Sojaanbaus zunehmend an Bedeutung. Da der Pilz sowohl saprophytisch auf Ernterückständen überdauern als auch latent in der Kultur wachsen kann, wird er oft erst spät in der Saison sichtbar, was eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung erschwert.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert hauptsächlich als Myzel oder in Form von Perithezien und Pyknidien auf infizierten Ernterückständen im Boden oder direkt im infizierten Saatgut. Im Frühjahr dienen Ascosporen und Konidien, die bei feuchter Witterung aus den Fruchtkörpern ausgestoßen werden, als Primärinfektionsquelle für die junge Kultur. Die Infektion erfolgt meist unbemerkt bereits in frühen BBCH-Stadien über Spaltöffnungen oder Wunden, woraufhin der Pilz zunächst latent und symptomlos im Gewebe wächst. Erst mit dem Einsetzen der Seneszenz der Kultur, meist ab der Hülsenentwicklung (BBCH 70) bis zur Reife (BBCH 80), breitet sich das Myzel rasant aus und bildet die charakteristischen schwarzen Pyknidien in Reihen auf den Stängeln und Hülsen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Beginn der Blüte (BBCH 60) bis zur späten Hülsenfüllung (BBCH 79) durchgeführt werden. Da der Schaderreger während der vegetativen Phase oft symptomlos bleibt, ist die Beobachtung der Witterungsverhältnisse das wichtigste Werkzeug zur Risikobewertung: Häufige Niederschläge und Temperaturen zwischen 20 °C und 25 °C in diesen BBCH-Stadien erhöhen das Infektionsrisiko drastisch. Eine gezielte visuelle Bonitur auf erste punktförmige, schwarze Fruchtkörper (Pyknidien) an den unteren Stängelknoten und abfallenden Blättern liefert ab BBCH 75 wichtige Hinweise auf das Befallsgeschehen. Schadschwellen im klassischen Sinne existieren nicht; die Entscheidung für eine Behandlung basiert primär auf der Vorfrucht (Sojabohne auf Sojabohne), der Sortenanfälligkeit und der Niederschlagsprognose während der Blüte und Hülsenbildung.
Symptome
Das auffälligste Feldmerkmal sind die in charakteristischen, linearen Reihen angeordneten, winzigen schwarzen Punkte (Pyknidien) auf den abgestorbenen Stängeln und Hülsen im späten BBCH-Stadium (ab BBCH 80). Bei frühem Befall zeigen sich rötlich-braune bis graue Verfärbungen an den Stängelknoten und den Hülsenventilen. Befallene Hülsen reifen vorzeitig ab, verfärben sich dunkel und enthalten oft verkümmerte, runzlige Samen, die teilweise mit einem dichten, weißen Pilzmyzel überzogen sind. Die Stängel infizierter Kulturen können zudem eine erhöhte Brüchigkeit aufweisen, was zu vorzeitigem Lager führt.
Integriertes Management
Die Bekämpfung von Diaporthe sojae erfordert ein integriertes Konzept, das auf vorbeugenden ackerbaulichen Maßnahmen basiert. Die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut und eine weite Fruchtfolge (mindestens zwei bis drei Jahre Anbaupause für Soja) sind essenziell, um den Infektionsdruck zu senken. Ernterückstände sollten durch eine sorgfältige Bodenbearbeitung tief untergepflügt werden, um die Sporenfreisetzung im Frühjahr zu minimieren. Chemische Pflanzenschutzmittel können bei hohem Infektionsdruck und feuchter Witterung in den BBCH-Stadien 65 bis 75 (Vollblüte bis Hülsenentwicklung) eingesetzt werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel oder Kombination von Strobilurinen (FRAC 11) und Triazolen (FRAC 3)) zwingend einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie kann ich im Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen die Hülsen- und Stängelfäule suchen?
Nutze im Hub die Filtersuche und gib den EPPO-Code DIAPPS oder den wissenschaftlichen Namen Diaporthe sojae ein. Filtere anschließend nach deiner Region und der Kultur Sojabohne, um alle aktuell für diese Anwendung registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge und Wartezeit übersichtlich anzeigen zu lassen.
Warum ist eine Fungizidbehandlung nach dem BBCH-Stadium 75 oft nicht mehr wirtschaftlich?
Sobald die Kultur das Stadium der späten Hülsenfüllung (BBCH 79) überschritten hat, ist der Pilz meist schon tief in das Gewebe und die Samen eingedrungen. Späte Anwendungen können den bereits entstandenen Schaden an den Samen nicht mehr rückgängig machen und bergen das Risiko, dass die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit bis zur Ernte nicht mehr eingehalten werden kann.
Welchen Einfluss hat die Ernteverzögerung auf den Befall durch diesen Schaderreger?
Eine verzögerte Ernte bei feuchter Witterung im Herbst führt zu einer massiven Ausbreitung des Pilzes von den Hülsen auf die Samen. Wenn du die Sojabohnen so bald wie möglich nach Erreichen der Druschreife erntest, kannst du die Infektionsrate der Samen und somit den Qualitätsverlust drastisch minimieren.
Kann ich infiziertes Erntegut im nächsten Jahr als Hofsaatgut verwenden?
Davon ist dringend abzuraten. Da Diaporthe sojae stark samenübertragbar ist, führt die Verwendung von infiziertem Saatgut zu schlechten Feldaufgängen, Triebkraftverlusten und einer frühen Einschleppung des Schaderregers in die neue Kultur. Lass dein Saatgut im Zweifel immer im Labor auf den Befallsgrad untersuchen.
Wie unterscheidet sich das Schadbild von Diaporthe sojae von anderen Stängelkrankheiten wie Sclerotinia?
Während Sclerotinia sclerotiorum große, unregelmäßige weiße Myzelmatten und dicke, schwarze Dauerstufen (Sklerotien) im Inneren des Stängels bildet, zeigt Diaporthe sojae sehr kleine, punktförmige Pyknidien, die streng linienförmig auf der Stängeloberfläche angeordnet sind. Zudem fehlt bei Diaporthe das typische watteartige Außenmyzel.
Welche Rolle spielen Unkräuter bei der Übertragung und Aufrechterhaltung des Infektionszyklus?
Einige breitblättrige Unkräuter (wie z. B. Samtpappel oder verschiedene Knöterich-Arten) können als symptomlose Zwischenwirte für den Schaderreger dienen. Eine konsequente Unkrautregulierung in der Kultur und auf den Feldrainen hilft dir daher, potenzielle Infektionsquellen außerhalb der Sojakultur zu minimieren.