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Kultur

Sojabohne

Glycine max
GLXMA

Die Sojabohne (Glycine max, EPPO-Code: GLXMA) hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe im mitteleuropäischen Ackerbau entwickelt. Als wärmeliebende Leguminose stellt die Kultur besondere Ansprüche an das Mikroklima und die Bodentemperatur zur Aussaat, bietet jedoch durch ihre Fähigkeit zur biologischen Stickstofffixierung mittels Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium japonicum) erhebliche pflanzenbauliche Vorteile in der Fruchtfolge.

Für einen erfolgreichen Anbau in Deutschland sind die Wahl der passenden Reifegruppe (hauptsächlich 000- und 00-Sorten) sowie eine sorgfältige Impfung des Saatguts entscheidend, insbesondere auf Flächen, auf denen zuvor noch keine Soja kultiviert wurde. Die Kultur zeichnet sich durch eine langsame Jugendentwicklung aus, was sie in den frühen BBCH-Stadien besonders konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern macht und ein konsequentes, vorausschauendes Unkrautmanagement erfordert.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte April bis Mitte Mai (Bodentemperatur ab 10–12 °C)
Erntefenster
September bis Oktober
Reihenabstand
15–45 cm (je nach Unkrautregulierung mechanisch/chemisch)
Typischer Ertrag
2,5–3,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1950
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Die Sojabohne bevorzugt tiefgründige, gut erwärmbare Böden mit einer stabilen Struktur und guter Wasserführung, da Staunässe die Knöllchenentwicklung massiv beeinträchtigt. Eine sorgfältige Saatbettbereitung ist entscheidend, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern, wobei grobe Kluten und tiefe Fahrspuren vermieden werden sollten. Da die Kultur ihren Stickstoffbedarf über die Symbiose mit Bradyrhizobium japonicum deckt, ist eine mineralische Stickstoffdüngung in der Regel kontraproduktiv und hemmt die Knöllchenbildung. Eine ausreichende Versorgung mit Phosphor, Kalium und insbesondere Magnesium sowie Schwefel muss jedoch über die Grunddüngung sichergestellt werden. Kalkungsmaßnahmen zur Stabilisierung des pH-Werts im schwach sauren bis neutralen Bereich fördern nicht nur die Nährstoffverfügbarkeit, sondern auch die Aktivität der Knöllchenbakterien.

Schaderreger-Management

Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung der Kultur liegt der Fokus im Pflanzenschutz primär auf der Unkrautregulierung im Vorauflauf sowie im frühen Nachauflauf (BBCH 12–14). Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum (Sklerotinia-Stängelfäule) stellen insbesondere in engen, feuchten Fruchtfolgen mit hohem Raps- oder Sonnenblumenanteil ein erhebliches Risiko dar und erfordern weite Anbaupausen von mindestens 3–4 Jahren. Gegen tierische Schädlinge wie die Distelfalterraupe oder den Blattrandkäfer sind regelmäßige Feldkontrollen ab dem Auflaufen ratsam, wobei Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln nur bei Überschreiten der Schadschwellen erfolgen sollten. Zur Vermeidung von Spätinfektionen durch Botrytis cinerea oder andere Pilze ist zudem auf eine optimale Bestandsdichte und eine gleichmäßige Abreife zu achten.

Sorten

Merlin

Sehr früh (000)

Stabil mittelhoch (ca. 2,8–3,2 t/ha)

Resistent gegen: Kälte, Lagerung

Anfällig für: Trockenstress

Hervorragende Jugendentwicklung und sehr gute Standfestigkeit, ideal für kühlere Randlagen des Sojaanbaus.

Obelix

Sehr früh (000)

Hoch (ca. 3,0–3,4 t/ha)

Resistent gegen: Lagerung, Sklerotinia

Anfällig für: Spätfröste

Sehr rasche Jugendentwicklung und gleichmäßige Abreife. Eignet sich hervorragend für den Speisesojabereich dank heller Nabel.

ES Mentor

Früh bis mittelfrüh (00/000)

Sehr hoch (ca. 3,2–3,6 t/ha)

Resistent gegen: Lagerung, Hülsenplatzen

Anfällig für: Kühle Standorte

Die langjährige Referenzsorte im Ertrag. Benötigt jedoch für eine sichere Abreife etwas wärmere Lagen.

RGT Sirelia

Sehr früh bis früh (000)

Mittelhoch bis hoch (ca. 2,9–3,3 t/ha)

Resistent gegen: Lagerung, Viren

Anfällig für: Sklerotinia

Besonders hoher Proteingehalt, weshalb sie bevorzugt für die Humanernährung (Tofu-Herstellung) kontrahiert wird.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich der Erfolg der Rhizobien-Impfung im Feld überprüfen und wann ist der optimale Zeitpunkt dafür?

Der Erfolg der Impfung kann ab dem BBCH-Stadium 13 bis 15 (3. bis 5. Laubblatt) kontrolliert werden. Graben Sie vorsichtig einige repräsentative Pflanzen samt Wurzelballen aus und spülen Sie diese vorsichtig ab. Gut funktionierende Knöllchen sind im Inneren intensiv rosa bis rötlich gefärbt (verursacht durch das sauerstoffübertragende Protein Leghämoglobin). Sind die Knöllchen innen weiß oder grünlich, findet keine aktive Stickstofffixierung statt, was meist auf mangelnde Bodenfeuchte, einen zu sauren pH-Wert oder fehlerhafte Impfstoff-Applikation zurückzuführen ist.

Welche mechanischen Maßnahmen zur Unkrautregulierung sind in der Soja etabliert und worauf ist zu achten?

Das Blindstriegeln ca. 3–5 Tage nach der Saat ist hochwirksam, darf aber keinesfalls während des Durchstoßens der Keimlinge (BBCH 09) erfolgen, da die Keimsprosse extrem brüchig sind. Ab dem BBCH-Stadium 12 (erstes echtes Laubblattpaar entfaltet) kann der Striegel wieder vorsichtig eingesetzt werden. Ab BBCH 13 bis zum Reihenschluss ist das Hacken zwischen den Reihen die effektivste Methode, um Unkräuter wie Chenopodium album mechanisch zu regulieren.

Wie beeinflusst eine Spätverunkrautung die Erntequalität und welche Gegenmaßnahmen sind zulässig?

Spätverunkrautung mit Arten wie Solanum nigrum (Schwarzer Nachtschatten) führt bei der Ernte zu feuchtem Erntegut und verschmutzt die Sojabohnen durch klebrigen Saft, was den Proteingehalt mindert und zu erheblichen Abzügen führt. Da Spätbehandlungen mit Herbiziden kurz vor der Ernte (Sikkation) in Deutschland extrem restriktiv geregelt und oft nicht zugelassen sind, muss die Unkrautregulierung konsequent im frühen Nachauflauf abgeschlossen sein. Eine mechanische Spätunkrautbekämpfung ist nur bis zum Reihenschluss ohne Schädigung der Kultur möglich.

Warum ist die Schnitthöhe des Mähdreschers bei der Sojaernte von so entscheidender Bedeutung?

Die untersten Hülsen der Sojabohne setzen oft sehr tief am Stängel an (teilweise nur 5–10 cm über dem Boden). Wird die Schnitthöhe des Schneidwerks nicht extrem tief eingestellt (idealerweise unter Verwendung eines flexiblen Flex-Schneidwerks), verbleiben diese ertragsstarken Hülsen auf dem Feld. Jeder Zentimeter zu hohe Schnitteinstellung kann zu Ernteverlusten von über 100 kg/ha führen.

Wie reagiert die Sojabohne auf Trockenstress während der Blüte (BBCH 60–69) und welche Konsequenzen hat dies?

Trockenstress während der Blütezeit führt zu einem massiven Abwurf von Blüten und jungen Hülsenansätzen. Da Soja eine indeterminate bzw. teil-determinate Wuchsform besitzt, kann sie moderaten Stress durch eine verlängerte Blütezeit kompensieren, sofern danach Niederschläge fallen. Anhaltende Trockenheit in dieser Phase reduziert jedoch die Kornzahl pro Hülse und das Tausendkorngewicht (TKG) drastisch, weshalb auf beregnungsfähigen Standorten eine Zusatzwassergabe in dieser Phase hochgradig wirtschaftlich ist.