Sojabohne
Die Sojabohne (Glycine max, EPPO-Code: GLXMA) hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe im mitteleuropäischen Ackerbau entwickelt. Als wärmeliebende Leguminose stellt diese Kultur besondere Ansprüche an das Mikroklima und den Boden, bietet jedoch als wertvolle Proteinquelle und stickstofffixierende Vorfrucht erhebliche pflanzenbauliche Vorteile in der Fruchtfolge. Der Anbau konzentriert sich traditionell auf klimatisch begünstigte Regionen, breitet sich dank züchterischer Fortschritte bei frühreifen Sorten aber zunehmend auch in nördlichere Lagen aus.
Für einen erfolgreichen Anbau sind eine sorgfältige Standortwahl und die Beachtung der Keimtemperaturen entscheidend. Da die Kultur in Symbiose mit Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium japonicum) lebt, ist eine fachgerechte Impfung des Saatguts (Inokulation) insbesondere auf Flächen ohne historischen Sojaanbau zwingend erforderlich, um die Stickstofffixierung und damit den Ertrag abzusichern.
Bodenmanagement
Die Sojabohne benötigt für eine rasche Jugendentwicklung ein tiefgründiges, gut abgesetztes und feinkrümeliges Saatbett mit optimalem Bodenschluss. Da die Kultur sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagiert, solltest du strukturschonende Bodenbearbeitungsverfahren bevorzugen. Eine Kalkung zur Stabilisierung des pH-Werts im neutralen Bereich ist besonders wichtig, da die Aktivität der Knöllchenbakterien bei sauren Bedingungen stark gehemmt wird. Auf Standorten mit Verschlämmungsneigung ist Vorsicht geboten, da verkrustete Böden den Keimling beim Durchstoßen der Oberfläche stark behindern. Eine moderate Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sichert den hohen Bedarf während der Hülsenfüllung, während auf eine Stickstoffdüngung aufgrund der Symbiose in der Regel vollständig verzichtet werden kann.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz in dieser Kultur konzentriert sich vor allem auf eine konsequente Unkrautregulierung in der kritischen frühen Entwicklungsphase bis zum Reihenschluss. Da die Kultur anfangs nur langsam wächst, können Schaderreger wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) oder die Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli) die Bestände schnell überwachsen. Hierzu stehen dir sowohl mechanische Verfahren wie Hacken und Striegeln als auch chemische Pflanzenschutzmittel im Vor- und Nachauflauf zur Verfügung. Unter den Pilzkrankheiten stellt die Weißstängeligkeit (Sclerotinia sclerotiorum) das größte Risiko dar, weshalb du weite Fruchtfolgen einhalten solltest. Bei feucht-warmer Witterung während der Blüte kann zudem Grauschimmel (Botrytis cinerea) auftreten, was eine gezielte Überwachung der Bestände erfordert.
Sorten
Merlin
Sehr früh (000)Konstant stabile Erträge im frühen Segment.
Resistent gegen: Kälte, Lagerung
Anfällig für: Sclerotinia
Sehr beliebte, extrem frühreife Sorte mit hervorragender Jugendentwicklung und hoher Ertragssicherheit auch in kühleren Lagen.
Obelix
Sehr früh (000)Hohes Ertragspotenzial für ein sehr frühes Reifesegment.
Resistent gegen: Lagerung, Schotenplatzen
Anfällig für: Sclerotinia
Sehr standfeste Sorte mit rascher Jugendentwicklung, die sich besonders gut für die mechanische Unkrautregulierung eignet.
ES Mentor
Früh (00)Sehr hohes Ertragspotenzial in wärmeren Lagen.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Spätfrost
Ein bewährter Klassiker im zweifach nuller Segment mit hohem Tausendkorngewicht und sehr gutem Proteingehalt.
RGT Sirelia
Sehr früh (000)Hohe und sehr konstante Erträge im Hauptanbaugebiet.
Resistent gegen: Viren
Anfällig für: Trockenstress
Ausgewogene Sorte mit hoher Kornqualität und guter Toleranz gegenüber kühleren Witterungsphasen während der Blüte.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie erkennst du, ob die Inokulation mit Knöllchenbakterien erfolgreich war?
Etwa drei bis vier Wochen nach dem Auflaufen (ab BBCH-Stadium 13) kannst du vorsichtig einige Kulturpflanzen mitsamt der Wurzel ausgraben. Schneide die Knöllchen auf: Sind sie im Inneren intensiv rosa bis rötlich gefärbt, arbeitet das Protein Leghämoglobin aktiv und die Stickstofffixierung läuft. Weiße oder grüne Knöllchen sind dagegen inaktiv.
Worauf musst du bei der mechanischen Unkrautregulierung mit dem Striegel achten?
Der Blindstriegel vor dem Auflaufen ist sehr effektiv, erfordert aber eine präzise Tiefenführung. Nach dem Auflaufen darfst du erst wieder striegeln, wenn die Kultur das erste echte Laubblattpaar voll entwickelt hat (BBCH 12–13). Striegele bevorzugt in den warmen Nachmittagsstunden, da die Pflanzen dann elastischer sind und weniger leicht brechen.
Welche Fruchtfolgerestriktionen solltest du zur Vermeidung von Sclerotinia beachten?
Da der Schaderreger Sclerotinia sclerotiorum ein sehr breites Wirtsspektrum hat, solltest du einen Mindestabstand von 3 bis 4 Jahren zu anderen anfälligen Kulturen wie Raps, Sonnenblumen, Erbsen oder Kartoffeln einhalten. Ein zu enger Anbau dieser Kulturen in der Fruchtfolge erhöht das Infektionsrisiko drastisch.
Wie reagiert die Sojabohne auf Spätfröste und ab wann wird es kritisch?
Junge Pflanzen tolerieren kurzzeitige Fröste bis etwa -2 °C relativ gut. Wird es kälter oder hält der Frost länger an, drohen irreversible Schäden an den Keimblättern und dem Vegetationskegel. Warte mit der Aussaat daher unbedingt, bis die Bodentemperatur dauerhaft über 10–12 °C liegt.
Wie findest du im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Hirse in Soja?
Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach der Kultur 'Sojabohne' und dem Schaderreger 'Hühnerhirse' (ECHCG). Das System zeigt dir direkt alle aktuell beim BVL registrierten Herbizide inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und einzuhaltenden Wartezeiten an.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt und wie stellst du den Mähdrescher ein?
Die Erntereife (BBCH 99) ist erreicht, wenn die Blätter vollständig abgefallen sind und die Körner in den Hülsen beim Schütteln rascheln. Die Kornfeuchte sollte idealerweise zwischen 13 % und 16 % liegen. Stelle das Schneidwerk extrem tief ein, da die untersten Hülsen sehr bodennah wachsen, und reduziere die Trommeldrehzahl, um mechanische Beschädigungen (Halbkorn) zu vermeiden.