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Kultur

Einjähriges Bingelkraut

Mercurialis annua
MERAN

Das Einjährige Bingelkraut (Mercurialis annua, EPPO-Code: MERAN) ist ein einjähriges, zweihäusiges Unkraut aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Es tritt vor allem auf nährstoffreichen, humosen und kalkhaltigen Lehmböden auf und ist ein typischer Vertreter der Ruderalflora sowie ein konkurrenzstarkes Ackerunkraut in Hackfrüchten und Gemüsekulturen.

Die wirtschaftliche Relevanz von Mercurialis annua hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, insbesondere im Rübenanbau (Zuckerrübe, Beta vulgaris). Aufgrund seiner hohen Konkurrenzkraft um Licht, Wasser und Nährstoffe kann ein starker Besatz zu erheblichen Ertragsverlusten führen. Zudem erschweren die späte Keimung und das schnelle vegetative Wachstum die mechanische und chemische Regulierung im Nachauflauf.

Neben Zuckerrüben tritt der Schaderreger auch in Mais, Kartoffeln und verschiedenen Gemüsekulturen störend auf. Seine Anpassungsfähigkeit an milde Winter und feuchte Sommer begünstigt die Ausbreitung in ganz Mitteleuropa, wo es sich zunehmend auf intensiv bewirtschafteten Ackerflächen etabliert.

Typ
Kultur
EPPO-Code
MERAN
Wirte
1 Kultur
Generationen
1–2 Generationen pro Saison
Verbreitung
Das Einjährige Bingelkraut ist in ganz Europa, Nordafrika und Teilen Asiens weit verbreitet und verursacht insbesondere in den intensiven Rübenanbauregionen Mitteleuropas erhebliche ökonomische Schäden durch Ertragsminderungen und Ernteerschwernisse.

Biologie / Lebenszyklus

Die Keimung von *Mercurialis annua* erfolgt vorwiegend im Frühjahr und Sommer bei Bodentemperaturen ab etwa 10–12 °C, wobei es sich um einen typischen Licht- und Wärmekeimer handelt. Nach dem raschen Auflaufen entwickeln sich die Pflanzen zügig und können bereits wenige Wochen nach der Keimung blühen. Da die Art zweihäusig ist, erfolgt die Bestäubung wind- oder insekteninduziert, woraufhin die weiblichen Pflanzen zahlreiche kapselförmige Früchte ausbilden. Ein einzelnes Exemplar kann bis zu 1.000 Samen produzieren, die im Boden eine extrem hohe Überdauerungsfähigkeit von mehreren Jahren aufweisen. Der Lebenszyklus schließt sich im Herbst mit dem Absterben der adulten Pflanzen beim ersten Frost, während die Samen im Boden auf die nächste Erwärmung im Frühjahr warten.

Bonitur

Das Monitoring im Feld sollte frühzeitig beginnen, insbesondere ab dem Auflaufen der Hauptkulturen wie der Zuckerrübe (BBCH-Stadium 10 bis 19). Da das Einjährige Bingelkraut ein Spätkeimer ist, sind regelmäßige Feldbegehungen bis zum Reihenschluss der Kultur (BBCH 39) unerlässlich. Eine wirtschaftliche Schadensschwelle liegt in Zuckerrüben bei etwa 1 bis 2 Pflanzen pro Quadratmeter, da bereits geringe Dichten die Erntemaschinen verstopfen und den Ertrag mindern können. Die Erfassung erfolgt idealerweise diagonal im Schlag an mehreren repräsentativen Zählpunkten, um Nesterbildungen rechtzeitig zu erkennen und gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen einzuleiten.

Integriertes Management

Ein integriertes Management von *Mercurialis annua* setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen, mechanischen und chemischen Maßnahmen. Eine weite Fruchtfolge mit einem hohen Anteil an Wintergetreide unterdrückt den wärmeliebenden Schaderreger effektiv durch Beschattung. Mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im sehr frühen Keimblattstadium oder das Hacken zwischen den Reihen im späteren Verlauf zeigen gute Wirkungsgrade. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Nachauflauf ist auf die richtige Terminierung zu achten; die Anwendungen sollten stattfinden, solange sich das Unkraut noch im Keimblatt- bis maximal Laubblattstadium befindet. Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den HRAC-Richtlinien erforderlich, bei dem Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (z. B. Kombinationen aus HRAC-Gruppe 5, 15 und 27) abgewechselt oder kombiniert werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum ist das Einjährige Bingelkraut im Nachauflauf so schwer zu bekämpfen?

Die Schwierigkeit liegt in der gestaffelten Keimung über einen langen Zeitraum im Frühjahr und Sommer. Da viele Keimwellen erst nach den standardmäßigen Herbizidbehandlungen auflaufen, entgehen sie oft der ersten Spritzfolge und müssen durch gezielte Spätanwendungen erfasst werden.

Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung von Mercurialis annua?

Da die Samen Lichtkeimer sind, fördert eine flache, ganzflächige Bodenbearbeitung im Frühjahr das Auflaufen, sodass die Keimlinge anschließend mechanisch reguliert werden können. Eine tiefe Pflugfurche verlagert die langlebigen Samen in tiefere Schichten, wo sie jedoch jahrelang überdauern und bei erneuter Wendung wieder keimen können.

Wie kann ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach zugelassenen Mitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und suchen Sie nach dem EPPO-Code „MERAN“ oder dem deutschen Namen „Einjähriges Bingelkraut“. Filtern Sie anschließend nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Zuckerrübe) und dem gewünschten Anwendungszeitraum (Vor- oder Nachauflauf), um registrierte Pflanzenschutzmittel mit den aktuellen Zulassungsauflagen und Aufwandmengen anzuzeigen.

Gibt es bekannte Resistenzen bei Mercurialis annua gegenüber Herbiziden?

Bislang sind in Mitteleuropa keine flächendeckenden Resistenzen dokumentiert. Allerdings erfordert das wiederholte Auftreten in intensiv behandelten Kulturen ein striktes HRAC-Resistenzmanagement, insbesondere durch den Wechsel von Wirkstoffen und die Vermeidung von Monotherapien mit ALS-Hemmern.

Welchen Einfluss hat die Witterung auf die Schadwirkung und das Wachstum des Unkrauts?

Das Einjährige Bingelkraut ist extrem wärmeliebend und profitiert von feucht-warmen Sommern. Unter diesen Bedingungen wächst es rasant, überholt die Kultur im BBCH-Stadium 30–39 und bildet innerhalb kürzester Zeit eine dichte Beschattung aus, die zu massiven Ertragsverlusten führt.

Kann das Einjährige Bingelkraut auch als Wirtspflanze für andere Schaderreger dienen?

Ja, *Mercurialis annua* ist als Wirt für verschiedene Viren (wie das Rübenmosaikvirus) und pflanzenpathogene Pilze bekannt. Seine Präsenz im und am Feldrand kann daher als Infektionsquelle für die Hauptkulturen dienen, was eine konsequente Feldhygiene umso wichtiger macht.