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Kultur

Zuckerrübe

Beta vulgaris subsp. vulgaris var. altissima
BEAVA

Die Zuckerrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. altissima, EPPO-Code: BEAVA) ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten landwirtschaftlichen Kulturen in Mitteleuropa und dient als Hauptquelle für die heimische Zuckerproduktion. Als zweijährige Kultur, die im landwirtschaftlichen Anbau einjährig zur reinen vegetativen Nutzung kultiviert wird, stellt sie extrem hohe Anforderungen an die Bodenstruktur, die Nährstoffversorgung und eine ausgeglichene Wasserverfügbarkeit.

Der Erfolg im Zuckerrübenanbau basiert auf einer präzisen Bestandsführung von der Saat bis zur Ernte. Moderne Züchtungen zeichnen sich durch hohe bereinigte Zuckererträge sowie Resistenzen gegenüber Nematoden und pilzlichen Schaderregern aus. Dennoch erfordern der Klimawandel und der Wegfall bewährter Wirkstoffe im Pflanzenschutz innovative Strategien in der Unkrautregulierung und im integrierten Pflanzenschutz.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte März bis Mitte April
Erntefenster
Mitte September bis Dezember
Reihenabstand
45–50 cm
Typischer Ertrag
70–90 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2100
Boden-pH
6,5–7,2

Bodenmanagement

Die Zuckerrübe stellt extrem hohe Ansprüche an die physikalische Bodenbeschaffenheit und benötigt tiefgründige, gut durchlüftete Böden ohne Verdichtungen, um eine ungestörte Pfahlwurzelentwicklung zu ermöglichen. Eine sorgfältige, bodenschonende Grundbodenbearbeitung im Herbst ist die Basis für ein optimales Saatbett im Frühjahr. Die Kalkung spielt eine entscheidende Rolle, da die Kultur sehr empfindlich auf Bodenversauerung reagiert; ein pH-Wert unter 6,5 sollte auf schweren Böden unbedingt vermieden werden. Zur Vermeidung von Strukturschäden und Verdichtungen darf die Saatbettbereitung nur bei ausreichender Abtrocknung des Bodens erfolgen. Humusaufbau durch organische Düngung oder den gezielten Anbau von Zwischenfrüchten (wie nematodenresistentem Gelbsenf) verbessert das Wasserhaltevermögen und die Nährstoffdynamik nachhaltig.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz bei Zuckerrüben fokussiert sich stark auf die Bekämpfung von Unkräutern im frühen Nachauflauf sowie auf das Monitoring von Blattkrankheiten. Da die Kultur in der Jugendphase extrem konkurrenzschwach ist, sind meist mehrere gezielte Herbizid-Anwendungen im Splitting-Verfahren notwendig, um Schaderreger wie Aethusa cynapium oder Elymus repens zu kontrollieren. Gegen pilzliche Schaderreger wie Cercospora beticola (Rübenblattflecken) ist ein konsequentes Monitoring ab Mitte Juli unerlässlich, um beim Überschreiten der Schadschwellen rechtzeitig Fungizide einzusetzen. Um Resistenzen vorzubeugen, müssen Wirkstoffklassen bei den Behandlungen konsequent rotiert werden. Zudem gewinnt die mechanische Unkrautregulierung mittels Hacktechnik zunehmend an Bedeutung, um den chemischen Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren.

Sorten

BTS 2045

mittel

Sehr hoher Zuckerertrag bei stabiler Rübenfäule-Toleranz.

Resistent gegen: Cercospora beticola, Rhizoctonia solani

Anfällig für: Echter Mehltau

Eine bewährte doppelresistente Sorte, die sich besonders für Standorte mit hohem Befallsdruck durch Rhizoctonia eignet.

Hannibal

mittelspät

Hervorragender Rübenertrag mit hohem Zuckergehalt.

Resistent gegen: Rübenzystennematoden

Anfällig für: Cercospora beticola

Nematodentolerante Sorte mit sehr zügiger Jugendentwicklung und gutem Blattgesundheitspotenzial.

Julietta

mittel

Gute, ertragsstabile Leistung im Conviso-System.

Resistent gegen: Rizomania

Anfällig für: Cercospora beticola

ALS-herbizidtolerante Sorte (Smart System), die eine hochflexible Unkrautbekämpfung ermöglicht.

Vasco

früh bis mittel

Sehr hoher Zuckergehalt bei mittlerem Rübenertrag.

Resistent gegen: Rizomania

Anfällig für: Rhizoctonia solani

Besonders geeignet für die frühe Rodung aufgrund der schnellen Zuckerakkumulation im Spätsommer.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie funktioniert das Schadschwellenprinzip bei der Bekämpfung von Cercospora beticola?

Die Bekämpfung richtet sich nach dem Prozentsatz befallener Blätter im Bestand. Bis Ende Juli liegt die Schadschwelle bei 5 % befallener Blätter (ermittelt durch die Bonitur von 100 Blättern im Feld), steigt im August auf 15 % und ab September auf 40 %. Erst bei Überschreitung dieser Schwellen ist der gezielte Einsatz eines Fungizids wirtschaftlich und fachlich gerechtfertigt.

Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium 39 für den Pflanzenschutz in Zuckerrüben?

Das BBCH-Stadium 39 markiert den vollständigen Reihenschluss, bei dem sich die Blätter der Nachbarreihen berühren. Ab diesem Zeitpunkt ist eine mechanische Unkrautbekämpfung mittels Hacktechnik kaum noch ohne Beschädigung der Kultur möglich, und das feuchtere Mikroklima im Bestand erhöht das Infektionsrisiko für Blattkrankheiten drastisch.

Wie kann das Risiko von Spätverunkrautung nach dem Reihenschluss minimiert werden?

Spätkeimende Unkräuter wie der Gemeine Stechapfel oder Melden können den Ernteprozess massiv behindern. Eine gezielte Spätbehandlung mit bodenwirksamen Herbiziden kurz vor dem Reihenschluss (BBCH 35–39) oder der präzise Einsatz von Hackgeräten mit Fingerhacken in späten Stadien verhindert das Auflaufen dieser Schaderreger effektiv.

Was ist bei der Anwendung von ALS-Hemmern im CONVISO® SMART-System zu beachten?

Dieses System darf ausschließlich auf dafür zertifizierten Zuckerrübensorten angewendet werden, da konventionelle Sorten bei Kontakt mit dem spezifischen Herbizid absterben. Zudem ist ein striktes Resistenzmanagement einzuhalten, um die Selektion resistenter Unkrautbiotypen (insbesondere beim Weißen Gänsefuß) zu verhindern.

Wie beeinflusst eine späte Stickstoffdüngung die Qualität der Zuckerrübe?

Eine zu späte oder überhöhte Stickstoffgabe im Sommer verlängert das Blattwachstum auf Kosten der Zuckereinlagerung in den Rübenkörper. Dies führt zu einem niedrigeren Zuckergehalt und erhöht den Gehalt an schädlichem Alpha-Amino-Stickstoff, was die Zuckerausbeute in der Zuckerfabrik massiv verschlechtert.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Rübenrüssler?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Zuckerrübe' sowie dem Schaderreger 'Rübenrüssler'. Achten Sie besonders auf die aktuellen Notfallzulassungen nach Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009, da die Zulassungssituation bei Insektiziden in dieser Kultur hochdynamisch ist.