Erdmaus
Die Erdmaus (Microtus agrestis, EPPO-Code: MICRAG) ist ein forst- und landwirtschaftlich bedeutender Schaderreger aus der Familie der Wühlmäuse. Im Gegensatz zur Feldmaus bevorzugt dieser Schädling feuchtere, humusreiche Standorte mit dichter, hoher Krautvegetation, wie sie häufig in Jungwaldflächen, Forstkulturen, Baumschulen und an Grabenrändern zu finden sind.
Wirtschaftliche Schäden entstehen vor allem im Winter und zeitigen Frühjahr, wenn die natürliche Nahrung knapp wird. Die Erdmaus benagt dann die Rinde junger Laub- und Nadelgehölze knapp über dem Erdboden oder unter der Schneedecke. Dies kann zum Ringeln der Stämme und damit zum Absterben ganzer Kulturen führen, was insbesondere in der Forstwirtschaft und im Sonderkulturanbau erhebliche finanzielle Einbußen verursacht.
Biologie / Lebenszyklus
Die Fortpflanzungsperiode der Erdmaus erstreckt sich meist von März bis Oktober, kann sich jedoch in milden Wintern fast ganzjährig fortsetzen. Ein Weibchen bringt pro Jahr 3 bis 5 Würfe mit jeweils 4 bis 7 Jungen zur Welt, was bei günstiger Witterung und gutem Nahrungsangebot zu einer explosionsartigen Vermehrung führt. Die Jungtiere sind bereits nach wenigen Wochen geschlechtsreif. Die Aktivität verlagert sich im Winter unter die Schneedecke, wo die Tiere geschützt vor Fressfeinden intensive Fraßschäden an der Rinde der Gehölze verursachen. Die Populationsdichte unterliegt zyklischen Schwankungen, die alle 3 bis 5 Jahre in einer Massenvermehrung gipfeln.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring ist besonders im Spätsommer und Herbst (vor dem ersten Schneefall) entscheidend, um das Schadpotenzial für den Winter abzuschätzen. Zur Befallsermittlung nutzt du die sogenannte Lochtretmethode auf repräsentativen Probeflächen: Dabei trittst du vorhandene Erdlöcher zu und kontrollierst nach 24 Stunden, wie viele Löcher wieder geöffnet wurden (Wiederbelegungsquote). Ergänzend hilft das Auslegen von ungiftigen Ködern oder das Absuchen nach frischen Kotplätzen und typischen oberirdischen Laufgängen in der Krautschicht. Bei einer Wiederbelegungsquote von über 30–40 % oder bei Erreichen der regionalen Schadensschwellen in gefährdeten Kulturen solltest du umgehend Gegenmaßnahmen einleiten.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind oberirdische, gut getarnte Laufgänge (Wechsel) in dichter Vegetation sowie flache, weitgehend offene Erdlöcher ohne große Erdhaufen (im Gegensatz zur Schermaus). An den betroffenen Kulturen zeigen sich bodennahe, unregelmäßige Fraßspuren an der Rinde, oft mit deutlich sichtbaren, paarigen Rillen der Nagezähne. Bei starkem Befall wird der Stamm komplett geringelt, was im Frühjahr zu Welke, Vergilbung der Nadeln oder Blätter und schließlich zum Absterben der Gehölze führt. Unter einer Schneedecke können diese Schäden auch bis in eine Höhe von 20–30 cm am Stamm hinaufreichen.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt primär auf vorbeugende, kulturtechnische Maßnahmen. Dazu gehört das Kurzhalten der Begleitvegetation durch regelmäßiges Mähen oder Mulchen, um den Tieren den Sichtschutz vor natürlichen Feinden zu nehmen. Die Förderung von Greifvögeln und Mauswieseln durch das Aufstellen von Sitzkrücken (Sitzstangen) und Steinhaufen ist eine hochwirksame biologische Maßnahme. Ist die Schadensschwelle überschritten, können zugelassene Pflanzenschutzmittel (Rodentizide auf Basis von Zinkphosphid) als verdeckte Köder in den Gängen oder in speziellen Köderstationen ausgebracht werden. Achte bei der Anwendung streng auf den Anwenderschutz und die Schonung von Nichtzielorganismen gemäß den aktuellen Zulassungsbestimmungen.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheide ich die Schäden der Erdmaus von denen der Feldmaus oder Schermaus?
Die Erdmaus nagt im Gegensatz zur Schermaus primär oberirdisch an der Rinde und den Trieben, meist knapp über dem Boden. Ihre Erdlöcher sind flach und weisen keine oder nur sehr kleine, flache Erdhaufen auf, während die Schermaus große, unregelmäßige Erdhaufen aufwirft und Wurzeln unterirdisch abfrisst. Die Feldmaus bevorzugt offenes, trockenes Kulturland und hinterlässt ein stark verzweigtes, offenes Lochsystem, wohingegen die Erdmaus feuchtere Standorte mit dichter Krautschicht besiedelt.
Warum ist das Mulchen der Begleitvegetation im Herbst so wichtig für die Regulierung?
Durch das Mulchen oder Kurzhalten der Vegetation nimmst du der Erdmaus ihre lebensnotwendige Deckung. Ohne den Schutz von hohem Gras und Kraut sind die Tiere extrem anfällig für Beutegreifer wie Bussarde, Falken oder Wiesel. Zudem erschwert eine fehlende Krautschicht den Nestbau und reduziert das winterliche Nahrungsangebot, was die Populationsdichte vor dem Wintereinbruch drastisch senkt.
Wie finde ich im Pflanzenschutzmittel-Hub zugelassene Präparate gegen die Erdmaus?
Nutze die Filterfunktion in unserem Hub und suche gezielt nach deiner Kultur (z. B. Forstgehölze oder Baumschulen) und dem Schaderreger "Erdmaus" (oder dem EPPO-Code MICRAG). Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel darauf, ob die Anwendung nur in Köderstationen oder auch verdeckt im Einlegeverfahren direkt in die Mäuselöcher zugelassen ist, um Vögel und andere Wildtiere zu schützen.
Welche Rolle spielen Sitzkrücken für Greifvögel im integrierten Pflanzenschutz gegen Wühlmäuse?
Sitzkrücken sind ein einfacher und kostengünstiger Baustein des biologischen Pflanzenschutzes. Indem du Ansitzstangen (ca. 2–3 m hoch) in gefährdeten Kulturen aufstellst, erleichterst du Greifvögeln wie dem Turmfalken oder dem Mäusebussard die Jagd. Dies erhöht den Prädationsdruck auf die Erdmauspopulation erheblich und hilft, die Dichte unter der wirtschaftlichen Schadensschwelle zu halten.
Darf ich Rodentizid-Köder bei Frost oder Schnee ausbringen?
Davon ist dringend abzuraten. Bei geschlossener Schneedecke oder starkem Frost ist eine fachgerechte, verdeckte Ausbringung in die Gänge kaum möglich. Zudem nehmen die Mäuse die Köder bei extremer Kälte oft schlechter an, und Feuchtigkeit kann die Attraktivität und Wirksamkeit der Köder mindern. Bringe Pflanzenschutzmittel daher am besten im frostfreien Herbst bei trockener Witterung aus, sobald dein Monitoring einen kritischen Befall anzeigt.
Gibt es mechanische Schutzmaßnahmen für junge Gehölze gegen Erdmausfraß?
Ja, besonders bei wertvollen Einzelbäumen oder in kleinen Kulturen kannst du mechanische Schutzvorrichtungen wie Manschetten aus Kunststoff oder engmaschigem Drahtgeflecht um den Stammfuß anbringen. Diese müssen mindestens 30 cm hoch sein und leicht in den Boden eingegraben werden, um zu verhindern, dass die Erdmäuse den Schutz untergraben oder bei niedriger Schneedecke darüber hinweggelangen.