Erdmaus
Die Erdmaus (Microtus agrestis, EPPO-Code: MICRAG) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Nagetieren im Forstbereich sowie im Obst- und Baumschulanbau Mitteleuropas. Im Gegensatz zur Feldmaus bevorzugt diese Wühlmausart feuchtere, vergraste Habitate wie Kahlschläge, Verjüngungsflächen, Gräben und dichte Krautfluren.
Der Schaderreger verursacht erhebliche Schäden durch den Fraß an der Rinde und den Wurzeln junger Forst- und Gehölzkulturen. Besonders in den Wintermonaten, wenn alternative Nahrungsquellen knapp werden, führt der Ringelungsfraß an Laub- und Nadelgehölzen häufig zum Absterben ganzer Pflanzenbestände. Dies führt zu massiven wirtschaftlichen Verlusten bei der Wiederaufforstung und in Baumschulen.
Biologie / Lebenszyklus
Die Fortpflanzungsperiode der Erdmaus erstreckt sich meist von März bis Oktober, kann sich jedoch in milden Wintern fast ganzjährig fortsetzen. Ein Weibchen bringt pro Jahr unter günstigen Bedingungen 3 bis 4 Würfe mit jeweils 4 bis 7 Jungen zur Welt, was bei hoher Nahrungsverfügbarkeit zu einer rasanten Populationsentwicklung führt. Die Jungtiere sind bereits nach wenigen Wochen geschlechtsreif, wodurch sich die Generationen stark überlappen. Im Herbst und Winter verlagert sich die Nahrungsaufnahme aufgrund des Mangels an grüner Vegetation auf die Rinde junger Gehölze im bodennahen Bereich unter der Schneedecke.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring ist besonders im Spätsommer und Herbst vor dem Einsetzen des Winters erforderlich, um das Schadpotenzial für die Kulturen abzuschätzen. Als bewährte Methode zur Befallsermittlung dient die Lochtretmethode (Ausmessen aktiver Baue auf einer definierten Probefläche) oder das Aufstellen von Schlagfallen (Fallenfangmethode über 2–3 Tage). Eine Bekämpfungsschwelle ist in Forstkulturen bei einer Fangquote von über 10–15 % oder bei sichtbaren frischen Aktivitätszeichen auf mehr als 10 % der Fläche erreicht. Da forstliche Kulturen keine klassischen BBCH-Stadien wie einjährige Ackerkulturen durchlaufen, orientiert sich die Überwachung primär an der Vegetationsruhe (BBCH 00 der Gehölze) und dem Zusammenbrechen der krautigen Bodenvegetation im Spätherbst.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind bodennahe, unregelmäßige Fraßspuren an der Rinde von Jungbäumen, die oft knapp über dem Erdboden oder unter der Streu- und Schneedecke liegen. Im Gegensatz zum sauberen Schnitt von Kaninchen ist der Fraß der Erdmaus durch feine, paarige Zahnspuren (Nagezähne) gekennzeichnet. Befallene Kulturen zeigen im Frühjahr oft einen verzögerten Austrieb, Welkeerscheinungen oder sterben bei vollständiger Ringelung des Stammes komplett ab. Zudem sind im dichten Gras flache, oberirdische Laufgänge (sogenannte Wechsel) sowie kot- und fraßrestgefüllte Schlupflöcher ohne ausgeworfene Erdhaufen sichtbar.
Integriertes Management
Die integrierte Bekämpfung basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch steht die mechanische Vegetationsregulierung im Vordergrund: Durch regelmäßiges Mähen oder Mulchen der Fahrgassen und Baumscheiben wird der Erdmaus die schützende Deckung entzogen, was sie dem Prädationsdruck durch Greifvögel und Mauswiesel aussetzt. Biologisch wird die Ansiedlung dieser natürlichen Feinde durch das Aufstellen von Sitzkrücken und das Anlegen von Steinhaufen gefördert. Wenn die Schadensschwelle überschritten ist, können rodentizide Pflanzenschutzmittel (z. B. auf Basis von Zinkphosphid) als Köder verdeckt in die Mäuselöcher eingebracht werden, um Nichtzielorganismen zu schützen. Beim Einsatz von Rodentiziden ist ein striktes Resistenzmanagement zu beachten, um die Entstehung von Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffklassen zu verhindern.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Schadbild der Erdmaus von dem der Schermaus?
Während die Schermaus (Arvicola terrestris) primär unterirdisch an den Wurzeln nagt und große Erdhaufen aufwirft, schädigt die Erdmaus die Kulturen oberirdisch durch das Annagen der Rinde im bodennahen Stammbereich. Zudem wirft die Erdmaus keine Erdhaufen auf, sondern legt offene Laufgänge (Wechsel) im dichten Gras an.
Warum ist das Freihalten des Unterwuchses eine so effektive Vorbeugemaßnahme?
Erdmäuse sind extrem deckungssuchend und meiden offene Flächen, um sich vor Greifvögeln, Eulen und Füchsen zu schützen. Durch das Kurzhalten der Vegetation (z. B. durch Mulchen) entzieht man den Nagern den Lebensraum und erhöht die natürliche Sterblichkeit drastisch.
Welche gesetzlichen Vorgaben müssen bei der Anwendung von Rodentiziden beachtet werden?
In Deutschland dürfen Pflanzenschutzmittel zur Nagetierbekämpfung (Rodentizide) im Freiland in der Regel nur verdeckt ausgebracht werden. Das bedeutet, dass Köder tief in den Nagetierbauen platziert werden müssen, um eine Primär- und Sekundärvergiftung von Vögeln, Wild und Haustieren strikt zu verhindern.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Erdmaus im Hub?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach dem Schaderreger "Erdmaus" (oder dem EPPO-Code MICRAG) sowie Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Forstgehölze). Achten Sie darauf, die aktuellen Zulassungsdaten des BVL und die spezifischen Anwendungsbestimmungen (z. B. NT-Auflagen zum Schutz von Nichtzielorganismen) zu prüfen.
Spielt die Resistenzentwicklung bei der Bekämpfung der Erdmaus eine Rolle?
Ja, insbesondere beim wiederholten Einsatz von Antikoagulanzien der ersten Generation können sich resistente Populationen bilden. Um dem vorzubeugen, sollten Wirkstoffe mit unterschiedlichen Mechanismen (wie Zinkphosphid) im Wechsel eingesetzt und mechanisch-biologische Maßnahmen konsequent integriert werden.
Zu welchem Zeitpunkt im Jahr ist das Risiko für Rindenschäden an Gehölzen am höchsten?
Das Risiko steigt im Spätherbst und Winter sprunghaft an, sobald die krautige Bodenvegetation abstirbt und als Nahrungsquelle ausfällt. Liegt zudem eine geschlossene Schneedecke, sind die Erdmäuse vor Feinden geschützt und fressen intensiv an der Rinde junger Gehölze unter dem Schnee.