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Schädling

Feldhase

Lepus europaeus
LEPUEU

Der Feldhase (Lepus europaeus, EPPO-Code: LEPUEU) ist ein weit verbreiteter Wildsäuger, der in der landwirtschaftlichen Praxis insbesondere im Obst-, Wein- und Forstbau als relevanter Schaderreger auftritt. Während er in der offenen Agrarlandschaft oft als schützenswertes Wildtier gilt, kann er in Intensivkulturen erhebliche ökonomische Schäden verursachen. Besonders im Winter und zeitigen Frühjahr, wenn alternative Nahrungsquellen knapp sind, weicht der Feldhase auf die Rinde junger Gehölze, Knospen und Triebe aus. Betroffen sind vor allem Neuanlagen von Obstbäumen, Weinreben sowie forstliche Kulturen, bei denen der Verbiss zu massivem Ertragsausfall oder dem Absterben ganzer Jungpflanzen führen kann.

Typ
Schädling
EPPO-Code
LEPUEU
Wirte
1 Kultur
Generationen
3–4 Würfe pro Jahr
Verbreitung
Der Feldhase ist in ganz Europa sowie in Teilen Asiens und Nordafrikas weit verbreitet. In intensiv bewirtschafteten Sonderkulturen Mitteleuropas verursacht er lokal schwere wirtschaftliche Schäden durch den Totalverlust von Junganlagen.
Erstbeschreibung
Pallas, 1778

Biologie / Lebenszyklus

Feldhasen sind das ganze Jahr über aktiv und halten keinen Winterschlaf. Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich meist von Januar bis August, wobei eine Häsin pro Jahr 3 bis 4 Würfe mit jeweils 1 bis 5 Jungen zur Welt bringen kann. Die Jungtiere sind Nestflüchter und werden schnell selbstständig. Im Herbst und Winter rotten sich die Tiere oft in kleinen Gruppen zusammen. In dieser Zeit, besonders bei geschlossener Schneedecke, steigt der Fraßdruck auf holzige Kulturen drastisch an, da krautige Nahrung fehlt.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte vor allem ab dem Laubfall im Herbst (BBCH-Stadium 91–97) und über die gesamten Wintermonate hinweg erfolgen. Achte bei deinen Kontrollgängen besonders auf frische Nagespuren an den Stammbasen, herabgefallene Zweige mit typischen, glatten 45-Grad-Schnitten sowie Losung im Bereich der Kultur. Da es für Wirbeltiere keine klassischen Schadschwellen wie bei Insekten gibt, gilt im Intensivobstbau und in Junganlagen eine Nulltoleranz: Sobald erste Fraßspuren sichtbar werden oder die lokale Hasenpopulation hoch ist, musst du sofortige Abwehrmaßnahmen einleiten.

Symptome

Typisch für den Schadfraß des Feldhasen sind scharfkantige, wie mit einer Schere im 45-Grad-Winkel abgetrennte Triebe und Knospen an Jungpflanzen. Im Gegensatz zum unregelmäßigen Verbiss durch Schalenwild hinterlässt der Feldhase aufgrund seiner scharfen Nagezähne sehr glatte Schnittflächen. An älteren Stämmen zeigt sich Rindenfraß (Schälen) meist im bodennahen Bereich bis zu einer Höhe von etwa 60–80 cm. Dies kann zur Ringelung des Stammes führen, wodurch der Saftstrom unterbrochen wird und die betroffene Kultur abstirbt.

Integriertes Management

Die Regulierung basiert auf einem integrierten Ansatz, der mechanische, biologische und chemische Abwehrmethoden kombiniert. Der effektivste Schutz für Junganlagen ist die mechanische Barriere, wie das Anbringen von Einzelstamm-Schutzhüllen (Wuchshüllen, Manschetten) oder die Errichtung hasendichter Zäune (Maschenweite maximal 40 mm, mindestens 1 m hoch und im Boden verankert). Biologisch und chemisch können zugelassene Repellents (Vergrämungsmittel) als Pflanzenschutzmittel auf die Stämme gestrichen oder gespritzt werden, die auf Geruchs- oder Geschmackstoffen basieren. Da es sich um Wirbeltiere handelt, sind direkte Bekämpfungsmaßnahmen streng durch das Jagdrecht geregelt; stimme dich daher immer mit dem örtlichen Jagdausübungsberechtigten ab.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Hasenverbiss sicher von Rehverbiss in meiner Kultur?

Achte auf die Schnittstelle: Feldhasen besitzen scharfe Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer und schneiden Triebe glatt im 45-Grad-Winkel ab (wie mit einer Gartenschere). Rehe hingegen haben oben keine Schneidezähne, sondern eine Kauplatte; sie reißen die Triebe eher ab, was zu ausgefransten Enden führt. Zudem liegt die Verbisshöhe beim Hasen meist unter 80 cm, während Rehe auch deutlich höher fressen.

Welche gesetzlichen Vorgaben muss ich beachten, wenn ich Feldhasen von meinen Flächen fernhalten will?

Der Feldhase unterliegt dem Jagdrecht. Du darfst die Tiere weder fangen, verletzen noch töten. Zulässig und empfohlen sind ausschließlich präventive Abwehrmaßnahmen wie Zäunungen, mechanischer Einzelschutz oder die Anwendung zugelassener Repellents (Vergrämungsmittel), die als Pflanzenschutzmittel beim BVL registriert sind. Stimme dich bei starkem Druck immer mit dem lokalen Jagdpächter ab.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Repellents (Vergrämungsmittel) aufzutragen?

Der Auftrag sollte präventiv im Herbst vor dem ersten Schneefall und vor dem Einsetzen des winterlichen Nahrungsmangels erfolgen (meist ab BBCH-Stadium 91–95 der Kulturen). Achte darauf, dass die Rinde bei der Anwendung trocken und frostfrei ist, damit das Pflanzenschutzmittel gut haftet. Bei starkem winterlichen Niederschlag kann eine zweite Behandlung im Spätwinter notwendig werden.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Feldhasenverbiss?

Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach der Schaderreger-Gruppe "Wirbeltiere" oder direkt nach dem EPPO-Code "LEPUEU". Achte darauf, dass das gewählte Repellent für deine spezifische Kultur (z. B. Kernobst oder Weinrebe) und die jeweilige Anwendung (Spritzen oder Streichen) zugelassen ist.

Reicht ein normaler Wildschutzzaun aus, um Feldhasen aus einer Neuanlage fernzuhalten?

Ein Standard-Knotengeflecht für Rehe reicht meist nicht aus, da die Maschenweite im unteren Bereich oft zu groß ist und Hasen hindurchschlüpfen können. Für einen wirksamen Hasenschutz benötigst du ein Geflecht mit einer Maschenweite von maximal 40 mm. Zudem muss der Zaun mindestens 15–20 cm tief im Boden eingegraben werden, da Hasen sich sonst darunter hindurchdrücken.

Beeinträchtigen Repellents das Wachstum junger Knospen im Frühjahr?

Moderne, zugelassene Repellents auf Basis von Schafsfett, Aluminiumsulfat oder Quarzsand sind gut pflanzenverträglich. Wenn du sie vorschriftsmäßig anwendest, behindern sie den Austrieb im Frühjahr (ab BBCH-Stadium 01) nicht. Vermeide es jedoch, extrem dicke Schichten direkt auf die sensiblen Endknospen zu streichen; ein dünner, gleichmäßiger Belag reicht völlig aus, um den Fraßreiz zu hemmen.