Feldhase
Der Feldhase (Lepus europaeus, EPPO-Code: LEPUEU) ist ein weit verbreiteter, einheimischer Wildsäuger aus der Familie der Hasen (Leporidae). Während er in der offenen Agrarlandschaft ein wichtiges Glied des Ökosystems darstellt, kann er in forstlichen Kulturen, im Obstbau sowie im Weinbau erhebliche ökonomische Schäden verursachen. Besonders in den Wintermonaten und im zeitigen Frühjahr weicht der Schaderreger bei Nahrungsmangel auf verholzte Pflanzenteile aus.
Die wirtschaftliche Relevanz des Feldhasen ergibt sich vor allem aus dem Verbiss von Knospen, jungen Trieben und dem Schälen der Rinde an Jungbäumen und Reben. Solche Schäden führen nicht nur zu Ertragseinbußen und Wachstumsdepressionen, sondern können durch das Ringeln von Stämmen zum vollständigen Absterben wertvoller Dauerkulturen führen. Zudem dienen die Wunden als Eintrittspforten für holzzerstörende Pilze und bakterielle Erreger.
Biologie / Lebenszyklus
Feldhasen sind das ganze Jahr über aktiv und halten keinen Winterschlaf. Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa meist von Januar bis August, wobei eine Häsin pro Jahr bis zu vier Würfe mit jeweils zwei bis fünf Jungtieren zur Welt bringen kann. Während im Frühjahr und Sommer saftige Kräuter und Gräser die Hauptnahrungsquelle bilden, verschiebt sich das Nahrungsspektrum im Spätherbst und Winter mit dem Laubfall und dem Einsetzen von Frost. In dieser vegetationsarmen Zeit dringen die Tiere vermehrt in Obst- und Weinbauanlagen sowie Forstkulturen ein, um dort Knospen abzufressen und die Rinde junger Gehölze zu schälen, was die Hauptschadperiode darstellt.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring beginnt im Spätherbst vor dem Laubfall (ab BBCH-Stadium 91 der Dauerkulturen) und erstreckt sich über die gesamten Wintermonate bis zum Austrieb im Frühjahr (BBCH 01–09). Da Feldhasen dämmerungs- und nachtaktiv sind, erfolgt die Überwachung primär indirekt durch das Absuchen der Anlagen nach typischen Fraßspuren, Losung und Trittsiegeln im Schnee oder feuchten Boden. Schadschwellen sind im Obst- und Weinbau extrem niedrig angesetzt: Bereits erste frische Fraßspuren an den Stammbasen junger Kulturen erfordern sofortige Abwehrmaßnahmen, da ein einzelnes Tier in wenigen Nächten zahlreiche Jungpflanzen irreparabel schädigen kann.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind glatte, wie mit einer Schere schräg (im 45-Grad-Winkel) abgeschnittene Triebe und Knospen im bodennahen Bereich bis zu einer Höhe von etwa 60 bis 80 cm. Im Gegensatz zum Schalenwild hinterlässt der Feldhase aufgrund seiner scharfen Nagezähne sehr saubere Schnittflächen. An den Stämmen junger Obstbäume, Forstgehölze und Reben zeigen sich streifenförmige Rindenschälungen (Nagespuren der Schneidezähne), die bei vollständiger Ringelung des Stammes zum Absterben der Krone führen.
Integriertes Management
Die Regulierung des Feldhasen basiert auf einem integrierten Ansatz, der mechanische, chemische und jagdliche Maßnahmen kombiniert. Der effektivste Schutz für Neuanlagen im Obst- und Weinbau ist die mechanische Abwehr durch wilddichte Umzäunungen (Knotengeflecht, mindestens 1,2 m hoch) oder Einzelschutzhüllen (Wuchshüllen, Manschetten) um die Stammbasis. Als chemische Maßnahme stehen zugelassene Pflanzenschutzmittel mit Repellent-Wirkung (Vergrämungsmittel auf Basis von z. B. Schaffett oder anderen Duft- und Geschmackstoffen) zur Verfügung, die im Streich- oder Spritzverfahren auf die gefährdeten Stammteile aufgetragen werden. Da Feldhasen dem Jagdrecht unterliegen, ist eine direkte Bestandsregulierung stets in enger Absprache mit den jagdausübungsberechtigten Personen und unter Beachtung der gesetzlichen Schonzeiten durchzuführen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Schadbild des Feldhasen von dem des Rehwilds?
Feldhasen besitzen scharfe Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer, weshalb ihre Bissstellen an Trieben extrem glatt und sauber im 45-Grad-Winkel abgetrennt wirken. Rehwild besitzt im Oberkiefer keine Schneidezähne und reißt Triebe daher eher ab, was zu ausgefransten Enden führt. Zudem reicht der Hasenverbiss selten höher als 80 cm, während Rehwild auch deutlich höhere Pflanzenteile schädigt.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für das Ausbringen von Repellents (Vergrämungsmitteln)?
Die Anwendung von Repellents sollte präventiv im Spätherbst (Oktober/November) vor dem ersten Schneefall und vor dem Einsetzen starker Fröste erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt wechseln die Tiere ihre Nahrungsgewohnheiten. Eine Behandlung bei Frost oder starkem Regen ist zu vermeiden, um eine optimale Haftung des Pflanzenschutzmittels auf der Rinde zu gewährleisten.
Welche gesetzlichen Vorgaben müssen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen Feldhasen beachtet werden?
Es dürfen ausschließlich vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zugelassene Pflanzenschutzmittel (Repellents/Wildabwehrmittel) verwendet werden. Diese müssen im Pflanzenschutz-Anwendungsmanager oder den offiziellen Registern für die jeweilige Kultur (z. B. Forst, Obstbau) und den Schaderreger "Hasen" bzw. "Nager" gelistet sein. Zudem sind die spezifischen Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten strikt einzuhalten.
Können Feldhasen eine Resistenz oder Gewöhnung gegenüber chemischen Repellents entwickeln?
Eine physiologische Resistenz im klassischen Sinne (wie bei Insektiziden) gibt es nicht. Allerdings kann es bei extremem Nahrungsmangel im Winter zu einer "Hunger-Gewöhnung" kommen, bei der die Tiere den unangenehmen Geschmack oder Geruch des Repellents tolerieren. Daher sollten chemische Maßnahmen stets mit mechanischem Schutz (z. B. Stammschutzhüllen) kombiniert werden.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Feldhasenverbiss?
Navigieren Sie im Hub zum Bereich "Pflanzenschutzmittel" und filtern Sie nach der Wirkungskategorie "Repellents" oder suchen Sie direkt nach dem Schaderreger "Feldhase" (Lepus europaeus). Achten Sie darauf, die Filter für Ihre spezifische Kultur (z. B. Kernobst, Weinrebe) zu aktivieren, um nur Anwendungen anzuzeigen, die für Ihr BBCH-Stadium und Ihre Kultur in Deutschland zugelassen sind.
Welche Rolle spielt die Begleitvegetation in der Fahrgasse für das Schadrisiko im Obstbau?
Eine artenreiche, grüne Begleitvegetation in den Fahrgassen kann das Schadrisiko an den Hauptkulturen im Frühwinter mindern, da sie den Hasen alternative Nahrungsquellen bietet. Wird die Begleitvegetation jedoch im Spätherbst zu tief gemäht oder mulcht man die Gassen komplett schwarz, zwingt man die Tiere mangels Alternativen direkt zum Verbiss an den Gehölzstämmen.