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Kultur

Gemeiner Erdrauch

Fumaria officinalis
FUMOF

Der Gemeine Erdrauch (Fumaria officinalis, EPPO-Code: FUMOF), auch als Echter Erdrauch bekannt, ist ein einjähriges, krautiges Unkraut, das in ganz Europa auf nährstoff- und stickstoffreichen Böden weit verbreitet ist. Als typischer Kulturfolger tritt er besonders häufig in intensiv bewirtschafteten Äckern, Weinbergen und Gemüsekulturen auf. Durch seine hohe Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, auch bei kühleren Temperaturen im Herbst und zeitigen Frühjahr zu keimen, stellt er eine ernstzunehmende Konkurrenz für junge Kulturen dar.

Wirtschaftlich relevant ist der Schaderreger vor allem in Wintergetreide wie Winterweizen und Wintergerste sowie im Winter- und Sommerraps. Obwohl der Gemeine Erdrauch selten dichte Monokulturen bildet, entzieht er den Kulturen in der kritischen Auflaufphase wichtige Nährstoffe, Wasser und Licht. Zudem kann ein starker Besatz den Mähdrusch erschweren, da die saftigen, stark verzweigten Triebe die Erntemaschinen verstopfen und die Feuchtigkeit des Ernteguts erhöhen.

Typ
Kultur
EPPO-Code
FUMOF
Wirte
4 Kulturen
Generationen
Meist 1–2 Generationen pro Jahr (Keimung im Herbst und Frühjahr)
Verbreitung
Der Gemeine Erdrauch ist in ganz Europa, Nordafrika und Teilen Asiens weit verbreitet und besiedelt bevorzugt humus- und stickstoffreiche Lehmböden. Seine wirtschaftliche Bedeutung hat durch den verstärkten Verzicht auf wendende Bodenbearbeitung in den Hauptanbaugebieten von Wintergetreide und Raps zugenommen.

Biologie / Lebenszyklus

Der Gemeine Erdrauch ist ein sommer- oder winterannuelles Unkraut, dessen Samen vorwiegend aus den oberen Bodenschichten (0–5 cm) keimen. Die Hauptkeimwellen liegen im zeitigen Frühjahr und im Herbst, wobei die Keimung bereits bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt einsetzt. Nach dem Auflaufen bildet die Pflanze schnell eine Pfahlwurzel und stark verzweigte, niederliegende bis aufrechte Triebe aus. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis in den Herbst, in der zahlreiche rosafarbene bis purpurrote Blüten gebildet werden. Jede Pflanze kann bis zu 1.000 Samen produzieren, die im Boden extrem langlebig sind und über Jahrzehnte hinweg ihre Keimfähigkeit behalten.

Bonitur

Für eine gezielte Regulierung solltest du die Schläge im Herbst (bei Winterungen) sowie im zeitigen Frühjahr regelmäßig kontrollieren. Die kritische Phase für die Bonitur liegt in den BBCH-Stadien 10 bis 13 der Hauptkulturen (Auflauf bis Dreiblattstadium), da der Gemeine Erdrauch in diesem frühen Stadium noch sehr empfindlich auf mechanische und chemische Maßnahmen reagiert. Ein wirtschaftlicher Schadensschwellenwert liegt im Getreide bei etwa 5 bis 10 Pflanzen pro Quadratmeter, während im Raps aufgrund der hohen Konkurrenzkraft der Kultur oft erst ab 10 bis 15 Pflanzen pro Quadratmeter eine gezielte Behandlung wirtschaftlich sinnvoll ist. Achte bei der Feldbegehung besonders auf Vorgewende und nährstoffreiche Senken, da sich der Schaderreger dort bevorzugt etabliert.

Integriertes Management

Ein integriertes Management des Gemeinen Erdrauchs setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen, mechanischen und chemischen Maßnahmen. Eine weite, abwechslungsreiche Fruchtfolge und eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung (z. B. durch den gezielten Einsatz des Pflugs zur Vergrabung der Samen) reduzieren den Auflaufdruck erheblich. Im konventionellen Anbau lässt sich der Schaderreger im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf gut mit Herbiziden kontrollieren. Um der Entstehung von Wirkstoffresistenzen vorzubeugen, musst du die HRAC-Richtlinien konsequent umsetzen; wechsle daher regelmäßig zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen (z. B. HRAC-Gruppe 2/B, 4/O und 15/K3) und vermeide den wiederholten Einsatz desselben Wirkmechanismus. Mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im frühen Keimblattstadium der Unkräuter zeigen ebenfalls gute Wirkungsgrade, sofern die Witterungsbedingungen ein Abtrocknen der freigelegten Wurzeln erlauben.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheide ich den Gemeinen Erdrauch im Keimblattstadium von anderen Unkräutern?

Die Keimblätter des Gemeinen Erdrauchs sind sehr schmal, linealisch, am Ende zugespitzt und bläulich-grün gefärbt. Sie ähneln den Keimblättern von Doldenblütlern, verströmen beim Zerreiben jedoch keinen typischen Geruch. Die ersten Laubblätter sind bereits tief dreiteilig gefiedert und zeigen die charakteristische graugrüne Bereifung, was dir eine sichere Abgrenzung zu Kamille oder Vogelmiere ermöglicht.

Warum ist der Gemeine Erdrauch im Rapsanbau besonders schwer zu bekämpfen?

Viele im Raps standardmäßig eingesetzte Vorauflauf-Herbizide weisen Wirkungslücken gegen den Gemeinen Erdrauch auf. Zudem keimt das Unkraut oft zeitgleich mit dem Raps auf, wodurch mechanische Maßnahmen wie Striegeln aufgrund der Empfindlichkeit des jungen Rapses nur eingeschränkt möglich sind. Du solltest daher im Raps gezielt auf Herbizidkombinationen setzen, die eine ausgewiesene Wirkung gegen Fumaria-Arten besitzen, oder die Bekämpfung bereits in der Vorfrucht optimieren.

Welche Rolle spielt der Boden-pH-Wert für das Auftreten dieses Schaderregers?

Der Gemeine Erdrauch bevorzugt mäßig saure bis neutrale, nährstoff- und insbesondere stickstoffreiche Böden. Auf kalkreichen, schweren Lehmböden findet er optimale Wachstumsbedingungen. Wenn du auf deinen Flächen einen sehr hohen Besatz feststellst, ist dies oft ein Indikator für eine sehr gute Stickstoffversorgung und einen ausgeglichenen bis leicht alkalischen pH-Wert des Bodens.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Erdrauch?

Nutze im Hub einfach die Suchfunktion und filtere nach dem Schaderreger "Gemeiner Erdrauch" oder dem EPPO-Code "FUMOF". Dir werden dann alle in deiner Region für die jeweilige Kultur (z. B. Winterweizen oder Winterraps) zugelassenen Pflanzenschutzmittel angezeigt. Achte bei der Auswahl auf die angegebenen BBCH-Anwendungsfenster und die HRAC-Klassifizierung, um eine optimale Wirkstoffrotation zu planen.

Kann der Gemeine Erdrauch auch im ökologischen Landbau erfolgreich reguliert werden?

Ja, im ökologischen Landbau ist eine Kombination aus falschem Saatbett und mechanischer Unkrautbekämpfung der Schlüssel zum Erfolg. Durch ein falsches Saatbett im Frühjahr regst du die Erdrauchsamen zum Keimen an und regulierst sie vor der eigentlichen Aussaat flach. Nach dem Auflaufen der Kultur ist das Blindstriegeln sowie das präzise Hacken zwischen den Reihen in weit stehenden Kulturen sehr effektiv, solange sich der Erdrauch noch im Keim- bis frühen Laubblattstadium befindet.

Wie lange bleiben die Samen von Fumaria officinalis im Boden keimfähig?

Die Samen des Gemeinen Erdrauchs besitzen eine ausgeprägte Tiefenruhe (Dormanz) und können im Boden extrem lange überdauern. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein Großteil der Samen selbst nach 10 bis 20 Jahren im Boden noch keimfähig ist. Daher ist es entscheidend, das Aussamen der Pflanzen konsequent zu verhindern, um den Samenvorrat im Boden langfristig nicht weiter anzureichern.