Alle Kulturen
Sonstiger Schaderreger

Wintergerste

barley (winter)
HORVW

Die Wintergerste (Hordeum vulgare, EPPO-Code: HORVW) gehört zu den ältesten und bedeutendsten Getreidearten in Mitteleuropa und nimmt eine Schlüsselrolle in modernen Fruchtfolgen ein. Als winterannuelle Kultur zeichnet sie sich durch eine schnelle Jugendentwicklung im Frühjahr und eine frühe Ernte aus, was sie besonders auf trockeneren Standorten ertragssicher macht. Sie wird primär als ertragreiches Futtergetreide sowie in Form von zweizeiligen Sorten als Braugerste genutzt.

Für einen erfolgreichen Anbau dieser Kultur sind eine präzise Saatbettbereitung und die Wahl des optimalen Saatzeitpunkts entscheidend. Wintergerste benötigt vor dem Winter eine ausreichende Vegetationszeit, um sich gut zu bestocken, darf jedoch nicht überständig in den Winter gehen, da dies das Risiko für Auswinterung und den Befall mit Schaderregern erhöht.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte September bis Anfang Oktober
Erntefenster
Anfang Juli bis Mitte Juli
Reihenabstand
12,5–15,0 cm
Typischer Ertrag
6,5–9,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1800–2100 °C
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Die Wintergerste stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und reagiert empfindlich auf Verdichtungen sowie Staunässe. Ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist für einen gleichmäßigen Feldaufgang und eine zügige Wurzelentwicklung unerlässlich. Auf flachgründigen oder stark sandigen Böden stößt die Kultur in trockenen Vorsommern schnell an ihre Leistungsgrenzen, weshalb tiefgründige Lehm- und Lössböden bevorzugt werden. Der pH-Wert sollte im optimalen Bereich gehalten werden, da saure Böden die Nährstoffaneignung der Kultur massiv beeinträchtigen. Eine ausgewogene Grunddüngung mit Phosphor und Kalium im Herbst fördert die Winterhärte und die Bestockung.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz bei Wintergerste konzentriert sich auf die Regulierung von Ungräsern wie dem Acker-Windhalm (Apera spica-venti) und einjährigen Rispengräsern, die vorzugsweise im Herbst bekämpft werden. Gegen pilzliche Schaderreger wie Rhynchosporium secalis (Rhynchosporium-Blattflecken) und Netzflecken sind gezielte Fungizidbehandlungen ab dem Schossen (BBCH 31/32) bis zum Ährenschieben entscheidend. Zudem stellt das durch Blattläuse übertragene Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV) im frühen Herbst eine erhebliche Gefahr dar, weshalb ein Monitoring der Vektoren unerlässlich ist. Der Einsatz von Wachstumsreglern zur Absicherung der Standfestigkeit muss stets an die Bestandesdichte und die Stickstoffdüngung angepasst werden.

Sorten

KWS Higgins

mittelspät

Sehr hoher und stabiler Ertrag im mehrzeiligen Segment.

Resistent gegen: Gerstengelbmosaikvirus

Anfällig für: Rhynchosporium, Zwergrost

Sehr anpassungsfähige und standfeste mehrzeilige Futtergerste mit guter Kornqualität.

Sandra

früh bis mittelfrüh

Hoher Kornertrag bei hervorragender Sortierung und hohem Hektolitergewicht.

Resistent gegen: Gerstengelbmosaikvirus

Anfällig für: Netzflecken, Mehltau

Eine der bekanntesten zweizeiligen Sorten in Deutschland, geschätzt für ihre exzellente Kornqualität.

KWS Kosmos

mittel

Spitzenerträge in allen Anbauregionen.

Resistent gegen: Gerstengelbmosaikvirus, Mehltau

Anfällig für: Rhynchosporium, Zwergrost

Ertragsstarke mehrzeilige Sorte mit guter Strohstabilität und breiter Umweltstabilität.

SU Ellen

früh bis mittelfrüh

Sehr hohes Ertragspotenzial bei früher Reife.

Resistent gegen: Gerstengelbmosaikvirus, Zwergrost

Anfällig für: Netzflecken, Rhynchosporium

Frühreife Futtergerste mit zügiger Jugendentwicklung, ideal für trockenere Standorte.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie entscheide ich zwischen einer zweizeiligen und einer mehrzeiligen Wintergerstensorte?

Zweizeilige Sorten bilden pro Spindelstufe nur ein Korn aus, was zu einer besseren Kornsortierung und höheren Hektolitergewichten führt – ideal für die Vermarktung als Braugerste oder Premiumfutter. Mehrzeilige Sorten hingegen nutzen ihr Ertragspotenzial über eine höhere Kornzahl pro Ähre aus und sind oft ertragsstärker sowie strohstabiler, weshalb sie im reinen Futtergerstenanbau dominieren.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsreglern in dieser Kultur?

Der Haupteinsatz erfolgt in der Schossphase zwischen BBCH 31 (Einknotenstadium) und BBCH 39 (Fahnenblatt komplett entfaltet). Eine frühe Einkürzung stabilisiert die Halmbasis, während spätere Anwendungen das Halm- und Ährenknicken verhindern; die Aufwandmenge muss zwingend an die Temperatur, die Bodenfeuchte und die Standfestigkeit der Sorte angepasst werden.

Wie kann das Risiko einer Infektion mit dem Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV) im Herbst minimiert werden?

Da das Virus durch Blattläuse übertragen wird, ist ein regelmäßiges Monitoring ab dem Auflaufen (BBCH 10/11) entscheidend. Bei Überschreiten der Schadschwelle (ca. 10 % besiedelte Pflanzen bei milder Witterung) ist eine gezielte Insektizidbehandlung im Herbst erforderlich; zudem hilft eine nicht zu frühe Aussaat, den Hauptflug der Vektoren zu umgehen.

Welche Bedeutung hat die Spätdüngung (3. Gabe) bei Wintergerste?

Im Gegensatz zu Winterweizen ist eine späte Stickstoffgabe zum Ährenschieben (BBCH 49–51) bei Futtergerste nur bei sehr hohen Ertragserwartungen zur Absicherung des Proteingehalts sinnvoll. Bei Braugerste muss sie strikt vermieden werden, da hier ein niedriger Rohproteingehalt (unter 11,5 %) für die Verarbeitungsqualität gefordert ist.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen spezifische Schaderreger?

Nutzen Sie die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech, um nach dem spezifischen Schaderreger (z. B. Rhynchosporium secalis) oder der Kultur Wintergerste zu filtern. Dort erhalten Sie eine aktuelle Übersicht aller in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und den einzuhaltenden Wartezeiten.