Wintergerste
Die Wintergerste (wissenschaftlich Hordeum vulgare, EPPO-Code: HORVW) ist eine der ältesten und wirtschaftlich bedeutendsten Kulturen im mitteleuropäischen Ackerbau. Als klassische Winterung nutzt sie die Winterfeuchtigkeit optimal aus und zeichnet sich durch eine sehr frühe Abreife aus. Dies macht sie zu einem hervorragenden Vorfruchtpartner in der Fruchtfolge, da sie das Erntefenster im Sommer entzerrt und frühzeitig Platz für Folgekulturen wie Raps schafft.
In der landwirtschaftlichen Praxis wird zwischen mehrzeiligen und zweizeiligen Sorten unterschieden. Während mehrzeilige Typen meist ein höheres Ertragspotenzial aufweisen und sich ideal für ertragsstarke Standorte eignen, überzeugen zweizeilige Sorten oft durch eine bessere Kornqualität (höheres Hektolitergewicht) und eine ausgeglichenere Bestandesdichte. Die Kultur stellt im Vergleich zu Weizen geringere Ansprüche an die Bodenqualität, reagiert jedoch empfindlich auf Staunässe und saure Böden.
Bodenmanagement
Die Wintergerste bevorzugt gut strukturierte, tiefgründige Böden mit einer ausgeglichenen Wasserführung, da sie sehr empfindlich auf Staunässe reagiert. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung ist entscheidend, um ein feinkrümeliges Saatbett zu schaffen, das einen gleichmäßigen Feldaufgang sichert. Auf flachgründigen oder stark verdichteten Standorten solltest du vor der Aussaat tief lockern, um das Wurzelwachstum nicht zu hemmen. Da die Kultur einen pH-Wert unter 6,0 schlecht verträgt, ist eine regelmäßige Erhaltungskalkung auf sauren Standorten zwingend erforderlich. Eine gezielte Grunddüngung mit Phosphor und Kalium im Herbst fördert die Winterhärte und die frühe Bestockung der Jungpflanzen.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz steht die vorbeugende Vermeidung von Schaderregern durch eine weite Fruchtfolge und die Wahl toleranter Sorten im Vordergrund. Gegen pilzliche Schaderreger wie Rhynchosporium secalis oder Netzflecken solltest du die Bestände ab dem Schossen (BBCH 30/32) regelmäßig kontrollieren und bei Überschreitung der Schadschwellen zugelassene Fungizide einsetzen. Die Bekämpfung von Ungräsern wie Windhalm (Apera spica-venti) oder Einjähriger Rispe (Poa annua) erfolgt meist im Herbst im Vor- oder frühen Nachauflauf, um die Konkurrenz frühzeitig auszuschalten. Achte bei der Anwendung von Pflanzenschutzmittel stets auf die genauen BBCH-Stadien, die vorgeschriebenen Aufwandmengen sowie die einzuhaltenden Wartezeiten. Zur Vermeidung von Resistenzen ist zudem ein konsequenter Wirkstoffklassenwechsel bei Herbiziden und Fungiziden unerlässlich.
Sorten
KWS Higgins
mittelspätSehr hoch, besonders auf guten Standorten
Resistent gegen: Gerstengelbmosaikvirus
Anfällig für: Zwergrost, Mehltau
Ertragsstarke und standfeste mehrzeilige Futtergerste mit guter Sortierung.
Sandra
früh bis mittelHoch und sehr stabil im zweizeiligen Segment
Resistent gegen: Gerstengelbmosaikvirus
Anfällig für: Rhynchosporium-Blattflecken, Netzflecken
Sehr beliebte zweizeilige Sorte mit hervorragender Kornqualität und hohem Hektolitergewicht.
KWS Kosmos
mittelSehr hohes Ertragspotenzial in allen Anbauregionen
Resistent gegen: Gerstengelbmosaikvirus, Mehltau
Anfällig für: Rhynchosporium-Blattflecken
Mehrzeilige Allround-Sorte mit exzellenter Strohstabilität und hoher Anpassungsfähigkeit.
Sensation
frühGutes bis sehr gutes Ertragsniveau bei hoher Ertragssicherheit
Resistent gegen: Gerstengelbmosaikvirus, Mehltau, Zwergrost
Anfällig für: Netzflecken
Frühreife zweizeilige Sorte mit breiter Resistenz gegen Virosen und guter Halmstabilität.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie verhinderst du die Ausbreitung des Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV) im Herbst?
Das Virus wird hauptsächlich durch Blattläuse übertragen. Du solltest deine Bestände ab dem Auflaufen regelmäßig auf Blattlausbefall kontrollieren. Bei Überschreiten der Schadschwelle (ca. 10 % besiedelte Pflanzen) oder bei anhaltend milder Herbstwitterung ist der Einsatz eines zugelassenen Insektizids ratsam, um eine frühe Infektion zu verhindern.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsreglern in der Wintergerste?
Der erste Einsatz erfolgt typischerweise in der Schossphase zwischen BBCH 31 und 32, um die Halmbasis zu stärken. Bei mastigen Beständen oder lageranfälligen Sorten kann eine zweite, spätere Anwendung bis BBCH 39 (Fahnenblatt voll entwickelt) sinnvoll sein, um das Einknicken der Ähren und Halme zu verhindern.
Wie unterscheidet sich die Stickstoffdüngung bei zweizeiligen und mehrzeiligen Sorten?
Zweizeilige Sorten benötigen oft eine etwas betontere erste Gabe zur Förderung der Bestockung, da sie ihren Ertrag stark über die Ährendichte aufbauen. Mehrzeilige Sorten hingegen vertragen eine stärkere zweite Gabe zum Schossen besser, da sie ihr Ertragspotenzial primär über die Kornzahl pro Ähre realisieren.
Was musst du beim Herbizideinsatz im Herbst bezüglich der Bodenfeuchtigkeit beachten?
Viele typische Herbstherbizide gegen Windhalm und einjährige Unkräuter wirken primär über den Boden. Für eine optimale Wirkung benötigst du ein feuchtes, gut abgesetztes Saatbett ohne grobe Kluten, da die Wirkstoffe sonst nicht gleichmäßig in die Keimzone der Schaderreger eindringen können.
Wie finde ich im Portal schnell die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Rhynchosporium?
Navigiere einfach über die Suchfunktion direkt zum Schaderreger Rhynchosporium secalis oder nutze die Filteroptionen in der Produktübersicht. Dort kannst du gezielt nach für Wintergerste registrierten Fungiziden filtern und erhältst sofort Details zu Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten.