Gnomonia fructicola
Gnomoniopsis fructicola (EPPO-Code: GNOMFR), in der Fachliteratur auch unter dem älteren Namen Gnomonia fragariae bekannt, ist ein ökonomisch bedeutender pilzlicher Schaderreger im professionellen Erdbeeranbau (Fragaria x ananassa). Der Pilz ist der Erreger der Gnomonia-Blattfleckenkrankheit sowie einer spezifischen Frucht- und Kelchfäule, die insbesondere in niederschlagsreichen Jahren zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führen kann.
Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers hat in den letzten Jahren in Mitteleuropa deutlich zugenommen. Dies ist vor allem auf den intensiven Anbau anfälliger Kulturen unter Folientunneln sowie auf veränderte Mikroklimata zurückzuführen. Da der Pilz alle oberirdischen Organe der Kultur infizieren kann, führt ein starker Befall der Kelchblätter und der heranreifenden Früchte zu einer direkten Entwertung der Ernteware.
Der Schaderreger ist weltweit in den gemäßigten Klimazonen verbreitet. Besonders in feuchten Frühjahrsmonaten und bei unzureichender Belüftung der Bestände breitet sich die Krankheit rasch aus, weshalb eine vorausschauende integrierte Pflanzenschutzstrategie für Erwerbsanbauer unerlässlich ist.
Biologie / Lebenszyklus
Der Pilz überwintert als Myzel oder in Form von Perithezien auf infizierten Pflanzenresten im Boden. Im Frühjahr, meist ab dem Austrieb der Kultur (BBCH 10–15), werden bei feucht-warmer Witterung Ascosporen freigesetzt, die durch Wind und Regenspritzer auf die jungen Blätter gelangen und Primärinfektionen auslösen. Im weiteren Verlauf der Vegetation bilden sich auf den Befallsstellen ungeschlechtliche Konidien (Pyknidien), die für eine rasche sekundäre Ausbreitung innerhalb des Bestandes sorgen. Besonders während der Blüte (BBCH 61–69) infiziert der Schaderreger die Blütenorgane latent; die eigentliche Fruchtfäule bricht dann oft erst während der Fruchtreife (BBCH 81–89) aus.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits ab dem Knospenstadium (BBCH 55–59) beginnen, wobei insbesondere die älteren, bodennahen Blätter auf erste nekrotische Flecken zu kontrollieren sind. Da es für Gnomoniopsis fructicola keine etablierten wissenschaftlichen Schadschwellenwerte in Prozent gibt, gilt im professionellen Anbau das Prinzip der Befallsbeobachtung: Sobald erste Symptome an den Blättern vor der Blüte sichtbar werden und eine feuchte Witterungsperiode vorhergesagt ist, ist das Risiko für eine Blüteninfektion extrem hoch. Die Befallskontrolle muss während der gesamten Blütezeit fortgesetzt werden, da Infektionen in dieser Phase das spätere Ausmaß der Fruchtfäule bestimmen.
Symptome
An den Blättern zeigen sich zunächst kleine, rötlich-braune bis purpurfarbene Flecken, die sich rasch vergrößern und oft eine charakteristische V-förmige Nekrose entlang der Hauptadern zum Blattrand hin ausbilden. Auf den infizierten Kelchblättern der Blüten und Früchte entstehen braune Verfärbungen, die vertrocknen und sich nach oben biegen (Kelchfäule). Die infizierten Früchte selbst weisen im Bereich des Kelchansatzes eine ledrige, braune bis graubraune Fäulnis auf, die sich auf die gesamte Frucht ausdehnen kann, wobei das Fruchtfleisch fest und zäh bleibt, im Gegensatz zur weichen Botrytis-Fäule.
Integriertes Management
Die Bekämpfung basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch stehen die Förderung einer raschen Abtrocknung des Bestandes (weite Pflanzabstände, Stroh unterlegen, Unkrautregulierung) und die konsequente Hygiene (Entfernung von Altlaub im Herbst oder zeitigen Frühjahr) im Vordergrund. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt vorbeugend ab der Knospenentwicklung (BBCH 55) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) eingesetzt werden, um die latenten Infektionen der Blütenorgane zu verhindern. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein strikter Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen SDHI, Strobilurinen und Kontaktfungiziden) zwingend einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich die durch Gnomoniopsis fructicola verursachte Fruchtfäule von der klassischen Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea)?
Während Botrytis cinerea eine weiche, wässrige Fäule mit einem grauen, stäubenden Sporenrasen verursacht, führt Gnomoniopsis fructicola zu einer eher trockenen, ledrigen, braunen Fäulnis, die meist direkt am Kelchansatz beginnt. Zudem bleibt das infizierte Fruchtfleisch relativ fest und zäh, und es bildet sich kein auffälliger grauer Schimmelbelag auf der Fruchtoberfläche.
Wann ist der kritischste Zeitraum für eine chemische Behandlung gegen diesen Schaderreger?
Der wichtigste Behandlungszeitraum liegt zwischen dem Erscheinen der ersten Blütenknospen (BBCH 55) und dem Ende der Vollblüte (BBCH 65–69). Infektionen, die in dieser Phase stattfinden, bleiben oft wochenlang latent und führen erst bei der Fruchtreife zum Ausbruch der Fäule; spätere Anwendungen zeigen meist nur noch eine unzureichende Wirkung.
Welche Rolle spielt das Altlaubmanagement bei der Reduzierung des Infektionsdrucks?
Da der Pilz auf infizierten Pflanzenresten im Boden überwintert, ist das Entfernen und Vernichten des Altlaubs nach der Ernte oder im zeitigen Frühjahr vor dem Neuaustrieb eine der effektivsten mechanischen Maßnahmen. Dadurch wird das Reservoir an überwinternden Ascosporen drastisch reduziert, was den Primärinfektionsdruck im Frühjahr erheblich senkt.
Wie kann ich im Portal registrierte Pflanzenschutzmittel für die gezielte Anwendung gegen diesen Pilz finden?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur "Erdbeere" sowie dem Schaderreger "Gnomoniopsis fructicola" (oder "Gnomonia-Blattfleckenkrankheit"). Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die zugelassenen BBCH-Stadien und die Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeit (PHI).
Warum ist die Einhaltung der FRAC-Klassifizierung bei der Bekämpfung von Gnomoniopsis fructicola so wichtig?
Da gegen diesen Schaderreger pro Saison meist mehrere Behandlungen notwendig sind, besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung von Wirkstoffresistenzen. Durch den gezielten Wechsel zwischen verschiedenen FRAC-Gruppen (z. B. Kombinationen aus SDHI, Strobilurinen und Kontaktfungiziden) wird die Selektion resistenter Pilzstämme effektiv verhindert.
Beeinflusst die Stickstoffdüngung das Auftreten der Blattflecken- und Fruchtfäule?
Ja, eine übermäßige oder zu späte Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, weichen Blattwerk der Kultur. Dies verlängert die Abtrocknungszeit nach Regenfällen erheblich und schafft ein feuchtes Mikroklima im Pflanzenbestand, welches die Keimung der Sporen und das Eindringen des Pilzes in das Gewebe begünstigt.