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Kultur

Erdbeere

Fragaria x ananassa
FRAAN

Die Gartenerdbeere (Fragaria x ananassa, EPPO-Code: FRAAN) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Beerenobstkulturen im mitteleuropäischen Erwerbsanbau. Botanisch gesehen handelt es sich bei der Scheinfrucht um eine Sammelnussfrucht, die hohe Ansprüche an Klima, Bodenstruktur und Wasserversorgung stellt. Im professionellen Anbau wird die Kultur meist als zweijährige, seltener als einjährige Kultur geführt, wobei die klassische Freilandproduktion zunehmend durch geschützte Anbausysteme wie Minitunnel oder Stellagen im Folientunnel ergänzt wird.

Der Erfolg im Erdbeeranbau basiert auf einer präzisen Steuerung der Nährstoff- und Wasserzufuhr sowie einem integrierten Pflanzenschutzkonzept. Da Erdbeeren sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagieren, sind eine sorgfältige Standortwahl und eine intensive Bodenvorbereitung unerlässlich. Zudem verlangen die physiologischen Entwicklungsstadien eine genaue Beobachtung, um Pflanzenschutzmittel termingerecht und wirkungsvoll zu applizieren.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Juli bis August (Grünpflanzen), April bis Juni (Frigopflanzen)
Erntefenster
Mai bis Juli (Freiland), verfrüht ab April (Tunnel), remontierende Sorten bis zum Frost
Reihenabstand
60–90 cm (Reihenabstand) x 25–35 cm (In der Reihe)
Typischer Ertrag
12–20 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1150 GDD (Basis 0 °C)
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Erdbeeren bevorzugen gut durchlüftete, humusreiche und sandige Lehmböden mit einem stabilen Gefüge, da sie extrem empfindlich auf Staunässe und Bodenverdichtungen reagieren. Zur Vermeidung von bodenbürtigen Schaderregern wie Phytophthora cactorum oder Rhizoctonia solani ist eine weite Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Rosengewächsen einzuhalten. Vor der Pflanzung sollte eine gründliche Tiefenlockerung sowie die Einsaat einer Gründüngung zur Humusanreicherung erfolgen. Die Kultur wird im professionellen Anbau meist auf Dämmen kultiviert, die mit Mulchfolie abgedeckt sind, um die Früchte sauber zu halten und die Bodentemperatur zu regulieren. Eine Tröpfchenbewässerung ist Standard, um eine gezielte Fertigation zu ermöglichen und gleichzeitig die Blätter trocken zu halten, was den Infektionsdruck mindert.

Schaderreger-Management

Das Pflanzenschutzmanagement bei Erdbeeren erfordert eine enge Verknüpfung von vorbeugenden kulturtechnischen Maßnahmen und dem gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Bekämpfung von Botrytis cinerea (Grauschimmel) steht während der Blütezeit (BBCH 61 bis 69) im Vordergrund, wobei Behandlungen präventiv bei feuchter Witterung erfolgen müssen. Gegen bodenbürtige Pilze wie Phytophthora cactorum und Fusarium oxysporum helfen vor allem gesunde Frigopflanzen und eine optimierte Dammkultur. Tierische Schaderreger wie der Erdbeerblütenstecher (Anthonomus rubi) oder die Erdbeermilbe (Phytonemus pallidus) müssen durch regelmäßige Bestandskontrollen überwacht und bei Überschreiten der Schadschwellen gezielt reguliert werden. Der Einsatz von Herbiziden gegen Ungräser wie Elymus repens oder Poa annua erfolgt meist im Vorauflauf oder gezielt im Nachauflauf unter Beachtung der jeweiligen Wartezeit.

Sorten

Elsanta

Mittelfrüh

Sehr hoher Ertrag bei optimaler Kulturführung.

Anfällig für: Phytophthora cactorum, Verticillium-Welke, Mehltau

Der langjährige Standard im mitteleuropäischen Erwerbsanbau. Hervorragende Transportfähigkeit und feste Früchte, benötigt aber optimalen Bodenzustand.

Clery

Sehr früh

Mittlerer bis hoher Ertrag, konzentrierte Ernteperiode.

Resistent gegen: Weißfleckenkrankheit, Rotfleckenkrankheit

Anfällig für: Mehltau, Phytophthora cactorum

Sehr beliebte Sorte für die Verfrühung im Tunnel. Glänzende, hellrote Früchte mit gutem Geschmack.

Sonata

Mittelfrüh

Konstant hoher Ertrag mit hohem Anteil an Klasse-1-Früchten.

Resistent gegen: Phytophthora cactorum

Anfällig für: Grauschimmel, Mehltau

Gilt als Nachfolgerin von Elsanta mit besserer Frosthärte und gleichmäßigerer Fruchtform.

Malwina

Sehr spät

Mittlerer Ertrag, der durch den späten Erntezeitpunkt wirtschaftlich sehr attraktiv ist.

Resistent gegen: Verticillium-Welke, Mehltau

Anfällig für: Erdbeermilbe, Thripse, Grauschimmel

Schließt die Erdbeersaison im Freiland ab. Dunkelrote, sehr wohlschmeckende Früchte.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen Botrytis cinerea?

Die kritische Phase für Infektionen mit Grauschimmel (Botrytis cinerea) liegt während der Blütezeit von BBCH 61 (Beginn der Blüte) bis BBCH 69 (Ende der Blüte). Pflanzenschutzmittel sollten präventiv vor angekündigten Niederschlagsereignissen appliziert werden, da anhaltende Feuchtigkeit die Keimung der Sporen auf den Blütenblättern begünstigt. Ein konsequenter Wirkstoffwechsel ist zur Vermeidung von Resistenzen zwingend erforderlich.

Wie lässt sich die Lederbeerenfäule (Phytophthora cactorum) im Freiland vorbeugend bekämpfen?

Neben der Verwendung von zertifiziertem, pathogenfreiem Pflanzgut ist die Kultur auf hohen, gut drainierten Dämmen entscheidend. Eine Stroh- oder Mulchauflage verhindert, dass Regentropfen kontaminierte Erde auf die Früchte schleudern. Zudem sollte die Bewässerung ausschließlich über Tröpfchenschläuche erfolgen, um die Blätter und Früchte trocken zu halten.

Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium 10 bis 19 für das Herbizidmanagement?

In der Phase der Blattentwicklung (BBCH 10–19) nach der Pflanzung oder nach dem herbstlichen Rückschnitt ist die Kultur besonders empfindlich gegenüber chemischen Belastungen. Herbizidanwendungen gegen Ungräser wie Elymus repens oder einjährige Unkräuter müssen exakt auf die Verträglichkeit der Erdbeersorte und die Bodenfeuchte abgestimmt werden, um Wachstumsdepressionen zu vermeiden.

Wie wird die Erdbeermilbe (Phytonemus pallidus) im integrierten Anbau überwacht und reguliert?

Die Überwachung erfolgt ab dem Austrieb (BBCH 10) durch regelmäßige Stichproben der jüngsten, noch gefalteten Herzblätter im Pflanzenzentrum. Bei Erreichen der Schadschwelle (ca. 5–10 % befallene Blätter) können nützliche Raubmilben (z. B. Amblyseius californicus) ausgebracht werden. Chemische Behandlungen mit spezifischen Akariziden sind nur vor der Blüte oder nach der Ernte zulässig.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel für spezifische Indikationen bei Erdbeeren?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Erdbeere' sowie dem gewünschten Schaderreger (z. B. Phytophthora cactorum). Achten Sie bei der Auswahl der Präparate stets auf die aktuell ausgewiesenen Anwendungsbestimmungen, die maximalen Anwendungshäufigkeiten pro Saison und die einzuhaltenden Wartezeiten vor der Ernte.

Warum ist die Bekämpfung von Quecken (Elymus repens) vor der Pflanzung so wichtig?

Da Erdbeeren als mehrjährige Kultur auf Mulchfolie oder Dämmen stehen, ist eine mechanische Unkrautbekämpfung innerhalb der Reihe nach der Pflanzung kaum noch möglich. Ausläufertreibende Ungräser wie Elymus repens durchdringen selbst starke Folien und konkurrieren massiv um Wasser und Nährstoffe, weshalb die Fläche vor der Anlage absolut queckenfrei sein muss.