Alle Schaderreger
Pilz

Lagerschorf (Venturia inaequalis)

Venturia inaequalis
VENTIN

Apfelschorf, verursacht durch den ascomyceten Pilz Venturia inaequalis (EPPO-Code: VENTIN), ist weltweit die wirtschaftlich bedeutendste Pilzkrankheit im Apfelanbau. Der Schaderreger befällt vor allem Blätter und Früchte, was bei ausbleibender Regulierung zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten führt. Besonders in gemäßigten Klimazonen mit feucht-kühlen Frühjahrsmonaten ist das Infektionsrisiko für die Kultur extrem hoch.

Neben dem direkten Ertragsausfall durch deformierte, unverkäufliche Früchte schwächt ein starker Blattbefall die Vitalität der Kultur nachhaltig. Dies führt zu vorzeitigem Laubfall, einer verminderten Knospenbildung für das Folgejahr und einer erhöhten Frostempfindlichkeit. Auch der sogenannte Lagerschorf, der erst Monate nach der Ernte im Kühllager ausbricht, geht auf späte Infektionen im Freiland zurück und entwertet die eingelagerte Ware nachträglich.

Typ
Pilz
EPPO-Code
VENTIN
Wirte
9 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Venturia inaequalis ist weltweit in allen gemäßigten Apfelanbaugebieten verbreitet und gilt dort als der ökonomisch limitierendste Schaderreger im Kernobstanbau.

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert saprophytisch im Falllaub am Boden, wo sich im Winter die sexuellen Fruchtkörper (Pseudothecien) entwickeln. Im Frühjahr, meist zeitgleich mit dem Austrieb der Kultur (ab BBCH 09 bis BBCH 53), reifen die Ascosporen heran und werden bei Niederschlägen aktiv ausgeschleudert. Diese Primärinfektionen etablieren sich auf dem jungen Gewebe, woraufhin sich nach einer Inkubationszeit ungeschlechtliche Konidien bilden. Diese Konidien sorgen im Sommer durch Wind- und Regenspritzer für eine kontinuierliche, sekundäre Verbreitung im Pflanzenbestand, bis der Zyklus mit dem herbstlichen Blattfall erneut beginnt.

Bonitur

Die Überwachung beginnt im zeitigen Frühjahr ab dem Knospenaufbruch (BBCH 09). Zur präzisen Bestimmung des Infektionsrisikos nutzt du am besten computergestützte Prognosemodelle, die auf der Mills-Tabelle oder deren Weiterentwicklungen basieren und Temperatur sowie Blattnässedauer verknüpfen. Ein gezieltes visuelles Monitoring im Feld sollte ab dem Ballonstadium (BBCH 59) wöchentlich an mindestens 100 Trieben durchgeführt werden, um erste Primärsymptome auf den Kelchblättern oder der Blattunterseite frühzeitig zu erkennen und die Schadschwelle nicht zu überschreiten.

Symptome

Auf den Blättern zeigen sich zunächst olivgrüne bis samtig-braune, unscharf begrenzte Flecken, die später verbräunen und verhärten. Bei starkem Befall deformieren sich die Blätter und fallen vorzeitig ab. An den Früchten entstehen graubraune bis schwarze, oft rissige Schorfflecken, die das Wachstum des Fruchtfleisches hemmen und zu tiefen Deformationen führen. Spätinfektionen kurz vor der Ernte äußern sich im Lager als winzige, punktförmige, glänzende schwarze Flecken (Lagerschorf).

Integriertes Management

Ein erfolgreiches integriertes Management basiert auf vorbeugenden kulturtechnischen Maßnahmen, allen voran der raschen Beseitigung oder Zersetzung des Falllaubs im Herbst, um das Inokulum für das Folgejahr drastisch zu reduzieren. Ein luftiger Baumschnitt sorgt für ein schnelles Abtrocknen der Kultur nach Regenfällen. Chemische Pflanzenschutzmittel werden gezielt vor oder unmittelbar nach vorhergesagten Infektionsereignissen eingesetzt. Um Resistenzen vorzubeugen, musst du zwingend die FRAC-Richtlinien beachten: Kombiniere oder wechsle systemische Wirkstoffe (wie SDHI oder Triazole) stets mit Kontaktfungiziden (z. B. Captan oder Schwefel) ab und halte dich an die maximalen Anwendungshäufigkeiten pro Saison.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie kannst du den Abbau des Falllaubs im Herbst gezielt beschleunigen, um den Infektionsdruck im Frühjahr zu senken?

Du kannst das Falllaub direkt nach dem Blattfall mit einem Mulchgerät zerkleinern, um die Angriffsfläche für Bodenorganismen zu vergrößern. Eine zusätzliche Ausbringung von Harnstoff (ca. 5 %) auf das am Boden liegende Laub oder direkt vor dem Blattfall fördert die mikrobielle Aktivität und beschleunigt die Rotte der Blätter, wodurch die Bildung von Pseudothecien im Winter massiv gestört wird.

Ab welchem BBCH-Stadium ist die Kultur im Frühjahr besonders empfindlich für Primärinfektionen?

Die kritische Phase beginnt bereits mit dem Erscheinen der ersten grünen Blattspitzen (BBCH 09 bis BBCH 10). Besonders empfindlich ist das junge, sich entfaltende Gewebe während der Vorblüte (BBCH 53 bis BBCH 59), da hier die Ascosporenausschüttung meist ihren Höhepunkt erreicht und das Gewebe noch keine schützende Kutikula ausgebildet hat.

Wie unterscheidet sich die Bekämpfungsstrategie bei einer kurativen Behandlung von einer protektiven Anwendung?

Eine protektive Behandlung schützt das Gewebe vorbeugend und muss vor dem Regenereignis abgeschlossen sein (z. B. mit Kontaktfungiziden). Eine kurative Behandlung führst du nach einer erfolgten Infektion durch; hierbei nutzt du systemische oder tiefenwirksame Pflanzenschutzmittel, die innerhalb des engen Stopp-Fensters (je nach Wirkstoff 24 bis 48 Stunden nach Infektionsbeginn) den Pilz im Blattgewebe stoppen können.

Wie vermeidest du Wirkstoffresistenzen beim Einsatz von Fungiziden gegen diesen Schaderreger?

Halte dich strikt an das Antiresistenzmanagement nach FRAC: Verwende Einzelsubstanzen aus gefährdeten Wirkstoffklassen (wie SDHI, Strobilurine oder Triazole) niemals solo, sondern stets in Tankmischung oder im Blockwechsel mit Multisite-Kontaktwirkstoffen. Zudem solltest du die maximale Anzahl an Anwendungen pro Saison für die jeweilige Wirkstoffklasse niemals überschreiten.

Wie findest du auf agronomy.farmable.tech die passenden, aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Apfelschorf?

Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem Schaderreger "Venturia inaequalis" oder dem deutschen Namen "Apfelschorf". Du erhältst eine Übersicht aller in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Angaben zu Aufwandmenge, maximalen Anwendungen, BBCH-Anwendungsbereich und der einzuhaltenden Wartezeit.

Warum tritt Lagerschorf auf, obwohl die Früchte bei der Ernte völlig symptomfrei erschienen?

Lagerschorf entsteht durch sehr späte Infektionen im Sommer oder Spätsommer kurz vor der Ernte. Bei kühler Witterung ist die Inkubationszeit des Pilzes so lang, dass die Infektionen bei der Ernte noch unsichtbar (latent) sind; erst unter den feuchten Bedingungen im Kühllager bricht der Pilz nach Wochen oder Monaten aus.