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Thiopron

BVL Zul.-Nr. 00A249-00

Thiopron ist ein hochformuliertes, flüssiges Pflanzenschutzmittel auf Basis von elementarem Schwefel (825 g/l), das sich durch seine hervorragende Haftung und Regenbeständigkeit auszeichnet. Als Suspensionskonzentrat (SC) bietet es eine besonders feine Partikelverteilung, die eine gleichmäßige Benetzung der Kulturen gewährleistet. Es wird vor allem als protektives Fungizid zur Bekämpfung von Echten Mehltaupilzen und Schorf in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen eingesetzt.

Dank seiner flüssigen Formulierung lässt sich Thiopron im Vergleich zu herkömmlichen Netzschwefel-Pulvern deutlich leichter dosieren und staubfrei anmischen. Das breite Zulassungsspektrum umfasst wichtige Kulturen wie Getreide (Weizen, Gerste, Roggen, Triticale), Kernobst (Apfel), Beerenobst (Johannisbeeren, Himbeeren), Hopfen sowie verschiedene Gemüse- und Rübenarten. Dies macht das Produkt zu einem vielseitigen und flexiblen Baustein im integrierten Pflanzenschutz.

Wirkstoffe

Schwefel
825 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Schwefel gehört zur FRAC-Gruppe M02 (Multi-Site-Inhibitor). Schwefel dringt in die Pilzzellen ein, wo er als Elektronenakzeptor in der Atmungskette fungiert und lebenswichtige Stoffwechselprozesse stört. Er interferiert mit der Zellatmung, indem er die Reduktion von Sauerstoff blockiert und stattdessen Schwefelwasserstoff bildet, was für die Pilzzelle toxisch ist. Da Schwefel an mehreren Stellen (Multi-Site) im Stoffwechsel der Schaderreger angreift, besitzt er ein extrem geringes Risiko für Resistenzbildungen. Neben der fungiziden Wirkung zeigt Schwefel auch einen bekannten, die Spinnmilben dämpfenden Nebeneffekt (akarizide Wirkung), was in vielen Kulturen einen zusätzlichen Nutzen darstellt. Die Wirkung ist maßgeblich temperaturabhängig, da die Dampfphase des Schwefels für eine optimale Verteilung im Pflanzenbestand sorgt.

Resistenzmanagement

Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC M02) ist Thiopron ein unverzichtbares Werkzeug im Antiresistenzmanagement. Es eignet sich hervorragend für den Wechsel (Rotation) oder als Mischungspartner mit systemischen Fungiziden, um deren Wirkungsdauer zu verlängern und die Entstehung von Resistenzen bei Schaderregern wie dem Echten Mehltau oder Schorf aktiv zu verhindern. Du solltest Thiopron strategisch in deine Spritzfolgen integrieren, um die Wirksamkeit gefährdeter Wirkstoffklassen langfristig zu sichern.

Mischbarkeit & Tankmischung

Thiopron ist im Allgemeinen gut mit vielen gängigen Fungiziden, Insektiziden und Blattdüngern mischbar. Bei Mischungen mit ölhaltigen Produkten ist jedoch Vorsicht geboten, da dies zu Phytotoxizität führen kann; zwischen Schwefel- und Ölanwendungen sollte ein ausreichender zeitlicher Abstand eingehalten werden. Achte stets auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge für eine lückenlose Benetzung der Kulturen und führe vor großflächigen Anwendungen im Zweifel immer eine Mischungsprobe auf Verträglichkeit durch.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit Thiopron ist die persönliche Schutzausrüstung (PSA) gemäß den Vorgaben des Herstellers zu tragen, um Haut- und Augenkontakt zu vermeiden. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Zulassungstext vorgegeben ist, empfiehlt sich aus Vorsorgegründen eine Anwendung außerhalb des aktiven Bienenflugs in den Abendstunden, besonders wenn die Kulturen blühen oder von Bienen beflogen werden. Um Gewässer und Nichtzielorganismen zu schonen, sollte eine Abdrift auf angrenzende Flächen durch den Einsatz abdriftmindernder Technik konsequent vermieden werden.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WassermeloneEchter Mehltau (Erysiphe cichoracearum)13–877.5 LITER_PER_HECTARE1T
TriticaleEchter Mehltau (Erysiphe graminis)15–697.5 LITER_PER_HECTARE
Schwarze JohannisbeereAmerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae)57–852.5 LITER_PER_HECTARE1T
HartweizenEchter Mehltau (Erysiphe graminis)30–597.28 LITER_PER_HECTARE
Moschus-KürbisEchter Mehltau (Erysiphe cichoracearum)13–877.5 LITER_PER_HECTARE1T
ZierpflanzenEchte Mehltaupilze16–592.5 LITER_PER_HECTARE
StachelbeereAmerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae)57–852.5 LITER_PER_HECTARE1T
Weiße JohannisbeereAmerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae)57–852.5 LITER_PER_HECTARE1T
RoggenEchter Mehltau (Erysiphe graminis)15–697.5 LITER_PER_HECTARE
GersteEchter Mehltau (Erysiphe graminis)15–697.5 LITER_PER_HECTARE
ZucchiniEchter Mehltau (Erysiphe cichoracearum)13–877.5 LITER_PER_HECTARE1T
FutterrübeEchter Mehltau (Erysiphe betae)39–497.5 LITER_PER_HECTARE
HopfenEchter Mehltau (Sphaerotheca macularis)31–877.5 LITER_PER_HECTARE1T
ForstpflanzenEchte Mehltaupilze10–913 LITER_PER_HECTARE
EicheEchter Mehltau (Microsphaera alphitoides)16–591.2 LITER_PER_HECTARE
MeloneEchter Mehltau (Erysiphe cichoracearum)13–877.5 LITER_PER_HECTARE1T
WeizenEchter Mehltau (Erysiphe graminis)15–697.5 LITER_PER_HECTARE
ApfelLagerschorf (Venturia inaequalis), Echter Mehltau (Podosphaera leucotricha)52–757.5 LITER_PER_HECTARE
ZuckerrübeEchter Mehltau (Erysiphe betae)39–497.5 LITER_PER_HECTARE
HimbeereAmerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae)57–855 LITER_PER_HECTARE1T
ErbseEchter Mehltau (Erysiphe pisi)39–855 LITER_PER_HECTARE1T
Rote JohannisbeereAmerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae)57–852.5 LITER_PER_HECTARE1T
WintertriticaleEchter Mehltau (Erysiphe graminis)30–597.28 LITER_PER_HECTARE
GurkeEchter Mehltau (Erysiphe cichoracearum)13–877.5 LITER_PER_HECTARE1T
WinterweichweizenEchter Mehltau (Erysiphe graminis)30–597.28 LITER_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Temperatur die Wirkung von Thiopron?

Schwefel wirkt am besten über seine Dampfphase, die sich bei Temperaturen ab ca. 12–15 °C optimal entfaltet. Bei sehr kühlen Temperaturen ist die Wirkung verzögert. Vermeide jedoch Behandlungen bei extremer Hitze (über 28 °C) und praller Sonne, um Verbrennungen (Phytotoxizität) an den Blättern deiner Kulturen zu verhindern.

Warum ist die flüssige Formulierung von Thiopron vorteilhafter als herkömmlicher Netzschwefel?

Die flüssige Formulierung (Suspensionskonzentrat) ermöglicht eine deutlich feinere Partikelgröße des Schwefels. Dadurch haftet das Produkt besser auf der Blattoberfläche, ist extrem regenfest und lässt sich staubfrei und exakt dosieren, was die Handhabung für dich beim Anmischen der Spritzbrühe erheblich sicherer und komfortabler macht.

Kann ich Thiopron auch im ökologischen Landbau einsetzen?

Ja, Schwefel ist ein traditioneller und für den ökologischen Landbau zugelassener Wirkstoff. Thiopron kann daher in vielen biologisch wirtschaftenden Betrieben zur Regulierung von Echtem Mehltau und Schorf eingesetzt werden. Prüfe jedoch vor der Anwendung die aktuellen Vorgaben deines jeweiligen Anbauverbandes.

Was musst du bei der Kombination von Thiopron mit Netzmitteln beachten?

Thiopron enthält bereits hochwertige Formulierungshilfsstoffe, die für eine gute Haftung sorgen. Der Zusatz von starken Netzmitteln oder Ölen kann die Wachsschicht der Blätter schwächen und das Risiko für Pflanzenschäden (Phytotoxizität) erhöhen. Verwende solche Zusätze daher nur nach vorheriger Absicherung oder bei ausdrücklicher Empfehlung.

Wie integrierst du Thiopron am besten in eine Spritzfolge zur Schorfbekämpfung im Apfel?

Nutze Thiopron vor allem in den frühen BBCH-Stadien (ab Knospenaufbruch bis zur Blüte) als protektiven Partner. Es schützt den Neuzuwachs zuverlässig vor Primärinfektionen des Schorfs und entlastet gleichzeitig systemische Wirkstoffe, wodurch du das Risiko von Resistenzbildungen in deiner Anlage effektiv minimierst.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech weitere zugelassene Produkte gegen Echten Mehltau?

Du kannst in unserem Hub gezielt nach dem Schaderreger 'Echter Mehltau' filtern und deine spezifische Kultur auswählen. Die Plattform zeigt dir dann alle in Deutschland (BVL) registrierten Pflanzenschutzmittel an, sodass du Wirkstoffe für eine optimale Fruchtfolge und ein wirksames Antiresistenzmanagement vergleichen kannst.