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Pilz

Leptosphaeria

Leptosphaeria
1LEPTG

Die Pilzgattung Leptosphaeria (EPPO-Code: 1LEPTG) umfasst mehrere ökonomisch bedeutende Schaderreger im Obst- und Ackerbau. Besonders im Anbau von Himbeeren (Rubus idaeus) verursacht der Erreger Leptosphaeria coniothyrium (Erreger des Himbeerrutensterbens) gravierende Schäden. Die Infektion führt zum Absterben tragender Ruten, was direkt zu massiven Ertragseinbußen führt und die Langlebigkeit der Anlagen stark beeinträchtigt.

Der Schaderreger ist ein Schwächeparasit, der vor allem über mechanische Wunden, Frostschäden oder Verletzungen durch die Himbeergallmücke in die Ruten eindringt. Einmal etabliert, blockiert das Myzel die Leitungsbahnen der Kultur. Dies führt im Frühjahr und Sommer zum plötzlichen Welken der Seitentriebe und zum Vertrocknen der unreifen Früchte.

Weltweit verbreitet, tritt die Krankheit besonders in feuchten Anbaujahren und in intensiv bewirtschafteten Anlagen mit hoher Pflanzdichte auf. Die Bekämpfung erfordert ein konsequentes, integriertes Management, da einmal infizierte Ruten nicht geheilt werden können und gerodet werden müssen.

Typ
Pilz
EPPO-Code
1LEPTG
Wirte
1 Kultur
Generationen
Eine Hauptgeneration pro Saison mit kontinuierlicher sekundärer Konidienverbreitung
Verbreitung
Der Schaderreger ist in allen gemäßigten Anbaugebieten weltweit verbreitet und verursacht insbesondere in Europa und Nordamerika bei anfälligen Himbeersorten Ernteverluste von bis zu 80 % in unbehandelten Anlagen.
Erstbeschreibung
Cesati & De Notaris, 1863

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern (Pseudothezien und Pyknidien) auf den abgestorbenen Rutenresten im Boden oder direkt an der Kultur. Im Frühjahr, meist ab BBCH 10 bis 19, werden bei feucht-warmer Witterung Ascosporen und Konidien freigesetzt, die durch Wind und Regenspritzer verbreitet werden. Die Primärinfektion erfolgt primär über Wunden, die durch Schnittmaßnahmen, Erntemaschinen oder Schädlinge entstehen. Im Laufe der Vegetationsperiode breitet sich das Myzel im Rindengewebe aus und schnürt die Saftleitungen ab. Im Herbst bilden sich an den absterbenden Ruten erneut Überwinterungsorgane, die den Zyklus für das Folgejahr schließen.

Bonitur

Das Monitoring beginnt im zeitigen Frühjahr ab dem Austrieb (BBCH 10) und erstreckt sich über die gesamte Blüte (BBCH 60–69) bis nach der Ernte (BBCH 91). Agronomen sollten gezielt nach dunklen, violett-braunen Verfärbungen im bodennahen Bereich der Jungruten suchen, insbesondere an mechanischen Schadstellen oder Einstichstellen der Himbeergallmücke. Eine feste Schadschwelle existiert nicht; aufgrund des hohen Schadpotenzials ist beim ersten Auftreten von Symptomen oder bei starkem Befall mit der Himbeergallmücke im Vorjahr eine vorbeugende Strategie zwingend erforderlich.

Symptome

Typisch sind scharf abgegrenzte, violett-braune bis grauschwarze Flecken an den Rutenbasen, die sich im Sommer nach oben ausdehnen. Die Rinde im Befallsbereich reißt häufig längs auf, blättert ab und gibt das darunterliegende, geschwärzte Holzgewebe frei. Im fortgeschrittenen Stadium welken die Blätter und Seitentriebe der betroffenen Ruten plötzlich während der Fruchtentwicklung, vertrocknen und sterben samt den unreifen Früchten ab. An den abgestorbenen Ruten sind im Winter winzige, schwarze Punkte (Fruchtkörper) sichtbar.

Integriertes Management

Die Bekämpfung basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch stehen die Förderung einer schnellen Abtrocknung der Kultur (weite Pflanzabstände, Unkrautregulierung) und die absolute Vermeidung von Wunden im Vordergrund; befallene Ruten müssen sofort bodennah abgeschnitten und aus der Anlage entfernt werden. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten vorbeugend vor Infektionsperioden appliziert werden, insbesondere nach dem Schnitt oder bei starkem Flug der Himbeergallmücke. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein strikter Wirkstoffwechsel nach dem FRAC-Code (z. B. Wechsel zwischen SDHI, Strobilurinen und Triazolen) zwingend einzuhalten.

Wirtspflanzen

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Häufige Fragen

Wie hängen die Himbeergallmücke und Infektionen durch Leptosphaeria zusammen?

Die Larven der Himbeergallmücke fressen unter der Rinde der Jungruten und schaffen dadurch ideale Eintrittspforten für die Sporen von Leptosphaeria. Eine effektive Regulierung der Gallmücke im Frühjahr reduziert das Risiko von Rutensterben-Infektionen drastisch.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine chemische Behandlung gegen das Rutensterben?

Die kritischste Phase liegt zwischen dem Austrieb der Jungruten (ab BBCH 31) und dem Ende der Blüte (BBCH 69). Pflanzenschutzmittel sollten präventiv vor angekündigten Niederschlagsperioden oder unmittelbar nach mechanischen Belastungen (z. B. Rutenlenkung, Schnitt) ausgebracht werden.

Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln suchen?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub, filtern Sie nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Himbeere) und wählen Sie den Schaderreger Leptosphaeria aus. Das System listet Ihnen alle aktuell in Ihrem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, Anwendungsbestimmungen und Wartezeit auf.

Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung beim Auftreten von Leptosphaeria?

Eine übermäßige Stickstoffdüngung führt zu weichem, mastigem Gewebe der Jungruten, das extrem anfällig für Risse und Pilzinfektionen ist. Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Nährstoffversorgung stärkt die natürliche Barrierefunktion der Rutenrinde.

Können infizierte Ruten durch den Einsatz von Fungiziden geheilt werden?

Nein, bereits infizierte Ruten, bei denen das Myzel die Leitungsbahnen verstopft hat, können nicht geheilt werden. Fungizide wirken rein protektiv und verhindern die Keimung und das Eindringen neuer Sporen in gesundes Gewebe. Befallene Ruten müssen mechanisch entfernt werden.

Welche FRAC-Klassen stehen für das Resistenzmanagement zur Verfügung und wie sollten sie rotiert werden?

Für die Behandlung stehen meist Wirkstoffe aus den FRAC-Gruppen 7 (SDHI), 11 (Strobilurine) und 3 (DMI-Triazole) zur Verfügung. Um Resistenzen vorzubeugen, darf keine dieser Wirkstoffgruppen blockweise hintereinander eingesetzt werden; wechseln Sie bei aufeinanderfolgenden Anwendungen konsequent die FRAC-Klasse.