Himbeere
Die Himbeere (Rubus idaeus, EPPO-Code: RUBID) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Strauchbeerenobstarten im mitteleuropäischen Erwerbsanbau. Botanisch handelt es sich um eine Scheinfrucht aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Im professionellen Anbau wird grundlegend zwischen Sommerhimbeeren, die am zweijährigen Holz tragen, und Herbsthimbeeren, die an den diesjährigen Ruten fruchten, unterschieden. Diese Differenzierung bestimmt maßgeblich das Kulturverfahren, den Schnitt und das Erntefenster.
In den letzten Jahren hat sich der Anbau stark gewandelt. Neben dem klassischen Freilandanbau gewinnt der geschützte Anbau in Folientunneln und auf Stellagen (Substrat-Kultur) massiv an Bedeutung. Dies ermöglicht eine hohe Fruchtqualität, Schutz vor Witterungseinflüssen wie Starkregen und eine präzisere Steuerung von Bewässerung und Fertigation. Dennoch erfordert die Kultur ein hohes pflanzenbauliches Geschick, insbesondere bei der Steuerung des Rutenwachstums und der Einhaltung strenger Hygienestandards zur Vermeidung von Schaderregern.
Bodenmanagement
Himbeeren sind extrem empfindlich gegenüber Staunässe und Bodenverdichtungen, weshalb ein lockerer, humusreicher und gut durchlüfteter Boden zwingend erforderlich ist. Im Freilandanbau hat sich die Pflanzung auf Dämmen (ca. 30–40 cm hoch) bewährt, die zusätzlich mit Mulchfolie oder Vlies abgedeckt werden, um Unkraut wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) zu unterdrücken und die Bodentemperatur zu regulieren. Eine gleichmäßige Wasserversorgung über Tröpfchenbewässerung ist essenziell, da das flache Wurzelsystem der Kultur Trockenstress schlecht toleriert. Bei der Düngung musst du auf eine chloridempfindliche Ernährung achten; eine gezielte Fertigation liefert Nährstoffe bedarfsgerecht direkt an die Wurzeln. Gründüngung und der Aufbau von organischer Substanz vor der Neuanlage verbessern die Bodenstruktur nachhaltig.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz im Himbeeranbau fokussiert sich stark auf die Vermeidung von Pilzkrankheiten wie Grauschimmel (Botrytis cinerea) und Rutensterben (Leptosphaeria). Durch eine luftige Erziehungsform und konsequenten Schnitt der Ruten wird das Mikroklima im Bestand trocken gehalten, was den Infektionsdruck minimiert. Gegen die gefürchtete Phytophthora-Wurzelfäule (Phytophthora fragariae) helfen vor allem vorbeugende Maßnahmen wie die Dammpflanzung oder der Wechsel in sterile Substratkulturen. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln musst du die Zulassungssituation und die Wartezeit genau beachten, insbesondere während der laufenden Ernte bei Herbsthimbeeren. Ein regelmäßiges Monitoring auf tierische Schaderreger wie den Himbeerkäfer oder Spinnmilben sichert die rechtzeitige, gezielte Anwendung von Nützlingen oder spezifischen Pflanzenschutzmitteln.
Sorten
Tulameen
Späte Sommerhimbeere (Juli bis August)Sehr hoch, gleichmäßige Erträge bei guter Pflege.
Resistent gegen: Himbeerblattlaus
Anfällig für: Phytophthora-Wurzelfäule, Rutensterben, Grauschimmel
Der weltweite Standard für Geschmack und Fruchtqualität im Erwerbsanbau. Benötigt aufgrund der Phytophthora-Anfälligkeit hervorragende Böden oder Substratkultur.
Himbbo-Top
Mittelfrühe Herbsthimbeere (ab August bis Frost)Hoch und sehr konstant.
Resistent gegen: Phytophthora-Wurzelfäule
Anfällig für: Spinnmilben, Echter Mehltau
Sehr starkwüchsige Sorte mit einfacher Ernte, da sich die Früchte leicht lösen. Tolerant gegenüber Wurzelkrankheiten.
Polka
Frühe Herbsthimbeere (ab Anfang August)Sehr hoch.
Resistent gegen: Grauschimmel
Anfällig für: Phytophthora-Wurzelfäule, Rutensterben
Hervorragende Fruchtfestigkeit und Haltbarkeit, ideal für den Handel. Zeigt ein schnelles Einsetzen der Ernte.
Meeker
Mittlere bis späte Sommerhimbeere (Juli)Hoch und verlässlich.
Resistent gegen: Rutensterben
Anfällig für: Phytophthora-Wurzelfäule, Wurzelnematoden
Sehr gut für die maschinelle Ernte geeignet, da die Früchte sehr fest sind. Traditionelle Sorte im Freilandanbau.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Schnittführung bei Sommer- und Herbsthimbeeren im Erwerbsanbau?
Bei Sommerhimbeeren musst du die abgetragenen, zweijährigen Ruten direkt nach der Ernte bodennah abschneiden und die neuen, diesjährigen Ruten (ca. 6–8 Stück pro laufendem Meter) für das Folgejahr aufbinden. Herbsthimbeeren hingegen werden im Spätwinter (Januar/Februar) komplett bodennah abgemäht, da sie im Spätsommer an den neu austreibenden Ruten fruchten. Dies vereinfacht die Kulturführung und reduziert das Risiko für überwinternde Schaderreger erheblich.
Welche pflanzenbaulichen Maßnahmen helfen dir, Botrytis im Tunnelanbau ohne Chemie zu minimieren?
Die wichtigste Maßnahme ist die Steuerung der Luftfeuchtigkeit durch konsequentes Lüften der Folientunnel, um stehende Nässe auf den Blättern und Früchten zu verhindern. Zudem solltest du eine lockere Laubwand anstreben, indem du schwache Ruten frühzeitig entfernst, damit der Bestand nach Tau oder Regen schnell abtrocknet. Eine tropfgenaue Bewässerung direkt im Wurzelbereich hält die Blüten und Früchte trocken und entzieht dem Pilz die Keimungsgrundlage.
Wie erkennst du eine Infektion mit Phytophthora-Wurzelfäule frühzeitig im Bestand?
Achte im Frühjahr auf nesterweise auftretende Kümmerpflanzen mit fahlgrünen, sich später rötlich-gelb verfärbenden Blättern und vertrocknenden Triebspitzen. Wenn du verdächtige Pflanzen ausgräbst, zeigt sich eine rotbraune Verfärbung des Wurzelzylinders unter der Rinde, während gesunde Wurzeln innen weiß sind. Da der Erreger im Boden jahrelang überdauert, solltest du betroffene Pflanzen sofort mitsamt der umgebenden Erde entfernen und dort keine Himbeeren mehr nachpflanzen.
Wie nutzt du das BBCH-Stadium zur optimalen Terminierung von Pflanzenschutzmitteln gegen das Rutensterben?
Behandlungen gegen die Erreger des Rutensterbens sind besonders im Frühjahr ab dem BBCH-Stadium 13 bis 39 (Blattentwicklung bis Längenwachstum der Jungruten) kritisch. In dieser Phase sind die jungen Ruten besonders empfindlich für Infektionen über Mikrorisse oder Blattansätze. Richte deine Kontrollen und eventuelle Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln gezielt auf feuchte Witterungsperioden in diesen BBCH-Stadien aus.
Wo findest du im agronomy.farmable.tech Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel für Himbeeren?
Navigiere im Hub einfach über die Kultur-Suche zu 'Himbeere' und filtere die Datenbank nach dem gewünschten Schaderreger, wie beispielsweise Botrytis cinerea. Dort werden dir alle aktuell in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmenge, der maximalen Anzahl an Anwendungen und der einzuhaltenden Wartezeit übersichtlich angezeigt.