Himbeere
Die Himbeere (Rubus idaeus, EPPO-Code: RUBID) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Beerenobstkulturen im mitteleuropäischen Erwerbsanbau. Botanisch handelt es sich um eine Scheinfrucht aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), deren Kultivierung hohe Anforderungen an den Standort und die Kulturführung stellt. Im Erwerbsanbau wird grundsätzlich zwischen sommertragenden Sorten, die am zweijährigen Holz fruchten, und herbsttragenden Sorten, die an den diesjährigen Ruten Ertrag bringen, unterschieden.
In modernen Betrieben gewinnt der geschützte Anbau unter Folientunneln sowie die Verwendung von Substratkulturen auf Stellagen zunehmend an Bedeutung, um Witterungsrisiken zu minimieren und eine gleichmäßige Fruchtqualität zu sichern. Da die Kultur äußerst empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagiert, sind eine präzise gesteuerte Bewässerung und eine angepasste Nährstoffversorgung über Fertigation essenziell für den wirtschaftlichen Erfolg.
Bodenmanagement
Die Himbeere stellt extrem hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und reagiert auf Staunässe rasch mit dem Absterben der Wurzeln durch bodenbürtige Schaderreger. Ideal sind tiefgründige, humusreiche und gut durchlüftete Sand- oder Lehmböden mit einem stabilen pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5. Vor der Pflanzung ist eine gründliche Tiefenlockerung sowie das Einarbeiten von organischem Material zur Humusanreicherung dringend zu empfehlen. Im Freilandanbau hat sich die Pflanzung auf Dämmen (ca. 30–40 cm Höhe) bewährt, um den Wasserabzug im Wurzelbereich aktiv zu verbessern. Eine kontinuierliche, tropfenweise Bewässerung gekoppelt mit einer bedarfsgerechten Fertigation sichert die Nährstoffversorgung während der kritischen Phasen der Fruchtentwicklung und Rutenbildung.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei dieser Kultur erfordert eine vorausschauende Strategie, die Kulturmaßnahmen und gezielten Pflanzenschutzmitteleinsatz kombiniert. Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern zählen die Rutenkrankheiten (verursacht durch Leptosphaeria) und die Phytophthora-Wurzelfäule (Phytophthora fragariae), welche durch Staunässevermeidung und resistente Sorten eingegrenzt werden müssen. Während der Blüte und Fruchtreife steht die Bekämpfung von Grauschimmel (Botrytis cinerea) im Vordergrund, wobei Behandlungen exakt auf die BBCH-Stadien der Blüte abgestimmt werden müssen. Gegen tierische Schädlinge wie den Himbeerkäfer oder die Kirschessigfliege sind engmaschige Monitoring-Maßnahmen und der Einsatz nützlingsschonender Pflanzenschutzmittel unerlässlich. Ein konsequenter Rückschnitt abgetragener Ruten direkt nach der Ernte entzieht vielen Schaderregern die Überwinterungsgrundlage und fördert die Durchlüftung des Bestandes.
Sorten
Tulameen
Mittelfrüh (Sommerhimbeere)Sehr hoch und gleichmäßig bei optimaler Kulturführung.
Resistent gegen: Blattläuse
Anfällig für: Phytophthora-Wurzelfäule, Rutensterben
Der weltweite Standard im Erwerbsanbau für den Frischmarkt aufgrund hervorragender Fruchtqualität und Transportfähigkeit.
Autumn Bliss
Frühe HerbsthimbeereMittelhoch bis hoch, sehr verlässliche Erträge auch in kühleren Lagen.
Resistent gegen: Phytophthora-Wurzelfäule
Anfällig für: Grauschimmel
Eine bewährte, robuste Sorte für den Freilandanbau, die sich durch eine frühe Ernte an den diesjährigen Ruten auszeichnet.
Polka
Mittelfrühe HerbsthimbeereHoch bis sehr hoch, ausgeprägte Pflückleistung.
Resistent gegen: Rutensterben
Anfällig für: Phytophthora-Wurzelfäule, Spinnmilben
Sehr beliebte Sorte im mitteleuropäischen Erwerbsanbau mit festen, dunkelroten Früchten und gutem Geschmack.
Himbbo-Top
Mittlere bis späte HerbsthimbeereSehr hoch, durch lange Ernteperiode gekennzeichnet.
Resistent gegen: Phytophthora-Wurzelfäule
Anfällig für: Windbruch
Starkwüchsige Sorte mit sehr großen, hellroten Früchten, die sich leicht pflücken lassen und kaum nachdunkeln.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Schnittführung zwischen Sommer- und Herbsthimbeeren im Erwerbsanbau?
Bei sommertragenden Kulturen werden die abgetragenen, zweijährigen Ruten unmittelbar nach der Ernte bodennah abgeschnitten, während die neuen, diesjährigen Ruten für das Folgejahr aufgebunden werden. Bei herbsttragenden Kulturen hingegen erfolgt im Spätwinter (Januar bis Februar) ein kompletter Kahlschlag aller Ruten knapp über dem Boden, da diese im Frühjahr neu austreiben und im selben Herbst an den Triebspitzen fruchten.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium für die Bekämpfung von Botrytis cinerea?
Die kritische Phase für Infektionen durch Grauschimmel beginnt bereits in der Blüte (BBCH-Stadien 61 bis 69). Pflanzenschutzmittel müssen präventiv in diesen Stadien appliziert werden, da der Pilz die Blütenorgane infiziert und erst zur Fruchtreife sichtbar ausbricht; spätere Behandlungen kurz vor der Ernte sind aufgrund einzuhaltender Wartezeiten und mangelnder Wirkung im Inneren der Frucht oft nicht mehr zielführend.
Wie kann das Risiko einer Phytophthora-Infektion im Freilandanbau minimiert werden?
Neben der Sortenwahl ist die Anlage von hohen Dämmen (30–40 cm) und der Einbau von Drainagen entscheidend, um Staunässe im empfindlichen Wurzelbereich zu verhindern. Zudem sollte auf Flächen, auf denen bereits Erdbeeren oder andere Rosengewächse standen, eine mehrjährige Anbaupause eingehalten werden, um das Inokulum des Schaderregers im Boden zu reduzieren.
Welche Vorteile bietet der geschützte Anbau im Folientunnel gegenüber dem Freiland?
Der Anbau unter Folientunneln schützt die empfindlichen Früchte vor direktem Niederschlag, was das Risiko von Botrytis-Infektionen drastisch senkt und den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln minimiert. Zudem ermöglicht er eine präzisere Steuerung des Erntefensters, schützt vor Spätfrösten im Frühjahr und sichert eine konstant hohe Fruchtfestigkeit für den Frischmarkt.
Wie finde ich im Agronomy-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Rutenkrankheiten?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Himbeere' sowie dem spezifischen Schaderreger (z. B. Leptosphaeria spp. oder Rutensterben). Das System listet Ihnen alle aktuell in Ihrer Region zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und einzuhaltenden Wartezeiten auf.