Leptosphaerulina australis
Leptosphaerulina australis (EPPO-Code: LPHLAU) ist ein schwächeparasitärer Pilz, der vor allem Gräser und Rasenflächen (Zier-, Sport- und Gebrauchsrasen) befällt und die sogenannte Leptosphaerulina-Blattfleckenkrankheit verursacht. Obwohl der Schaderreger oft als Sekundärparasit auftritt, kann er unter warm-feuchten Bedingungen oder bei gestressten Kulturen erhebliche Blattschäden verursachen.
Die wirtschaftliche Bedeutung liegt primär im Bereich der professionellen Rasenpflege (Golfplätze, Sportplätze und Rollrasenproduktion). Ein starker Befall führt zu einer schnellen Verbräunung der Blätter, vermindert die Vitalität der Gräser und stört das optische Erscheinungsbild sowie die Scherfestigkeit der Grasnarbe erheblich.
Der Pilz ist weltweit verbreitet und tritt besonders in intensiv gepflegten Monokulturen auf, wenn ungünstige Umweltbedingungen wie anhaltende Blattnässe und hohe Temperaturen zusammentreffen.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert als Myzel oder in Form von Pseudothezien (Fruchtkörpern) auf abgestorbenem Pflanzenmaterial im Boden oder im Filz der Grasnarbe. Im Frühjahr, bei steigenden Temperaturen und feuchter Witterung, werden Ascosporen freigesetzt, die durch Wind und Wasserspritzer auf die gesunden Blätter der Kulturen gelangen. Die Infektion erfolgt direkt durch die Kutikula oder über natürliche Öffnungen und Wunden, die beispielsweise durch das Mähen entstehen. Unter optimalen Bedingungen (Temperaturen zwischen 20 °C und 28 °C sowie langanhaltender Blattnässe) bildet der Pilz innerhalb weniger Tage neue Konidien aus, was zu mehreren aufeinanderfolgenden Infektionszyklen innerhalb einer Vegetationsperiode führt.
Bonitur
Die Überwachung der Kulturen sollte ab dem Frühjahr mit dem Einsetzen des aktiven Wachstums (ab BBCH-Stadium 10 bis 29 bei Gräsern) beginnen, besonders nach den ersten intensiven Mähgängen. Achte bei der Bonitur auf nesterweise auftretende Verfärbungen und strohgelbe Blattspitzen, insbesondere in schlecht belüfteten oder schattigen Bereichen. Da es für diesen Schaderreger keine starren wissenschaftlichen Schadschwellen gibt, dient die visuelle Kontrolle in Kombination mit Wetterdaten (Blattnässedauer > 10 Stunden bei über 20 °C) als wichtigste Entscheidungshilfe für vorbeugende Maßnahmen oder eine gezielte Behandlung.
Symptome
Die Symptome zeigen sich zunächst als kleine, wassergetränkte Flecken auf den Blättern, die sich rasch zu ovalen, strohgelben bis hellbraunen Läsionen mit einem rötlich-braunen Rand ausdehnen. Typischerweise sterben die Blattspitzen von oben nach unten ab, wodurch betroffene Rasenflächen ein insgesamt vertrocknetes, strohiges Aussehen annehmen. Bei feuchtem Wetter sind auf den abgestorbenen Gewebeteilen winzige, dunkle Punkte (die Fruchtkörper des Pilzes) mit einer Lupe gut zu erkennen.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt primär auf kulturtechnische Maßnahmen zur Stressminderung der Kulturen: Vermeide Staunässe durch regelmäßiges Aerifizieren und Sanden, reduziere den Rasenfilz durch Vertikutieren und sorge für eine ausgewogene, stickstoffbetonte Düngung ohne Überdüngung. Das Mähen sollte nur bei trockenen Beständen erfolgen, um die Erregerausbreitung zu minimieren, wobei scharfe Messer saubere Schnitte hinterlassen und Eintrittspforten reduzieren. Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln zur Förderung der pflanzlichen Abwehrkräfte. Sollte eine chemische Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel notwendig sein, ist auf einen Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien zu achten (z. B. Wechsel zwischen Strobilurinen und SDHI), um einer Resistenzbildung des Schaderregers konsequent vorzubeugen.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie kann ich im Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach der Kultur „Rasen“ oder „Ziergräser“ sowie dem Schaderreger Leptosphaerulina australis. Achte darauf, nur Pflanzenschutzmittel auszuwählen, die eine aktuelle Zulassung für deine spezifische Anwendung und das jeweilige BBCH-Stadium besitzen.
Welche Rolle spielt die Schnitthöhe beim Mähen für den Befall mit Leptosphaerulina australis?
Ein zu tiefer Schnitt (Tiefschnitt-Stress) schwächt die Kulturen erheblich und schafft durch die größeren Wundflächen ideale Eintrittspforten für den Pilz. Halte die Schnitthöhe besonders in Hitzeperioden höher und vermeide es, mehr als ein Drittel der Blattlänge auf einmal einzukürzen.
Warum tritt die Krankheit oft nach einer Stickstoffüberdüngung auf?
Ein Übermaß an Stickstoff führt zu einem schnellen, aber weichen und wasserreichen Gewebewachstum der Kulturen. Diese mastigen Blätter besitzen eine dünnere Kutikula, die der Pilz wesentlich leichter durchdringen und infizieren kann.
Kann ich den Pilz allein durch Beregnungsmanagement kontrollieren?
Ein gezieltes Beregnungsmanagement ist ein Hauptschlüssel zur Vermeidung: Wässere die Kulturen ausschließlich in den frühen Morgenstunden, damit die Blätter tagsüber schnell abtrocknen können. Vermeide abendliche Wassergaben, da die dadurch verlängerte Blattnässe über Nacht die Sporenkeimung massiv fördert.
Wie unterscheide ich Leptosphaerulina-Blattflecken von Dollarspot oder Rotfaden?
Im Gegensatz zum Dollarspot (Sclerotinia homoeocarpa), der scharf abgegrenzte, strohige Flecken von Münzgröße bildet, und dem Rotfaden (Laetisaria fuciformis) mit seinen charakteristischen roten Myzelfäden, zeigt Leptosphaerulina ein diffuses Vertrocknen der Blattspitzen mit winzigen, schwarzen Fruchtkörpern (Pseudothezien) im abgestorbenen Gewebe.
Welche FRAC-Klassen sind bei einer chemischen Behandlung zu bevorzugen und wie vermeide ich Resistenzen?
Setze bevorzugt auf eine Kombination oder den Wechsel von Wirkstoffen aus den FRAC-Gruppen 3 (DMI-Fungizide) und 11 (QoI/Strobilurine). Um Resistenzen vorzubeugen, darfst du Produkte derselben Wirkstoffklasse nicht blockweise hintereinander anwenden; integriere stattdessen immer auch kontaktwirksame, multisite-aktive Wirkstoffe, sofern diese für deine Kultur zugelassen sind.