Lilienhähnchen
Das Lilienhähnchen (Lilioceris lilii, EPPO-Code: CRIELI) ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger aus der Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae). Der auffällig scharlachrote Käfer mit schwarzem Kopf und schwarzen Beinen befällt vor allem Liliengewächse (Liliaceae) sowie ausgewählte Zierpflanzenkulturen. Während die adulten Käfer durch ihren Reifungsfraß auffallen, verursachen insbesondere die gefräßigen Larven massive Schäden an Blättern, Knospen und Blütenstängeln, was in Erwerbsgärtnereien und im Zierpflanzenbau zu erheblichen Qualitätsminderungen und Ernteausfällen führen kann.
Die Relevanz des Schädlings hat in den letzten Jahrzehnten durch den globalen Handel mit Blumenzwiebeln und die Verschleppung in neue Anbaugebiete stark zugenommen. Neben dem direkten Kahlfraß begünstigen die Fraßwunden Sekundärinfektionen durch phytopathogene Pilze und Bakterien, was die Vitalität der betroffenen Kulturen nachhaltig schwächt.
Biologie / Lebenszyklus
Die adulten Käfer überwintern im Boden oder unter Laub und erscheinen im zeitigen Frühjahr (oft ab April, zeitgleich mit dem Austrieb der Wirtskulturen). Nach dem Reifungsfraß legen die Weibchen ihre orangefarbenen Eier in Linien an den Blattunterseiten ab. Die schlüpfenden Larven schützen sich vor Fressfeinden, indem sie sich mit ihrem eigenen, kotbeladenen Schleim bedecken, und durchlaufen vier Entwicklungsstadien. Nach etwa zwei bis drei Wochen intensiven Fraßes verpuppen sie sich im Boden, woraus im Sommer die neue Käfergeneration schlüpft, die nach kurzem Fraß schließlich ihr Winterquartier aufsucht.
Bonitur
Die Überwachung der Kulturen beginnt unmittelbar mit dem Austrieb im Frühjahr (BBCH-Stadium 10 bis 13). Da die Käfer bei Störung schnell zu Boden fallen und auf dem Rücken liegen (wodurch ihre schwarze Unterseite sie tarnt), ist ein vorsichtiges Abklopfen der Kulturen über einer Fangschale ratsam. Eine gezielte visuelle Bonitur sollte sich auf die Blattunterseiten konzentrieren, um frühe Gelege oder die charakteristischen, kotbedeckten Larvenkolonien vor dem Erreichen kritischer Schadschwellen (oft bereits bei Erstbefall im professionellen Zierpflanzenbau) zu erfassen.
Symptome
Typisch sind unregelmäßige Loch- und Fensterfraßspuren an den Blättern, die sich bei starkem Befall bis zum vollständigen Kahlfraß der Kultur ausweiten können. Ein diagnostisches Hauptmerkmal sind die Larven, die unter einer dunklen, feuchten Schicht aus eigenem Kot verborgen auf den Blattunterseiten fressen. Zudem sind an den Knospen und Blüten oft tiefe Fraßhöhlen sichtbar, die das Erntegut unverkäuflich machen.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Im professionellen Anbau ist das Absammeln der Käfer meist nur auf Kleinflächen praktikabel; mechanische Bodenbearbeitung im Herbst kann jedoch die überwinternden Adulten dezimieren. Biologisch zeigen Schlupfwespen wie *Tetrastichus setifer* eine gute Wirkung als natürliche Gegenspieler. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollten bevorzugt nützlingsschonende Präparate (z. B. auf Basis von Neem-Extrakten oder Pyrethroiden) appliziert werden, wobei zur Vermeidung von Resistenzen ein Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien (Wechsel der Wirkstoffklassen) zwingend einzuhalten ist.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Ab welchen Bodentemperaturen muss im Frühjahr mit dem Zuflug des Lilienhähnchens gerechnet werden?
Der Zuflug und die Aktivität der überwinterten Käfer beginnen typischerweise, sobald die Bodentemperaturen konstant über 10 °C steigen und die Lufttemperaturen tagsüber etwa 15 °C erreichen. Dies fällt meist mit dem Austrieb der ersten Liliengewächse zusammen.
Welcher BBCH-Bereich ist für eine chemische Behandlung am kritischsten?
Die effektivste Behandlung erfolgt in den BBCH-Stadien 51 bis 59 (Knospenausbildung), da hier die empfindlichen Blütenanlagen vor irreversiblem Fraß geschützt werden müssen. Zu diesem Zeitpunkt sind meist auch die ersten Larven geschlüpft, die besonders sensitiv auf Pflanzenschutzmittel reagieren.
Wie lässt sich eine Resistenzbildung bei der chemischen Regulierung von Lilioceris lilii verhindern?
Um Resistenzen vorzubeugen, müssen Pflanzenschutzmittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (IRAC-Klassifikation) im Wechsel angewendet werden. Kombinieren Sie beispielsweise Behandlungen mit Kontaktgiften (z. B. Pyrethroide, IRAC-Gruppe 3A) mit systemischen oder fraßhemmenden Mitteln (z. B. Azadirachtin/Neem, IRAC-Gruppe UN) innerhalb einer Saison.
Wie finde ich im Agronomie-Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Produktdatenbank, wählen Sie Ihr Land (z. B. Deutschland mit BVL-Zulassungen) und filtern Sie nach der Kulturklasse "Zierpflanzen" sowie dem Schaderreger "Lilienhähnchen" oder dem EPPO-Code "CRIELI", um alle aktuell registrierten Anwendungen und deren Wartezeiten einzusehen.
Welche Rolle spielen parasitäre Schlupfwespen im integrierten Pflanzenschutz gegen das Lilienhähnchen?
Die Schlupfwespe *Tetrastichus setifer* ist ein hochspezialisierter Larvenparasitoid. Im Freilandanbau kann die Förderung oder der gezielte Schutz dieser Nützlinge (durch den Verzicht auf breitbandige Insektizide) die Schädlingspopulation mittelfristig unter die wirtschaftliche Schadschwelle senken.
Warum erschwert die Kot-Schutzschicht der Larven die Bekämpfung und wie reagiert man darauf?
Die Schleim- und Kotschicht schützt die Larven vor Austrocknung und mechanischen Einflüssen sowie teilweise vor Kontaktinsektiziden. Bei der Applikation von Pflanzenschutzmitteln ist daher auf eine hervorragende Benetzung (hohe Wasseraufwandmenge und ggf. Zusatz von Netzmitteln) zu achten, um den Wirkstoff direkt an den Schädling zu bringen.