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Pilz

Monilinia

Monilinia
1MONIG

Die Pilzgattung Monilinia (EPPO-Code: 1MONIG) umfasst hochgradig schadorganische Erreger, die im Stein- und Kernobstbau weltweit erhebliche ökonomische Schäden verursachen. Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Arten in Mitteleuropa gehören Monilinia laxa (Erreger der Blüten- und Spitzendürre sowie der Fruchtfäule) und Monilinia fructigena (Erreger der Polsterfäule), während die invasive Art Monilinia fructicola zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dieser Schaderreger befällt bevorzugt Kulturen der Gattung Prunus, darunter Süß- und Sauerkirschen, Pflaumen, Aprikosen und Pfirsiche.

Die Infektion führt je nach Witterung und Entwicklungsstadium der Kultur zu zwei unterschiedlichen Schadbildern: der Blüten- und Spitzendürre im Frühjahr sowie der Fruchtfäule im Sommer und Herbst. Ernteverluste von über 50 % sind bei feucht-warmer Witterung während der Reifephase keine Seltenheit, da infizierte Früchte rasch verfaulen und als Infektionsquelle für gesunde Nachbarfrüchte dienen. Die Regulierung erfordert eine konsequente Kombination aus kulturtechnischen Maßnahmen und gezieltem Pflanzenschutzmitteleinsatz.

Typ
Pilz
EPPO-Code
1MONIG
Wirte
5 Kulturen
Generationen
Mehrere sich überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Monilinia-Arten sind weltweit in allen gemäßigten Anbauregionen verbreitet, in denen Stein- und Kernobst kultiviert wird. Sie gehören zu den wirtschaftlich schädlichsten Pilzerregern im europäischen Obstbau und können bei feuchter Erntewitterung ohne Pflanzenschutzmaßnahmen zu Totalausfällen führen.
Erstbeschreibung
Honey, 1928

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel in infizierten Fruchtmumien, die am Baum hängen geblieben oder auf den Boden gefallen sind, sowie in befallenen Zweigen und Krebsgeschwüren. Im Frühjahr, induziert durch steigende Temperaturen und Niederschläge, bilden sich darauf Konidien, die durch Wind, Regen und Insekten auf die jungen Blüten übertragen werden. Die Primärinfektion erfolgt über die Narbe der offenen Blüte, von wo aus das Myzel in das Holz vordringt und zum Absterben der Triebspitzen führt. Im Sommer entwickeln sich auf reifenden Früchten, oft begünstigt durch Verletzungen, Sekundärinfektionen, die sich rasch im gesamten Bestand ausbreiten und den Zyklus mit der Bildung neuer Fruchtmumien schließen.

Bonitur

Das Monitoring beginnt bereits im Winter durch die Erfassung verbliebener Fruchtmumien im Kronenbereich. Während der Vegetationsperiode ist eine regelmäßige Kontrolle ab dem BBCH-Stadium 55 (Einzeltriebe sichtbar) bis BBCH 69 (Ende der Blüte) entscheidend, um das Risiko für die Spitzendürre abzuschätzen; feuchte Witterungsperioden bei Temperaturen zwischen 10 °C und 20 °C erhöhen das Infektionsrisiko drastisch. Für die Fruchtfäule liegt der Fokus auf den Stadien BBCH 75 (Fruchtgröße ca. 50 % der Endgröße) bis BBCH 89 (Erntereife), wobei insbesondere nach Niederschlägen oder Hagelereignissen auf erste faule Früchte und typische graubraune Sporenlager geachtet werden muss. Schadschwellen sind im integrierten Anbau meist visuell definiert: Sobald erste Symptome der Spitzendürre sichtbar werden, ist das Infektionspotenzial für die Fruchtfäule bereits extrem hoch.

Symptome

Bei der Blüten- und Spitzendürre zeigen sich kurz nach der Blüte plötzlich welkende, braun verfärbte Blütenorgane, die nicht abfallen, sondern am Trieb vertrocknen. Das Myzel wächst in die Zweige ein, was zu einem schnellen Absterben der Triebspitzen (Spitzendürre) und häufig zu Gummifluss an der Grenze zum gesunden Holz führt. Auf den Früchten äußert sich der Befall zunächst durch kleine, braune, sich schnell ausbreitende Fäulnisherde. Typisch sind die konzentrisch angeordneten, grauen bis gelblich-grauen Sporenpolster (Konidienlager), die sich bei feuchter Witterung auf der Fruchtschale bilden. Befallene Früchte schrumpfen schließlich ein und verbleiben als tiefschwarze, runzlige Fruchtmumien am Baum oder fallen ab.

Integriertes Management

Eine erfolgreiche Regulierung basiert auf einem integrierten Ansatz, bei dem kulturtechnische Maßnahmen im Vordergrund stehen. Dazu gehören das konsequente Ausschneiden und Vernichten infizierter Triebe bis weit in das gesunde Holz hinein sowie das sorgfältige Entfernen aller Fruchtmumien bei der Winterschnitt-Maßnahme, um das Inokulum zu minimieren. Eine luftige Kronenerziehung sorgt für ein schnelles Abtrocknen der Kulturen nach Regenfällen. Der chemische Pflanzenschutz konzentriert sich auf gezielte Behandlungen während der Blüte (BBCH 61 bis 65) zur Verhinderung der Spitzendürre sowie in der Reifephase zur Vermeidung der Fruchtfäule, unter strikter Einhaltung der Wartezeit. Um Resistenzen vorzubeugen, müssen Pflanzenschutzmittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen im Wechsel eingesetzt werden (FRAC-Gruppen 3, 7, 9 und 11 beachten), wobei die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison nicht überschritten werden darf.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheide ich im Feld die Symptome von Monilinia laxa und Monilinia fructigena?

Obwohl beide Arten Fruchtfäule verursachen, tritt Monilinia laxa primär als Erreger der Blüten- und Spitzendürre im Frühjahr auf, wobei die Sporenlager eher aschgrau und unregelmäßig verteilt sind. Monilinia fructigena befällt fast ausschließlich Früchte im Sommer und bildet die charakteristischen, konzentrischen Kreise aus gelblich-grauen Sporenpolstern. Eine sichere Artbestimmung im Zweifelsfall ist jedoch nur im Labor möglich.

Warum ist die Regulierung von Insekten im Sommer ein wichtiger Baustein im Monilinia-Management?

Der Pilz benötigt für die Infektion reifender Früchte meist Mikroverletzungen der Fruchthaut. Schädlinge wie der Pflaumenwickler oder Wespen verursachen Fraßschäden, die als Eintrittspforten für die Sporen dienen. Durch eine effektive Regulierung dieser Schädlinge reduzierst du das Risiko für Sekundärinfektionen mit Fruchtfäule erheblich.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Monilinia für meine Kultur?

Nutze hierzu das Pflanzenschutzmittel-Modul auf unserer Plattform. Filtere dort nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Süßkirsche oder Pflaume) und wähle als Ziel-Schaderreger "Monilinia" oder "Monilia-Fruchtfäule" aus. Dir werden dann alle aktuell in deinem Land zugelassenen Produkte inklusive Aufwandmenge, maximaler Anwendungen und der einzuhaltenden Wartezeit angezeigt.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Fungizidbehandlungen gegen die Spitzendürre?

Die kritische Phase für die Spitzendürre liegt ausschließlich in der Blütezeit (BBCH 61 bis 69). Sobald die ersten Blütenblätter sich öffnen (BBCH 61) und feuchte Witterung vorhergesagt ist, musst du eine präventive Behandlung einplanen. Nach dem Abblühen (ab BBCH 69) ist das Zeitfenster für die Infektion der Triebe über die Blüte geschlossen.

Wie kann ich das Risiko einer Resistenzbildung gegen Fungizide bei der Monilinia-Bekämpfung minimieren?

Halte dich strikt an die Richtlinien des FRAC (Fungicide Resistance Action Committee). Wechsle bei aufeinanderfolgenden Behandlungen systematisch zwischen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (z. B. SDHI wie FRAC 7, Triazole wie FRAC 3 und Strobilurine wie FRAC 11) und nutze, wenn möglich, Kombinationspräparate oder Kontaktfungizide als Mischungspartner.

Kann ich infiziertes Schnittholz und Fruchtmumien einfach auf dem Fahrgassenboden mulchen?

Davon ist dringend abzuraten. Das Mulchen zerkleinert das Material zwar, vernichtet den Pilz aber nicht. Das Myzel kann auf dem infizierten Material am Boden überleben und im nächsten Frühjahr Sporen freisetzen. Um das Inokulum effektiv zu reduzieren, solltest du das infizierte Material aus der Anlage entfernen und verbrennen, tief vergraben oder professionell kompostieren.