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Pilz

Monilinia

Monilinia
1MONIG

Die Pilzgattung Monilinia (EPPO-Code: 1MONIG), insbesondere die Arten Monilinia laxa, Monilinia fructigena und die eingeschleppte Monilinia fructicola, gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im europäischen Stein- und Kernobstanbau. Sie verursachen zwei Hauptschadbilder: die frühzeitige Spitzendürre (Blütenmonilia) und die spätere Fruchtfäule (Fruchtmonilia).

Besonders betroffen sind Kulturen wie Süß- und Sauerkirschen (Prunus avium, Prunus cerasus), Pfirsiche (Prunus persica), Aprikosen (Prunus armeniaca) und Pflaumen (Prunus domestica). Unter feucht-warmen Witterungsbedingungen während der Blüte oder kurz vor der Ernte kann der Erreger epidemische Ausmaße annehmen. Dies führt nicht nur zu direkten Ertragseinbußen im Feld, sondern verursacht auch erhebliche Nachernteverluste während der Lagerung und des Transports.

Typ
Pilz
EPPO-Code
1MONIG
Wirte
5 Kulturen
Generationen
Mehrere ungeschlechtliche Zyklen pro Saison
Verbreitung
Die Gattung Monilinia ist weltweit in allen gemäßigten Anbaugebieten verbreitet und verursacht im europäischen Steinobstanbau regelmäßige Ertragsverluste von 30 bis 50 Prozent, in feuchten Jahren lokal bis zum Totalausfall.

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel in infizierten Fruchtmumien, die am Baum hängen geblieben oder auf den Boden gefallen sind, sowie in befallenen Zweigen und Krebsgeschwüren. Im Frühjahr bilden sich darauf bei steigenden Temperaturen und Feuchtigkeit Konidien, die durch Wind und Regenspritzer auf die jungen Blüten übertragen werden. Die Infektion erfolgt meist über die Narbe der geöffneten Blüte (BBCH 60–69), von wo aus das Myzel in das Holz vordringt und zum Absterben der Triebspitzen führt. Im Sommer entwickeln sich auf reifenden Früchten durch Wunden (z. B. durch Insektenfraß oder Hagel) Sekundärinfektionen, die sich rasch über Konidien von Frucht zu Frucht ausbreiten.

Bonitur

Das Monitoring beginnt bereits im Winter durch die Erfassung verbliebener Fruchtmumien im Kronenbereich. Während der sensiblen Phase der Blüte (BBCH 61 bis 69) ist eine tägliche Kontrolle der Witterungsdaten unerlässlich; anhaltende Blattnässe von mehr als 15 Stunden bei Temperaturen über 10 °C signalisiert ein extrem hohes Infektionsrisiko. Eine gezielte visuelle Bonitur auf erste welke Blüten und Triebspitzen erfolgt ab BBCH 69 bis 72. Für die Fruchtmonilia liegt die kritische Phase ab BBCH 81 (Beginn der Fruchtreife), wobei insbesondere nach Niederschlägen oder Hagelereignissen auf mechanische Beschädigungen und erste Faulstellen kontrolliert werden muss.

Symptome

An Blüten und Trieben zeigt sich die Infektion durch ein plötzliches Welken, Braunfärben und Vertrocknen der Blütenorgane und der angrenzenden Blätter, die oft schlaff am Trieb hängen bleiben (Spitzendürre). An den betroffenen Zweigen bilden sich häufig rindennahe Nekrosen und Gummifluss an der Grenze zum gesunden Gewebe. Auf den Früchten entstehen zunächst kleine, braune, sich schnell ausbreitende Fäulnisherde. Typisch sind die konzentrisch angeordneten, polsterartigen, grauen oder gelblich-grauen Sporenlager (Konidienlager). Befallene Früchte schrumpfen schließlich zu harten, tiefschwarzen Fruchtmumien zusammen.

Integriertes Management

Eine erfolgreiche Regulierung basiert auf einem integrierten Ansatz. Kulturmaßnahmen stehen im Vordergrund: Konsequenter Rückschnitt befallener Triebe bis tief ins gesunde Holz im Frühjahr sowie das lückenlose Entfernen und Vernichten von Fruchtmumien im Winter reduzieren das Inokulum drastisch. Eine lockere Kronengestaltung sorgt für ein rasches Abtrocknen der Kulturen. Biologische Präparate auf Basis von Bacillus amyloliquefaciens oder Hefen können zur Blüte präventiv eingesetzt werden. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. SDHI, Triazole oder Strobilurine) werden gezielt in die offene Blüte (BBCH 61, 65, 69) appliziert, insbesondere bei vorhergesagten Niederschlägen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein strikter Wirkstoffklassenwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich das Infektionsrisiko von Monilinia laxa und Monilinia fructigena in der Praxis?

Monilinia laxa ist der Haupterreger der Blüten- und Zweigmonilia (Spitzendürre) im zeitigen Frühjahr und infiziert bevorzugt über die empfindlichen Blütenorgane bei kühler, feuchter Witterung. Monilinia fructigena hingegen tritt primär als Erreger der Fruchtfäule im Sommer und Herbst auf und benötigt für die Infektion meist mechanische Verletzungen der Fruchthaut, beispielsweise durch Wespenfraß, Hagel oder Schorfbefall.

Welche Rolle spielt die Wartezeit (PHI) bei späten Behandlungen gegen Fruchtmonilia?

Da das Risiko für Fruchtmonilia mit zunehmender Fruchtreife (ab BBCH 81) stark ansteigt, sind späte Pflanzenschutzmittelanwendungen oft notwendig. Hierbei muss die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit der jeweiligen Pflanzenschutzmittel strikt beachtet werden, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden. Agronomen weichen in dieser späten Phase häufig auf biologische Präparate oder physikalisch wirkende Mittel aus, die eine Wartezeit von oft nur wenigen Tagen oder gar 0 Tagen aufweisen.

Wie kann ich im Online-Portal gezielt nach in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Monilinia suchen?

Nutzen Sie die Suchmaske im Pflanzenschutz-Hub auf agronomy.farmable.tech und filtern Sie nach dem Schaderreger "Monilinia" oder dem EPPO-Code "1MONIG". Kombinieren Sie dies mit Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Sauerkirsche) und dem BBCH-Stadium. Das System listet Ihnen ausschließlich aktuell vom BVL zugelassene Pflanzenschutzmittel inklusive der maximalen Anzahl der Anwendungen, Aufwandmengen und spezifischen Anwendungsbestimmungen auf.

Warum versagen chemische Behandlungen gegen Spitzendürre oft, wenn sie erst nach der Blüte durchgeführt werden?

Die Infektion über die Blüte erfolgt extrem schnell innerhalb weniger Stunden bei Blattnässe. Sobald der Pilz in das Leitgewebe des Zweiges eingedrungen ist, blockiert er den Saftstrom, was zur typischen Welke führt. Systemische Fungizide können das bereits abgestorbene Holz nicht mehr ausreichend durchdringen. Die Behandlungen müssen daher zwingend präventiv in die offene Blüte (BBCH 61 bis 65) hinein erfolgen, um das Keimen der Sporen auf den Narben zu verhindern.

Welche FRAC-Vorgaben müssen beim Einsatz von Fungiziden gegen Monilinia beachtet werden?

Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, darf die Anzahl der Anwendungen von Fungiziden aus den Gruppen der SDHI (FRAC-Gruppe 7) und der Triazole (FRAC-Gruppe 3) pro Saison streng limitiert nicht überschritten werden. Es wird empfohlen, diese hochwirksamen systemischen Wirkstoffe im Wechsel mit Kontaktfungiziden oder biologischen Präparaten einzusetzen und niemals Solo-Behandlungen derselben Wirkstoffklasse blockweise zu wiederholen.

Kann ein starker Rückschnitt im Sommer die Ausbreitung von Monilinia im Folgejahr verringern?

Ja, ein Sommerschnitt direkt nach der Ernte (insbesondere bei Kirschen) ist hochwirksam. Dabei werden nicht nur die bereits vertrockneten Zweige mit Spitzendürre bis 20 cm ins gesunde Holz zurückgeschnitten, sondern auch die Baumkrone ausgelichtet. Dies fördert eine schnellere Abtrocknung des Laubwerks nach Regenfällen, wodurch dem Pilz im Folgejahr die für die Keimung notwendige langanhaltende Feuchtigkeit entzogen wird.