Peronospora
Die Gattung Peronospora (EPPO-Code: 1PEROG) umfasst hochspezialisierte, obligat biotrophe Oomyceten, die als Erreger des Falschen Mehltaus bekannt sind. Im mitteleuropäischen Raum stellt insbesondere die Art Peronospora arborescens einen der bedeutendsten ertragsbegrenzenden Schaderreger im Anbau von Schlafmohn (Papaver somniferum) dar. Die wirtschaftliche Relevanz ist extrem hoch, da der Erreger sowohl systemische Primärinfektionen als auch sekundäre Blatt- und Kapselinfektionen verursacht, die zu massiven Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten bei der Samengewinnung führen.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert als dickwandige Oospore im Boden oder als latentes Myzel im Saatgut. Im Frühjahr keimen die Oospores und infizieren die jungen Keimlinge systemisch über die Wurzeln oder das Hypokotyl. Auf den infizierten Geweben bilden sich bei feucht-kühler Witterung (10–18 °C) ungeschlechtliche Sporangien, die durch Wind und Regenspritzer verbreitet werden und sekundäre, lokale Infektionen auf Blättern und Kapseln verursachen. Zum Ende der Vegetationsperiode bilden sich in den absterbenden Pflanzenteilen erneut sexuelle Oospores, die nach dem Zerfall des Gewebes in den Boden gelangen und dort jahrelang überdauern können.
Bonitur
Die Bestandsüberwachung beginnt frühzeitig ab dem Rosettenstadium (BBCH 14–19) und erstreckt sich bis zum Ende der Blüte (BBCH 69). Besonders in Senken und windgeschützten Feldbereichen ist auf nesterweise auftretende, gestauchte und gelbliche Pflanzen zu achten. Da sich der Falsche Mehltau bei feucht-kühler Witterung rasant ausbreitet, existiert keine tolerierbare Schadschwelle; das Erkennen erster systemischer Symptome oder lokaler Blattflecken bei anhaltender Blattnässe erfordert eine sofortige Behandlung der Kultur.
Symptome
Systemisch infizierte Pflanzen zeigen einen stark gestauchten Wuchs, verkürzte Internodien und nach unten gewölbte, chlorotische Blätter, die dick und brüchig wirken. Auf der Blattunterseite bildet sich bei hoher Luftfeuchtigkeit ein dichter, grauvioletter Pilzrasen aus Sporangienträgern. Sekundärinfektionen äußern sich als eckige, durch die Blattadern begrenzte, gelb-braune Flecken auf der Blattoberseite mit korrespondierendem Pilzrasen auf der Unterseite. Befallene Kapseln verfärben sich vorzeitig dunkel bis schwarz, verformen sich und enthalten verkümmerte, nicht keimfähige Samen.
Integriertes Management
Die Bekämpfung basiert auf einem integrierten Ansatz. Vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen umfassen eine weite Fruchtfolge (mindestens 4–5 Jahre Anbaupause für Mohn), den Einsatz von zertifiziertem, gesundem Saatgut sowie die Wahl gut drainierter Standorte ohne Staunässe. Chemische Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln müssen streng präventiv bei ersten Infektionsbedingungen ab dem Rosettenstadium (BBCH 14) bis zur Blüte durchgeführt werden. Zur Vermeidung von Wirkstoffresistenzen ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei systemische Mittel stets mit Kontaktfungiziden kombiniert werden sollten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich eine primäre von einer sekundären Infektion durch Peronospora im Mohnanbau?
Eine Primärinfektion erfolgt systemisch und geht meist von bodenbürtigen Oospores oder infiziertem Saatgut aus. Die betroffenen Jungpflanzen (BBCH 10–19) zeigen gestauchten Wuchs, deformierte Blätter und sterben oft vor der Blüte ab. Sekundärinfektionen entstehen während der Vegetation durch windverbreitete Sporangien auf älteren Blättern und Kapseln, was zu lokalen Blattflecken und Ertragseinbußen führt, aber selten zum sofortigen Absterben der gesamten Kultur.
Welche Rolle spielt die Saatgutgesundheit bei der Vermeidung von Falschem Mehltau?
Da der Schaderreger als latentes Myzel im Inneren des Samens überdauern kann, ist die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Infiziertes Saatgut führt direkt zu systemisch kranken Keimlingen, die als primäre Infektionsquellen im Feld dienen und eine frühzeitige Epidemie auslösen können.
Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen Peronospora finden?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion im Hub, indem Sie nach der Kultur „Schlafmohn“ (oder dem entsprechenden EPPO-Code) und dem Schaderreger „Peronospora“ filtern. Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die zugelassenen BBCH-Stadien, die maximale Anzahl der Anwendungen und die einzuhaltende Wartezeit (PHI).
Welche Wirkstoffgruppen sind für das Resistenzmanagement (FRAC) bei Peronospora von Bedeutung?
Wichtige Wirkstoffgruppen umfassen unter anderem Carbonsäureamide (CAA, FRAC-Gruppe 40), Phenylamide (PA, FRAC-Gruppe 4) und multisite-aktive Kontaktwirkstoffe wie Kupferpräparate. Um Resistenzen vorzubeugen, müssen systemische Wirkstoffe zwingend im Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen eingesetzt und vorzugsweise mit Kontaktfungiziden kombiniert werden.
Welchen Einfluss hat das Mikroklima im Pflanzenbestand auf die Krankheitsentwicklung?
Peronospora benötigt für die Keimung der Sporen freien Wasserfilm auf den Blättern oder eine relative Luftfeuchtigkeit von über 90 % für mindestens 4–6 Stunden. Weite Reihenabstände, eine moderate Stickstoffdüngung zur Vermeidung zu dichten Bestandes und die Wahl windoffener Lagen fördern das schnelle Abtrocknen der Kultur und senken das Infektionsrisiko drastisch.