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Kultur

Mohn

Papaver somniferum
PAPSO

Papaver somniferum (EPPO-Code: PAPSO), im deutschsprachigen Raum als Schlafmohn oder Garten-Mohn bezeichnet, ist eine traditionsreiche und ökonomisch attraktive Nischenkultur. Die Kultur wird in Mitteleuropa primär zur Gewinnung von hochwertigen Speisesamen (Blaumohn, Graumohn und Weißmohn) für die Backwarenindustrie sowie zur Kaltpressung von Speiseöl angebaut. Aufgrund betäubungsmittelrechtlicher Vorgaben ist der Anbau in Deutschland streng genehmigungspflichtig durch die Bundesopiumstelle (BfArM) und auf zertifizierte, morphinarme Sorten beschränkt.

Agronomisch stellt die Kultur hohe Ansprüche an das Saatbett und die Unkrautregulierung im frühen Entwicklungsstadium. Da Mohn als Lichtkeimer gilt und eine sehr langsame Jugendentwicklung aufweist, ist ein feinkrümeliges, rückverfestigtes Saatbett essenziell. Ein erfolgreicher Anbau erfordert zudem eine präzise Abstimmung der Pflanzenschutzmaßnahmen, insbesondere gegen pilzliche Schaderreger wie Falschen Mehltau und Kapselfäule, um die geforderte hohe Kornqualität und Ertragssicherheit zu gewährleisten.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte März bis Anfang April (Sommermohn) oder Ende August (Wintermohn)
Erntefenster
Ende Juli bis Ende August
Reihenabstand
25–37,5 cm
Typischer Ertrag
1,0–1,8 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1650
Boden-pH
6,0–7,2

Bodenmanagement

Der Anbau von Papaver somniferum erfordert tiefgründige, gut strukturierte Böden mit einer stabilen Humusversorgung, wobei sandige Lehme oder lössgeprägte Standorte ideal sind. Extrem tonige oder zur Verschlämmung neigende Böden müssen gemieden werden, da die feinen Mohnsamen empfindlich auf Krustenbildung reagieren. Die Grundbodenbearbeitung sollte bereits im Herbst erfolgen, um im Frühjahr ein optimal abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett mit gutem Bodenschluss zu garantieren. Da Mohn sehr flach (ca. 1,0–1,5 cm) abgelegt wird, ist eine gleichmäßige Saattiefe entscheidend für einen homogenen Feldaufgang. Eine moderate Stickstoffdüngung von insgesamt 60–80 kg N/ha, aufgeteilt auf die Saat und das Rosettenstadium, fördert die Standfestigkeit und verhindert übermäßiges vegetatives Wachstum, das die Lagerneigung erhöht.

Schaderreger-Management

Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung der Kultur ist eine konsequente Unkrautregulierung bis zum Reihenschluss von zentraler Bedeutung. Da nur wenige selektive Herbizide für Mohn zugelassen sind, gewinnt die mechanische Unkrautbekämpfung mittels Blindstriegeln und präzisem Hacken im 2- bis 4-Blatt-Stadium zunehmend an Bedeutung. Zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern gehören der Falsche Mehltau (Peronospora arborescens) und die Alternaria-Kapselfäule (Alternaria brassicae), welche durch gezielte Fungizidanwendungen ab dem Knospenstadium (BBCH 51) kontrolliert werden müssen. Ein besonderes Augenmerk gilt tierischen Schädlingen wie dem Mohnkapselrüssler und der Mohnkapselgallmücke, deren Befall die Eintrittspforten für Sekundärinfektionen durch Sclerotinia sclerotiorum öffnet. Ein konsequenter Fruchtfolgewechsel von mindestens 4–5 Jahren zu anderen Wirtspflanzen minimiert das Risiko bodenbürtiger Infektionen erheblich.

Sorten

Zeno Morphex

mittelfrüh

Konstant hohe Kornerträge von 1,2–1,6 t/ha bei gleichzeitig hohem Ölgehalt.

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Peronospora, Alternaria

Sehr etablierte, morphinarme Speisemohnsorte (Blaumohn) mit hervorragender Standfestigkeit und gleichmäßiger Abreife. Besonders beliebt im Vertragsanbau in Deutschland und Österreich.

Florian

mittelspät

Ertragreich unter optimalen Bedingungen, neigt bei Überdüngung jedoch zu Lager.

Anfällig für: Peronospora, Sclerotinia

Traditioneller Graumohn (Waldviertler Typ) mit exzellentem, nussigem Aroma. Benötigt gut strukturierte Standorte und reagiert empfindlich auf Spätfröste im Rosettenstadium.

Viola

mittelfrüh

Sehr hohes Ertragspotenzial von bis zu 1,8 t/ha auf guten Böden.

Resistent gegen: Trockenstress

Anfällig für: Alternaria

Leistungsstarker Blaumohn mit rascher Jugendentwicklung. Zeigt eine gute Toleranz gegenüber wechselhaften Witterungsbedingungen im Frühjahr.

Zeno Vesper

früh (als Wintermohn)

Sehr stabiler Ertrag, oft über dem Niveau von herkömmlichen Sommermohn-Sorten.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Sclerotinia

Spezielle Wintermohn-Sorte mit exzellenter Winterhärte. Ermöglicht eine frühe Ernte im Juli und entgeht dadurch oft der sommerlichen Trockenheit.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird der optimale Zeitpunkt für die mechanische Unkrautregulierung im Mohn bestimmt?

Die mechanische Regulierung mittels Hacktechnik sollte erst ab dem 4-Blatt-Stadium (BBCH 14) erfolgen, wenn die Kulturpflanzen ausreichend tief im Boden verankert sind. Vorher ist die Kultur extrem empfindlich gegenüber Verschütten und mechanischen Zugkräften. Ein Blindstriegeln kurz nach der Saat ist nur bei exakter Tiefenablage und vor dem Keimen des Mohns (BBCH 09) ratsam.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung des Mohnkapselrüsslers?

Die kritische Phase für den Zuflug des Mohnkapselrüsslers beginnt mit dem Sichtbarwerden der Blütenknospen (BBCH 51 bis 55). Eine Behandlung mit zugelassenen Insektiziden muss genau in diesem Zeitfenster vor der Blüte erfolgen, da die Eiablage in die junge Kapsel direkt nach dem Abblühen stattfindet und spätere Anwendungen wirkungslos sind.

Wie beeinflusst die Stickstoffdüngung die Krankheitsanfälligkeit und Standfestigkeit der Kultur?

Eine überhöhte oder zu späte Stickstoffgabe (nach BBCH 30) führt zu weichem Pflanzengewebe, erhöht das Risiko für Lagerbildung drastisch und begünstigt Infektionen durch Alternaria und Sclerotinia. Die Stickstoffgabe sollte daher auf maximal 70–80 kg N/ha begrenzt und vorzugsweise zur Saat sowie im Rosettenstadium ausgebracht werden.

Welche gesetzlichen Auflagen müssen beim Anbau von Papaver somniferum in Deutschland beachtet werden?

In Deutschland ist der Anbau unabhängig von der Sorte und der Morphinkonzentration nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) genehmigungspflichtig. Anträge müssen rechtzeitig vor der Aussaat bei der Bundesopiumstelle (BfArM) eingereicht werden, wobei ausschließlich zugelassene, morphinarme Sorten mit einem Morphingehalt von unter 0,02 % angebaut werden dürfen.

Wie lässt sich das Risiko von Kapselfäule (Alternaria) im Vorfeld der Ernte minimieren?

Neben dem Einsatz von Fungiziden im Knospen- und Blühstadium ist eine gleichmäßige Bestandsdichte entscheidend. Zu dichte Bestände trocknen nach Regenfällen langsamer ab, was die Keimung von Alternaria-Sporen begünstigt. Zudem schützt eine effektive Rüsslerbekämpfung vor mechanischen Verletzungen der Kapselwand, die als Eintrittspforten dienen.

Wie finde ich im Agronomy-Hub aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Mohn?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie gezielt nach der Kultur 'Schlafmohn' (Papaver somniferum) sowie dem gewünschten Schaderreger (z. B. Peronospora). Achten Sie bei den Ergebnissen besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die maximalen Aufwandmengen und die vorgeschriebenen Wartezeiten (PHI) für Speisemohn.