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Schädling

Pflaumenwickler

Grapholita funebrana
LASPFU

Der Pflaumenwickler (Grapholita funebrana, EPPO-Code: LASPFU) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im europäischen Steinobstanbau. Der Kleinschmetterling aus der Familie der Wickler (Tortricidae) ist hochgradig auf die Gattung Prunus spezialisiert, wobei die Hauszwetschge (Prunus domestica) den Hauptwirt darstellt. Ein unkontrollierter Befall führt in der Praxis regelmäßig zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten, da die Larven direkt im Fruchtfleisch fressen.

Die ökonomische Relevanz des Schädlings ergibt sich nicht nur aus dem direkten Fraßschaden und dem dadurch ausgelösten vorzeitigen Fruchtfall (sogenannter „Augusttropfen“), sondern auch aus den Folgeschäden. Die Einbohrstellen der Larven dienen als Eintrittspforten für pilzliche Erreger wie die Monilia-Fruchtfäule, was oft zum Totalverlust der betroffenen Fruchtbüschel führt. Der Schaderreger ist in fast allen europäischen Anbauregionen fest etabliert und erfordert eine jährliche, präzise terminierte Pflanzenschutzstrategie.

Typ
Schädling
EPPO-Code
LASPFU
Wirte
1 Kultur
Generationen
Meist 2 Generationen pro Jahr (in warmen Regionen oder Jahren teils eine unvollständige 3. Generation)
Verbreitung
Der Pflaumenwickler ist in ganz Europa, Kleinasien und Teilen Nordafrikas weit verbreitet und verursacht insbesondere in den Hauptanbaugebieten Mitteleuropas jährlich gravierende ökonomische Schäden im Erwerbsobstbau.
Erstbeschreibung
Treitschke, 1835

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung erfolgt als vollentwickelte Larve in einem dichten Gespinst unter der Borke des Stammes oder im Boden. Nach der Verpuppung im zeitigen Frühjahr schlüpfen ab Ende April bis Mai (meist ab BBCH 69/71 der Zwetschge) die Falter der ersten Generation. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier einzeln auf den jungen Früchten ab. Die schlüpfenden Larven bohren sich in die Frucht ein, fressen im Fruchtfleisch und verpuppen sich im Sommer, woraus im Juli und August die zweite Generation schlüpft. Deren Larven verursachen den Hauptschaden an den reifenden Früchten, bevor sie im Herbst zur Überwinterung abwandern.

Bonitur

Die Überwachung des Falterflugs erfolgt ab Ende April mithilfe von Pheromonfallen, die in Augenhöhe im Kronenbereich aufgehängt werden. Ein wöchentlicher Fang von mehr als 5 bis 10 Faltern pro Falle gilt in der Praxis als kritischer Schwellenwert für eine drohende Eiablage. Zur Absicherung der Behandlungstermine wird das Monitoring durch Temperatursummen-Modelle (GDD) unterstützt, um den optimalen Schlupfzeitpunkt der Larven zu prognostizieren. Ab BBCH 75 (Fruchtgröße etwa 50 % der Endgröße) sollte zudem eine visuelle Kontrolle auf Einbohrstellen und Eiablage an mindestens 100 Früchten pro Parzelle durchgeführt werden, wobei eine Schadschwelle von 1–2 % befallener Früchte als Richtwert dient.

Symptome

Ein typisches Erst-Symptom ist das Austreten eines klaren, später gummiartigen Harztropfens („Gummifluss“) aus der Einbohrstelle der jungen Larve auf der Fruchtoberfläche. Befallene Früchte färben sich oft vorzeitig violett und reifen unregelmäßig ab, bevor sie massenhaft abgeworfen werden (insbesondere bei der ersten Generation). Im Inneren der aufgeschnittenen Frucht zeigen sich ausgedehnte Fraßgänge im Fruchtfleisch rund um den Kern, die mit feuchtem, dunklem Kot gefüllt sind. Häufig siedeln sich an den Eintrittspforten sekundäre Pilzinfektionen wie Monilia-Fruchtfäule an, was zu einer schnellen Fäulnis der Frucht führt.

Integriertes Management

Eine erfolgreiche Regulierung basiert auf einem integrierten Ansatz. Biologische Maßnahmen wie die Verwirrungsmethode mittels Pheromondispensern haben sich im Erwerbsobstbau als Standard etabliert, müssen jedoch großflächig und vor Flugbeginn der ersten Generation installiert werden. Zur chemischen Regulierung stehen selektive Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, die exakt zum Zeitpunkt des Larvenschlupfes appliziert werden müssen. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein striktes Wirkstoffklassenmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen im Saisonverlauf abgewechselt werden. Kulturmaßnahmen wie das rasche Entfernen und Vernichten von Fallobst reduzieren das Überwinterungspotenzial für das Folgejahr.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich das Schadbild des Pflaumenwicklers von dem der Pflaumensägewespe?

Während die Larve des Pflaumenwicklers (eine rötliche Raupe mit braunem Kopf) ab Juni/Juli im Fruchtfleisch reifender Früchte frisst und Kot hinterlässt, schädigt die Pflaumensägewespe bereits kurz nach der Blüte (BBCH 69–72). Ihre Larven (weißliche Afterraupen) fressen im Inneren der noch winzigen Früchte, hinterlassen ein charakteristisches, sauberes Bohrloch mit feuchtem, nach Wanzen riechendem Kot und wechseln während ihrer Entwicklung mehrfach die Kulturfrucht.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von biologischen Granuloseviren?

Biologische Präparate auf Basis von Granuloseviren müssen extrem präzise ausgebracht werden. Der optimale Anwendungszeitpunkt liegt unmittelbar vor dem Schlupf der Larven aus den Eiern (meist kurz nach dem Peak des Falterflugs, berechnet über Temperatursummenmodelle), da die Larve das Virus beim Annagen der Eischale oder der Fruchthaut aufnehmen muss, bevor sie sich tief in die Frucht einbohrt.

Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub von agronomy.farmable.tech gezielt nach zugelassenen Mitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und wählen Sie als Zielorganismus „Grapholita funebrana“ oder „Pflaumenwickler“ sowie Ihre Kultur „Prunus domestica“ (Zwetschge/Pflaume) aus. Das System listet Ihnen alle aktuell in Ihrem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und der gesetzlichen Wartezeit auf.

Warum versagt die Verwirrungsmethode manchmal in kleinen oder stark windexponierten Obstanlagen?

Die Verwirrungsmethode basiert auf einer gleichmäßigen Pheromonwolke in der Anlage, die die Männchen an der Orientierung hindert. In Anlagen unter 1 bis 2 Hektar Größe oder an stark windigen Hanglagen verflüchtigt sich die Wirkstoffkonzentration zu schnell. Zudem können bereits begattete Weibchen aus benachbarten, unbehandelten Hausgärten einfliegen und ihre Eier ablegen.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium der Kultur bei der Terminierung von chemischen Pflanzenschutzmitteln?

Chemische Behandlungen sind erst ab BBCH 71–73 (Fruchtansatz bis Fruchtentwicklung) relevant, wenn die erste Generation mit der Eiablage beginnt. Eine zu frühe Anwendung während der Blüte (BBCH 61–69) ist wirkungslos gegen den Wickler und gefährdet Bestäuber; zudem müssen die Wartezeiten bis zur Ernte (BBCH 87–89) bei späten Anwendungen der zweiten Generation im August strikt berücksichtigt werden.

Wie integriere ich Nützlinge aktiv in die Bekämpfung von Grapholita funebrana?

Die Schonung natürlicher Gegenspieler wie Ohrwürmer (Forficula auricularia), Florfliegen und Schlupfwespen (z. B. Trichogramma-Arten als Eiparasiten) ist essenziell. Durch den Verzicht auf breitbandige Insektizide und das Aufhängen von Nisthilfen (z. B. mit Stroh gefüllte Tontöpfe) kann der natürliche Regulationsdruck auf die Eier und jungen Larven des Pflaumenwicklers signifikant erhöht werden.