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Sonstiger Schaderreger

Phytophthora cryptogea

Phytophthora cryptogea
PHYTCR

Phytophthora cryptogea (EPPO-Code: PHYTCR) ist ein bodenbürtiger Oomycet (Eipilz), der als bedeutender Schaderreger ein breites Spektrum an Kulturen befällt. Besonders im Erwerbsgartenbau, beim Anbau von Zierpflanzen (wie Gerbera) sowie bei Gemüsearten wie Tomaten und Salat (einschließlich Cichorium-Arten wie Chicorée) verursacht der Erreger verheerende Wurzelfäulen, Stängelgrundfäulen und das sogenannte Umfallkrankheit-Syndrom bei Jungpflanzen.

Wirtschaftlich führt der Befall oft zu Totalausfällen in betroffenen Beständen, da infizierte Kulturen rasch welken und absterben. Die Übertragung erfolgt primär über das Gießwasser oder kontaminierte Substrate, weshalb der Erreger besonders in geschlossenen Kultursystemen (Hydroponik, Gewächshäuser) sowie auf staunassen Freilandflächen ein extremes Risikopotenzial darstellt.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
PHYTCR
Wirte
1 Kultur
Generationen
Multiple ungeschlechtliche Generationen pro Saison
Verbreitung
Phytophthora cryptogea ist weltweit verbreitet und tritt insbesondere in den gemäßigten und subtropischen Klimazonen Europas im Freiland- und Unterglasanbau als ökonomisch hochgradig schädigender Erreger auf.
Erstbeschreibung
Pethybridge & Lafferty, 1919 (Irland)

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Phytophthora cryptogea ist eng an feuchte Boden- oder Substratbedingungen gebunden. Der Schaderreger überdauert ungünstige Perioden als widerstandsfähige Oosporen oder Chlamydosporen im Boden oder in Pflanzenrückständen. Bei steigenden Temperaturen und hoher Bodenfeuchtigkeit keimen diese Dauersporangien und entlassen mobile, zweigeißelige Zoosporen in die Bodenlösung. Diese Zoosporen schwimmen aktiv zu den Wurzeln der Wirtskulturen, infizieren das Gewebe und breiten sich inter- und intrazellulär aus. Während der Vegetationsperiode kommt es unter warm-feuchten Bedingungen zu einer rasanten, ungeschlechtlichen Vermehrung über sekundäre Sporangien, was zu einer schnellen epidemischen Ausbreitung im Bestand führt.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits bei der Jungpflanzenanzucht (BBCH 10–19) beginnen, da Sämlinge besonders anfällig für das Umfallkrankheit-Syndrom sind. Im Freilandanbau von Cichorium-Arten oder Tomaten liegt der Fokus auf Phasen mit hoher Bodenfeuchte und Bodentemperaturen zwischen 15 °C und 25 °C, insbesondere ab dem Reihenschluss (BBCH 30er-Stadien). Da es keine etablierten Schadschwellenwerte im klassischen Sinne gibt, gilt eine Nulltoleranz in der Jungpflanzenproduktion. Befallsherde müssen sofort durch visuelle Bonituren auf Welkesymptome und Wurzelkontrollen identifiziert und großzügig geräumt werden; begleitend können molekularbiologische Schnelltests (PCR oder ELISA) zur Absicherung der Diagnose eingesetzt werden.

Symptome

Die Symptome äußern sich primär unterirdisch durch eine fortschreitende, braun-schwarze Verfärbung und Fäulnis des Wurzelsystems, wobei die Feinwurzeln oft vollständig zerstört werden. Am Stängelgrund zeigt sich eine typische, nasse Stängelfäule, die sich von der Wurzelkrone nach oben ausbreitet. Oberirdisch reagieren die Kulturen zunächst mit Wachstumsstockungen, chlorotischen Blattverfärbungen und einer plötzlichen, reversiblen Welke an heißen Tagen, die im weiteren Verlauf irreversibel wird und zum Absterben der gesamten Kultur führt. Bei Chicorée (Cichorium sp.) zeigt sich zudem eine weiche, wässrige Fäule des Rübenkopfes.

Integriertes Management

Das integrierte Management basiert primär auf vorbeugenden kulturtechnischen Maßnahmen, da eine direkte Bekämpfung im fortgeschrittenen Stadium kaum möglich ist. Dazu gehören die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Pflanzgut, die konsequente Vermeidung von Staunässe durch Drainage und optimierte Bewässerung (z. B. Tröpfchenbewässerung statt Überkopfberegnung) sowie eine strenge Betriebshygiene zur Vermeidung von Kreuzkontaminationen. Biologische Präparate auf Basis von Trichoderma-Stämmen oder Bacillus subtilis können präventiv zur Stärkung der Wurzelzone eingesetzt werden. Beim Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln (z. B. Fungizide aus den FRAC-Gruppen 4, 21 oder 40) ist ein striktes Resistenzmanagement durch Wirkstoffwechsel zwingend erforderlich, um der schnellen Selektion resistenter Oomyceten-Stämme vorzubeugen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich der Befall durch Phytophthora cryptogea von gewöhnlichem Trockenstress?

Während Pflanzen bei Trockenstress nach einer Wassergabe rasch wieder turgeszent werden, bleibt die Welke bei einem Befall mit Phytophthora cryptogea bestehen. Da das Wurzelsystem durch den Schaderreger zerstört ist, können die Kulturen trotz ausreichender Bodenfeuchtigkeit kein Wasser mehr aufnehmen. Eine visuelle Kontrolle der Wurzeln zeigt zudem die typische braune Matschfäule, während trockenheitsgestresste Wurzeln meist strukturell intakt und hell bleiben.

Welche Rolle spielt die Wassertemperatur bei der Ausbreitung in hydroponischen Systemen?

In geschlossenen Kreisläufen und Hydroponikanlagen ist die Wassertemperatur ein kritischer Treiber. Temperaturen zwischen 18 °C und 25 °C begünstigen die Produktion und Mobilität der Zoosporen von Phytophthora cryptogea massiv. Eine Kühlung der Nährlösung auf unter 15 °C sowie der Einsatz von UV-Entkeimungsanlagen oder Sandfiltern sind hochwirksame physikalische Maßnahmen, um die Ausbreitung im System zu stoppen.

Warum sind klassische Breitband-Fungizide oft wirkungslos gegen diesen Schaderreger?

Da Phytophthora cryptogea biologisch zu den Oomyceten (Eipilzen) gehört und nicht zu den echten Pilzen (Fungi), fehlen ihm spezifische Zielstrukturen wie Ergosterol in den Zellmembranen. Viele klassische Fungizide greifen daher nicht. Es müssen gezielt Pflanzenschutzmittel mit Oomyceten-Wirksamkeit (z. B. Carbonsäureamide oder Phenylamide gemäß FRAC-Klassifikation) eingesetzt werden.

Wie kann ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach zugelassenen Anwendungen gegen diesen Erreger suchen?

Nutzen Sie im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und suchen Sie nach dem EPPO-Code "PHYTCR" oder dem wissenschaftlichen Namen Phytophthora cryptogea. Da Zulassungen oft für die übergeordnete Gruppe "Phytophthora-Arten" oder "Bodenbürtige Oomyceten" erteilt werden, sollten Sie auch diese Begriffe in die Suche einbeziehen, um alle für Ihre spezifische Kultur zugelassenen Pflanzenschutzmittel und deren Wartezeiten zu finden.

Welche Fruchtfolgemaßnahmen sind bei einem Feld-Befall in Cichorium-Kulturen ratsam?

Da Phytophthora cryptogea ein sehr breites Wirtsspektrum besitzt, ist die Fruchtfolgegestaltung anspruchsvoll. Nach einem Befall in Cichorium-Kulturen (z. B. Chicorée) sollten für mindestens 3 bis 4 Jahre keine anfälligen Kulturen wie Tomaten, Salat oder bestimmte Zierpflanzen auf der Fläche angebaut werden. Stattdessen empfiehlt sich der Anbau von Nicht-Wirtskulturen wie Getreide (z. B. Gerste oder Weizen), um das Inokulum im Boden über die Zeit zu reduzieren.

Welchen Einfluss hat der Boden-pH-Wert auf die Aktivität von Phytophthora cryptogea?

Der Schaderreger toleriert ein breites pH-Spektrum, zeigt jedoch die höchste Aktivität und Sporulation in neutralen bis leicht sauren Böden (pH 5,5 bis 6,5). Eine gezielte Kalkung zur Anhebung des pH-Werts in den leicht basischen Bereich (über 7,2) kann in gefährdeten Kulturen dazu beitragen, die Keimung der Sporangien und die Beweglichkeit der Zoosporen einzudämmen, ersetzt jedoch nicht die Entwässerung.