Phytophthora erythroseptica
Phytophthora erythroseptica (EPPO-Code: PHYTER) ist ein bodenbürtiger Oomycet (Scheinpilz), der vor allem als Erreger der Rotfäule an Kartoffeln sowie als Wurzelfäule-Erreger an weiteren Kulturen wie Tomaten, Himbeeren und Zichorien (Cichorium sp.) von hoher agronomischer Bedeutung ist. Der Schaderreger ist weltweit in fast allen wichtigen Kartoffelanbauregionen verbreitet und kann insbesondere in nassen Jahren oder auf schlecht entwässerten Böden zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten führen.
Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich primär aus der Zerstörung des Ernteguts im Feld sowie der rasanten Ausbreitung während der Lagerung. Infizierte Knollen oder Wurzeln faulen vollständig aus, verflüssigen sich unter Luftabschluss und verströmen einen charakteristischen, säuerlichen Geruch. Dies führt nicht nur zu direkten Verlusten bei der Ernte, sondern gefährdet ganze Lagerpartien, da Sekundärerreger wie Weichfäulebakterien die Zersetzung beschleunigen.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als dickwandige Oospore im Boden oder in infizierten Pflanzenresten für viele Jahre. Im Frühjahr, begünstigt durch hohe Bodenfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 15 °C und 25 °C, keimen die Oosporen aus und bilden Sporangien, die mobile Zoosporen freisetzen. Diese Zoosporen bewegen sich im Bodenwasser aktiv zu den Wurzeln, Stolonen oder direkt zu den Knollen der Kulturen und dringen über Lentizellen oder Wunden ein. Während der Vegetationsperiode breitet sich das Myzel im Gewebe aus, was schließlich zur typischen Gewebezersetzung führt; zum Ende der Saison bilden sich im infizierten Gewebe neue Oosporen, die nach dem Zerfall der Kultur im Boden verbleiben.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Reihenschluss (BBCH 31–39) und besonders während der Knollenbildung (ab BBCH 40) intensiviert werden, da in dieser Phase die Anfälligkeit der Kulturen steigt. Da es keine etablierten Schadschwellen im klassischen Sinne gibt, konzentriert sich die Bonitur auf das Erkennen von Befallsnestern in Senken, Fahrgassen oder auf verdichteten Vorgewänden nach Starkregenereignissen. Agronomen sollten auf welkende Triebe, Kümmerwuchs und vorzeitige Abreife achten und stichprobenartig Knollen oder Wurzeln auf Festigkeit und Verfärbung prüfen.
Symptome
Das markanteste Symptom zeigt sich beim Anschneiden infizierter Knollen oder Wurzeln: Das betroffene Gewebe ist zunächst gummiartig-fest und verfärbt sich an der Luft innerhalb von 15 bis 30 Minuten charakteristisch lachsrosa, bevor es sich später braun bis tiefschwarz verfärbt. Oberflächlich zeigen infizierte Knollen oft dunkle, wässrige Flecken, die an den Augen oder Lentizellen beginnen. Im Feld äußert sich der Befall oberirdisch durch Welkeerscheinungen, Kümmerwuchs und eine gelbliche Verfärbung des Laubs, ausgehend von den unteren Blättern, da das zerstörte Wurzelsystem die Wasseraufnahme blockiert.
Integriertes Management
Die Bekämpfung von Phytophthora erythroseptica erfordert ein konsequentes, integriertes Management, da der Schaderreger im Boden extrem langlebig ist. Ackerbauliche Maßnahmen stehen im Vordergrund: Vermeidung von Staunässe durch Drainage, tiefe Bodenlockerung zur Beseitigung von Verdichtungen und eine weite Fruchtfolge (mindestens 4 Jahre Anbaupause für anfällige Kulturen). Chemische Pflanzenschutzmittel auf Basis von Wirkstoffen wie Metalaxyl-M oder anderen spezifischen Oomyzeten-Fungiziden (FRAC-Gruppe 4) können zur Boden- oder Furchenbehandlung eingesetzt werden, wobei zur Vermeidung von Resistenzen ein strikter Wirkstoffwechsel mit anderen FRAC-Klassen (z. B. Carbonsäureamide, FRAC-Gruppe 40) zwingend erforderlich ist. Der Einsatz von gesundem, zertifiziertem Pflanzgut ist die wichtigste präventive Maßnahme, um die Einschleppung in unbelastete Flächen zu verhindern.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Rotfäule optisch von der Braunfäule (Phytophthora infestans) an der Knolle?
Während die Braunfäule eine eher trockene, rötlich-braune, marmorierte Fäule verursacht, die vom Rand der Knolle nach innen fortschreitet, bleibt das Gewebe bei der Rotfäule zunächst gummiartig elastisch. Der entscheidende Unterschied zeigt sich nach dem Anschneiden: Nur bei der Rotfäule verfärbt sich das anfangs gesunde, cremefarbene Gewebe unter Sauerstoffeinfluss innerhalb von 15 bis 30 Minuten intensiv lachsrosa.
Welche Rolle spielen Verletzungen bei der Ernte für die Ausbreitung im Lager?
Verletzungen sind die Haupteintrittspforten für Sekundärschädlinge und beschleunigen den Befall durch Phytophthora erythroseptica im Lager drastisch. Da infizierte Knollen extrem viel Feuchtigkeit und sauren Zellsaft abgeben, entsteht ein feuchtes Mikroklima, das gesunde Nachbarknollen infiziert; eine schonende Ernte und rasche Abtrocknung des Ernteguts sind daher essenziell.
Gibt es bekannte Resistenzen gegen Fungizide bei diesem Schaderreger?
Ja, in vielen Anbauregionen weltweit wurden bereits Resistenzen von Phytophthora erythroseptica gegenüber dem weit verbreiteten Wirkstoff Metalaxyl/Mefenoxam (FRAC-Gruppe 4) nachgewiesen. Um einen Wirkungsverlust zu verhindern, müssen Pflanzenschutzmittel dieser Gruppe zwingend im Wechsel oder in Kombination mit anderen Wirkstoffklassen (z. B. Cyazofamid oder Fluazinam) angewendet werden.
Wie verhält sich der Erreger bei der Fruchtfolgeplanung mit Zichorien (Cichorium)?
Da Cichorium sp. (wie Chicorée oder Wurzelzichorie) ebenfalls als Wirt für Phytophthora erythroseptica dient, sollte diese Kultur nicht in engen Rotationen mit Kartoffeln stehen. Ein Anbauabstand von mindestens 4 bis 5 Jahren hilft, das Oosporen-Potenzial im Boden auf einem kontrollierbaren Niveau zu halten.
Wie finde ich im Agronomie-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Erreger?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur (z. B. Kartoffel) und dem Schaderreger Phytophthora erythroseptica oder dem EPPO-Code PHYTER. Achten Sie bei den angezeigten Pflanzenschutzmitteln besonders auf die zugelassene Aufwandmenge, das maximale BBCH-Stadium für die Anwendung sowie die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.