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Pilz

Stemphylium sp.

Stemphylium sp.
STEMSP

Die Pilzgattung Stemphylium sp. (EPPO-Code: STEMSP) umfasst bedeutende Schaderreger, die in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen nekrotische Blattflecken verursachen. Besonders im Rübenanbau (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. altissima) sowie bei verschiedenen Zierpflanzen hat dieser Schaderreger in den letzten Jahren in Mitteleuropa massiv an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen. Die Infektion führt zu einer vorzeitigen Zerstörung des Blattapparates, was erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste nach sich zieht.

Begünstigt durch warme, feuchte Witterungsperioden im Sommer breitet sich der Pilz rasch im Bestand aus. Da die Symptome oft mit anderen Blattkrankheiten wie Cercospora beticola verwechselt werden, bleibt der Befall häufig lange unerkannt oder wird fehlerhaft diagnostiziert. Dies erschwert eine gezielte Bekämpfung und erfordert eine präzise Bestimmung im Feld, um rechtzeitig pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen einzuleiten.

Typ
Pilz
EPPO-Code
STEMSP
Wirte
1 Kultur
Generationen
Multiple, sich überlagernde Generationen pro Saison
Verbreitung
Stemphylium sp. ist weltweit in gemäßigten und subtropischen Klimazonen verbreitet. In West- und Mitteleuropa führt der Erreger insbesondere in feuchtwarmen Sommern zu signifikanten Ertragsminderungen im Rüben- und Zierpflanzenbau.
Erstbeschreibung
Wallroth, 1833

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überdauert als Myzel oder Konidien auf infizierten Ernterückständen im Boden oder auf alternativen Wirtspflanzen. Im Frühjahr und Frühsommer dienen diese Überwinterungsstrukturen als primäre Infektionsquelle, wobei die Sporenverbreitung hauptsächlich durch Wind und Regenspritzer erfolgt. Für die Keimung der Konidien und das Eindringen in das Blattgewebe sind anhaltende Blattnässe und Temperaturen zwischen 18 °C und 25 °C optimal. Nach einer kurzen Inkubationszeit von wenigen Tagen bilden sich neue Konidiophore aus, die für eine rasche, sekundäre Ausbreitung im Bestand während der gesamten Vegetationsperiode sorgen.

Bonitur

Das systematische Monitoring im Rübenanbau sollte ab dem Reihenschluss (BBCH 39) bis zur Hauptwachstumsphase des Rübenkörpers (BBCH 49) intensiviert werden. Agronomen sollten wöchentlich mindestens 100 Blätter im Feld nach den typischen, kleinen, nekrotischen Flecken mit gelbem Hof absuchen. Als vorläufiger Schadschwellenwert für eine gezielte Behandlung gilt im integrierten Pflanzenschutz ein Befall von mehr als 5 % der Blätter bei ersten Symptomen im Bestand, insbesondere wenn warme, feuchte Witterungsbedingungen vorhergesagt sind.

Symptome

Auf den Blättern der betroffenen Kulturen zeigen sich zunächst winzige, punktförmige, gelbliche bis hellbraune Flecken. Im weiteren Verlauf vergrößern sich diese Läsionen auf etwa 2–5 mm, nehmen eine unregelmäßige, oft eckige Form an und färben sich im Zentrum graubraun bis dunkelbraun, häufig umgeben von einem diffusen, chlorotischen Hof. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf den Flecken ein feiner, dunkler, samtartiger Belag aus Sporenträgern. Im fortgeschrittenen Stadium fließen die Flecken zusammen, was zum großflächigen Absterben und Vertrocknen ganzer Blätter führt.

Integriertes Management

Eine erfolgreiche Regulierung von *Stemphylium sp.* basiert auf einer integrierten Strategie. Pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge, das sorgfältige Unterpflügen von Ernterückständen zur Reduzierung des Inokulums und die Auswahl toleranter Sorten bilden das Fundament. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf eine rechtzeitige Anwendung zu achten, wobei Wirkstoffe aus den Klassen der Strobilurine (QoI, FRAC-Gruppe 11) und Triazole (DMI, FRAC-Gruppe 3) im Fokus stehen. Zur Vermeidung von Resistenzbildungen müssen diese Wirkstoffklassen konsequent abgewechselt oder in Kombination mit Kontaktwirkstoffen eingesetzt werden, um den Selektionsdruck auf den Schaderreger zu minimieren.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Stemphylium-Blattflecken im Feld von einer Cercospora-Infektion?

Während Cercospora-Flecken meist rundlich sind, einen scharf abgegrenzten, rötlich-braunen Rand und im Zentrum winzige schwarze Punkte (Pseudothezien) aufweisen, sind Stemphylium-Flecken oft unregelmäßiger geformt, weisen einen helleren, diffusen gelben Hof auf und zeigen bei Feuchtigkeit einen dunklen, samtigen Sporenbelag ohne strukturierte Fruchtkörper.

Welche Rolle spielen Ernterückstände bei der Ausbreitung von Stemphylium sp.?

Ernterückstände sind die primäre Überlebensquelle des Pilzes. Da das Myzel saprophytisch auf Pflanzenresten im Boden überdauert, fördert das Belassen von nicht sauber eingearbeitetem Laub auf der Bodenoberfläche das Infektionspotenzial für die Folgekulturen massiv. Ein tiefes Unterpflügen beschleunigt den Abbau des Gewebes und reduziert den Infektionsdruck im Frühjahr.

Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Nutzen Sie im Hub die Filterfunktion für Indikationen und wählen Sie die entsprechende Kultur (z. B. Zuckerrübe) sowie den Schaderreger "Stemphylium" oder die allgemeine Zulassung gegen "Blattfleckenpilze" aus. Achten Sie darauf, die aktuellen BVL-Zulassungsdaten und die spezifischen Anwendungsbestimmungen für Ihr Bundesland abzugleichen.

Welche FRAC-Vorgaben müssen bei der chemischen Bekämpfung beachtet werden?

Da Stemphylium sp. ein hohes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen aufweist, dürfen Solo-Anwendungen von Strobilurinen (FRAC-Gruppe 11) nicht überstrapaziert werden. Es wird dringend empfohlen, Mischungen mit Triazolen (FRAC-Gruppe 3) oder Carboxamiden (SDHI, FRAC-Gruppe 7) zu verwenden und die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison strikt einzuhalten.

Beeinflusst die Stickstoffdüngung das Auftreten von Stemphylium sp.?

Ja, eine unausgewogene, übermäßige Stickstoffdüngung führt zu einem weichen, mastigen Pflanzengewebe und einem dichteren Bestandsklima, was die Blattnässedauer verlängert und dem Schaderreger optimale Infektionsbedingungen bietet. Eine bedarfsgerechte, harmonische Nährstoffversorgung stärkt hingegen die natürliche Widerstandskraft der Kultur.

Ab welchem BBCH-Stadium ist eine Behandlung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll?

Ab dem BBCH-Stadium 49 (Erreichen der Ertragsreife / Ernte) ist eine chemische Behandlung in der Regel wirtschaftlich nicht mehr rentabel, da die Wartezeiten der Pflanzenschutzmittel (oft 21 bis 28 Tage) eingehalten werden müssen und der späte Blattverlust den Zuckerertrag oder die Qualität der Rüben kaum noch maßgeblich beeinflusst.