Stemphylium sp.
Die Stemphylium-Blattfleckenkrankheit, verursacht durch den pilzlichen Schaderreger Stemphylium sp. (EPPO-Code: STEMSP), gewinnt im mitteleuropäischen Acker- und Gartenbau zunehmend an Bedeutung. Besonders im Anbau von Zuckerrüben (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. altissima) sowie bei verschiedenen Zierpflanzen führt der Erreger zu signifikanten Blattschäden. Durch den fortschreitenden Klimawandel und die damit einhergehenden wärmeren und feuchteren Sommerperioden breitet sich der Pilz in den letzten Jahren verstärkt aus und stellt eine ernsthafte Bedrohung für den Ertrag und die Qualität der betroffenen Kulturen dar.
Die wirtschaftliche Relevanz ist hoch, da ein starker Befall zu einer vorzeitigen Entlaubung der Kulturen führt. Bei Zuckerrüben resultiert dies in einem erheblichen Verlust an Assimilationsfläche, was wiederum den Zuckerertrag und den Rübenertrag drastisch mindert. Da die Symptome leicht mit anderen Blattfleckenkrankheiten verwechselt werden können, ist eine präzise Diagnose für ein gezieltes Management unerlässlich.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als Myzel oder Pseudothezien auf infizierten Ernterückständen im Boden oder auf alternativen Wirtspflanzen. Im Frühjahr und Sommer werden bei feucht-warmer Witterung Konidien gebildet, die durch Wind und Regenspritzer auf die unteren Blätter der Kulturen getragen werden. Nach der Keimung dringt der Pilz direkt durch die Kutikula oder über natürliche Öffnungen in das Blattgewebe ein. Innerhalb der sich entwickelnden Blattflecken entstehen rasch neue Konidien, die während der Vegetationsperiode zu mehreren sekundären Infektionszyklen führen und eine epidemische Ausbreitung im gesamten Bestand verursachen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Reihenschluss der Kulturen (ca. BBCH-Stadium 39 bei Zuckerrüben) beginnen, besonders wenn warme, gewitterträchtige Wetterlagen vorherrschen. Du solltest wöchentlich mindestens 100 Blätter im Feld an verschiedenen Stellen stichprobenartig auf erste typische Flecken untersuchen. Da Stemphylium sp. oft im Komplex mit anderen Blattfleckenregern auftritt, liegt der kritische Bekämpfungsrichtwert in der Praxis meist bei einem ersten Auftreten (ca. 1 % Befallshäufigkeit) ab Mitte Juli bis Anfang August, um eine rechtzeitige Behandlung einzuleiten.
Symptome
Die Symptome äußern sich zunächst als kleine, punktförmige, hellbraune bis graubraune Flecken auf den älteren Blättern. Im weiteren Verlauf vergrößern sich diese Flecken auf einen Durchmesser von 2–15 mm, nehmen eine unregelmäßige, oft eckige Form an und weisen eine scharfe Abgrenzung zum gesunden Gewebe auf, manchmal umgeben von einem gelblichen Hof. Charakteristisch für Stemphylium sp. ist, dass das Zentrum älterer Flecken bei feuchter Witterung durch die Sporenbildung einen dunklen, fast schwarzen, samtartigen Belag annimmt und das Gewebe im Zentrum leicht brüchig wird und ausreißt.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches integriertes Management basiert auf einer weiten Fruchtfolge und dem sorgfältigen Unterpflügen von Ernterückständen, um das Primärinokulum im Boden zu reduzieren. Die Wahl widerstandsfähiger Sorten ist die wirtschaftlichste Maßnahme zur Schadensbegrenzung. Beim chemischen Pflanzenschutz ist auf eine rechtzeitige Anwendung von Fungiziden zu achten, wobei Wirkstoffe aus den Klassen der Triazole (FRAC 3), Strobilurine (FRAC 11) und SDHI (FRAC 7) eingesetzt werden. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, musst du unbedingt einen konsequenten Wirkstoffwechsel durchführen und die maximal zulässige Anzahl an Behandlungen pro Saison einhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidest du Stemphylium-Blattflecken im Feld von einer Cercospora-Infektion?
Während Cercospora-Flecken meist rundlich mit einem typischen rötlich-braunen Rand und grauen Punkten (Pseudostromata) im Zentrum sind, zeigen Stemphylium-Flecken oft eine unregelmäßigere, eckige Form. Zudem fehlt ihnen der rötliche Rand, und bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf den Flecken ein charakteristischer, dunkler bis schwarzer Sporenteppich, der dem Fleck ein schmutziges Aussehen verleiht.
Welche klimatischen Bedingungen begünstigen den Ausbruch von Stemphylium sp. besonders?
Der Pilz bevorzugt warme Temperaturen zwischen 20 °C und 27 °C in Kombination mit einer langen Blattnässeperiode von mindestens 8–12 Stunden. Häufige Sommergewitter, gefolgt von schwülen Phasen, bieten dem Schaderreger optimale Bedingungen für eine rasche Sporenkeimung und anschließende Infektion der Kulturen.
Wie findest du im Portal die passenden Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach deiner Kultur und dem Schaderreger "Stemphylium sp.". Achte bei der Auswahl auf die registrierten Anwendungen, die zugelassene Aufwandmenge sowie die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte, um die gesetzlichen Vorgaben exakt zu erfüllen.
Warum ist die Einhaltung der FRAC-Richtlinien bei der chemischen Behandlung so wichtig?
Da Stemphylium sp. ein hohes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen besitzt, besonders gegenüber Strobilurinen (QoI, FRAC 11), musst du Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen kombinieren oder im Wechsel anwenden. Verwende Mischungen aus Triazolen (FRAC 3) und SDHI (FRAC 7), um die Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel langfristig zu sichern.
Welche Rolle spielen Ernterückstände für die Infektion deiner Kulturen im Folgejahr?
Ernterückstände sind die Hauptquelle für das Primärinokulum. Wenn du infiziertes Laub auf der Bodenoberfläche belässt, überlebt der Pilz dort problemlos. Eine tiefe, saubere Einarbeitung der Reste beschleunigt deren Abbau und unterbricht den Lebenszyklus des Schaderregers, wodurch der Infektionsdruck im nächsten Frühjahr deutlich sinkt.