Valsa leucostoma
Das Ast- und Baumsterben, verursacht durch den Schlauchpilz Cytospora leucostoma (EPPO-Code: VALSLE, Hauptfruchtform Valsa leucostoma), ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Rindenkrankheiten im Steinobstanbau. Der Schaderreger befällt vor allem geschwächte oder mechanisch verletzte Kulturen wie Süßkirschen (Prunus avium) und Aprikosen (Prunus armeniaca). Er führt zu chronischem Triebsterben, Nekrosen an Ästen und im schlimmsten Fall zum Absterben ganzer Bäume, was in Erwerbsanlagen erhebliche Ertragsausfälle und vorzeitige Rodungen nach sich zieht.
Die Krankheit tritt weltweit in allen gemäßigten Anbaugebieten auf und ist besonders in Regionen mit wechselhaften Wintertemperaturen und Spätfrösten gefürchtet. Da der Pilz als Schwächeparasit agiert, korreliert seine Schadwirkung stark mit physiologischem Stress der Kulturen, beispielsweise durch Trockenheit, Frostschäden oder mangelhafte Nährstoffversorgung. Einmal im Holz etabliert, ist der Schaderreger kaum noch direkt zu bekämpfen, weshalb der präventiven Hygiene im Obstgarten eine Schlüsselrolle zukommt.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert als Myzel oder in Form von Dauerstadien (Pyknidien und Perithezien) in infizierten Rindenpartien und abgestorbenen Ästen. Im feuchten Frühjahr und Sommer werden bei Temperaturen ab etwa 10 °C Konidien aus den Pyknidien in gallertartigen Ranken ausgestoßen und durch Regen sowie Wind verbreitet. Die Infektion erfolgt ausschließlich passiv über Wunden, die durch Schnittmaßnahmen, Frostrisse, Hagelschlag oder Blattnarben nach dem herbstlichen Laubfall entstehen. Nach dem Eindringen breitet sich das Myzel im Rindengewebe und im Kambium aus, verstopft die Leitungsbahnen der Kultur und führt schließlich zur charakteristischen Nekrosenbildung und zum Absterben der darüber liegenden Pflanzenteile.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits im Spätwinter während des Winterschnitts beginnen und bis zum herbstlichen Laubfall (BBCH 91 bis 97) fortgeführt werden. Achte besonders in den BBCH-Stadien 60 bis 69 (Blüte) und nach Ernteende auf erste Symptome wie Welke einzelner Triebe oder Gummifluss an Astgabeln. Da es für diesen Schwächeparasiten keine klassischen Schadschwellen gibt, gilt eine Nulltoleranz für infiziertes Holz im Bestand: Jedes Symptom erfordert sofortiges Handeln, um eine epidemische Ausbreitung der Sporen im Frühjahr zu verhindern. Die Überwachung von Wetterdaten zur Identifikation von Infektionsbedingungen (feucht-warme Phasen nach Frostereignissen) unterstützt dich bei der Terminierung von Schnittmaßnahmen.
Symptome
Das auffälligste Symptom im Feld ist das plötzliche Welken und Absterben von Blättern und Trieben während der Vegetationsperiode, wobei das vertrocknete Laub oft lange am Ast hängen bleibt. An den betroffenen Ästen bilden sich eingesunkene, rötlich-braune bis dunkelbraune Rindennekrosen, die sich scharf vom gesunden Gewebe abgrenzen. Typisch für den Befall durch *Cytospora leucostoma* ist zudem starker Gummifluss (Gummosis) an den Übergangsstellen zum gesunden Holz. Auf der abgestorbenen Rinde entwickeln sich im weiteren Verlauf zahlreiche kleine, warzenartige Erhebungen (die Pyknidien des Pilzes), die der Rinde ein raues, pockiges Aussehen verleihen – daher auch der Name „Krötenhautkrankheit“.
Integriertes Management
Die Bekämpfung von *Cytospora leucostoma* basiert auf einer konsequenten integrierten Strategie, da kurative chemische Maßnahmen nach dem Eindringen des Pilzes ins Holz wirkungslos sind. Kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: Vermeide Schnittmaßnahmen bei feuchter Witterung und führe den Baumschnitt bevorzugt im Spätsommer nach der Ernte durch, da Wunden zu dieser Zeit schneller verheilen. Infizierte Äste musst du großzügig bis tief ins gesunde Holz (mindestens 10–20 cm unterhalb der Nekrose) zurückschneiden und sofort aus der Anlage entfernen und vernichten. Zur Wundheilung solltest du größere Schnittflächen umgehend mit einem zugelassenen Wundverschlussmittel verstreichen. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Kupferpräparate oder spezifische Fungizide) können präventiv während des Laubfalls (BBCH 91–97) oder bei Knospenschwellen eingesetzt werden, um die Eintrittspforten zu schützen. Achte beim Einsatz von Fungiziden auf einen Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien, um das Risiko von Resistenzbildungen zu minimieren, und stelle eine optimale Vitalität deiner Kulturen durch ausgewogene Düngung und Bewässerung sicher.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Schadbild von Pseudomonas syringae (Bakterienbrand)?
Obwohl beide Erreger Gummifluss und Triebsterben verursachen, bildet *Cytospora leucostoma* im fortgeschrittenen Stadium die charakteristischen pockenartigen Pyknidien („Krötenhaut“) auf der Rinde aus. Zudem führt Bakterienbrand oft zu typischen eckigen, wässrigen Blattflecken, die bei Cytospora fehlen. Eine genaue Diagnose im Labor sichert dir die zuverlässige Unterscheidung ab.
Warum ist der Schnittzeitpunkt im Sommer bei Steinobst so wichtig für die Infektionsvermeidung?
Im Hoch- und Spätsommer (nach der Ernte) ist der Infektionsdruck durch Pilzsporen meist geringer als im feuchten Frühjahr. Zudem besitzt deine Kultur in dieser Phase eine hohe physiologische Aktivität, wodurch Wunden wesentlich schneller durch die Bildung von Wundkork und pflanzeneigenen Abwehrstoffen verschlossen werden.
Wie findest du im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Süßkirsche) und dem Schaderreger „Cytospora leucostoma“. Achte darauf, nur Pflanzenschutzmittel auszuwählen, die eine aktuelle Zulassung des BVL für diese spezifische Anwendung besitzen, und halte dich strikt an die vorgegebenen Aufwandmengen und Wartezeiten.
Welche Rolle spielen Frostschäden bei der Ausbreitung der Krankheit?
Frostrisse im Winter und Spätfröste im Frühjahr schädigen das Rindengewebe und schaffen ideale Eintrittspforten für die Sporen des Pilzes. Zudem schwächt Froststress die natürliche Abwehrkraft deiner Kulturen, sodass sich das Myzel nach einer Infektion im Holzgewebe deutlich schneller und aggressiver ausbreiten kann.
Kannst du infiziertes Schnittholz im Obstgarten häckseln und als Mulch liegen lassen?
Nein, das solltest du auf keinen Fall tun. Der Pilz kann als Saprophyt jahrelang auf abgestorbenem Holz überleben und weiterhin infektiöse Sporen produzieren. Das Häckseln würde die Sporen nur in deiner Anlage verteilen. Infiziertes Holz musst du umgehend aus der Kultur entfernen und verbrennen oder tief vergraben.
Gibt es resistente Steinobstsorten oder Unterlagen, die du pflanzen kannst?
Eine vollständige Resistenz gegen *Cytospora leucostoma* ist bei Steinobst derzeit nicht bekannt. Es gibt jedoch Sorten- und Unterlagenunterschiede hinsichtlich der Frosthärte und der Regenerationsfähigkeit. Da frostharte und vitale Kulturen seltener Infektionen aufweisen, solltest du bei der Neuanlage auf standortangepasste, robuste Unterlagen achten.