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Pilz

Valsa leucostoma

Cytospora leucostoma
VALSLE

Cytospora leucostoma (EPPO-Code: VALSLE), in der Praxis auch als Erreger der Krötenhautkrankheit oder des Valsa-Baumsterbens bekannt, ist ein bedeutender Schwächeparasit an Steinobst. Der Pilz befällt vor allem wirtschaftlich wichtige Kulturen wie Süßkirschen (Prunus avium) und Aprikosen (Prunus armeniaca), führt jedoch auch an anderen Steinobstbäumen zu Triebsterben und Rindennekrosen.

Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers ist im Erwerbsobstbau erheblich, da Infektionen oft schleichend verlaufen und erst bei fortgeschrittener Schädigung sichtbar werden. Begünstigt durch abiotische Stressfaktoren wie Frostschäden, winterliche Temperaturschwankungen oder langanhaltende Trockenheit, kann der Pilz ganze Anlagen schwächen, den Ertrag drastisch reduzieren und die Lebensdauer der Kulturen signifikant verkürzen.

Der Schaderreger ist weltweit in den gemäßigten Anbauzonen verbreitet und tritt in Mitteleuropa besonders in Jahren mit feuchten Frühjahrsmonaten und ausgeprägtem Spätfrost verstärkt in Erscheinung.

Typ
Pilz
EPPO-Code
VALSLE
Wirte
2 Kulturen
Generationen
Mehrere Infektionswellen je nach Witterung
Verbreitung
Weltweit in allen gemäßigten Klimazonen verbreitet; verursacht erhebliche wirtschaftliche Schäden in europäischen und nordamerikanischen Steinobstanlagen durch das vorzeitige Absterben von Ertragsbäumen.

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern (Pyknidien und Perithezien) in infizierten Rindenpartien und abgestorbenen Ästen der Kulturen. Im Frühjahr und bei feucht-warmer Witterung während der Vegetationsperiode werden Konidien freigesetzt, die passiv durch Regen, Wind oder Schnittwerkzeuge verbreitet werden. Die Infektion erfolgt ausschließlich über Wunden wie Schnittstellen, Frostrisse, Blattnarben nach dem herbstlichen Laubfall oder mechanische Beschädigungen. Nach dem Eindringen breitet sich das Myzel im Rinden- und Kambiumgewebe aus, zerstört die Leitungsbahnen und führt zur Bildung von typischen Nekrosen, in denen sich im Spätsommer neue Fruchtkörper entwickeln.

Bonitur

Die Überwachung der Kulturen beginnt bereits im Spätwinter während des Winterschnitts (BBCH 00) und erstreckt sich über die gesamte Vegetationsperiode bis nach dem Laubfall (BBCH 91–97). Ein systematisches Monitoring ist besonders nach extremen Witterungsereignissen wie Spätfrösten, Hagel oder starkem Wind erforderlich, um frische Rindenrisse und mechanische Schäden zu erfassen. Es gibt keine festen Schadschwellen; das Auftreten erster Welkesymptome an einzelnen Trieben im Frühjahr (ab BBCH 60) oder gummiartige Ausscheidungen (Gummifluss) an Ästen dient als direktes Signal für sofortige Sanierungsmaßnahmen durch Rückschnitt.

Symptome

Sichtbar sind eingesunkene, dunkel verfärbte Rindenareale (Nekrosen) an Ästen und Stamm, die sich oft scharf vom gesunden Gewebe abgrenzen. Unter der Rinde zeigt das Holz eine deutliche Braunfärbung. Ein markantes Symptom ist der intensive, bernsteinfarbene Gummifluss (Gummosis) an den Übergangsstellen zum gesunden Holz. Im weiteren Verlauf bricht die Rinde auf und es bilden sich zahlreiche kleine, warzenartige Erhebungen (Pyknidien), die der Rinde ein krötenhautartiges Aussehen verleihen. Bei feuchter Witterung treten aus diesen Erhebungen rötliche oder gelbliche Sporenranken aus. Blätter an betroffenen Trieben welken plötzlich, vertrocknen und bleiben oft braun am Ast hängen.

Integriertes Management

Die Regulierung von Cytospora leucostoma basiert primär auf einem integrierten, vorbeugenden Konzept, da etablierte Infektionen im Holz nicht heilbar sind. Kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: Vermeidung von Trockenstress durch bedarfsgerechte Bewässerung, ausgewogene Düngung zur Stärkung der holzeigenen Abwehrkräfte und die Durchführung des Baumschnitts ausschließlich bei trockener Witterung. Größere Schnittwunden müssen umgehend mit einem Wundverschlussmittel versiegelt werden. Infizierte Triebe sind konsequent bis tief in das gesunde Holz zurückzuschneiden und umgehend aus der Anlage zu entfernen, um das Inokulum zu reduzieren. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. kupferhaltige Präparate) werden flankierend zur Absicherung natürlicher Wunden während des herbstlichen Blattfalls (BBCH 91–97) oder nach Hagelereignissen eingesetzt. Beim Einsatz von Fungiziden ist zur Vermeidung von Resistenzen strikt auf den Wechsel der Wirkstoffklassen gemäß FRAC-Vorgaben zu achten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie finde ich im Portal registrierte Pflanzenschutzmittel gegen die Krötenhautkrankheit?

Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Hub und filtern Sie gezielt nach der betroffenen Kultur (z. B. Süßkirsche) und dem Schaderreger Cytospora leucostoma (VALSLE). Achten Sie darauf, dass die angezeigten Pflanzenschutzmittel eine aktuelle Zulassung für die spezifische Indikation besitzen, und prüfen Sie die vom BVL vorgegebenen Anwendungsbestimmungen.

Warum ist eine Behandlung direkt nach dem herbstlichen Blattfall so wichtig?

Beim herbstlichen Blattfall (BBCH 91–97) entstehen an den Trieben natürliche Wunden in Form von Blattnarben. Da der Schaderreger ein reiner Wundparasit ist, bieten diese Narben bei feuchter Herbstwitterung die perfekte Eintrittspforte. Eine vorbeugende Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln schützt diese offenen Stellen vor dem Eindringen der Sporen.

Welche Rolle spielt der exakte Zeitpunkt des Winterschnitts bei der Infektionsvermeidung?

Der Winterschnitt erzeugt große Wunden in einer Phase, in der die Abwehrkräfte der Kultur aufgrund der Vegetationsruhe minimal sind. Wird bei feuchtem oder nebligem Wetter geschnitten, können die Sporen leicht über das Schnittwerkzeug oder durch Wassertropfen übertragen werden. Der Schnitt sollte daher ausschließlich in Trockenperioden erfolgen, gefolgt von einer sofortigen Wundversiegelung.

Kann ein einmal infizierter Baum geheilt werden?

Eine kurative chemische Bekämpfung im bereits infizierten Holzgewebe ist nicht möglich. Die Kultur kann die Infektion nur durch aktive Abschottung (Kallubildung) begrenzen, was eine hohe Vitalität voraussetzt. Ist der Hauptstamm betroffen, führt dies meist zum Absterben, weshalb befallene Äste frühzeitig und tief im gesunden Holz (mindestens 10–15 cm unter der sichtbaren Nekrose) abgeschnitten werden müssen.

Wie unterscheidet sich der pilzbedingte Gummifluss von physiologischem Gummifluss?

Physiologischer Gummifluss tritt oft diffus als Reaktion auf Staunässe oder Nährstoffmangel auf, ohne dass die Rinde einsinkt. Bei einem Befall durch Cytospora leucostoma tritt der zähe, bernsteinfarbene Gummifluss direkt an den Rändern scharf abgegrenzter, eingesunkener Rindennekrosen auf, auf denen sich später die warzenartigen Fruchtkörper bilden.

Welche Rolle spielen FRAC-Richtlinien bei der Regulierung dieses Schaderregers?

Da Behandlungen vor allem vorbeugend an Wundflächen durchgeführt werden, ist das Risiko einer Resistenzbildung bei wiederholtem Einsatz derselben Wirkstoffklasse hoch. Ein konsequenter Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen FRAC-Gruppen bei den herbstlichen oder frühjahrsmäßigen Anwendungen verhindert die Selektion resistenter Pilzstämme in der Obstanlage.