Verticillium longisporum
Verticillium longisporum (EPPO-Code: VERTLO), auch bekannt als Verticillium-Welke oder Rapswelke, ist ein bodenbürtiger pilzlicher Schaderreger, der insbesondere im intensiven Rapsanbau erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht. Der Pilz befällt primär Kreuzblütler (Brassicaceae), wobei Winterraps die wirtschaftlich bedeutendste Wirtskultur in Mitteleuropa darstellt. Da der Erreger über Jahrzehnte im Boden überdauern kann, stellt er ein langfristiges Problem für die Fruchtfolgegestaltung dar.
Die ökonomische Relevanz von Verticillium longisporum hat in den letzten Jahren durch enge Rapsfruchtfolgen und den Klimawandel deutlich zugenommen. Warme, trockene Sommer begünstigen den Krankheitsverlauf, da die verstopften Leitungsbahnen der Kultur den Wasserbedarf unter Stress nicht mehr decken können. Dies führt zu vorzeitiger Abreife (Notreife), drastischen Ertragseinbußen sowie verminderten Ölgehalten im Erntegut.
Biologie / Lebenszyklus
Der Pilz überdauert als widerstandsfähige Dauerkörper (Mikrosklerotien) im Boden oder in infizierten Ernterückständen. Im Frühjahr werden diese durch Wurzelausscheidungen der Kultur zur Keimung angeregt, woraufhin die Hyphen direkt über die Wurzelhaare in das Gewebe eindringen. Nach der Kolonisation der Wurzelrinde besiedelt der Schaderreger die xylemleitenden Gefäße und breitet sich systemisch nach oben aus. Während der Abreife der Kultur (ab BBCH 80) bildet der Pilz in den absterbenden Stängeln massenhaft neue Mikrosklerotien, die nach der Ernte und dem Zusammenbruch des Gewebes wieder in den Boden gelangen.
Bonitur
Ein direktes Monitoring während der vegetativen Phase ist schwierig, da die Infektion lange Zeit symptomlos verläuft. Die systematische Feldkontrolle konzentriert sich daher auf die Phase der beginnenden Abreife ab BBCH 75 bis BBCH 85. Achte beim Durchgehen der Bestände auf streifenförmige Vergilbungen an den Stängeln und vorzeitig abreifende Einzelpflanzen oder Nester. Zur Absicherung der Diagnose solltest du die Stängelbasis kurz über dem Boden quer anschneiden: Eine graue bis schwarze Verfärbung des Marks und der Leitungsbahnen sowie die Bildung winziger, schwarzer Punkte (Mikrosklerotien) unter der Epidermis bestätigen den Befall.
Symptome
Die Symptome zeigen sich meist erst spät in der Vegetationsperiode ab der Schotenfüllung (BBCH 70–79). Typisch ist eine einseitige, streifenförmige Vergilbung der Stängel, die sich später braun oder grau verfärbt, während die andere Stängelhälfte oft noch grün bleibt. Die Blätter zeigen oft halbseitige Chlorosen und Welkeerscheinungen. Zur Ernte hin löst sich die Epidermis des Stängels papierartig ab und gibt das darunterliegende Gewebe frei, das durch unzählige staubfeine, schwarze Mikrosklerotien rußartig grau gefärbt ist. Im Querschnitt der Stängelbasis zeigt sich eine deutliche Verbräunung oder Vergrauung des Xylems.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Kann ich die Verticillium-Welke mit Fungiziden im Frühjahr bekämpfen?
Nein, eine direkte Bekämpfung mit Fungiziden im Frühjahr oder Sommer ist nicht wirksam. Da der Pilz im Inneren der Leitungsbahnen (Xylem) wächst, erreichen ihn klassische Pflanzenschutzmittel nicht. Dein Fokus muss daher auf vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen wie einer weiten Fruchtfolge und der Sortenwahl liegen.
Wie kann ich im Farmable-Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger finden?
Da es keine direkt zugelassenen Fungizide gegen Verticillium longisporum gibt, solltest du im Hub nach Produkten suchen, die zur allgemeinen Vitalisierung oder zur Bekämpfung von Begleitpathogenen zugelassen sind. Nutze die Filtersuche im Bereich Pflanzenschutzmittel, wähle deine Kultur (Winterraps) und filtere nach den in deiner Region zugelassenen Anwendungen.
Welche Rolle spielen Ausfallraps und Unkräuter für den Lebenszyklus des Pilzes?
Eine sehr große. Ausfallraps und kreuzblütige Unkräuter wie Hirtentäschelkraut, Acker-Senf oder Hederich dienen dem Pilz als Zwischenwirte. Wenn du diese auf der Fläche nicht konsequent bekämpfst, kann sich der Erreger auch in den Rapsanbaupausen vermehren und den Infektionsdruck im Boden hoch halten.
Warum tritt die Krankheit in trockenen Jahren besonders stark auf?
Der Pilz verstopft die wasserleitenden Gefäße (Xylem) der Kultur. Bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit kann die Kultur den eingeschränkten Wassertransport oft noch kompensieren. Tritt jedoch während der Schotenfüllung Trockenstress auf, bricht die Wasserversorgung zusammen, was zu der typischen, schlagartigen Notreife führt.
Wie lange überleben die Mikrosklerotien im Boden, wenn ich keinen Raps anbaue?
Die Mikrosklerotien von Verticillium longisporum sind extrem überdauerungsfähig und können im Boden problemlos 10 bis 15 Jahre lang infektiös bleiben. Eine kurze Anbaupause von 2–3 Jahren reicht daher nicht aus, um einen verseuchten Schlag zu sanieren; hier sind mindestens 5–6 Jahre Pause ratsam.
Unterscheidet sich der Befall von Verticillium longisporum optisch von Phoma lingam?
Ja, obwohl beide Erreger zu vorzeitiger Abreife führen. Bei Phoma (Wurzelhals- und Stängelfäule) zeigt sich eine trockene, korkige Fäule direkt am Wurzelhals, oft mit sichtbaren Fruchtkörpern (Pyknidien). Bei Verticillium bleibt die Stängelbasis meist fest, zeigt aber im Inneren eine graue Verfärbung und unter der abgeschälten Epidermis den typischen rußartigen Belag aus Mikrosklerotien.