Alle Schaderreger
Pilz

Verticillium longisporum

Verticillium longisporum
VERTLO

Verticillium longisporum (EPPO-Code: VERTLO), der Erreger der Verticillium-Welke (auch Raps-Verticillium genannt), ist ein hochspezialisierter, bodenbürtiger Pilz, der vor allem im intensiven Rapsanbau erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht. Der Schaderreger besiedelt selektiv die Leitungsbahnen (Xylem) der Kultur und führt zu einer vorzeitigen Abreife, Notreife und signifikanten Ertragsverlusten.

Die Krankheit hat in den letzten Jahrzehnten in den europäischen Rapsanbaugebieten, insbesondere in Nord- und Mitteleuropa, massiv an Bedeutung gewonnen. Da die Mikrosklerotien des Pilzes jahrzehntelang ohne Wirtspflanze im Boden überleben können, schränkt ein einmal etablierter Befall die Fruchtfolgegestaltung nachhaltig ein und gefährdet die langfristige Rentabilität des Rapsanbaus auf den betroffenen Flächen.

Typ
Pilz
EPPO-Code
VERTLO
Wirte
1 Kultur
Generationen
1 Infektionszyklus pro Saison (bodenbürtig)
Verbreitung
Der Schaderreger ist in ganz Europa, insbesondere in den intensiven Rapsanbauregionen Nord-, West- und Mitteleuropas, weit verbreitet und verursacht dort Ertragsverluste von bis zu 30–50 % auf stark verseuchten Standorten.
Erstbeschreibung
Stark, 1961 (Deutschland)

Biologie / Lebenszyklus

Verticillium longisporum überdauert als widerstandsfähige Mikrosklerotien im Boden oder in Ernterückständen. Im Herbst oder zeitigen Frühjahr stimulieren Wurzelausscheidungen der jungen Kultur das Auskeimen dieser Dauergewebe, woraufhin die Pilzhyphen direkt in die Wurzeln eindringen. Der Pilz besiedelt das Xylem und breitet sich systemisch nach oben aus, wobei er die Wasser- und Nährstoffleitung blockiert, während die Kultur äußerlich zunächst symptomfrei bleibt. Erst während der Abreife der Kultur (ab BBCH 80) bildet der Erreger neue Mikrosklerotien in den absterbenden Stängelgeweben. Nach der Ernte und dem Unterpflügen der Stoppelreste gelangen diese wieder in den Boden und schließen den Infektionskreislauf.

Bonitur

Ein direktes Monitoring während der vegetativen Phase ist unmöglich, da die Infektion im Inneren der Leitungsbahnen symptomlos verläuft. Die systematische Befallskontrolle erfolgt daher primär zur Abreife ab BBCH 80 bis BBCH 89 durch das Ziehen von Pflanzenproben und die visuelle Bonitur der Stängelbasis auf Vergrauung. Eine Schadensschwelle im klassischen Sinne existiert nicht; stattdessen dient die Erfassung des Befallsgrads (Prozentsatz infizierter Stängel) als Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Fruchtfolgeplanung und Sortenwahl auf der jeweiligen Schlagkartei. Bei einem Befall von über 10–15 % der Kultur auf einem Schlag sollte die Anbaupause für Raps zwingend auf mindestens 6 Jahre verlängert werden.

Symptome

Typisch ist eine auffällige, oft streng halbseitige Vergilbung der Laubblätter während des Schottenwachstums (ab BBCH 71), die sich später als braune Längsstreifen an den Stängeln fortsetzt. Im fortgeschrittenen Stadium zur Abreife (BBCH 80+) schält sich die Epidermis des Stängels im bodennahen Bereich leicht ab (sogenannte 'Zigarrenform'). Darunter wird das silbergraue Gewebe sichtbar, das dicht mit winzigen, schwarzen Mikrosklerotien übersät ist. Im Inneren des Stängels ist das Mark oft vollständig abgebaut oder verfärbt, während die Wurzeln meist äußerlich intakt erscheinen.

Integriertes Management

Da eine direkte chemische Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln im stehenden Bestand nach der Infektion nicht möglich ist, basiert das Management auf integrierten, vorbeugenden Maßnahmen. Die wichtigste pflanzenbauliche Maßnahme ist die Einhaltung weiter Fruchtfolgen mit mindestens 4, besser 5–6 Jahren Rapsanbaupause sowie der konsequente Verzicht auf andere Wirtskulturen in der Zwischenfruchtmischung. Zudem ist der Anbau toleranter oder teilresistenter Rapssorten die effektivste Methode zur Ertragssicherung auf Befallsflächen. Eine sofortige, flache Stoppelbearbeitung nach der Ernte fördert die schnelle Rotte des infizierten Materials und reduziert das Potenzial an überdauernden Mikrosklerotien im Boden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Da Verticillium longisporum ein bodenbürtiger Gefäßparasit ist, gibt es derzeit keine direkt zugelassenen chemischen Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung im wachsenden Rapsbestand. Sie können jedoch in unserer Datenbank nach Bodenhilfsstoffen oder biologischen Präparaten suchen, indem Sie den Filter auf die Kultur 'Winterraps' setzen und nach Indikationen zur Stärkung der Wurzelgesundheit oder zur Förderung der Bodenbiologie filtern.

Warum zeigen herkömmliche Raps-Fungizide im Frühjahr keine Wirkung gegen die Verticillium-Welke?

Die im Frühjahr (z. B. in den BBCH-Stadien 31–55) applizierten Fungizide wirken systemisch in den oberirdischen Pflanzenteilen, erreichen jedoch nicht das tiefe Wurzelsystem, wo die Infektion durch die bodenbürtigen Mikrosklerotien stattfindet. Zudem blockiert der Pilz nach dem Eindringen das Xylem, was den Transport von Wirkstoffen an den eigentlichen Infektionsort verhindert.

Welche Rolle spielen Zwischenfrüchte bei der Ausbreitung von Verticillium longisporum?

Viele Kreuzblütler (Brassicaceae), die häufig als Zwischenfrüchte oder Gründüngung angebaut werden (wie Gelbsenf oder Ölrettich), dienen dem Schaderreger als hervorragende Wirte. Ihr Anbau in der Rapsfruchtfolge führt zu einer rasanten Vermehrung der Mikrosklerotien im Boden und sollte auf betroffenen Flächen unbedingt durch Nicht-Wirtskulturen wie Phacelia, Hafer oder Leguminosen ersetzt werden.

Wie unterscheide ich Verticillium-Symptome im Feld sicher von Phoma lingam?

Während Phoma lingam typischerweise trockene, braune und oft rissige Krebsstellen am Wurzelhals verursacht, die zum Umknicken der Kultur führen, bleibt die Stängelbasis bei Verticillium äußerlich stabil. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist das silbergraue Verfärben des Stängelinneren bei Verticillium ab BBCH 80, gefolgt von der Bildung staubfeiner, schwarzer Mikrosklerotien unter der sich leicht ablösenden Epidermis.

Hat die Art der Bodenbearbeitung einen Einfluss auf das Überleben der Mikrosklerotien?

Ja, eine flache, rottefördernde Stoppelbearbeitung direkt nach dem Drusch beschleunigt den Abbau des infizierten Stängelgewebes und reduziert die Neubildung von Mikrosklerotien. Ein tiefes Pflügen hingegen vergräbt die Sklerotien in tiefere Bodenschichten, wo sie konserviert werden und bei späterer tiefer Bearbeitung wieder aktiv in die Keimzone der Kultur gelangen können.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Kohlhernie und der Verticillium-Welke?

Beide Schaderreger profitieren von engen Rapsfruchtfolgen und feuchten Bodenbedingungen im Herbst. Eine Vorschädigung der Wurzeln durch Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) erleichtert Verticillium longisporum das Eindringen in das Xylem erheblich, was zu synergistischen Schadbildern und totalem Ertragsausfall führen kann.