Gavial 375 SC
Gavial 375 SC ist ein hochwirksames, systemisches Fungizid in Form eines Suspensionskonzentrats (SC), das speziell für den breiten Schutz von Getreide- und Rapskulturen entwickelt wurde. Durch die Kombination zweier bewährter Wirkstoffe bietet das Pflanzenschutzmittel sowohl vorbeugende (protektive) als auch heilende (kurative) Eigenschaften gegen ein breites Spektrum wirtschaftlich bedeutender Schaderreger.
Im Getreidebau (wie Weizen, Gerste und Triticale) schützt Gavial 375 SC zuverlässig vor ertragsmindernden Blatt- und Ährenkrankheiten wie Septoria-Arten, Rostpilzen, Netzflecken und Fusarium. Im Raps- und Senfanbau zeigt das Präparat eine hervorragende Wirkung gegen Rapskrebs (Sclerotinia), Alternaria-Schwärze sowie die gefürchtete Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma).
Dank der modernen SC-Formulierung lässt sich das Produkt leicht dosieren, zeichnet sich durch eine hervorragende Haftung auf der Blattoberfläche aus und ist schnell regenfest. Dies macht Gavial 375 SC zu einem verlässlichen Baustein im integrierten Pflanzenschutz, der die Vitalität der Kulturen sichert und das Ertragspotenzial ausschöpft.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die herausragende Wirksamkeit von Gavial 375 SC basiert auf dem synergistischen Zusammenspiel zweier unterschiedlicher Wirkstoffklassen. Azoxystrobin gehört zur Gruppe der Strobilurine (FRAC-Gruppe 11). Es blockiert gezielt den Elektronentransport in den Mitochondrien der Pilzzellen, wodurch die Energieversorgung (ATP-Synthese) der Schaderreger zusammenbricht. Dies führt zu einer schnellen Hemmung der Sporenkeimung und des Myzelwachstums direkt auf der Blattoberfläche. Der zweite Wirkstoff, Prothioconazol, ist ein hochaktives Triazolinthion aus der Gruppe der Deacylierungs-Inhibitoren (DMI, FRAC-Gruppe 3). Er greift in die Biosynthese von Ergosterol ein, einem essenziellen Baustein der Pilzzellmembranen. Durch diese duale biochemische Blockade an unterschiedlichen Zielorten im Pilzorganismus wird eine langanhaltende, systemische Schutzwirkung im gesamten Pflanzengewebe erzielt, die auch neu zuwachsende Pflanzenteile erfasst.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Resistenzen wirksam vorzubeugen, nutzt Gavial 375 SC bereits die Kombination zweier unterschiedlicher Wirkmechanismen (FRAC 11 und FRAC 3). Dennoch sollte das Pflanzenschutzmittel stets im Rahmen einer gezielten Spritzfolge eingesetzt werden. Ein Wechsel mit Fungiziden anderer Wirkstoffklassen (wie z. B. SDHI oder Multisite-Inhibitoren) ist dringend zu empfehlen. Zudem sollte die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison nicht überschritten und stets die volle registrierte Aufwandmenge ausgebracht werden, um selektiven Druck auf Schaderreger-Populationen zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Gavial 375 SC weist eine hervorragende physikalische und chemische Mischbarkeit mit gängigen Herbiziden, Insektiziden und flüssigen Blattdüngern auf. Bei Tankmischungen ist darauf zu achten, dass die Komponenten nacheinander im gut gefüllten Spritztank unter ständigem Rühren aufgelöst werden, wobei Gavial 375 SC idealerweise als erste Komponente beigegeben wird. Die Verwendung von weichem bis mittelschwerem Wasser optimiert die Stabilität der Spritzbrühe. Auf den Zusatz von stark alkalischen Additiven sollte verzichtet werden, um eine vorzeitige Degradation der Wirkstoffe zu vermeiden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Gavial 375 SC ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Handschuhen und Augenschutz, obligatorisch. Zum Schutz von Gewässerorganismen und der aquatischen Umwelt sind die vom BVL vorgegebenen Abstandsauflagen und der Einsatz abdriftmindernder Technik strikt einzuhalten. Das Produkt ist bezüglich seiner Wirkstoffe als bienenungefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte eine Anwendung in blühenden Beständen zum Schutz von Wildbienen und anderen Bestäubern vorzugsweise in den Abendstunden nach dem täglichen Bienenflug erfolgen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Winterweichweizen | Scharfer Augenfleck (Rhizoctonia cerealis), Fusarium-Arten | 25–32 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Wintertriticale | Gelbrost (Puccinia striiformis), DTR-Blattdürre (Drechslera tritici-repentis), Braunrost (Puccinia recondita) | 39–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Sommergerste | Netzfleckenkrankheit (Pyrenophora teres), Echter Mehltau (Erysiphe graminis), Zwergrost (Puccinia hordei) | 29–59 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Wintertriticale | Septoria nodorum | 61–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Winterraps | Alternaria brassicae | 65–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 56T |
| Sommergerste | Fusarium-Arten | 49–51 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Wintertriticale | Scharfer Augenfleck (Rhizoctonia cerealis), Fusarium-Arten | 25–32 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Winterweichweizen | Fusarium-Arten | 61–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Wintertriticale | Echter Mehltau (Erysiphe graminis), Septoria-Arten (Septoria spp.) | 30–59 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Senf | Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans), Alternaria brassicae, Sclerotinia sclerotiorum | 59–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 56T |
| Winterraps | Verticillium longisporum, Sclerotinia sclerotiorum | 59–65 | 1 LITER_PER_HECTARE | 56T |
| Wintertriticale | Rhynchosporium secalis | 30–59 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Winterweichweizen | Gelbrost (Puccinia striiformis), DTR-Blattdürre (Drechslera tritici-repentis), Braunrost (Puccinia recondita) | 39–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Winterweichweizen | Echter Mehltau (Erysiphe graminis), Septoria-Blattdürre (Septoria tritici) | 31–59 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Winterweichweizen | Septoria nodorum | 61–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Wintertriticale | Fusarium-Arten | 61–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Winterweichweizen | Halmbruchkrankheit (Pseudocercosporella herpotrichoides) | 30–32 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen Sclerotinia im Raps?
Die Bekämpfung von Sclerotinia sclerotiorum (Weißstängeligkeit) erfolgt idealerweise präventiv während der Hauptblüte (BBCH 63 bis 65). Zu diesem Zeitpunkt fallen die ersten Blütenblätter ab und infizieren in den feuchten Blattachseln das Gewebe. Eine Applikation von Gavial 375 SC in dieser Phase schützt die Kultur effektiv vor dem Eindringen des Erregers.
Wie beeinflusst der enthaltene Strobilurin-Wirkstoff die Physiologie der Kulturen?
Azoxystrobin bewirkt einen ausgeprägten physiologischen „Greening-Effekt“. Durch die Hemmung der pflanzeneigenen Ethylenbildung altert das Blattgewebe langsamer, die Photosyntheseaktivität bleibt länger hoch und die Kulturen können Trockenstress oder Hitzephasen besser tolerieren, was sich positiv auf das Tausendkorngewicht auswirkt.
Kann Gavial 375 SC auch bei kühlen Frühjahrstemperaturen eingesetzt werden?
Ja, dank des systemischen Prothioconazols setzt die Wirkung bereits ab einer konstanten Tagestemperatur von ca. 8–10 °C ein. Für eine optimale systemische Verteilung in der Kultur und die volle Entfaltung des Azoxystrobin-Effekts sind jedoch wüchsige Bedingungen und Temperaturen über 12 °C vorteilhaft.
Welche Rolle spielt die Wasserqualität bei der Ausbringung von Gavial 375 SC?
Die SC-Formulierung ist relativ unempfindlich gegenüber moderaten Schwankungen der Wasserqualität. Bei sehr hartem Brunnenwasser kann jedoch die Zugabe eines geeigneten pH-Puffers oder Wasserenthärters die physikalische Stabilität der Spritzbrühe und die Wirkstoffaufnahme durch die kutikuläre Wachsschicht der Blätter optimieren.
Wie lässt sich Gavial 375 SC in eine Anti-Resistenz-Strategie gegen Septoria tritici einbinden?
Da Septoria tritici in vielen Regionen bereits verminderte Sensitivitäten gegenüber Strobilurinen zeigt, fungiert das enthaltene Prothioconazol als starker Absicherungspartner. Um die Wirksamkeit langfristig zu sichern, sollte Gavial 375 SC im Getreide im Wechsel mit SDHI-haltigen Präparaten eingesetzt oder bei hohem Druck mit einem Kontaktwirkstoff kombiniert werden.