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Schädling

Weiche Schildlaus

Coccus hesperidum
COCCHE

Die Weiche Schildlaus (Coccus hesperidum, EPPO-Code: COCCHE), auch bekannt als Orangenschildlaus, ist ein weit verbreiteter Schaderreger aus der Familie der Napfschildläuse (Coccidae). Sie befällt ein extrem breites Spektrum an Kulturen, wobei im mitteleuropäischen Raum vor allem Zierpflanzen im Unterglasanbau sowie Gehölze wie Rosen (Rosa sp.) im Fokus stehen. Im Freiland ist dieser Schaderreger aufgrund mangelnder Frosthärte nur in wintermilden Regionen oder während der warmen Sommermonate überlebensfähig.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Coccus hesperidum ist erheblich. Durch ihre kontinuierliche Saugtätigkeit entziehen die Weibchen und Nymphen den Kulturen wertvolle Assimilate. Viel schwerwiegender ist jedoch die massive Ausscheidung von Honigtau. Dieser klebrige Belag überzieht Blätter und Triebe, was die Photosyntheseleistung drastisch reduziert und die Ansiedlung von Rußtaupilzen begünstigt. Dies führt zu einer starken optischen und qualitativen Entwertung der betroffenen Kulturen, was insbesondere im Zierpflanzenbau zu direkten Vermarktungsverlusten führt.

Typ
Schädling
EPPO-Code
COCCHE
Wirte
1 Kultur
Generationen
Mehrere überlappende Generationen (besonders unter Glas)
Verbreitung
Weltweit kosmopolitisch verbreitet; im Freiland vor allem in tropischen und subtropischen Klimaten, in Mitteleuropa primär als bedeutender Schaderreger im geschützten Anbau und Gewächshaus.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Unter Glas oder in warmen Innenräumen pflanzt sich Coccus hesperidum meist parthenogenetisch fort, wodurch Männchen extrem selten sind. Die Weibchen sind lebendgebärend (ovovivipar) und bringen über mehrere Wochen hinweg kontinuierlich mobile Erstlarven (sogenannte 'Crawler') hervor. Diese suchen aktiv nach geeigneten Saugstellen an Blättern und jungen Trieben, setzen sich dort fest und häuten sich im Laufe ihrer Entwicklung mehrfach. Aufgrund dieser kontinuierlichen Eiablage entstehen im geschützten Anbau mehrere, stark überlappende Generationen pro Jahr, sodass alle Entwicklungsstadien gleichzeitig nebeneinander vorkommen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte ganzjährig im geschützten Anbau und im Freiland ab dem Austrieb (BBCH 10–13) der Kulturen erfolgen. Da die adulten Schildläuse flach und gut getarnt an den Blattunterseiten und entlang der Blattnerven sitzen, ist eine visuelle Kontrolle mit einer Lupe unerlässlich. Achte besonders auf klebrige Blattoberflächen (Honigtau) und die Aktivität von Ameisen, die als Indikator für einen Befall dienen. Gelbtafeln sind für die Überwachung ungeeignet, da die mobilen Crawler-Stadien nicht fliegen; stattdessen können doppelseitige Klebebänder an den Trieben helfen, die Wanderungsphase der Erstlarven zu erfassen. Im integrierten Anbau gilt ein Toleranzwert von maximal 2–5 % befallener Triebe oder Blätter.

Symptome

Typisch für einen Befall sind flache, gelblich-braune bis dunkelbraune, ovale Schildläuse, die sich bevorzugt entlang der Hauptadern auf den Blattunterseiten oder an jungen, grünen Trieben ansiedeln. Ein auffälliges Sekundärsymptom ist der glänzende, klebrige Honigtaubelag auf den Blattoberflächen, auf dem sich rasch schwarze Rußtaupilze ansiedeln. Bei starkem Befall zeigen die Kulturen Kümmerwuchs, Blattvergilbungen (Chlorosen) und vorzeitigen Blattfall, was bis zum Absterben einzelner Triebspitzen führen kann.

Integriertes Management

Die Bekämpfung erfordert eine integrierte Strategie. Vorbeugend ist auf eine ausgewogene Stickstoffdüngung zu achten, da mastiges Gewebe den Schaderreger fördert. Biologische Maßnahmen sind im Gewächshaus hochwirksam; hierzu zählen der gezielte Einsatz von Schlupfwespen wie Metaphycus helvolus oder räuberischen Marienkäfern. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten bevorzugt in der empfindlichen Crawler-Phase (Erstlarven) eingesetzt werden, da die adulten Tiere durch ihr Schild gut geschützt sind. Beim Einsatz von Insektiziden (z. B. systemische Wirkstoffe oder nützlingsschonende Präparate auf Ölbasis) ist das IRAC-Wirkstoffgruppen-Management strikt zu beachten, um Resistenzbildungen zu verhindern.

Wirtspflanzen

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Häufige Fragen

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Weiche Schildlaus?

Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem Schaderreger 'Coccus hesperidum' oder 'Weiche Schildlaus'. Achte darauf, deine spezifische Kultur (z. B. Zierpflanzen oder Rosen) und das Anwendungsgebiet (Freiland oder Gewächshaus) auszuwählen, um nur die aktuell in deinem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit den korrekten Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.

Warum wirken Kontaktinsektizide oft unzureichend gegen diesen Schaderreger?

Adulte Weibchen schützen sich und ihre Brut durch ein festes, wachsartiges Schild, das für viele reine Kontaktgifte undurchdringlich ist. Zudem sitzen sie oft versteckt an Blattunterseiten. Für eine erfolgreiche chemische Behandlung solltest du daher entweder systemische Pflanzenschutzmittel wählen, die über den Saftstrom aufgenommen werden, oder die Anwendung exakt auf das ungeschützte Crawler-Stadium (Erstlarven) abstimmen.

Welche Rolle spielen Ameisen bei der Ausbreitung und wie solltest du darauf reagieren?

Ameisen pflegen eine Symbiose mit den Schildläusen: Sie ernähren sich vom ausgeschiedenen Honigtau und schützen die Schaderreger im Gegenzug aktiv vor natürlichen Feinden wie Schlupfwespen. Wenn du einen Befall bekämpfen willst, musst du parallel die Ameisenstraßen unterbinden (z. B. durch Leimringe an Gehölzen), da biologische Nützlinge sonst kaum eine Chance haben, sich effektiv zu etablieren.

Kannst du Präparate auf Ölbasis im Sommer uneingeschränkt anwenden?

Nein, bei der Anwendung von mineral- oder rapsölhaltigen Pflanzenschutzmitteln musst du vorsichtig sein. Diese wirken physikalisch durch das Verstopfen der Atemöffnungen (Tracheen), können aber bei starker Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen (über 25 °C) phytotoxisch wirken und Verbrennungen an den Blättern deiner Kulturen verursachen. Führe Behandlungen daher bevorzugt in den kühleren Abendstunden oder an bedeckten Tagen durch.

Wie unterscheidet sich die Bekämpfungsstrategie im Freiland von der im Gewächshaus?

Im Gewächshaus herrscht ein kontrolliertes Klima, das den kontinuierlichen Einsatz von Nützlingen (wie Schlupfwespen) über das ganze Jahr hinweg ermöglicht. Im Freiland hingegen bist du stark von der Witterung abhängig; hier solltest du Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln gezielt im Spätfrühling oder Frühsommer ansetzen, wenn die Überwinterungsstadien aktiv werden und die empfindlichen Junglarven schlüpfen.

Wie vermeidest du eine Resistenzentwicklung bei der chemischen Bekämpfung?

Da sich die Generationen im Gewächshaus stark überschneiden, besteht ein hoher Selektionsdruck. Wechsle bei aufeinanderfolgenden Behandlungen unbedingt zwischen Wirkstoffen mit unterschiedlichen IRAC-Klassifizierungen (z. B. systemische Wirkstoffe im Wechsel mit physikalisch wirkenden Ölen oder Seifen), um den Aufbau resistenter Populationen zu verhindern.