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Schädling

Wildkaninchen

Oryctolagus cuniculus
ORYTCU

Das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus, EPPO-Code: ORYTCU) ist ein weit verbreiteter Schaderreger im europäischen Obst-, Wein- und Forstbau. Als äußerst anpassungsfähiges Säugetier besiedelt es bevorzugt sandige, lockere Böden, die das Anlegen von komplexen Bausystemen erleichtern, oft in direkter Nachbarschaft zu landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Besonders in Junganlagen von Dauerkulturen wie Weinreben (Vitis vinifera) und verschiedenen Obstgehölzen verursacht das Wildkaninchen erhebliche wirtschaftliche Schäden. Durch den Fraß an Knospen, jungen Trieben und das Schälen der Rinde an den Stammbasen werden junge Kulturen oft komplett entwertet oder sterben ab. In Jahren mit hoher Populationsdichte können die wirtschaftlichen Verluste durch Ausfälle und den notwendigen Nachpflanzungsaufwand existenzbedrohend für Betriebe werden.

Typ
Schädling
EPPO-Code
ORYTCU
Wirte
1 Kultur
Generationen
3–5 Würfe pro Jahr mit hoher Vermehrungsrate
Verbreitung
Ursprünglich auf der Iberischen Halbinsel heimisch, ist das Wildkaninchen heute in ganz Mittel- und Westeuropa weit verbreitet und verursacht insbesondere in klimatisch begünstigten Wein- und Obstbauregionen erhebliche Schäden.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Die Fortpflanzungsphase des Wildkaninchens erstreckt sich in Mitteleuropa meist von Februar bis August, wobei ein einziges Weibchen pro Jahr zwischen drei und fünf Würfe mit jeweils vier bis sechs Jungtieren aufziehen kann. Die Tragzeit beträgt nur etwa 30 Tage, und die Jungtiere werden bereits nach wenigen Monaten selbst geschlechtsreif, was bei günstigen Witterungs- und Nahrungsbedingungen zu einer explosionsartigen Populationsentwicklung führt. Während des Winters verlagert sich die Nahrungsaufnahme mangels krautiger Vegetation verstärkt auf die Rinde von Gehölzen, wodurch in dieser Phase die gravierendsten Schäden an den Stämmen der Kulturen entstehen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte ganzjährig erfolgen, wobei der Fokus auf den späten Herbst- und Wintermonaten liegt, wenn der Fraßdruck auf verholzte Kulturen zunimmt. Achte besonders im BBCH-Stadium 00 bis 09 (Ruhestadium bis Knospenschwellen) im Frühjahr auf frische Nagespuren an den Stammbasen sowie auf Losung und Grabaktivitäten im Vorgewende oder direkt in den Fahrgassen. Schadschwellen sind bei diesem Schaderreger schwer quantifizierbar; das bloße Auftreten von aktiven Bauen in unmittelbarer Nähe zu Neuanlagen (insbesondere bei Weinreben und Kernobst) erfordert bereits vor dem Austrieb präventive Abwehrmaßnahmen.

Symptome

Typische Symptome im Feld sind bodennahe, scharfkantige Fraßspuren an Trieben und Knospen (oft im 45-Grad-Winkel sauber abgebissen) sowie abgeschälte Rinde an den Stammbasen junger Gehölze bis zu einer Höhe von etwa 40 cm. Im Gegensatz zu Schäden durch Schalenwild fehlen beim Kaninchenfraß die ausgefransten Ränder, da ihre scharfen Schneidezähne glatte Schnitte hinterlassen. Zudem weisen Erdhügel, offene Röhreneingänge im Boden und kleine, runde Kotpillen (Losung) im Bereich der Kulturen direkt auf die Aktivität des Schädlings hin.

Integriertes Management

Das integrierte Management basiert primär auf mechanischen und physischen Schutzmaßnahmen, da eine direkte chemische Bekämpfung im klassischen Sinne nicht existiert. Der effektivste Schutz für Junganlagen ist die Einzäunung der gesamten Kultur mit engmaschigem Drahtgeflecht (Maschenweite maximal 30–40 mm), das mindestens 30 cm tief in den Boden eingegraben werden muss, um ein Untergraben zu verhindern. Für Einzelstämme bieten sich Stammschutzhüllen oder Wuchshüllen an. Ergänzend können zugelassene Repellents (Vergrämungsmittel) als Pflanzenschutzmittel zur Streich- oder Spritzanwendung auf die Rinde aufgetragen werden, um den Schaderreger durch Geruchs- oder Geschmackstoffe abzuwehren. Eine enge Absprache mit der örtlichen Jägerschaft zur Populationsregulierung ist zudem unerlässlich.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie tief musst du einen Schutzzaun eingraben, um Wildkaninchen sicher fernzuhalten?

Ein wirksamer Zaun sollte mindestens 30 bis 40 cm tief im Boden vergraben werden. Es empfiehlt sich zudem, das untere Ende des Drahtgeflechts im Boden im 90-Grad-Winkel nach außen (vom Feld weg) abzuknicken, da Kaninchen meist direkt am Zaunfuß zu graben beginnen und so auf die horizontale Barriere stoßen.

Welche Pflanzenschutzmittel (Repellents) sind gegen Kaninchenfraß zugelassen und wie wendest du sie an?

Gegen Wildkaninchen sind verschiedene Repellents auf Basis von Riechstoffen (z. B. Schafsfett) oder Geschmackstoffen zugelassen. Diese Pflanzenschutzmittel werden meist im Herbst oder vor dem Wintereinbruch als Streich- oder Spritzverfahren direkt auf die zu schützenden Stammteile aufgetragen. Achte darauf, die Anwendung bei trockener Witterung und frostfreien Temperaturen durchzuführen.

Warum sind junge Weinreben im Frühjahr besonders durch Kaninchen gefährdet?

Im zeitigen Frühjahr (BBCH-Stadium 01 bis 09) schwellen die Knospen der Reben an und enthalten hochkonzentrierte Nährstoffe. Da zu dieser Zeit noch kaum andere grüne Vegetation vorhanden ist, stellen die saftigen Knospen und jungen Triebe eine bevorzugte Nahrungsquelle dar, was innerhalb weniger Nächte zu Totalausfällen in Junganlagen führen kann.

Wie unterscheidest du Kaninchenfraß von Schäden durch Feldmäuse?

Kaninchen hinterlassen glatte, schräge Schnitte an Trieben und schälen die Rinde oft bis zu einer Höhe von 30 bis 40 cm ab. Feldmäuse hingegen nagen meist direkt am Wurzelhals oder knapp über der Erdoberfläche und hinterlassen winzige, ungeordnete Zahnspuren im Holz, oft unter einer schützenden Gras- oder Schneedecke.

Kannst du die Ansiedlung von natürlichen Feinden zur Regulierung nutzen?

Ja, die Förderung von Greifvögeln und Mauswieseln durch das Aufstellen von Sitzkrücken und das Anlegen von Steinhaufen im Vorgewende unterstützt die biologische Regulierung. Bei sehr hohem Populationsdruck reicht dies allein jedoch meist nicht aus, sodass du mechanische Schutzmaßnahmen priorisieren solltest.

Wie findest du im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach dem Schaderreger "Wildkaninchen" oder dem EPPO-Code "ORYTCU". Dort werden dir alle aktuell für deine Kultur registrierten Repellents und deren spezifische Anwendungsbestimmungen angezeigt.