Arguta-Kiwi
Die Bayern-Kiwi (Actinidia arguta, EPPO-Code: ATIAR), auch bekannt als Kiwai oder scharfzähniger Strahlengriffel, gewinnt im mitteleuropäischen Erwerbsobstbau zunehmend an Bedeutung. Als mehrjährige, verholzende Kletterpflanze stellt diese Kultur besondere Anforderungen an das Erziehungssystem und die Kulturführung. Im Gegensatz zur klassischen Kiwi zeichnet sich die Mini-Kiwi durch eine hervorragende Frosthärte von bis zu -30 °C im Holz aus, was sie für den Anbau in Deutschland besonders attraktiv macht.
Die Früchte sind unbehaart, etwa stachelbeergroß und können direkt mit der Schale verzehrt werden. Da es sich bei Actinidia arguta meist um eine zweihäusige Kultur handelt, ist für eine erfolgreiche Befruchtung das präzise Einplanen von männlichen Bestäuberpflanzen in der Anlage zwingend erforderlich. Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die Wasserversorgung und reagiert empfindlich auf Spätfröste im Frühjahr, da der Austrieb recht zeitig erfolgt.
Bodenmanagement
Die Kultur bevorzugt humusreiche, tiefgründige und gut durchlässige Böden mit einer gleichmäßigen Feuchtigkeitsversorgung, da das flache Wurzelsystem extrem empfindlich auf Staunässe sowie auf Trockenstress reagiert. Eine dauerhafte Begrünung der Fahrgassen schützt den Boden vor Erosion und verbessert die Tragfähigkeit bei Pflegearbeiten, während der Unterstockbereich mechanisch oder durch Mulchauflagen unkrautfrei gehalten werden sollte. Aufgrund des hohen Bedarfs an organischem Material empfiehlt sich vor der Pflanzung eine großzügige Kompostgabe sowie eine jährliche Erhaltungsgabe im Frühjahr. Eine Tröpfchenbewässerung ist in mitteleuropäischen Lagen unerlässlich, um Ertragseinbußen und Fruchtfall während der sommerlichen Hitzeperioden zu verhindern. Der pH-Wert sollte regelmäßig kontrolliert und im leicht sauren Bereich stabilisiert werden, um Eisenchlorosen vorzubeugen.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz steht die Vorbeugung von Pilzinfektionen im Vordergrund, wobei Botrytis cinerea (Grauschimmel) an Blüten und reifenden Früchten den bedeutendsten Schaderreger darstellt. Durch eine luftige Erziehung am T-Spalier oder Pergolagitter und einen konsequenten Sommerschnitt wird die schnelle Abtrocknung der Kultur nach Niederschlägen gefördert, was den Infektionsdruck minimiert. Gegen bakterielle Erreger wie Pseudomonas syringae pv. actinidiae (Psa) müssen strenge Hygienemaßnahmen beim Schnitt eingehalten und Schnittwerkzeuge regelmäßig desinfiziert werden. Bei Bedarf können zugelassene Pflanzenschutzmittel gezielt vor oder während der Blüte sowie in der Reifephase eingesetzt werden, wobei stets die Wartezeit zu beachten ist. Ein regelmäßiges Monitoring auf Schädlinge wie die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) kurz vor der Ernte sichert die Qualität der empfindlichen Früchte.
Sorten
Weiki
Mitte bis Ende SeptemberSehr hoch und regelmäßig ab dem 3. bis 4. Standjahr.
Resistent gegen: Winterfrost
Anfällig für: Spätfrost, Botrytis
Sehr ertragreiche, robuste Sorte aus Deutschland (Weihenstephan). Benötigt einen männlichen Bestäuber.
Issai
Anfang bis Mitte SeptemberFrüh einsetzend, aber insgesamt moderat im Vergleich zu zweihäusigen Sorten.
Anfällig für: Trockenheit, Winterfrost
Selbstfruchtbare Sorte aus Japan mit kompakterem Wuchs, ideal für kleinere Erziehungsformen. Höhere Erträge werden dennoch mit Fremdbestäubung erzielt.
Ken's Red
Ende September bis Anfang OktoberMittelhoch, sehr gute Fruchtqualität und hoher Marktwert.
Anfällig für: Spätfrost, Botrytis
Attraktive Sorte mit rötlichem Fruchtfleisch und dunkelroter Schale. Benötigt einen Bestäuber wie 'Romeo'.
Julia
Anfang bis Mitte SeptemberHoch und stabil bei ausreichender Bestäubung.
Resistent gegen: Winterfrost
Anfällig für: Spätfrost
Weibliche Sorte mit süßen, aromatischen Früchten. Sehr gut geeignet für den Erwerbsanbau in Kombination mit 'Romeo'.
Purpurna Sadowa
Mitte bis Ende SeptemberSehr ertragreich und früh einsetzend.
Resistent gegen: Winterfrost
Anfällig für: Spätfrost, Botrytis
Ukrainische Sorte mit intensiv roten, süß-säuerlichen Früchten. Sehr frosthart im Winter.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie optimierst du das Geschlechterverhältnis bei der Pflanzung von Actinidia arguta?
Da die Kultur meist zweihäusig ist, musst du männliche und weibliche Pflanzen gezielt kombinieren. Im Erwerbsanbau hat sich ein Verhältnis von 1:6 bis 1:8 (ein Männchen auf sechs bis acht Weibchen) bewährt. Platziere die männlichen Bestäuberpflanzen so in den Reihen, dass der Wind und bestäubende Insekten den Pollen optimal verteilen können.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium für den Schutz vor Spätfrösten?
Besonders kritisch ist die Phase vom Knospenaufbruch (BBCH 09) bis zur Blattentwicklung (BBCH 11–15). Da die Kultur sehr früh austreibt, führen Temperaturen unter -2 °C in diesen Stadien zu schweren Schäden an den jungen Trieben. Du solltest in dieser Zeit eine Frostschutzberegnung betriebsbereit halten oder Vliesabdeckungen vorbereiten.
Wie beugst du einer Botrytis-Infektion während der Blüte (BBCH 60–69) wirksam vor?
Die wichtigste Maßnahme ist eine offene Erziehung, die für eine schnelle Abtrocknung sorgt. Vermeide stickstoffbetonte Düngungen, die zu dichtem Laubwerk führen. Falls feuchtes Wetter während der Blüte herrscht, kannst du gezielte Anwendungen mit zugelassenen biologischen oder chemischen Pflanzenschutzmitteln durchführen, um die Blütenorgane vor dem Pilz zu schützen.
Wie erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt für die Vermarktung?
Die Früchte reifen ungleichmäßig. Für den Erwerbsanbau erntest du die Früchte am besten im Zustand der Pflückreife, wenn die ersten Früchte am Strauch weich werden, die Hauptmasse aber noch fest ist (meist bei etwa 7–8 °Brix). Sie reifen im Kühllager nach und erreichen so eine bessere Transport- und Lagerfähigkeit.
Wie verhinderst du die Ausbreitung des gefährlichen Bakteriums Pseudomonas (Psa) in deiner Anlage?
Psa dringt hauptsächlich über Wunden ein. Führe Schnittmaßnahmen daher nur bei absolut trockener Witterung durch und desinfiziere deine Scheren konsequent nach jeder Pflanze. Nach dem Winterschnitt oder nach Hagelereignissen empfiehlt sich eine vorbeugende Behandlung mit kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln, um offene Eintrittspforten zu schließen.
Wo findest du aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Da die Bayern-Kiwi in Deutschland als Nischenkultur gilt, sind viele Pflanzenschutzmittel über Lückenindikationen nach § 22 Abs. 2 PflSchG zugelassen. Nutze die Suchfunktion in unserem Portal oder die offizielle Online-Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit), um gezielt nach aktuellen Zulassungen und Notfallzulassungen für diese Kultur zu filtern.