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Kultur

Bocksbart

Tragopogon pratensis subsp. orientalis
TROPO

Der Orientalische Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. orientalis, EPPO-Code: TROPO) ist eine zweijährige bis ausdauernde Kultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). In der landwirtschaftlichen Praxis wird diese Kultur vor allem im Rahmen des Vertragsanbaus für hochwertiges Saatgut, zur Bereicherung artenreicher Grünlandmischungen sowie als Nischen- und Wildgemüse kultiviert. Die Kultur zeichnet sich durch ihre markanten goldgelben Blütenkörbe aus, die sich typischerweise nur in den Vormittagsstunden öffnen, sowie durch eine pfahlförmige, milchsaftführende Wurzel.

Für den erfolgreichen Anbau sind ein tiefgründiger, gut durchlüfteter Boden und eine präzise Unkrautregulierung in der empfindlichen Jugendphase entscheidend. Da die Kultur im ersten Jahr lediglich eine Blattrosette bildet und erst im zweiten Jahr zur Blüte und Samenreife gelangt, erfordert die Bestandesführung über zwei Vegetationsperioden hinweg eine vorausschauende Planung, insbesondere im Hinblick auf die Fruchtfolge und das Schaderreger-Management.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April oder August
Erntefenster
Juli bis August (Samen) oder Oktober bis Februar (Wurzeln)
Reihenabstand
25–30 cm
Typischer Ertrag
1.500–2.500 kg/ha (Wurzelertrag) oder 200–400 kg/ha (Saatgut)
Wärmesumme (GDD)
1800–2200 °C
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Für den Anbau des Orientalischen Bocksbarts solltest du tiefgründig gelockerte, humose Sand- oder Lehmböden wählen, da die Pfahlwurzeln empfindlich auf Verdichtungen reagieren. Eine sorgfältige herbstliche Grundbodenbearbeitung ist ratsam, um ein feinkrümeliges Saatbett im Frühjahr zu gewährleisten. Achte darauf, Staunässe konsequent zu vermeiden, da diese rasch zu Wurzelfäule führt. Eine moderate Stickstoffdüngung von 60 bis 80 kg N/ha ist meist ausreichend, da ein Überangebot an Stickstoff die Krankheitsanfälligkeit erhöht und die Lagerfähigkeit der Wurzeln mindert. Die Zufuhr von Kompost oder gut verrottetem Mist im Vorjahr fördert die biologische Bodenaktivität und unterstützt eine gleichmäßige Jugendentwicklung der Kultur.

Schaderreger-Management

Der bedeutendste Schaderreger beim Anbau dieser Kultur ist der Pilz *Sclerotinia sclerotiorum*, der insbesondere bei feucht-warmer Witterung zu nasser Fäulnis an den Wurzeln und Stängelbasen führt. Um dem vorzubeugen, musst du eine weite Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen anfälligen Kulturen wie Raps, Sonnenblumen oder Leguminosen einhalten. Achte zudem auf eine moderate Bestandesdichte, damit die Kultur nach Regenfällen schnell abtrocknen kann. Gegen tierische Schädlinge wie Blattläuse oder Erdflöhe in der frühen BBCH-Phase solltest du den Bestand regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel einsetzen. Eine mechanische Unkrautregulierung durch Hacken ist in der langsamen Jugendphase unerlässlich, um den Konkurrenzdruck niedrig zu halten.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie erkennst du einen Befall mit Sclerotinia-Wurzelfäule rechtzeitig im Feld?

Achte ab dem späten Frühjahr besonders auf welkende Blätter inmitten ansonsten gesund aussehender Pflanzen. Wenn du die betroffenen Pflanzen vorsichtig ausgräbst, erkennst du an der Wurzelbasis oft ein weißes, watteartiges Pilzgeflecht, in dem sich im fortgeschrittenen Stadium schwarze, unregelmäßig geformte Dauerkörper (Sklerotien) bilden. Befallene Pflanzen solltest du umgehend entfernen, um eine weitere Ausbreitung im Bestand zu verhindern.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium für die mechanische Unkrautregulierung?

Die kritischste Phase liegt zwischen BBCH 10 und BBCH 19 (Blattentwicklung). Da der Orientalische Bocksbart in diesem Zeitraum sehr langsam wächst, ist er extrem konkurrenzschwach gegenüber Beikräutern. Du solltest flach und präzise hacken, sobald die Reihen erkennbar sind, um die jungen Pfahlwurzeln nicht zu beschädigen.

Kannst du den Orientalischen Bocksbart als Gründüngung oder in Blühmischungen nutzen?

Ja, die Kultur eignet sich hervorragend für mehrjährige Blühstreifen und Biodiversitätsflächen. Durch ihre tiefgehende Pfahlwurzel trägt sie zur biologischen Bodenlockerung bei und erschließt tiefe Bodenschichten. Zudem ist sie eine wertvolle Pollenquelle für spezialisierte Wildbienen, weshalb sie oft in zertifiziertem Regiosaatgut integriert ist.

Wie verhältst du dich bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln für diese Nischenkultur?

Da für den Orientalischen Bocksbart nur wenige spezifische Pflanzenschutzmittel direkt zugelassen sind, musst du häufig auf die sogenannten Lückenindikationen nach § 22 Abs. 2 PflSchG zurückgreifen. Informiere dich vor einer Anwendung immer in der Online-Datenbank des BVL über aktuelle Genehmigungen für Gemüse- oder Kräuterkulturen.

Was musst du bei der Ernte und Aufbereitung des Saatguts beachten?

Die Samen reifen sehr ungleichmäßig ab und besitzen einen flugfähigen Haarkranz (Pappus), der die maschinelle Ernte erschwert. Du solltest den optimalen Erntezeitpunkt wählen, wenn die ersten Köpfchen beginnen, sich zu öffnen. Nach dem Drusch ist eine sofortige, schonende Trocknung auf unter 9 % Feuchtigkeit und das mechanische Entgrannen für die Rieselfähigkeit im Sägerät notwendig.