Bocksbart
Tragopogon pratensis subsp. orientalis (EPPO-Code: TROPO), im deutschen Sprachraum als Orientalischer Bocksbart oder Östliches Bockskraut bekannt, ist eine zweijährige krautige Kultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Während die Wildform häufig auf mäßig feuchten, nährstoffreichen Wiesen anzutreffen ist, gewinnt die Kultur zunehmend an Bedeutung im nischigen, ökologischen Gemüsebau sowie als wertvolle Futterpflanze und Komponente in artenreichen Blühmischungen. Die Kultur zeichnet sich durch ihre markanten, intensiv gelben Blütenkörbchen aus, die sich typischerweise nur in den Vormittagsstunden öffnen.
Im landwirtschaftlichen Anbau wird der Orientalische Bocksbart primär wegen seiner essbaren, pfahlförmigen Wurzeln sowie der jungen, zarten Triebe kultiviert. Die Wurzeln weisen einen feinen, leicht süßlichen Geschmack auf, der an Haferwurzeln erinnert. Aufgrund der Zweijährigkeit erfolgt die vegetative Entwicklung und Wurzelbildung im ersten Standjahr, während die generative Phase mit Blüten- und Samenbildung im zweiten Jahr stattfindet. Für die agronomische Praxis erfordert dies eine präzise Steuerung der Wachstumsbedingungen, um vorzeitiges Schossen im ersten Jahr zu verhindern.
Bodenmanagement
Der Orientalische Bocksbart bevorzugt tiefgründige, lockere und gut durchlässige Böden, idealerweise sandige Lehme oder humose Schwemmlandböden, um eine gerade, unverzweigte Wurzelentwicklung zu gewährleisten. Schwere, verdichtete oder steinige Böden führen unweigerlich zu Beinigkeit und mindern die Vermarktungsfähigkeit der Ernteorgane erheblich. Eine ausgeglichene Nährstoffversorgung ist wichtig, wobei eine übermäßige Stickstoffdüngung vermieden werden muss, da diese das vegetative Blattwachstum auf Kosten der Wurzelqualität fördert und die Anfälligkeit für Schaderreger erhöht. Vor der Aussaat empfiehlt sich eine tiefe Bodenlockerung sowie das Einarbeiten von gut verrottetem Kompost, während frischer Wirtschaftsdünger aufgrund der Gefahr von Drahtwurmbefall und Wurzelbrand strikt zu vermeiden ist. Die Wasserversorgung muss insbesondere während der Hauptwachstumsphase im Sommer konstant gehalten werden, um ein Verholzen der Wurzeln zu verhindern.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz stellt die Weißstängeligkeit, verursacht durch den Pilz Sclerotinia sclerotiorum, die größte Bedrohung für die Kultur dar, insbesondere bei feucht-warmer Witterung und dichten Beständen. Zur Vorbeugung ist eine weite Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Wirtspflanzen wie Raps, Sonnenblumen oder Leguminosen zwingend einzuhalten. Gegen pilzliche Schaderreger wie Echten Mehltau oder Rostpilze sollten vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine moderate Bestandsdichte und eine bedarfsgerechte Bewässerung im Fokus stehen. Tritt ein Befall auf, ist auf die aktuelle Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln für diese Nischenkultur zu achten, wobei häufig Genehmigungen für die Anwendung in Sonderkulturen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 herangezogen werden müssen. Eine regelmäßige Feldkontrolle ab dem BBCH-Stadium 12 ermöglicht das frühzeitige Erkennen von tierischen Schädlingen wie Blattläusen oder Erdschnakenlarven, um rechtzeitig mechanische oder biologische Regulierungsmaßnahmen einzuleiten.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie lässt sich das Schossen (vorzeitige Blütenbildung) im ersten Anbaujahr verhindern?
Ein vorzeitiges Schossen im ersten Standjahr (meist ausgelöst durch Kältereize im Frühjahr nach der Keimung) mindert die Wurzelqualität drastisch, da die Wurzeln verholzen. Um dies zu verhindern, sollte die Aussaat nicht zu früh im nasskalten Frühjahr erfolgen. Optimal sind Bodentemperaturen ab 8 bis 10 °C. Zudem hilft eine gleichmäßige Wasserversorgung, um stressinduziertes Schossen zu minimieren.
Welche Fruchtfolgebeschränkungen müssen hinsichtlich Sclerotinia sclerotiorum beachtet werden?
Da Sclerotinia sclerotiorum ein extrem breites Wirtsspektrum besitzt und langlebige Sklerotien im Boden bildet, darf der Orientalische Bocksbart nicht nach anfälligen Kulturen wie Raps, Sonnenblumen, Erbsen oder Kartoffeln angebaut werden. Eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren zu diesen Kulturen im Schlag ist dringend ratsam, um das Infektionspotenzial im Boden niedrig zu halten.
Wie finde ich im Pflanzenschutz-Informationssystem zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Da der Orientalische Bocksbart eine Nischenkultur ist, gibt es oft keine direkt zugelassenen Standardpräparate. Suchen Sie in den offiziellen Datenbanken (z. B. beim BVL in Deutschland) nach Indikationszulassungen für "Wurzelgemüse" oder nutzen Sie die Datenbank für Sonderkulturen, um Anwendungen nach Artikel 51 (Lückenindikation) zu identifizieren.
Welchen Einfluss hat das BBCH-Stadium auf den optimalen Erntezeitpunkt der Wurzeln?
Der optimale Erntezeitpunkt für die Nutzung als Wurzelgemüse liegt im späten Herbst des ersten Standjahres, wenn die Kultur die BBCH-Stadien 41 bis 49 (Entwicklung der vegetativen Ernteorgane) durchläuft. Sobald die Kultur im zweiten Standjahr in die generative Phase (BBCH 51 ff., Knospenentwicklung) übergeht, lagert die Wurzel Reservestoffe aus, wird holzig, faserig und verliert ihren kulinarischen Wert.
Wie wird die Unkrautregulierung in der Etablierungsphase der Kultur durchgeführt?
Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung im BBCH-Bereich 10 bis 19 ist der Orientalische Bocksbart sehr konkurrenzschwach gegenüber Beikräutern. Da chemische Herbizide für diese Kultur kaum zugelassen sind, muss die Unkrautregulierung primär mechanisch durch präzises Hacken zwischen den Reihen sowie durch manuelles Jäten in der Reihe erfolgen. Ein falsches Saatbett vor der Aussaat reduziert den Unkrautdruck in der kritischen Auflaufphase erheblich.
Ist der Orientalische Bocksbart frosthart und kann er im Feld überwintert werden?
Ja, die Kultur ist vollkommen frosthart. Die Wurzeln können den gesamten Winter über im Boden verbleiben und je nach Bedarf bei frostfreiem Boden geerntet werden. Eine Überwinterung im Feld ist sogar vorteilhaft, da niedrige Temperaturen den Zuckergehalt in den Wurzeln leicht erhöhen und das Aroma verfeinern.