Breitblättrige Endivie
Die Breitblättrige Endivie (Cichorium endivia var. latifolia, EPPO-Code: CICEL), im deutschsprachigen Raum auch häufig als Eskariol bezeichnet, ist eine traditionsreiche und ökonomisch bedeutende Kultur des herbstlichen Freilandanbaus. Sie gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und zeichnet sich durch ihre charakteristischen, breiten und ganzrandigen Blätter aus, die im Vergleich zur krausen Endivie eine deutlich höhere Toleranz gegenüber kühler und feuchter Witterung aufweisen. Dies macht sie zu einer idealen Kultur für die späte Ernte im mitteleuropäischen Raum.
Für den erfolgreichen Anbau ist das Verständnis der physiologischen Besonderheiten dieser Kultur entscheidend. Die Bildung von Intybin verleiht den Blättern den typisch herben Geschmack, während die Steuerung von Temperatur und Lichtintensität in der Jungpflanzenphase das Risiko des vorzeitigen Schossens minimiert. Im professionellen Anbau wird die Kultur meist als Pflanzware etabliert, um einen gleichmäßigen Bestand und eine planbare Ernte zu gewährleisten.
Bodenmanagement
Die Kultur bevorzugt tiefgründige, humusreiche Böden mit einer guten Wasserhaltekapazität, da unregelmäßige Feuchtigkeit schnell zu physiologischem Randbrand führt. Vor dem Auspflanzen solltest du eine ausgewogene Grunddüngung durchführen, wobei der Stickstoffbedarf mit etwa 100 bis 140 kg N/ha moderat ausfällt. Eine übermäßige Stickstoffversorgung ist unbedingt zu vermeiden, da sie das Gewebe schwächt und die Anfälligkeit für Fäulniserreger drastisch erhöht. Regelmäßiges Hacken hält den Boden offen, fördert die Durchlüftung und unterdrückt auflaufende Unkräuter in der kritischen Etablierungsphase. Eine gleichmäßige Bewässerung, insbesondere während der Hauptwachstumsphase im Spätsommer, sichert die Ertragsqualität und verhindert das vorzeitige Schossen.
Schaderreger-Management
Im professionellen Anbau stellt die Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea) insbesondere bei feuchter Herbstwitterung eine erhebliche Bedrohung für den Ernteerfolg dar. Um dem Befall vorzubeugen, solltest du auf weite Pflanzabstände achten, die ein schnelles Abtrocknen des Bestandes nach Niederschlägen ermöglichen. Der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollte präventiv oder bei ersten Symptomen erfolgen, wobei die gesetzlichen Wartezeiten vor der Ernte strikt einzuhalten sind. Neben Pilzerkrankungen musst du auch tierische Schaderreger wie Blattläuse und Schnecken im Auge behalten, die durch regelmäßige Bonituren frühzeitig erfasst werden sollten. Ein konsequentes Hygienemanagement, einschließlich des Unterpflügens von Ernterückständen, minimiert das Inokulum für Folgekulturen auf derselben Fläche.
Sorten
Eros
Mittelfrüh bis spätSehr hoher Ertrag mit schweren, gut gefüllten Köpfen.
Resistent gegen: Schossen, Kälte
Anfällig für: Falscher Mehltau
Eine bewährte, schossfeste Sorte mit aufrechtem Wuchs, die sich hervorragend für den Herbstanbau eignet.
Bubikopf
MittelfrühKonstanter, mittlerer bis hoher Ertrag.
Resistent gegen: Kälte
Anfällig für: Randbrand, Botrytis
Traditionelle, sehr beliebte Sorte im deutschsprachigen Raum mit breiten, dicken Blättern und gelbem Herz.
Stratego
SpätHoher Ertrag auch unter kühlen Bedingungen.
Resistent gegen: Schossen, Frost
Anfällig für: Innenbrand
Hervorragend geeignet für die späte Freilandernte. Zeigt eine sehr gute Feldhaltbarkeit im späten Herbst.
Nuance
MittelfrühGleichmäßige Sortierung mit hohem Marktwarenanteil.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Botrytis
Sehr schossfeste Sorte, die sich besonders gut für die frühe Pflanzung im Sommer eignet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie verhinderst du das vorzeitige Schossen bei der Breitblättrigen Endivie?
Das Schossen wird primär durch Kältereize (Temperaturen unter 16 °C) in der frühen Jungpflanzenphase induziert. Du solltest daher bei der Anzucht im Frühsommer auf Mindesttemperaturen von 18–20 °C achten und die Jungpflanzen keinen extremen Temperaturschwankungen aussetzen. Verwende zudem für frühe Sätze gezielt schossfeste Sorten.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung von Botrytis cinerea?
Die kritischste Phase für Infektionen durch Botrytis cinerea liegt ab dem BBCH-Stadium 41 (Beginn der Kopfbildung), wenn sich die Rosette schließt und ein feuchtes Mikroklima entsteht. Du solltest Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln präventiv vor dem vollständigen Schließen der Reihen (BBCH 39) durchführen, um eine optimale Benetzung der inneren Blätter zu gewährleisten.
Wie kannst du physiologischen Randbrand im Anbau effektiv minimieren?
Randbrand entsteht durch einen lokalen Kalziummangel in den Blatträndern, meist verursacht durch unregelmäßige Wasserversorgung oder zu hohe Luftfeuchtigkeit, die die Transpiration einschränkt. Du minimierst dieses Risiko durch eine gleichmäßige Bewässerung, die Vermeidung von Überdüngung mit Stickstoff und Kalium sowie durch die Wahl von Standorten mit guter Luftzirkulation.
Wie findest du im Farmable-Portal die passenden Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Nutze dafür die integrierte Produktdatenbank im Hub. Filtere dort gezielt nach der Kultur 'Breitblättrige Endivie' (oder dem EPPO-Code CICEL) und wähle den Schaderreger 'Botrytis cinerea' aus, um alle in deinem Land aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten anzuzeigen.
Warum ist die Fruchtfolge bei der Breitblättrigen Endivie so wichtig?
Da die Kultur zu den Korbblütlern gehört, solltest du eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Vertretern dieser Familie (wie Kopfsalat oder Zichorien) einhalten. Dies beugt der Anreicherung von bodenbürtigen Schaderregern wie Sclerotinia-Arten und Nematoden im Boden effektiv vor.
Welchen Einfluss hat das Bleichen der Herzen auf die Erntequalität und wie wird es durchgeführt?
Das Bleichen reduziert die Bitterstoffe im Herz der Kultur und sorgt für ein milderes Aroma. Im modernen Erwerbsanbau übernehmen dies meist selbstbleichende Sorten durch ihren dichten, aufrechten Wuchs von selbst. Falls nötig, kannst du die Köpfe etwa 10 bis 14 Tage vor der Ernte zusammenbinden, wobei die Blätter absolut trocken sein müssen, um Fäulnis zu vermeiden.