Breitblättrige Endivie
Die Breitblättrige Endivie (Cichorium endivia var. latifolia, EPPO-Code: CICEL), im Erwerbsanbau auch häufig als Eskariol bezeichnet, ist eine bedeutende ein- bis zweijährige Salat- und Gemüsekultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Im mitteleuropäischen Freilandanbau schließt sie im Spätsommer und Herbst eine wichtige Lücke im Frischgemüsesortiment. Charakteristisch für diese Unterart sind die ganzrandigen, breiten und dicken Blätter, die im Vergleich zur krausen Endivie (Frisée) robuster gegenüber Witterungseinflüssen sind und einen mild-herben, durch den Bitterstoff Intybin geprägten Geschmack aufweisen.
Die Kultur stellt mittlere bis hohe Ansprüche an das Klima und gedeiht am besten an sonnigen, windgeschützten Standorten. Die Keimung erfolgt optimal bei Temperaturen zwischen 15 °C und 22 °C, wobei zu hohe Temperaturen während der Keimphase oder der frühen Jugendentwicklung zu vorzeitigem Schossen führen können. Im modernen Erwerbsgartenbau wird Eskariol meist als Satzbau kultiviert, um eine kontinuierliche Marktbelieferung von August bis in den späten November hinein zu gewährleisten, wobei auch leichte Fröste im Spätherbst toleriert werden.
Bodenmanagement
Eskariol bevorzugt tiefgründige, humose und mittelschwere Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da Trockenstress rasch zu physiologischen Störungen wie Blattrandbrand führt. Eine ausgewogene Humusversorgung ist ideal, wobei frischer organischer Dünger aufgrund der Gefahr von Fäulniserregern und Nitratanreicherung im Erntegut vermieden werden sollte. Die Stickstoffdüngung muss exakt am Bedarf der Kultur ausgerichtet werden; typischerweise werden 100 bis 140 kg N/ha ausgebracht, idealerweise aufgeteilt in eine Grund- und eine Kopfdüngung. Eine ausreichende Versorgung mit Kalium ist für die Festigkeit des Gewebes und die Frosthärte im Herbst unerlässlich. Zudem ist auf einen ausgeglichenen Calciumhaushalt im Boden zu achten, um physiologische Calciummangel-Symptome an den Blatträndern zu minimieren.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz steht die Vorbeugung von Pilzkrankheiten im Vordergrund, wobei Botrytis cinerea (Grauschimmel) und Sclerotinia-Arten (Salatfäule) bei feucht-kühler Herbstwitterung die größten Ertragsverluste verursachen können. Ein weiter Pflanzabstand und ein weites Reihenraster fördern das rasche Abtrocknen der Bestände nach Niederschlägen und mindern den Infektionsdruck erheblich. Gegen tierische Schaderreger wie Blattläuse, die auch als Vektoren für Virosen fungieren, sowie gegen Schnecken im frühen Entwicklungsstadium müssen regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden. Der Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollte stets gezielt und unter strenger Beachtung der Wartezeit erfolgen, insbesondere da die Kultur nah am Erntetermin behandelt werden muss. Ein konsequentes Unkrautmanagement durch mechanisches Hacken in der frühen Wachstumsphase sichert die ungestörte Entwicklung der Rosetten.
Sorten
Eros
MittelfrühSehr hoher und stabiler Ertrag im Profianbau.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Botrytis cinerea, Blattrandbrand
Sehr schossfeste und bewährte Sorte für den Sommer- und Herbstbau. Bildet schwere, gut gefüllte Köpfe mit hohem Gelbanteil im Herz.
Bubikopf
Früh bis mittelfrühGuter, gleichmäßiger Ertrag bei optimaler Wasserversorgung.
Anfällig für: Botrytis cinerea, Nässe
Traditionelle, sehr beliebte Sorte mit breiten, glatten Blättern und dicht gefülltem, selbstbleichendem Herz.
Gelbe von Triest
MittelfrühMittelhoher Ertrag, sehr gute Marktqualität durch feinen Geschmack.
Anfällig für: Frost, Sclerotinia
Besonders zarte Sorte mit hellgrünen bis gelblichen Blättern. Hervorragend für den frühen Herbstabsatz geeignet.
St. Laurent
SpätSichere Erträge auch bei kühler Witterung im Spätherbst.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Schossen
Sehr robuste, frostharte Sorte für den späten Freilandanbau bis in den Winter hinein.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Schossern bei der Breitblättrigen Endivie im frühen Anbau minimieren?
Die Schosserbildung wird maßgeblich durch niedrige Temperaturen (unter 16 °C) in der frühen Anzuchtphase induziert. Agronomen empfehlen daher, die Jungpflanzenanzucht strikt bei Temperaturen von über 18–20 °C durchzuführen. Zudem sollte die Pflanzung im Freiland erst ab Ende Juni erfolgen, wenn die Tageslänge abnimmt und extreme Kälteeinbrüche unwahrscheinlicher sind, um den photoperiodischen Reiz zur Blütenbildung zu unterdrücken.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium 41 bis 49 für die Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen?
In den BBCH-Stadien 41 (Beginn der Kopfbildung) bis 49 (Erntereife) schließt sich der Bestand, wodurch ein feuchtes Mikroklima im Inneren der Kultur entsteht. Dies ist die kritische Phase für Infektionen durch Botrytis cinerea und Sclerotinia-Arten. Behandlungen mit Fungiziden oder biologischen Präparaten müssen präventiv vor dem vollständigen Reihenschluss (BBCH 45) erfolgen, da spätere Applikationen die tiefer liegenden Blattschichten nicht mehr ausreichend erreichen.
Wie unterscheidet sich der Nährstoffbedarf von Eskariol im Vergleich zu Kopfsalat?
Eskariol besitzt aufgrund seiner längeren Kulturzeit und der größeren Biomasse einen höheren Gesamtstickstoffbedarf als Kopfsalat. Während Kopfsalat oft mit 80–100 kg N/ha auskommt, benötigt die Breitblättrige Endivie 100–140 kg N/ha. Wichtig ist eine betonte Kaliumdüngung im letzten Kulturdrittel (BBCH 41–49), um die Zellwandstabilität zu erhöhen, was die Lagerfähigkeit verbessert und die Frosttoleranz im Herbst stärkt.
Wie kann man physiologischem Blattrandbrand (Tipburn) im Erwerbsanbau effektiv vorbeugen?
Blattrandbrand entsteht durch einen lokalen Calciummangel in den schnell wachsenden Blatträndern, oft induziert durch unregelmäßige Wasserversorgung oder hohe Luftfeuchtigkeit, die die Transpiration behindert. Neben einer gleichmäßigen Bewässerung und der Vermeidung von Ammonium-betonten Düngern können gezielte Blattapplikationen mit Calciumchlorid oder Calciumnitrat in den BBCH-Stadien 35 bis 45 das Risiko signifikant senken.
Wie finde ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis cinerea für diese Kultur?
Suchen Sie im Hub nach dem EPPO-Code 'CICEL' für die Kultur und filtern Sie die Schaderreger nach 'BOTRCI' (Botrytis cinerea). Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel besonders auf die spezifische Wartezeit (PHI) für Salate/Endivien sowie auf die maximal zulässige Anzahl der Anwendungen pro Saison, um Resistenzbildungen vorzubeugen.
Welche Bedeutung hat das Bleichen der Herzblätter vor der Ernte und wie wird es heute durchgeführt?
Das Bleichen reduziert die Bitterstoffe (Intybin) im Herz der Kultur und sorgt für die gewünschte gelb-weiße Färbung. Während früher die Köpfe manuell zusammengebunden wurden, nutzen moderne, selbstbleichende Sorten ihren dichten Wuchs, um das Herz natürlich zu beschatten. Bei Bedarf kann im späten Freilandanbau ca. 10 bis 14 Tage vor der Ernte eine Abdeckung mit lichtundurchlässiger Folie erfolgen, wobei auf ausreichende Belüftung zur Vermeidung von Fäulnis zu achten ist.