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Kultur

Fichte

Picea sp.
PIESS

Die Fichte (Picea sp., EPPO-Code: PIESS) ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Nadelholzgattungen in der mitteleuropäischen Forstwirtschaft, wobei die Gemeine Fichte (Picea abies) die größte Rolle spielt. Als flachwurzelnde Kultur stellt sie hohe Ansprüche an die Wasserversorgung und reagiert empfindlich auf langanhaltende Trockenheit sowie hohe Temperaturen. In den letzten Jahren steht die Bewirtschaftung von Fichtenbeständen aufgrund des Klimawandels und der damit einhergehenden Massenvermehrung von Schaderregern vor enormen Herausforderungen.

Trotz der Risiken bleibt die Fichte wegen ihres schnellen Wachstums und der hervorragenden Holzeigenschaften ein wichtiger Rohstofflieferant. Der Anbau konzentriert sich zunehmend auf kühlere, feuchtere Mittelgebirgslagen, während in tieferen Lagen der Umbau hin zu stabilen Mischwäldern forciert wird. In Forstbaumschulen erfordert die Anzucht von Fichten-Sämlingen ein präzises Kulturmanagement, um vitale und widerstandsfähige Jungpflanzen für die Wiederaufforstung bereitzustellen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Mai (Aussaat im Saatbeet); Pflanzung im Herbst (Okt–Nov) oder Frühjahr (Mär–Apr)
Erntefenster
September bis April (Holzeinschlag); Herbst/Frühjahr für Forstpflanzen
Reihenabstand
1,5–2,0 m (im Forst); 20–30 cm (im Verschulbeet der Baumschule)
Typischer Ertrag
15–20 m³/ha/Jahr (durchschnittlicher Zuwachs im optimalen Alter)
Wärmesumme (GDD)
1400–1450 °C d (pro Vegetationsperiode bis zum Abschluss des Jahrestriebs)
Boden-pH
4,0–6,0

Bodenmanagement

Die Fichte bevorzugt gut durchlüftete, frische bis feuchte und nährstoffreiche Böden im sauren bis mäßig sauren pH-Bereich. Eine ausgeprägte Bodenverdichtung ist unbedingt zu vermeiden, da das flache Wurzelsystem der Kultur sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel reagiert. Zur Förderung der lebensnotwendigen Mykorrhiza-Symbiose ist der Erhalt einer intakten Humusauflage von entscheidender Bedeutung. Kalkungsmaßnahmen werden auf stark versauerten Standorten gezielt eingesetzt, um die Bodenstruktur zu stabilisieren und die Calcium- sowie Magnesiumversorgung zu verbessern. Bei der Bodenvorbereitung im Forst wird heute meist auf flächiges Befahren verzichtet, um das Bodengefüge nachhaltig zu schonen.

Schaderreger-Management

Das Management von Schaderregern fokussiert sich primär auf die Borkenkäferarten Buchdrucker (Ips typographus) und Kupferstecher (Pityogenes chalcographus). Ein konsequentes Monitoring mittels Lockstofffallen und die rasche Aufarbeitung von bruttauglichem Material ("saubere Waldwirtschaft") sind die wichtigsten forstlichen Maßnahmen. Gegen pilzliche Schaderreger wie den Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum), der die gefürchtete Rotfäule verursacht, wird bei der Durchforstung eine Stubbenbehandlung durchgeführt. In Forstbaumschulen stehen zudem Behandlungen gegen den Erreger des Fichtennadelgusses (Lophodermium sp.) im Vordergrund, wobei zugelassene Pflanzenschutzmittel exakt nach Wartezeit und BBCH-Stadium appliziert werden.

Sorten

Gemeine Fichte (Picea abies)

80–120 Jahre Umtriebszeit

Sehr hoher Ertrag (15–22 m³/ha/Jahr unter optimalen Bedingungen).

Anfällig für: Buchdrucker, Rotfäule, Trockenstress

Die wichtigste forstliche Baumart in Deutschland. Liefert hervorragendes Konstruktionsholz, ist aber stark sturmanfällig.

Sitka-Fichte (Picea sitchensis)

70–90 Jahre Umtriebszeit

Sehr raschwüchsig, oft höherer Massenzuwachs als die Gemeine Fichte.

Resistent gegen: Salzhaltige Luft

Anfällig für: Rotfäule, Riesenbastkaefer

Hervorragend geeignet für ozeanisch geprägte, feuchte Lagen im Nordwesten Deutschlands. Toleriert salzhaltige Luft.

Blau-Fichte (Picea pungens)

8–12 Jahre (Weihnachtsbaumkultur)

Ertrag bemisst sich nach der Qualität und Symmetrie der Weihnachtsbäume.

Resistent gegen: Trockenheit, Stadtklima

Anfällig für: Fichtennadelguss, Sitkafichtenlaus

Hauptsächlich als Weihnachtsbaum und Ziergehölz kultiviert. Zeichnet sich durch stahlblaue Nadeln und hohe Nadelfestigkeit aus.

Serbische Fichte (Picea omorika)

80–100 Jahre

Mäßiger bis guter Zuwachs, etwas unter dem Niveau der Gemeinen Fichte.

Resistent gegen: Schneebruch, Stadtklima, Spaetfrost

Anfällig für: Rotfäule

Schmaler, säulenförmiger Wuchs, dadurch sehr schneebruchresistent. Wird forstlich als Alternative auf schwierigen Standorten getestet.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird der Stehendbefall durch den Buchdrucker im Frühjahr rechtzeitig erkannt?

Ein beginnender Befall lässt sich ab ca. April/Mai durch feines, braunes Bohrmehl auf Rindenschuppen, Spinnweben oder am Stammfuß der Kultur erkennen. Zudem weisen Harztröpfchen an den Einbohrlöchern auf Abwehrreaktionen hin. Ein regelmäßiges Monitoring der gefährdeten Bestände im wöchentlichen Rhythmus ist in dieser Phase unerlässlich, um befallene Bäume vor dem Ausflug der neuen Käfergeneration zu entnehmen.

Welche Rolle spielen die BBCH-Stadien bei der Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen in Forstbaumschulen?

In Forstbaumschulen ist die exakte Bestimmung der BBCH-Stadien entscheidend für den Erfolg von Fungizidbehandlungen gegen Nadelguss-Erreger. Behandlungen sind besonders während des Austriebs (BBCH 31 bis 39) hochwirksam, da die jungen, weichen Nadeln extrem infektionsgefährdet sind. Spätere Anwendungen nach Abschluss des Triebwachstums (BBCH 39) dienen dem Schutz der ausgereiften Nadeln vor Herbstinfektionen.

Wie lässt sich die Rotfäule (Heterobasidion annosum) bei der Durchforstung vorbeugend bekämpfen?

Die Infektion erfolgt primär über frische Stubbenflächen direkt nach dem Holzeinschlag. Eine sofortige Behandlung der Schnittflächen (Schnittstellenbehandlung) mit einem biologischen Präparat auf Basis des Riesen-Rindenpilzes (Phlebiopsis gigantea) oder mit Harnstofflösungen verhindert das Eindringen des Krankheitserregers wirksam. Diese Maßnahme muss unmittelbar am Tag des Einschlags erfolgen.

Welche gesetzlichen Vorgaben gelten für die Herkunftssicherung von Fichten-Pflanzgut in Deutschland?

Die Fichte unterliegt dem Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG). Dies schreibt vor, dass forstliches Saat- und Pflanzgut nur aus zugelassenen Erntebeständen gewonnen und nach streng definierten Herkunftsgebieten gehandelt werden darf. Für den forstlichen Anbau muss stets ein Stammzertifikat vorliegen, das die genetische Anpassung an die jeweilige Anbauregion garantiert.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger an Fichten?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur "Fichte" oder "Forstgehölze". Sie können die Ergebnisse gezielt nach der Indikation (z. B. saugende Insekten oder pilzliche Erreger) filtern, um ausschließlich aktuell vom BVL zugelassene Pflanzenschutzmittel inklusive aller Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.