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Kultur

Gemeine Nachtkerze

Oenothera biennis
OEOBI

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis, EPPO-Code: OEOBI) ist eine wertvolle zweijährige Kultur, die in Mitteleuropa primär zur Gewinnung von hochwertigem Nachtkerzenöl aus den Samen angebaut wird. Dieses Öl ist aufgrund seines hohen Gehalts an Gamma-Linolensäure (GLA) in der Pharma- und Kosmetikindustrie sehr gefragt. Im ersten Standjahr bildet die Kultur lediglich eine flach aufliegende Blattrosette aus, während sich im zweiten Jahr der aufrechte, reich verzweigte Blütenstand entwickelt, der Höhen von über einem Meter erreichen kann.

Der Anbau erfordert pflanzenbauliches Fingerspitzengefühl, da die ungleichmäßige Abreife der Kapselfrüchte den optimalen Erntezeitpunkt schwer bestimmbar macht. Da es sich um eine relativ junge landwirtschaftliche Kultur handelt, ist die Unkrautregulierung in der Etablierungsphase besonders kritisch. Die Kultur stellt mittlere bis geringe Ansprüche an den Boden, profitiert jedoch stark von gut durchlässigen, sandigen Lehmböden mit einer ausgeglichenen Wasserführung.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
April bis Mai (Direktsaat) oder August (Herbstaussaat)
Erntefenster
August bis September im zweiten Standjahr
Reihenabstand
40–50 cm
Typischer Ertrag
0,8–1,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2400
Boden-pH
5,5–7,5

Bodenmanagement

Die Gemeine Nachtkerze bevorzugt leichte bis mittelschwere, gut durchlässige Böden, da sie empfindlich auf Staunässe und Bodenverdichtungen reagiert. Ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett ist für die feinen Samen der Kultur essenziell, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Da die Kultur im ersten Jahr langsam wächst, musst du im Vorfeld auf einen möglichst geringen Unkrautdruck achten. Eine moderate Stickstoffdüngung von insgesamt 60–80 kg N/ha, aufgeteilt auf das Rosettenstadium und den Schossbeginn im zweiten Jahr, fördert den Ertrag, ohne das vegetative Wachstum übermäßig anzuregen. Eine organische Düngung zur Vorfrucht hat sich ebenfalls bewährt, um die Bodenstruktur nachhaltig zu verbessern.

Schaderreger-Management

Der bedeutendste Schaderreger im Anbau von Oenothera biennis ist der Pilz Sclerotinia sclerotiorum (Weißstängeligkeit), der besonders in feuchten Jahren zu massiven Ertragsausfällen führen kann. Da für diese Nischenkultur nur wenige chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, musst du primär auf vorbeugende Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge und die Vermeidung von Staunässe setzen. Gegen auflaufende Unkräuter im Rosettenstadium ist das mechanische Hacken zwischen den Reihen das wichtigste Werkzeug. Achte zudem auf tierische Schaderreger wie Erdflohkäfer im Jugendstadium und die Nachtkerzenlaus während der Knospenbildung, um rechtzeitig mechanische oder genehmigte chemische Regulierungsmaßnahmen einzuleiten.

Sorten

Smaragd

Mittelspät

1,0–1,4 t/ha Samenertrag bei optimaler Führung.

Resistent gegen: Echter Mehltau

Anfällig für: Sclerotinia sclerotiorum

Eine in Deutschland selektierte Sorte mit besonders hohem Ölgehalt und stabilen Erträgen unter mitteleuropäischen Bedingungen.

Annegret

Mittel

0,9–1,3 t/ha Samenertrag.

Anfällig für: Sclerotinia sclerotiorum, Blattläuse

Bekannte Zuchtform mit relativ gleichmäßiger Abreife der Kapseln, was das Risiko von Ausfallverlusten bei der Ernte reduziert.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie gehst du mit der ungleichmäßigen Abreife der Kapseln bei der Ernte um?

Da die Kapseln von unten nach oben abreifen, solltest du den Drusch einleiten, wenn die mittleren Kapseln braun und die Samen darin schwarz gefärbt sind. Ein zu langes Warten führt zum Aufplatzen der unteren Kapseln und zu hohen Ausfallverlusten, während eine zu frühe Ernte unreife, grüne Samen liefert, die die Ölqualität mindern. Oft wird ein zweiphasiges Ernteverfahren mit Schwaddrunft bevorzugt, um die Abreife zu homogenisieren.

Welche Fruchtfolgestrategie empfiehlt sich zur Vermeidung von Sclerotinia?

Du solltest die Kultur keinesfalls nach Raps, Sonnenblumen, Erbsen oder anderen Leguminosen anbauen, da diese ebenfalls Hauptwirte für Sclerotinia sclerotiorum sind. Ideal als Vorfrüchte sind Getreidearten oder Mais, die den Infektionsdruck im Boden nicht erhöhen und ein sauberes, unkrautfreies Feld hinterlassen. Halte eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren ein.

Wie tief darf die Aussaat der feinen Nachtkerzensamen erfolgen?

Die Samen sind Lichtkeimer und extrem klein, weshalb du sie sehr flach ablegen musst – maximal 0,5 bis 1,0 cm tief. Ein anschließendes Anwalzen mit einer Cambridge- oder Prismenwalze ist dringend erforderlich, um den nötigen Bodenschluss für die Keimung zu gewährleisten und das Austrocknen der Keimlinge zu verhindern.

Wie erkennst du den optimalen Zeitpunkt für die mechanische Unkrautbekämpfung?

Die mechanische Regulierung mittels Hacke solltest du so früh wie möglich starten, sobald die Reihen der Kultur im Rosettenstadium (ab BBCH 12) gut sichtbar sind. Da die Kultur im ersten Jahr sehr langsam wächst, überwachsen Unkräuter sie schnell; warte nicht, bis die Begleitflora das Rosettenstadium überschritten hat, da die Hackwerkzeuge sonst an Effizienz verlieren.

Welche Rolle spielen zugelassene Pflanzenschutzmittel bei dieser Nischenkultur?

Da es sich um eine Sonderkultur handelt, gibt es nur sehr wenige regulär zugelassene Pflanzenschutzmittel. Du musst dich daher im Vorfeld über aktuelle Notfallzulassungen nach Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 oder Genehmigungen für Lückenindikationen nach Artikel 51 in deinem Land informieren, um rechtlich abgesicherte Anwendungen durchzuführen.