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Kultur

Gemeine Nachtkerze

Oenothera biennis
OEOBI

Oenothera biennis (EPPO-Code: OEOBI), im deutschen Sprachraum als Gemeine Nachtkerze bekannt, ist eine zweijährige Kultur, die zunehmend an Bedeutung im landwirtschaftlichen Vertragsanbau gewinnt. Hauptsächlich wird sie zur Gewinnung von Nachtkerzenöl aus den Samen kultiviert, welches reich an wertvoller Gamma-Linolensäure (GLA) ist und in der Pharma- und Kosmetikindustrie stark nachgefragt wird.

Im ersten Standjahr bildet die Kultur eine flach am Boden anliegende Blattrosette aus, während sich im zweiten Jahr der verzweigte, blütentragende Stängel entwickelt. Die ungleichmäßige Abreife der Kapselfrüchte stellt eine der größten pflanzenbaulichen Herausforderungen dar, da reife Kapseln leicht aufplatzen und zu erheblichen Ertragsverlusten durch Samenausfall führen können.

Der Anbau erfordert präzise agronomische Kenntnisse, insbesondere hinsichtlich der Unkrautregulierung im Rosettenstadium und der Wahl des optimalen Erntezeitpunkts. Aufgrund ihrer tiefreichenden Pfahlwurzel zeigt sich die Kultur relativ tolerant gegenüber sommerlicher Trockenheit, stellt jedoch hohe Ansprüche an die Saatbettbereitung.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte August bis Anfang September
Erntefenster
August bis September (im zweiten Standjahr)
Reihenabstand
25–45 cm
Typischer Ertrag
800–1200 kg/ha
Wärmesumme (GDD)
2100
Boden-pH
5,5–7,2

Bodenmanagement

Die Gemeine Nachtkerze bevorzugt gut durchlässige, sandige Lehme bis humose Sandböden mit mäßiger Nährstoffversorgung. Schwere, zur Verschlämmung und Staunässe neigende Böden sind für diese Kultur ungeeignet, da die empfindliche Pfahlwurzel schnell fault. Ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett ist für den feinen Samen (Tausendkorngewicht ca. 0,5 g) essenziell, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Die Stickstoffdüngung sollte verhalten erfolgen (ca. 50–70 kg N/ha), da ein Überangebot das vegetative Wachstum übermäßig fördert, die Standfestigkeit mindert und die Abreife verzögert. Eine ausreichende Versorgung mit Kalium und Magnesium unterstützt die Standfestigkeit und die Ölsynthese in den Samen.

Schaderreger-Management

Der bedeutendste pilzliche Schaderreger im Nachtkerzenanbau ist Sclerotinia sclerotiorum, der insbesondere bei feuchter Witterung während der Blütezeit zu Stängelfäule und vorzeitigem Absterben führt. Da für diese Sonderkultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, kommt der vorbeugenden Kulturführung eine Schlüsselrolle zu. Eine weite Fruchtfolge von mindestens 4–5 Jahren zu anderen Wirtspflanzen wie Raps, Sonnenblumen oder Leguminosen ist zwingend einzuhalten. Gegen auflaufende Unkräuter im empfindlichen Rosettenstadium müssen mechanische Maßnahmen wie Hacken präzise auf die Reihenweite abgestimmt werden. Zudem ist auf tierische Schädlinge wie Erdfloh-Arten im frühen Jugendstadium zu achten, um den Kahlfraß der jungen Keimlinge zu verhindern.

Sorten

Smaragd

Mittelspät

900–1100 kg/ha Samenertrag

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Sclerotinia-Stängelfäule

Eine bewährte deutsche Züchtung mit hohem Ölgehalt und stabilen Erträgen unter mitteleuropäischen Bedingungen.

Lichtblick

Mittel

850–1050 kg/ha Samenertrag

Anfällig für: Sclerotinia-Stängelfäule, Echter Mehltau

Zeichnet sich durch einen besonders hohen Anteil an Gamma-Linolensäure im Samenöl aus.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich der optimale Erntezeitpunkt bei der ungleichmäßig abreifenden Nachtkerze bestimmen?

Der optimale Erntezeitpunkt liegt vor, wenn etwa 70–80 % der Kapseln im mittleren Stängeldrittel braun und die Samen darin tiefbraun bis schwarz gefärbt sind. Da die Kapseln von unten nach oben reifen, ist ein Kompromiss nötig: Wartet man zu lange, drohen hohe Verluste durch das Aufplatzen der untersten, ertragsstärksten Kapseln (Samenausfall).

Welche mechanischen Regulierungsmaßnahmen sind im Rosettenstadium (BBCH 12–19) am effektivsten?

Da chemische Herbizide in dieser Sonderkultur kaum zugelassen sind, ist das präzise Hacken zwischen den Reihen im frühen Rosettenstadium entscheidend. Sobald die Rosetten flach auf dem Boden aufliegen, muss die Arbeitsgeschwindigkeit reduziert werden, um ein Verschütten der Kultur mit Erde zu verhindern, was das Wachstum massiv hemmen würde.

Warum ist die Fruchtfolgegestaltung bei der Integration von Oenothera biennis so kritisch?

Die Kultur ist extrem anfällig für den bodenbürtigen Pilz Sclerotinia sclerotiorum. Um das Infektionspotenzial im Boden niedrig zu halten, dürfen in den vier Vorjahren keine anfälligen Kulturen wie Raps, Sonnenblumen, Erbsen oder Kartoffeln auf derselben Fläche gestanden haben; Getreide und Mais sind ideale Vorfrüchte.

Wie wirkt sich eine späte Stickstoffgabe auf die Qualität des geernteten Nachtkerzenöls aus?

Eine zu späte oder überhöhte Stickstoffdüngung nach dem Schossen (BBCH 30) verlängert die vegetative Phase und verzögert die Abreife. Dies führt nicht nur zu einem erhöhten Risiko von grünem Erntegut, sondern senkt auch den prozentualen Ölgehalt und insbesondere den Anteil der wertvollen Gamma-Linolensäure im Samen.

Welche Besonderheiten müssen bei der Druschtechnik und der anschließenden Trocknung beachtet werden?

Der Mähdrusch sollte mit reduzierter Trommeldrehzahl und weit geöffnetem Korb erfolgen, um die feinen Samen nicht zu beschädigen. Da die Samen bei der Ernte oft noch eine hohe Feuchtigkeit aufweisen, müssen sie innerhalb weniger Stunden nach dem Drusch aktiv auf unter 9 % Feuchte heruntergetrocknet werden, um Schimmelbildung und Qualitätsverlust des Öls zu verhindern.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Sonderkultur in der Datenbank?

Da für die Nachtkerze meist nur Indikationszulassungen nach Art. 51 EG-VO (Lückenindikation) vorliegen, sollten Sie im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach dem EPPO-Code OEOBI filtern. Achten Sie dabei besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen und die einzuhaltenden Wartezeiten vor der Ernte.