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Kultur

Gerbera

Gerbera jamesonii
GEBJA

Gerbera jamesonii (EPPO-Code: GEBJA), im deutschen Erwerbsgartenbau meist einfach als Gerbera oder Jamesons Gerbera bezeichnet, gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schnitt- und Topfpflanzenkulturen unter Glas. Die aus Südafrika stammende Kultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) stellt hohe Ansprüche an Licht, Temperatur und Wasserqualität. Im professionellen Zierpflanzenbau wird sie fast ausschließlich in spezialisierten Gewächshäusern kultiviert, um ganzjährig steuerbare Qualitäten und hohe Stielerträge zu sichern.

Die Kultur zeichnet sich durch eine enorme Vielfalt an Blütenformen und -farben aus. Für den wirtschaftlichen Erfolg im Unterglas-Anbau sind eine präzise Steuerung des Klimas sowie eine exakte Nährstoffversorgung entscheidend. Da die Kultur mehrjährig ist, im Erwerbsanbau aber meist ein- bis zweijährig geführt wird, spielen die Optimierung der Pflanzdichte und die mechanische Unterstützung der Blütenstiele eine wesentliche Rolle für die Marktfähigkeit.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Ganzjährig (Hauptpflanzzeit Januar bis April)
Erntefenster
Ganzjährig (Hauptsaison April bis Oktober)
Reihenabstand
30–40 cm
Typischer Ertrag
20–35 Blütenstiele/Pflanze pro Jahr
Wärmesumme (GDD)
3200
Boden-pH
5,5–6,2

Bodenmanagement

Im modernen Erwerbsanbau wird die Kultur überwiegend in erdelosen Substraten wie Steinwolle, Kokosfaser oder Torfmischungen kultiviert, um bodenbürtige Schaderreger zu vermeiden. Entscheidend ist eine hervorragende Drainagefähigkeit, da Staunässe rasch zu Wurzelfäule führt. Der pH-Wert des Substrats muss streng im Bereich von 5,5 bis 6,0 gehalten werden, um Spurenelementmängel, insbesondere Eisen- und Manganmangel, zu verhindern. Eine kontinuierliche EC-Wert-Überwachung der Nährlösung (typischerweise zwischen 1,2 und 1,8 mS/cm) sichert ein ausgewogenes vegetatives und generatives Wachstum. Regelmäßige Spülungen mit salzarmem Wasser beugen schädlichen Salzakkumulationen im Wurzelraum vor.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz bei dieser Kultur erfordert eine engmaschige Überwachung, da sie sehr anfällig für tierische Schädlinge wie Thripse, Weiße Fliegen und Spinnmilben ist. Gegen diese Schaderreger wird standardmäßig der Einsatz von Nützlingen wie Raubmilben und Schlupfwespen etabliert. Pilzliche Infektionen durch Echten Mehltau oder Rhizoctonia solani müssen durch vorbeugende Klimaführung und gezielte Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln kontrolliert werden. Eine niedrige relative Luftfeuchte im Bestand und das Vermeiden von Kondenswasser auf den Blättern sind die wirksamsten physikalischen Maßnahmen gegen Grauschimmel (Botrytis cinerea). Chemische Pflanzenschutzmittel sollten im Wechsel verschiedener Wirkstoffklassen eingesetzt werden, um Resistenzbildungen zu vermeiden.

Sorten

Flori Line Maxi

Früh bis mittelfrüh

Sehr hoher Anteil verkaufsfähiger Topfpflanzen mit synchroner Blüte

Anfällig für: Echter Mehltau, Grauschimmel

Eine der führenden Serien für den Topfpflanzenanbau unter Glas mit leuchtenden Farben und kompaktem Wuchs.

Garvinea Sweet Glow

Mittelfrüh

Kontinuierliche Blütenbildung von Frühjahr bis zum Frost

Resistent gegen: Phytophthora, Echter Mehltau

Anfällig für: Blattläuse

Robuste Freilandgerbera mit hoher Toleranz gegenüber wechselnden Witterungsbedingungen und Schaderregern.

Patio Gerbera

Spät

Sehr große, dekorative Blüten auf kräftigen Stielen

Anfällig für: Spinnmilben, Thripse

Hervorragend geeignet für größere Container auf Terrasse und Balkon; benötigt ausreichend Nährstoffe.

Durora

Früh

Gute Haltbarkeit der gefüllten Blüten im Handel

Anfällig für: Grauschimmel, Rhizoctonia solani

Attraktive, halbgefüllte bis gefüllte Blütenform mit sehr homogenem Kulturverlauf.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie erkennst du einen Befall mit Rhizoctonia solani rechtzeitig?

Achte auf plötzliches Welken einzelner Blätter trotz feuchtem Substrat sowie auf eine braune bis schwarze Verfärbung des Stängelgrundes direkt an der Substratoberfläche. Da sich dieser Schaderreger im Substrat ausbreitet, solltest du betroffene Pflanzen sofort isolieren und das Gießverhalten anpassen, um Staunässe zu vermeiden.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Regulierung von Thripsen?

Besonders kritisch ist der Übergang von der Knospenentwicklung (BBCH 5) zur beginnenden Blüte (BBCH 6). Sobald sich die Knospen leicht öffnen, wandern Thripse in die Blüte ein, wo sie vor Pflanzenschutzmitteln geschützt sind; daher musst du Nützlinge wie Raubmilben bereits im vegetativen Stadium (BBCH 1 bis 3) präventiv etablieren.

Wie vermeidest du physiologischen Knospenausfall (Bud Abortion)?

Knospenausfall tritt meist bei Lichtmangel in Kombination mit zu hohen Nachttemperaturen auf. Du solltest in den Wintermonaten auf eine Zusatzbelichtung achten und das Verhältnis von Temperatur zu Lichtmenge (Quotient) strikt kontrollieren, um ein Gleichgewicht in der Assimilatbilanz zu wahren.

Warum ist die Wasserqualität bei der Tröpfchenbewässerung dieser Kultur so entscheidend?

Die Kultur reagiert extrem empfindlich auf hohe Natrium- und Chloridwerte im Gießwasser. Du solltest idealerweise Regenwasser nutzen oder das Brunnenwasser über eine Umkehrosmoseanlage aufbereiten, um Verstopfungen der Tropfer und Salzschäden an den empfindlichen Feinwurzeln zu verhindern.

Wie steuerst du das vegetative Wachstum im Verhältnis zur Blütenbildung?

Über die Temperaturführung, insbesondere das DIF-Verfahren (Differenz zwischen Tag- und Nachttemperatur), kannst du das Streckungswachstum beeinflussen. Ein negatives DIF (Nacht wärmer als Tag) hemmt das Stängelwachstum, während ein positives DIF die Stielstreckung fördert, was besonders bei Schnittgerberas wichtig ist.

Wo findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel für spezifische Indikationen bei Gerbera?

Nutze hierzu die Suchfunktion in unserem Hub oder die Online-Datenbank des BVL. Achte bei der Auswahl darauf, ob das jeweilige Pflanzenschutzmittel explizit für Zierpflanzen unter Glas zugelassen ist, und prüfe stets die aktuellen Auflagen zu Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen.