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Kultur

Haselnuss

Corylus avellana
CYLAV

Die Gemeine Haselnuss (Corylus avellana, EPPO-Code: CYLAV) ist ein in Mitteleuropa heimischer, mehrjähriger Schalenobststrauch, der zunehmend an Bedeutung im professionellen Erwerbsanbau gewinnt. Als windbestäubte Kultur zeichnet sich die Haselnuss durch eine extrem frühe Blütezeit im Spätwinter aus, wobei die männlichen Kätzchen und die unscheinbaren weiblichen Blüten oft schon ab Januar aktiv sind. Die Kultur stellt moderate Ansprüche an das Klima, profitiert jedoch stark von windgeschützten Lagen, um Spätfrostschäden an den jungen Fruchtansätzen zu minimieren.

Im modernen Erwerbsobstbau wird die Haselnuss meist als Halbstamm oder mehrtriebiger Busch erzogen. Ein erfolgreicher Anbau erfordert eine sorgfältige Standortwahl mit tiefgründigen, gut durchlüfteten Böden sowie eine gezielte Sortenmischung zur Sicherung der Befruchtung, da die meisten Sorten selbststeril sind. Die mechanisierte Ernte vom Boden setzt zudem eine hervorragende Bodenvorbereitung und Unkraut- bzw. Stockausschlagfreiheit voraus.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Oktober bis November (Herbstpflanzung bevorzugt) oder März bis April
Erntefenster
September bis Oktober
Reihenabstand
4,5–5,5 m x 2,5–3,5 m
Typischer Ertrag
1,5–2,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2400–2700 °C
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Ein erfolgreiches Bodenmanagement im Haselnussanbau zielt auf eine optimale Befahrbarkeit und eine saubere Erntefläche im Herbst ab. In den Fahrgassen wird meist eine dauerhafte Begrünung etabliert, die regelmäßig gemulcht wird, um die Tragfähigkeit für Erntemaschinen zu sichern. Der Baumstreifen wird mechanisch oder durch den gezielten Einsatz von Herbiziden unkrautfrei gehalten, um die vom Boden aufzulesenden Nüsse nicht zu verdecken. Eine regelmäßige Zufuhr von organischem Material fördert das aktive Bodenleben und stabilisiert den Humusgehalt auf den bevorzugten sandigen bis tonigen Lehmböden. Staunässe muss unbedingt vermieden werden, da die Wurzeln von Corylus avellana empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz in dieser Kultur konzentriert sich primär auf die Regulierung des Haselnussbohrers (Curculio nucum), dessen Larvenfraß zu tauben Nüssen führt und durch Klopfproben ab Mai überwacht wird. Gegen die Haselnussgallmilbe (Phytoptus avellanae), die auffällige Knospengallen verursacht, helfen austriebsnahe Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln. Pilzliche Schaderreger wie Monilinia-Arten (Fruchtfäule) und der Echte Mehltau erfordern bei feuchter Witterung eine vorbeugende Strategie. Ein kritischer Arbeitsschritt ist zudem die chemische oder mechanische Stockausschlagbekämpfung (Desuckering), um den Wuchs als Einzelschnitt-Halbstamm zu erhalten und die Ernte nicht zu behindern. Hierzu werden spezielle, für die Ausschlagbekämpfung registrierte Pflanzenschutzmittel im späten Frühjahr appliziert.

Sorten

Hallesche Riesen

Mitte bis Ende September

Hoch und regelmäßig bei guter Befruchtung.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Haselnussbohrer, Monilia-Fruchtfaeule

Sehr weit verbreitete, starkwüchsige Sorte mit großen, kegelförmigen Nüssen. Hervorragend als Tafel- und Industrienuss geeignet.

Wunder aus Bollweiler

Ende September bis Anfang Oktober

Mittelhoch, aber sehr konstant.

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Haselnussgallmilbe

Robuste, frostharte Sorte mit gutem Pollenspender-Potenzial für andere Sorten. Die Nüsse sind groß und breit-kegelförmig.

Römische Zellernuss

Anfang bis Mitte September

Früh einsetzend, hoch und regelmäßig.

Anfällig für: Bakterienbrand, Monilia-Fruchtfaeule

Traditionelle Sorte mit runden, mittelgroßen Nüssen, die sich sehr leicht aus der Hülle lösen. Ideal für die industrielle Verarbeitung.

Webbs Preisnuss

Mitte September

Sehr hoch und früh einsetzend.

Anfällig für: Winterfrost, Haselnussbohrer

Sehr ertragreiche Sorte mit länglichen, großen Nüssen und hervorragendem Geschmack. Bevorzugt geschützte Lagen.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum ist eine gezielte Sortenmischung bei der Anlage einer Haselnussplantage zwingend erforderlich?

Die meisten Kultivare von Corylus avellana sind selbststeril und zudem dichogam, was bedeutet, dass die männliche Pollenausschüttung und die weibliche Blütezeit zeitlich oft nicht übereinstimmen. Für einen sicheren Ertrag müssen daher mindestens zwei, besser drei zueinander passende Befruchtersorten im Verhältnis von etwa 10 bis 15 % im Bestand verteilt gepflanzt werden.

Wie funktioniert die Stockausschlagbekämpfung (Desuckering) im professionellen Anbau?

Haselnüsse neigen von Natur aus zu starker Strauchbildung durch bodennahe Triebe (Suckers). Um die Kultur als gut mechanisierbaren Halbstamm zu führen, müssen diese Triebe im Frühjahr bei einer Höhe von 10–15 cm mechanisch oder durch den gezielten Einsatz zugelassener Kontaktherbizide (z. B. im Rahmen der Stockausschlagbekämpfung) konsequent beseitigt werden.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium für die Bekämpfung des Haselnussbohrers?

Die Bekämpfung des Haselnussbohrers (Curculio nucum) muss genau auf das BBCH-Stadium der Fruchtentwicklung abgestimmt sein. Sobald sich die jungen Fruchtbecher entwickeln (BBCH 71–73, meist ab Mai), wandern die adulten Käfer in die Kronen ein, um an den jungen Nüssen zu fressen und Eier abzulegen. Klopfproben und Behandlungen müssen in diesem engen Zeitfenster erfolgen.

Wie bereitet man den Boden optimal auf die mechanische Ernte vor?

Da Haselnüsse vollreif zu Boden fallen und dort maschinell aufgelesen werden, muss der Boden unter den Kronen absolut eben, frei von tiefen Fahrspuren, Steinen und hohem Unkraut sein. Kurz vor Erntebeginn (BBCH 89) wird der Begrünungsstreifen extrem tief gemulcht und der Baumstreifen mechanisch oder chemisch komplett freigehalten, um Ernteverluste zu minimieren.

Wie finde ich im Agronomy-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel für Haselnüsse?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Portal und filtern Sie nach der Kultur 'Haselnuss' oder dem EPPO-Code 'CYLAV'. Sie können die Ergebnisse weiter nach Schaderregern wie dem Haselnussbohrer oder nach spezifischen Anwendungen wie der Stockausschlagbekämpfung filtern, um die aktuell in Deutschland zugelassenen Mittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten einzusehen.