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Kulturgruppe

Hülsenfrüchte (trocken)

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NNLGT

Die BVL-Kulturgruppe „Hülsenfrüchte (trocken)“ (Gruppe NNLGT) fasst groß- und kleinsamige Leguminosen zusammen, deren Körner im vollreifen Zustand geerntet und als Trockenware verwertet werden. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Gruppe gehören wirtschaftlich bedeutende Kulturen wie die Erbse, die Sojabohne und die Dicke Bohne sowie verschiedene Phaseolus-Arten wie die Buschbohne und die Stangenbohne. Auch Nischenkulturen wie die Speiselinse, die Feuer- bzw. Käferbohne sowie Futterleguminosen und Kleegras fallen unter diese regulatorische Gruppierung.

Aus Sicht des Pflanzenschutzes und der Zulassung ist diese Zusammenfassung äußerst praxisrelevant. Da diese Kulturen botanisch eng verwandt sind (Familie der Fabaceae), teilen sie nicht nur physiologische Merkmale wie die Fähigkeit zur symbiotischen Stickstofffixierung, sondern weisen auch sehr ähnliche Ansprüche an den Boden und die Anbautechnik auf. Dies ermöglicht es dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Pflanzenschutzmittel im Rahmen von Gruppenbehandlungen oder im Wege der Lückenindikation für die gesamte Gruppe zuzulassen, was das Spektrum an verfügbaren Wirkstoffen insbesondere für kleinere Kulturen wie die Speiselinse deutlich erweitert.

Pflanzenschutz auf Gruppenebene

Der integrierte Pflanzenschutz bei trockenen Hülsenfrüchten erfordert eine sorgfältige Abstimmung, da viele Schaderreger das gesamte Spektrum dieser Kulturgruppe befallen können. Im Bereich der Pilzkrankheiten stehen bodenbürtige Erreger (wie Fusarium-Arten) sowie Blattschaderreger wie Ascochyta-Flecken und Echter Mehltau im Fokus. Bei den tierischen Schädlingen spielen saugende Insekten (insbesondere Blattläuse als Virusüberträger) sowie spezialisierte Rüsselkäfer eine entscheidende Rolle. Ein konsequentes Resistenzmanagement nach den Richtlinien von FRAC (Fungizide) und IRAC (Insektizide) ist zwingend erforderlich, um Wirkstoffverluste zu vermeiden. Dies beinhaltet den gezielten Wirkstoffwechsel und die strikte Einhaltung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison. Da Hülsenfrüchte in der Jugendentwicklung oft konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern sind, ist die Unkrautregulierung im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf von zentraler Bedeutung. Hierbei müssen Herbizid-Resistenzstrategien (HRAC) berücksichtigt werden. Die mechanische Unkrautbekämpfung (Striegeln, Hacken) sollte eng mit chemischen Maßnahmen verzahnt werden, um den Selektionsdruck auf einzelne Wirkstoffklassen zu minimieren. Die Einhaltung der spezifischen BBCH-Stadien für den spätestmöglichen Anwendungstermin ist zudem essenziell, um Rückstände im Erntegut sicher zu vermeiden und die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit einzuhalten.

Kulturen in dieser Gruppe

BuschbohnePHSVN
Dicke BohneVICFJ
ErbsePIBST
Feuer- bzw. KäferbohnePHSCO
FutterleguminosenNNNLF
KleegrasNNKGS
SojabohneGLXMASpeiselinseLENCU
StangenbohnePHSVV

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob ein Pflanzenschutzmittel für alle Kulturen der Gruppe „Hülsenfrüchte (trocken)“ zugelassen ist?

In der Zulassungsdatenbank des BVL wird bei einer echten Gruppenzulassung der Code „NNLGT“ oder der Klartext „Hülsenfrüchte (trocken)“ aufgeführt. Gilt die Zulassung hingegen nur für einzelne Kulturen (z. B. nur für die Erbse oder die Sojabohne), sind diese explizit einzeln mit ihren jeweiligen EPPO-Codes gelistet. Es ist stets zu prüfen, ob eventuelle Anwendungsbestimmungen bestimmte Kulturen der Gruppe explizit ausschließen.

Warum ist das BBCH-Stadium bei der Spätbehandlung von trockenen Hülsenfrüchten so kritisch?

Bei Kulturen, die zur Druschernte bestimmt sind, begrenzen die BBCH-Stadien der Abreife (ab BBCH 80) das zulässige Anwendungsfenster für viele Fungizide und Insektizide. Eine zu späte Anwendung gefährdet nicht nur die Einhaltung der gesetzlichen Wartezeit, sondern kann auch zu unzulässigen Rückständen im trockenen Korn führen, was die Vermarktungsfähigkeit der gesamten Partie beeinträchtigt.

Welche Rolle spielt das HRAC-System bei der Unkrautbekämpfung in dieser Kulturgruppe?

Da für Leguminosen nur eine begrenzte Anzahl an Herbizidwirkstoffen zugelassen ist, ist das Risiko für Resistenzbildungen hoch. Durch die Nutzung des HRAC-Klassifizierungssystems müssen Landwirte darauf achten, Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkungsklassen im Fruchtfolgeverlauf abzuwechseln und die chemische Bekämpfung durch mechanische Maßnahmen wie Blindstriegeln oder Hacken zu ergänzen.

Wie wirkt sich die Stickstofffixierung der Kulturen auf das Schaderreger-Management aus?

Die Symbiose mit Knöllchenbakterien sorgt für eine kontinuierliche Stickstoffversorgung. Ein zu üppiges, mastiges Wachstum kann jedoch das Mikroklima im Bestand feuchter machen und Pilzinfektionen wie Grauschimmel oder Sclerotinia begünstigen. Das Monitoring auf Pilzkrankheiten sollte daher besonders in dichten Beständen ab Reihenschluss intensiviert werden.

Was muss bei der Applikationstechnik zur Bekämpfung von Schaderregern im dichten Bestand beachtet werden?

Da Kulturen wie Erbsen oder Sojabohnen dichte Laubwände bilden, ist eine hohe Benetzungsqualität im unteren Stängelbereich entscheidend. Dies wird durch den Einsatz von injektor-unterstützten Doppelflachstrahldüsen und einer angepassten Wassermenge (mindestens 200–300 l/ha) erreicht, um auch bodennahe Schaderreger effektiv zu erfassen und Wirkstoffverluste durch Abdrift zu minimieren.

Warum ist der Wechsel von Sommer- und Winterformen innerhalb der Hülsenfrüchte pflanzenschutztechnisch relevant?

Der Anbau von Winterformen (z. B. Wintererbsen) verschiebt die kritischen BBCH-Stadien im Vergleich zu den Sommerformen nach vorne. Dies führt dazu, dass Schaderreger wie Blattläuse oder der Erbsenwickler zu anderen Entwicklungsphasen der Kultur auftreten. Das Monitoring muss daher kalendarisch früher ansetzen, bietet aber oft den Vorteil, dass die Kulturen zum Hauptschadzeitpunkt bereits tolerantere Stadien erreicht haben.