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Kultur

Feuer- bzw. Käferbohne

Phaseolus coccineus
PHSCO

Die Feuerbohne (Phaseolus coccineus, EPPO-Code: PHSCO), im süddeutsch-österreichischen Raum auch als Käferbohne oder Prunkbohne bekannt, ist eine wertvolle, großsamige Hülsenfrucht aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Im Vergleich zur Gartenbohne zeichnet sich diese Kultur durch eine ausgeprägte Kältetoleranz und ein kräftiges, meist linkswindendes Wachstum aus. Sie wird in Mitteleuropa sowohl zur Gewinnung von grünen Hülsen als auch zur Erzeugung von Trockenspeisebohnen (den charakteristisch violett-schwarz gesprenkelten Käferbohnen) angebaut.

Botanisch gesehen ist die Kultur mehrjährig, wird im mitteleuropäischen Klima jedoch ausschließlich einjährig kultiviert. Ihre auffälligen roten, seltener weißen Blüten benötigen für einen optimalen Fruchtansatz die Bestäubung durch Hummeln und Bienen, weshalb die Förderung von Nützlingen im Umfeld der Anbauflächen von hoher Bedeutung ist. Durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium leguminosarum bv. phaseoli) ist die Kultur in der Lage, Luftstickstoff zu binden, was sie zu einem hervorragenden Glied in der Fruchtfolge macht.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Mai bis Anfang Juni
Erntefenster
August bis Oktober
Reihenabstand
100–120 cm
Typischer Ertrag
15–25 dt/ha (Trockenbohnen) bzw. 150–200 dt/ha (Frischmarkt)
Wärmesumme (GDD)
1900
Boden-pH
6,0–7,2

Bodenmanagement

Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die physikalische Bodenbeschaffenheit und bevorzugt tiefgründige, humusreiche und gut durchlüftete Lehm- oder sandige Lehmböden mit gutem Wasserhaltevermögen. Da Feuerbohnen empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagieren, ist eine sorgfältige, tief lockerne Bodenvorbereitung im Frühjahr unerlässlich. Eine moderate Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sollte basierend auf Bodenanalysen erfolgen, während auf eine Stickstoffdüngung aufgrund der symbiotischen Stickstofffixierung weitgehend verzichtet werden kann. Lediglich eine geringe Startgabe von 20–30 kg N/ha auf leichten Böden ist in manchen Fällen sinnvoll. Zur Erhaltung der Bodengesundheit und Vermeidung von bodenbürtigen Krankheiten ist eine weite Fruchtfolge einzuhalten, bei der Leguminosen maximal alle 4 bis 5 Jahre auf derselben Fläche stehen.

Schaderreger-Management

Im integrierten Pflanzenschutz der Kultur steht die vorbeugende Hygiene im Vordergrund, um Schaderreger wie Botrytis cinerea oder bodenbürtige Pilze zu minimieren. Eine gezielte Unkrautregulierung ist besonders in der empfindlichen Jugendentwicklung wichtig, wobei mechanische Hackmaßnahmen mit chemischen Anwendungen kombiniert werden können, um Problemunkräuter wie Elymus repens oder Echinochloa crus-galli zu kontrollieren. Gegen pilzliche Schaderreger sind eine weite Standweite zur schnellen Abtrocknung des Bestandes sowie der Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel bei ersten Befallssymptomen entscheidend. Zudem sollte auf virusübertragende Schädlinge wie Blattläuse geachtet werden, da diese Vektoren für das Bohnenmosaikvirus sein können. Nach der Ernte hilft das sorgfältige Einarbeiten oder Entfernen der Ernterückstände, das Inokulum für das Folgejahr signifikant zu senken.

Sorten

Bonela

mittelspät

Sehr hoher und stabiler Kornertrag

Resistent gegen: Brennfleckenkrankheit

Anfällig für: Botrytis cinerea, Fettfleckenkrankheit

Die österreichische Züchtung ist der Standard im professionellen Käferbohnenanbau. Sie zeichnet sich durch die typische violett-schwarze Marmorierung und hervorragende Speisequalität aus.

Lady Di

mittelfrüh

Hoher Ertrag an grünen Hülsen

Resistent gegen: Bohnenmosaikvirus

Anfällig für: Spinnmilben

Eine fadenlose, rotblühende Sorte, die primär für die Nutzung als grüne Schnittbohne im Erwerbsanbau kultiviert wird. Sehr lange, gerade Hülsen.

Weiße Riesen

spät

Konstant hoher Ertrag bei Vollreife

Anfällig für: Bohnenfliege, Botrytis cinerea

Weißblühende Sorte mit sehr großen, rein weißen Samen. Extrem wüchsig und unempfindlicher gegenüber kühleren Witterungsperioden während der Blüte.

Preisgewinner

mittelspät

Sehr ertragreich bei kontinuierlicher Ernte

Anfällig für: Brennfleckenkrankheit, Fettfleckenkrankheit

Traditionelle, sehr starkwüchsige Sorte mit leuchtend roten Blüten. Hervorragend geeignet für den Anbau an Stangen oder Schnurgerüsten.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Bestäubung den Ertrag der Feuerbohne im Vergleich zu anderen Bohnenarten?

Im Gegensatz zur selbstbefruchtenden Gartenbohne ist die Feuerbohne stark auf Fremdbestäubung angewiesen. Hummeln und Wildbienen sind aufgrund ihrer Kraft besonders effektiv darin, die mechanisch anspruchsvollen Blüten zu öffnen. Ein Mangel an Bestäubern während der Hauptblüte (BBCH 61–69) führt zu schlechtem Fruchtansatz und verringerten Hülsenzahlen, weshalb die Schonung von Nützlingen und das Bereitstellen von Blühstreifen im Umfeld ertragsentscheidend sind.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung von Botrytis cinerea?

Eine Infektion mit Botrytis cinerea (Grauschimmel) erfolgt meist über absterbende Blütenblätter im BBCH-Stadium 65 bis 69. Pflanzenschutzmittel-Anwendungen zur Befallsminderung müssen daher präventiv in die Vollblüte hinein platziert werden, bevor sich die ersten Hülsen (BBCH 71) entwickeln. Spätere Behandlungen sind aufgrund der dichten Laubwand mechanisch kaum noch wirksam und bergen das Risiko von Rückständen.

Wie kann die Keimung bei kühlen Frühjahrstemperaturen optimiert werden?

Feuerbohnen keimen zwar bei etwas niedrigeren Temperaturen als Gartenbohnen, benötigen aber dennoch eine Mindestbodentemperatur von 10 °C. Bei zu früher Aussaat in kalte, nasse Böden droht ein Befall durch die Bohnenfliege sowie Samenfeule. Ein Vorziehen unter Glas oder das Abdecken mit Vlies nach der Direktsaat kann den Feldaufgang in kritischen Lagen beschleunigen und stabilisieren.

Warum ist eine zusätzliche Stickstoffdüngung bei dieser Kultur meist kontraproduktiv?

Als Leguminose versorgt sich die Kultur über Knöllchenbakterien selbst mit Stickstoff. Eine übermäßige N-Düngung hemmt diese Symbiose, fördert ein übermäßiges vegetatives Wachstum (Krautigkeit) auf Kosten des Blütenansatzes und erhöht die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten wie Grauschimmel. Lediglich auf extrem leichten Böden ist eine minimale Startgabe von maximal 20–30 kg N/ha vor der Saat ratsam.

Wie unterscheidet sich das Herbizidmanagement bei Feuerbohnen von anderen Leguminosen?

Die chemische Unkrautregulierung bei Feuerbohnen ist aufgrund einer begrenzten Anzahl zugelassener Pflanzenschutzmittel im Vergleich zu Erbsen oder Ackerbohnen stark eingeschränkt. Der Fokus liegt daher auf mechanischen Maßnahmen (Striegeln im Vorauflauf, Hacken ab BBCH 12 bis zum Reihenschluss) kombiniert mit gezielten Vorauflauf-Herbizidanwendungen. Achten Sie im Agronomie-Hub auf die aktuell für die Kultur zugelassenen Wirkstoffe, um phytotoxische Schäden zu vermeiden.