Feuer- bzw. Käferbohne
Phaseolus coccineus (EPPO-Code: PHSCO), im deutschsprachigen Raum meist als Feuerbohne, Käferbohne oder Prunkbohne bezeichnet, ist eine vielseitige Leguminose. Sie wird sowohl für die Gewinnung grüner Hülsen als auch für die Ernte der markant gesprenkelten Trockenkerne kultiviert. Ursprünglich aus den kühleren Hochlagen Mittelamerikas stammend, zeichnet sich diese Kultur durch eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber feucht-kühler Witterung aus, was sie besonders für den mitteleuropäischen Raum und alpine Übergangslagen prädestiniert.
Als raschwüchsige Kletterpflanze benötigt die Kultur im professionellen Anbau meist stabile Stützsysteme wie Stangen oder Schnüre, wird im Erwerbsanbau vereinzelt aber auch in Mischkultur mit Mais geführt. Neben dem hohen Ertragswert besitzt die Feuerbohne dank ihrer Symbiose mit Knöllchenbakterien die Fähigkeit zur biologischen Stickstofffixierung, wodurch sie ein wertvolles Element in der Fruchtfolgegestaltung darstellt. Für einen optimalen Hülsenansatz ist jedoch eine kontinuierliche Wasserversorgung während der Blühphase entscheidend.
Bodenmanagement
Für den Anbau der Feuerbohne solltest du tiefgründige, mittelschwere Böden mit guter Wasserführung und einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5 bevorzugen. Da die Kultur empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert, ist eine sorgfältige, lockere Bodenvorbereitung im Frühjahr zwingend erforderlich. Eine ausreichende Humusversorgung sichert die notwendige Bodenfeuchte, die besonders während der kritischen Phase der Blütenbildung über Ertrag oder Missertrag entscheidet. Obwohl die Kultur als Leguminose mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff fixiert, kann eine moderate Startgabe von 30–40 kg N/ha auf leichteren Standorten die Jugendentwicklung beschleunigen. Vermeide Staunässe strikt, da diese die Aktivität der Knöllchenbakterien blockiert und Wurzelfäulen begünstigt.
Schaderreger-Management
Beim Pflanzenschutz der Feuerbohne steht die vorbeugende Feldhygiene im Vordergrund, um Pilzinfektionen wie Grauschimmel (Botrytis cinerea) effektiv einzudämmen. Ein weiter Reihenabstand und eine luftige Erziehung an Stangen fördern das rasche Abtrocknen der Kultur nach Regenfällen, wodurch der Infektionsdruck minimiert wird. Gegen auflaufende Unkräuter und Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) oder den Zurückgebogenen Amarant (Amaranthus retroflexus) solltest du frühzeitig mechanische Maßnahmen oder zugelassene Herbizide im Vor- oder frühen Nachauflauf einsetzen. Bei feucht-warmer Witterung ist zudem ein konsequentes Schneckenmonitoring in der Keimphase unerlässlich, um Totalausfälle beim Auflaufen zu verhindern. Ein Fruchtwechsel von mindestens drei bis vier Jahren zu anderen Kulturen beugt bodenbürtigen Schaderregern nachhaltig vor.
Sorten
Steirische Käferbohne
spätSehr ertragreich bei optimaler Wasserversorgung und ausreichender Bestäuberaktivität.
Resistent gegen: Bohnenmosaikvirus
Anfällig für: Brennfleckenkrankheit, Grauschimmel
Traditionelle, sehr starkwüchsige Sorte mit hervorragender Kornqualität (violett-schwarz gesprenkelt); geschützt im regionalen Anbau.
Lady Di
mittelfrühHoher und über einen langen Zeitraum verteilter Hülsenertrag.
Resistent gegen: Bohnenmosaikvirus
Anfällig für: Fettfleckenkrankheit
Fadenlose, rotblühende Stangenbohne, die vor allem für den Frischmarkt zur Ernte als grüne Hülse genutzt wird.
Preisgewinner
mittelspätZuverlässige und stabile Erträge auch in kühleren Übergangslagen.
Anfällig für: Grauschimmel, Bohnenrost
Sehr robuste, altbewährte Sorte mit großen, rot-schwarz gemusterten Samen und ausgeprägtem Klettervermögen.
Hestia
frühMäßiger, aber sehr früh einsetzender Ertrag.
Anfällig für: Brennfleckenkrankheit
Buschig wachsende Zwerg-Feuerbohne, die ohne Rankhilfe auskommt; ideal für windanfällige Lagen.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kannst du die Bestäubung deiner Feuerbohnen im Freiland gezielt absichern?
Da die Kultur stark auf Fremdbestäubung angewiesen ist, solltest du gezielt Hummel- und Wildbienenhabitate in der Nähe der Flächen fördern oder Hummelvölker aufstellen. Bei mangelndem Insektenflug, besonders während kühler oder extrem heißer Phasen, kommt es schnell zum Abstoßen der Blüten (Verrieseln), was deinen Ertrag massiv gefährdet.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen?
Behandlungen gegen Schaderreger wie Grauschimmel (Botrytis cinerea) müssen präventiv erfolgen. Der optimale Zeitraum für den Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel liegt meist zwischen dem Beginn der Blüte (BBCH 61) und der Vollblüte (BBCH 65). Achte darauf, die Anwendungen exakt auf diese Phasen abzustimmen, um die Blütenorgane effektiv zu schützen.
Wie beugst du Herbizidresistenzen bei der Bekämpfung von Schadgräsern in dieser Kultur vor?
Um Resistenzen bei weit verbreiteten Ungräsern wie der Hühnerhirse oder dem Deutschen Weidelgras zu verhindern, solltest du die Wirkstoffklassen (HRAC-Gruppen) konsequent rotieren. Kombiniere chemische Pflanzenschutzmittel im frühen BBCH-Stadium mit mechanischen Pflegemaßnahmen wie dem Hacken, um den Selektionsdruck zu minimieren.
Warum reagiert die Feuerbohne empfindlicher auf sommerliche Hitzeperioden als andere Bohnenarten?
Obwohl die Kultur kühle Temperaturen gut verträgt, führt anhaltende Hitze über 28 °C zu einer verringerten Pollenvitalität. Dies hat eine mangelhafte Befruchtung zur Folge. Eine gezielte Überkopfberegnung in den Mittagsstunden kann während der Blütezeit die Mikroklimatemperatur senken und den Fruchtansatz stabilisieren.
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