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Kultur

Kolbenhirse

Setaria italica
SETIT

Die Kolbenhirse (Setaria italica, EPPO-Code: SETIT), auch bekannt als Fennich oder Italienische Borstenhirse, gehört zu den ältesten Kulturformen der Hirse und gewinnt im mitteleuropäischen Raum zunehmend an Bedeutung als Zweitfrucht, Futterpflanze und Nischenkultur für die Vogelfutterproduktion. Als C4-Pflanze zeichnet sich diese Kultur durch eine extrem hohe Wassernutzungseffizienz und ausgeprägte Trockenheitstoleranz aus, was sie besonders für leichte, sandige Standorte in Zeiten des Klimawandels prädestiniert.

Botanisch charakterisiert sich die Kultur durch kompakte, borstige Scheinähren (Kolben) und ein rasches vegetatives Wachstum bei ausreichenden Temperaturen. Da die Keimung erst bei Bodentemperaturen ab etwa 10 bis 12 °C zuverlässig einsetzt, erfolgt die Aussaat im späten Frühjahr. Aufgrund der kurzen Vegetationszeit von oft nur 90 bis 110 Tagen lässt sich die Kolbenhirse hervorragend in flexible Fruchtfolgen integrieren, beispielsweise nach früh räumendem Wintergetreide oder Feldgemüse.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Mai bis Mitte Juni
Erntefenster
Ende August bis Ende September
Reihenabstand
15–25 cm
Typischer Ertrag
2,5–4,5 t/ha (Korn)
Wärmesumme (GDD)
1600–1800 °C
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Für einen erfolgreichen Anbau der Kolbenhirse ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett entscheidend, da das sehr feine Saatgut eine flache Ablagetiefe von nur 1 bis 2 cm erfordert. Schwere, zur Verschlämmung neigende Böden sowie kalte, nasse Standorte solltest du unbedingt meiden, da sie den Feldaufgang massiv beeinträchtigen. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 60 bis 80 kg N/ha ist meist ausreichend, wobei eine Überdüngung vermieden werden muss, um die Standfestigkeit der Kultur nicht zu gefährden. Aufgrund des flachen Wurzelsystems profitiert die Kultur von einer guten Phosphor- und Kaliumversorgung im Oberboden. Nach der Ernte hinterlässt die Kultur eine leicht zu bearbeitende Bodengare, die sich optimal für die nachfolgende Aussaat von Wintergetreide eignet.

Schaderreger-Management

Da für Kolbenhirse in Deutschland nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel regulär zugelassen sind, steht die mechanische Unkrautregulierung im Fokus deines Handelns. Ein Blindstriegeln kurz vor dem Auflaufen sowie der gezielte Einsatz von Hacktechnik bei größerem Reihenabstand im BBCH-Stadium 13 bis 15 sind hochwirksam gegen spät auflaufende Unkräuter. Gegen pilzliche Schaderreger wie Hirsebrand (Ustilago-Arten) schützt in erster Linie die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut sowie eine weite Fruchtfolge mit mindestens drei Jahren Anbaupause zu anderen Gräsern. Tierische Schädlinge wie die Fritfliege oder der Maiszünsler treten gelegentlich auf, lassen sich jedoch durch die Wahl des Aussaatzeitpunkts und das Mulchen von Vorfruchtstoppeln gut kontrollieren. Achte bei der Überwachung deiner Bestände besonders auf das Auftreten von Blattläusen, die als Vektoren für das Gerstengelbverzwergungsvirus fungieren können.

Sorten

Maxi

mittelfrüh

Sehr ertragreich im Kornertrag mit großen, goldgelben Kolben.

Resistent gegen: Lagerung, Dürre

Anfällig für: Spätfrost

Besonders beliebt im Vertragsanbau für Premium-Vogelfutter. Zeigt eine gute Standfestigkeit und gleichmäßige Abreife.

Redas

mittelspät

Hoher Kornertrag mit charakteristisch roten Körnern.

Resistent gegen: Helminthosporium-Blattflecken

Anfällig für: Kälte in der Jugendphase

Sehr standfeste Sorte mit kräftigem Wuchs, die sich auch hervorragend zur Grünfutternutzung eignet.

Biserka

früh

Zuverlässiger Ertrag auch in kühleren Übergangslagen.

Resistent gegen: Echter Mehltau

Anfällig für: Vogelfraß

Eine sehr raschwüchsige Sorte, die sich ideal als Zweitfrucht nach der Getreideernte eignet.

Silesia

mittelfrüh

Sehr hohe Biomasseerträge bei gleichzeitig solidem Kornertrag.

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Hirsebrand

Häufig genutzt für die Ganzpflanzensilage (GPS) oder als strukturreiches Futtergras.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die mechanische Unkrautbekämpfung in Kolbenhirse?

Da die Kultur in der Jugendphase extrem langsam wächst, solltest du das erste Mal blindstriegeln, kurz bevor die Keimlinge die Bodenoberfläche erreichen (etwa 4 bis 6 Tage nach der Saat). Sobald die Kultur das BBCH-Stadium 13 (Dreiblattstadium) erreicht hat und ausreichend im Boden verankert ist, kannst du vorsichtig mit dem Striegeln oder Hacken zwischen den Reihen beginnen, um spätkeimende Unkräuter zu unterdrücken.

Wie erkennst du die Erntereife der Kolbenhirse für die Kornnutzung?

Die Erntereife ist erreicht, wenn sich die Kolben gelb-braun verfärben, die Körner im mittleren Drittel des Kolbens die typische Sortenfarbe (gelb oder rot) angenommen haben und beim Fingernageltest hart sind. Der Feuchtigkeitsgehalt des Korns sollte idealerweise unter 15 % liegen, um eine aufwendige Trocknung zu vermeiden und die Lagerstabilität zu sichern.

Welche Fruchtfolgevorteile bietet dir der Anbau dieser Kultur?

Kolbenhirse eignet sich hervorragend als Gesundungsfrucht in getreidelastigen Fruchtfolgen, da sie nicht von den typischen Fußkrankheiten des Weizens oder der Gerste befallen wird. Durch ihre extrem kurze Vegetationszeit bricht sie Arbeitsspitzen und ermöglicht nach der Ernte im Spätsommer eine problemlose und bodenschonende Aussaat von anspruchsvollem Wintergetreide.

Wie reagiert die Kultur auf anhaltende Trockenheit und wie solltest du die Bewässerung planen?

Als C4-Pflanze benötigt Kolbenhirse pro Kilogramm Trockenmasse nur etwa halb so viel Wasser wie Weizen. Eine künstliche Bewässerung ist in Mitteleuropa selbst in trockenen Jahren selten wirtschaftlich; falls du jedoch über Beregnungsinfrastruktur verfügst, bringt eine Wassergabe von 20 bis 30 mm während des Schossens (BBCH 30–39) den größten Ertragseffekt.

Welche Besonderheiten musst du bei der Saatbettbereitung beachten?

Das Saatbett muss extrem feinkrümelig und im Unterboden gut rückverfestigt sein (Kapillaranschluss), da das Tausendkorngewicht nur bei etwa 2 bis 3 Gramm liegt. Vermeide grobe Kluten an der Oberfläche, da diese das winzige Korn verschütten und zu einem sehr lückigen Feldaufgang führen können.

Gibt es zugelassene Herbizide für Kolbenhirse und wo findest du aktuelle Zulassungen?

Die chemische Unkrautbekämpfung ist stark eingeschränkt, da Kolbenhirse auf viele Standard-Mais- und Getreideherbizide extrem phytotoxisch reagiert. Aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel und deren spezifische Auflagen (z. B. Indikationszulassungen nach § 22 Abs. 2 PflSchG) solltest du vor der Anwendung immer direkt in der Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) abfragen.