Krause Winterendivie
Die Krause Endivie (Cichorium endivia var. crispum, EPPO-Code: CICEC), im Erwerbsgemüsebau meist als Frisée-Salat bezeichnet, ist eine ökonomisch bedeutende Kultur für den Spätsommer- und Herbstanbau in Mitteleuropa. Als typischer Vertreter der Korbblütler (Asteraceae) zeichnet sich diese Kultur durch ihre stark geschlitzten, krausen Blätter aus, die im Inneren einen selbstbleichenden, zarten gelb-weißen Kern bilden. Aufgrund ihrer moderaten Frosttoleranz verlängert sie die regionale Frischgemüse-Saison bis weit in den Spätherbst hinein.
Im Vergleich zur glatten Endivie stellt die krause Variante höhere Ansprüche an das Mikroklima, da die feingliedrige Blattstruktur anfälliger für Feuchtigkeitsstau und Fäulniserreger ist. Die charakteristischen Bitterstoffe (Lactucopikrin) verleihen der Kultur nicht nur ihren typisch herben Geschmack, sondern erfordern auch eine gezielte Kulturführung, um eine ausgewogene Balance zwischen vegetativem Wachstum und optimaler Geschmacksqualität zu erreichen. Ein präzises Management von Bewässerung und Nährstoffzufuhr ist unerlässlich, um physiologische Störungen wie den Blattrandbrand zu vermeiden.
Bodenmanagement
Die Kultur bevorzugt tiefgründige, mittelschwere Böden mit einer stabilen Humusversorgung und guter Wasserführung, um Staunässe im empfindlichen Herzbereich zu vermeiden. Ein optimaler pH-Wert liegt im schwach sauren bis neutralen Bereich zwischen 6,0 und 7,2. Vor dem Auspflanzen ist eine feinkrümelige Bodenvorbereitung essenziell, um ein gleichmäßiges Anwachsen der Jungpflanzen zu gewährleisten. Die Stickstoffdüngung sollte bedarfsgerecht und vorzugsweise fraktioniert erfolgen, da ein Überangebot an Stickstoff das Gewebe schwächt und die Anfälligkeit für Schaderreger drastisch erhöht. Eine gleichmäßige Kaliumversorgung ist zudem entscheidend für die Festigkeit der Blätter und die Frosthärte im späten Herbst.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz dieser Kultur steht die Prävention von Pilzkrankheiten im Vordergrund, wobei Botrytis cinerea (Grauschimmel) insbesondere bei feucht-kühler Herbstwitterung erhebliche Schäden verursachen kann. Ein weiter Pflanzabstand und eine gezielte Tröpfchenbewässerung helfen, die Bestände schnell abtrocknen zu lassen und das Infektionsrisiko zu senken. Gegen tierische Schaderreger wie Blattläuse und Schnecken müssen regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden, um rechtzeitig mechanische oder chemische Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind die strengen gesetzlichen Wartezeiten vor der Ernte penibel einzuhalten. Zudem ist auf physiologische Störungen wie den Calciummangel-bedingten Blattrandbrand zu achten, der durch eine ausgeglichene Bodenfeuchte und gegebenenfalls Blattapplikationen von Calcium minimiert werden kann.
Sorten
Wallone
SpätSehr ertragreich unter kühlen Bedingungen.
Resistent gegen: Frost, Schoßen
Anfällig für: Botrytis cinerea, Blattrandbrand
Sehr bewährte, frostharte Sorte für den späten Herbstanbau. Bildet schwere Köpfe mit gutem Bleichherzen.
Myrna
MittelfrühKonstant hohe Erträge im Sommer- und frühen Herbstanbau.
Resistent gegen: Schoßen
Anfällig für: Botrytis cinerea
Feingekrauste Sorte mit aufrechtem Wuchs, was das Risiko von Fäulnis am Boden reduziert.
Sigal
Früh bis mittelfrühHoher Marktwarenanteil durch gleichmäßigen Wuchs.
Resistent gegen: Schoßen
Anfällig für: Nässe, Blattrandbrand
Schnellwüchsige Sorte für den Sommer- und frühen Herbstanbau. Sehr schönes, gelbes Herz.
De Meaux
MittelspätHohes Einzelkopfgewicht.
Resistent gegen: Kälte
Anfällig für: Botrytis cinerea, Sclerotinia
Traditionelle, großrahmige Sorte mit stark geschlitzten Blättern und hervorragendem Geschmack.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Blattrandbrand bei Frisée-Salat im Freiland minimieren?
Blattrandbrand ist eine physiologische Störung, die durch einen lokalen Calciummangel in den schnell wachsenden Blatträndern verursacht wird. Um dies zu verhindern, muss eine gleichmäßige Bodenfeuchte durch bedarfsgerechte Bewässerung sichergestellt werden, da Calcium nur über den Transpirationsstrom transportiert wird. Zudem sollte eine übermäßige Stickstoffdüngung vermieden werden, da ein zu schnelles Wachstum den Mangel verstärkt. In kritischen Phasen ab BBCH 35 können gezielte Blattapplikationen mit Calciumchlorid oder Calciumnitrat die Gewebestabilität unterstützen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen gegen Botrytis cinerea?
Die kritischste Phase für Infektionen durch Botrytis cinerea beginnt ab dem BBCH-Stadium 39 (Schließen der Rosette) bis zur Ernte (BBCH 49). Sobald sich die Köpfe schließen, entsteht im Inneren ein feuchtes Mikroklima, das Pilzsporen ideal begünstigt. Vorbeugende Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollten daher idealerweise kurz vor dem Reihenschluss durchgeführt werden, um eine optimale Benetzung der inneren Blätter zu gewährleisten.
Wie beeinflusst die Temperatursteuerung bei der Jungpflanzenanzucht das spätere Schoßverhalten?
Endivien reagieren in der Jugendphase empfindlich auf Kältereize (Vernalisation). Temperaturen unter 16 °C während der Keimung und frühen Aufzucht (BBCH 10 bis 14) können später im Feld zu vorzeitigem Schossen (Blütenbildung) führen, wodurch die Köpfe unverkäuflich werden. Professionelle Jungpflanzenbetriebe kultivieren daher bei konstanten Temperaturen von 18–20 °C, um diese physiologische Reaktion sicher zu blockieren.
Warum ist das Bleichen des Herzens bei der krausen Endivie wichtig und wie wird es heute gelöst?
Das Bleichen reduziert den Gehalt an bitteren Lactucopikrinen im Herzbereich und sorgt für die gewünschte gelb-weiße Färbung sowie eine zarte Textur. Moderne Sorten wie 'Wallone' oder 'Myrna' besitzen eine hohe Selbstbleichfunktion durch ihren dichten, aufrechten Wuchs. Ein manuelles Zusammenbinden der Köpfe kurz vor der Ernte ist im professionellen Anbau aufgrund des hohen Arbeitsaufwands und des erhöhten Fäulnisrisikos bei feuchter Witterung kaum noch üblich.
Wie finde ich im Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel für Frisée-Salat?
Da Frisée-Salat (Cichorium endivia var. crispum) artenrechtlich zur Gruppe der Endivien gehört, müssen Sie bei der Suche nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln im Portal darauf achten, ob die Zulassung explizit für 'Endivien' oder die übergeordnete Gruppe 'Frische Kräuter und Salate' erteilt wurde. Prüfen Sie stets die aktuellen BVL-Zulassungsdatenbanken über die Verlinkungen in unserem Hub, um die spezifischen Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten für Ihre Region einzusehen.