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Kultur

Löwenzahn

Taraxacum sp.
TARSS

Der Gemeine Löwenzahn, botanisch klassifiziert als Taraxacum sp. (EPPO-Code: TARSS), gewinnt im professionellen Anbau zunehmend an Bedeutung. Während er im klassischen Ackerbau oft als ausdauerndes Beikraut reguliert werden muss, wird er im spezialisierten Vertragsanbau gezielt als Arznei-, Tee- und Salatpflanze kultiviert. Die Blätter, Blüten und insbesondere die wirkstoffreichen Wurzeln finden in der pharmazeutischen Industrie sowie in der Ernährungswirtschaft breite Verwendung.

Für einen erfolgreichen Erwerbsanbau stellt die Kultur spezifische Ansprüche an den Standort und die Bestandsführung. Da es sich um einen Lichtkeimer handelt, erfordert die Aussaat ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett. Die Regulierung von konkurrenzstarken Schaderregern, insbesondere Wurzelunkräutern wie der Gemeinen Quecke (Elymus repens), stellt in der Etablierungsphase eine der größten pflanzenbaulichen Herausforderungen dar.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Mai oder August
Erntefenster
September bis November (Wurzelernte); April bis Juni (Blatternte im Folgejahr)
Reihenabstand
30–45 cm
Typischer Ertrag
4–6 t/ha (Trockenwurzeln) oder 15–20 t/ha (Frischblattmasse)
Wärmesumme (GDD)
1500
Boden-pH
6,0–7,2

Bodenmanagement

Die Kultur bevorzugt tiefgründige, mittelschwere Böden mit guter Wasserführung, da Staunässe rasch zu Wurzelfäule führt. Ein feinkrümeliges, gut abgesetztes Saatbett ist für die flache Aussaat des Lichtkeimers zwingend erforderlich. Vor der Aussaat sollte eine organische Grunddüngung vermieden werden, um den Unkrautdruck zu minimieren und eine gleichmäßige Keimung zu fördern. Eine gezielte mechanische Bodenbearbeitung im Vorfeld hilft, ausdauernde Wurzelunkräuter effektiv zu schwächen. Während der Hauptwachstumsphase sichert eine ausgeglichene Stickstoffversorgung das Blattwachstum, während Kalium die Frosthärte und Wurzelqualität im Herbst stärkt.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz steht die mechanische und chemische Unkrautregulierung im Vordergrund, da die Kultur in der Jugendphase extrem konkurrenzschwach ist. Besonders die Gemeine Quecke (Elymus repens) muss frühzeitig durch gezielte mechanische Maßnahmen oder zugelassene Graminizide reguliert werden. Gegen pilzliche Schaderreger wie Echten Mehltau oder Blattfleckenkrankheiten sind vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen wie weite Reihenabstände und eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung entscheidend. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmittel-Anwendungen müssen die spezifischen Zulassungssituationen für Arznei- und Gewürzkräuter sowie die gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeiten strikt eingehalten werden. Ein regelmäßiges Monitoring ab dem BBCH-Stadium 12 sichert das rechtzeitige Erkennen von tierischen Schädlingen wie Drahtwürmern oder Erdraupen.

Sorten

Clio

mittelfrüh

Sehr hoher Blattertrag bei gleichmäßigem Wuchs.

Anfällig für: Echter Mehltau

Sehr bewährte Sorte für den Blattsalat-Anbau mit aufrechtem Wuchs, was die mechanische Ernte erleichtert.

Verte de Montmagny

früh

Gute Erträge im geschützten und Freilandanbau.

Anfällig für: Blattfleckenkrankheiten

Traditionelle französische Sorte mit stark geschlitzten Blättern und hoher Regenerationskraft nach dem Schnitt.

Vollherziger

mittelspät

Hoher Anteil vermarktungsfähiger Rosetten.

Anfällig für: Wurzelfäule

Bildet sehr dichte, kompakte Rosetten mit hellgrünen, zarten Blättern, ideal für den Frischmarkt.

Thick Leaved

mittel

Hohe Trockenmasseerträge bei Blättern und Wurzeln.

Anfällig für: Echter Mehltau

Robuste Sorte mit fleischigen Blättern, die sich besonders für die industrielle Verarbeitung eignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie wird die Gemeine Quecke (Elymus repens) im professionellen Löwenzahnanbau am effektivsten reguliert?

Da die Kultur sehr empfindlich auf Konkurrenz reagiert, muss die Regulierung der Gemeinen Quecke bereits vor der Saat durch intensive mechanische Bodenbearbeitung, wie Pflügen oder wiederholtes Grubbern zur Austrocknung der Rhizome, eingeleitet werden. Im stehenden Bestand können selektive Graminizide im Nachauflauf eingesetzt werden, sofern für die spezifische Nutzung (Blatt oder Wurzel) eine entsprechende Zulassung nach § 22 Abs. 2 PflSchG vorliegt.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen im Löwenzahn?

Die kritischste Phase liegt zwischen BBCH 12 (2. Laubblatt entfaltet) und BBCH 19 (Rosettenentwicklung abgeschlossen). In diesem Zeitraum ist die Kultur besonders anfällig für Herbizidschäden und Unkrautkonkurrenz. Behandlungen gegen tierische Schaderreger oder Pilze sollten sich strikt an diesen Stadien orientieren, da spätere Anwendungen ab BBCH 51 (Erscheinen der Blütenknospen) erhebliche Rückstandsrisiken im Erntegut bergen.

Wie unterscheidet sich die Düngungsstrategie bei der Nutzung von Löwenzahn als Blatt- versus Wurzelgemüse?

Bei der reinen Blatternte steht eine schnelle Stickstoffverfügbarkeit im Frühjahr im Vordergrund, um zarte, nitratarme Blätter zu erzeugen. Für die Wurzelnutzung zur Wirkstoffgewinnung wird die Stickstoffgabe im Sommer reduziert und die Kaliumdüngung betont, um die Einlagerung von Inulin und Bitterstoffen zu fördern und die Frosttoleranz der Wurzeln vor der Spätherbsternte zu sichern.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Taraxacum sp. in der Datenbank?

Da Löwenzahn oft als Nischenkultur eingestuft wird, sind viele Pflanzenschutzmittel über Sonderzulassungen oder die Ausweitung des Zulassungsbereichs auf geringfügige Verwendungen (Art. 51 VO 1107/2009) registriert. Suchen Sie im Portal gezielt unter der Kulturbezeichnung 'Frische Kräuter' oder 'Wurzelgemüse' und filtern Sie nach dem Verwendungszweck (Blatt- oder Wurzelnutzung), um Fehlbehandlungen zu vermeiden.

Welche Fruchtfolgebeschränkungen müssen beim Anbau von Löwenzahn beachtet werden?

Löwenzahn sollte nicht nach anderen Korbblütlern (Asteraceae) wie Salat, Zichorien oder Sonnenblumen angebaut werden, um die Übertragung von bodenbürtigen Schaderregern wie Sclerotinia-Arten zu verhindern. Eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren wird dringend empfohlen, wobei Getreide oder Gräser als hervorragende Vorfrüchte dienen.

Welche Erntetechnik wird für die Gewinnung von Löwenzahnwurzeln eingesetzt?

Die Ernte erfolgt im Spätherbst mit modifizierten Rübenerntemaschinen oder Karottenrodern, die die Pfahlwurzeln möglichst unbeschädigt aus dem Boden heben. Da verletzte Wurzeln schnell zu Fäulnis neigen, muss die Reinigung schonend erfolgen und eine sofortige Trocknung bei maximal 40 bis 50 °C eingeleitet werden, um die pharmazeutisch wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten.