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Kultur

Löwenzahn

Taraxacum sp.
TARSS

Der Kulturlöwenzahn, wissenschaftlich als Taraxacum sp. (EPPO-Code: TARSS) klassifiziert, gewinnt im professionellen mitteleuropäischen Gemüse- und Arzneipflanzenanbau zunehmend an Bedeutung. Während die Wildform oft als Unkraut betrachtet wird, zeichnen sich die kultivierten Sorten durch einen aufrechten Wuchs, zarte Blätter und einen fein-herben Geschmack aus. Die Kultur wird entweder einjährig für den Frischmarkt zur Gewinnung von Blattsalat oder zweijährig zur Ernte der gehaltvollen Pfahlwurzeln für die pharmazeutische Industrie angebaut.

Für einen erfolgreichen Anbau sind eine präzise Bestandsführung und die Wahl des richtigen Erntezeitpunkts entscheidend. Da die Kultur eng mit heimischen Wildkräutern verwandt ist, stellt der integrierte Pflanzenschutz eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere die Konkurrenz durch ausdauernde Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) erfordert eine sorgfältige mechanische und chemische Unkrautregulierung vor und während der Kulturphase.

Die Vermarktung erfolgt primär über den gut sortierten Lebensmitteleinzelhandel oder direkt an Verarbeitungsbetriebe. Durch den gezielten Anbau unter Vlies oder im geschützten Anbau lässt sich die Ernteperiode im Frühjahr verfrühen, was Erzeugern attraktive Preispotenziale auf dem Markt für Nischengemüse eröffnet.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Juli
Erntefenster
Mai bis November
Reihenabstand
25–30 cm
Typischer Ertrag
15–25 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1100
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Der Kulturlöwenzahn bevorzugt tiefgründige, humose und gut durchlässige Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, um eine hohe Blattqualität ohne übermäßige Bitterstoffbildung zu gewährleisten. Schwere, zur Staunässe neigende Böden sind ungeeignet, da sie die gefürchtete Wurzelfäule begünstigen und die mechanische Ernte der Pfahlwurzeln erschweren. Vor der Aussaat ist ein feinkrümeliges Saatbett herzustellen, da die feinen Samen flach abgelegt werden müssen. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung von etwa 80 bis 100 kg N/ha fördert das zügige Blattwachstum, wobei eine Überdüngung zur Nitratakkumulation in den Blättern führen kann. Nach der Ernte im Herbst empfiehlt sich der Anbau einer tiefwurzelnden Gründüngung zur Schonung der Bodenstruktur.

Schaderreger-Management

Aufgrund der engen Verwandtschaft zu wilden Populationen ist der Infektionsdruck durch pilzliche Schaderreger wie Echten Mehltau und Rostpilze in der Kultur hoch. Ein weiter Reihenabstand und eine bedarfsgerechte Bewässerung von unten minimieren die Blattnässezeiten und senken das Infektionsrisiko deutlich. Gegen tierische Schädlinge wie Blattläuse und Erdschnakenlarven müssen vorbeugende Kulturmaßnahmen wie der Einsatz von Kulturschutznetzen konsequent umgesetzt werden. Da nur wenige chemische Pflanzenschutzmittel für diese Nischenkultur zugelassen sind, kommt der mechanischen Unkrautregulierung mittels Hacktechnik eine Schlüsselrolle zu. Insbesondere die Bekämpfung von Wurzelunkräutern wie der Gemeinen Quecke (*Elymus repens*) muss bereits in der Vorkultur gründlich erfolgen, um Ertragseinbußen zu vermeiden.

Sorten

Vollherziger

Mittelfrüh

Sehr ertragreich mit dichter Rosettenbildung und hohem Blattanteil.

Resistent gegen: Schoßtoleranz

Anfällig für: Echter Mehltau, Wurzelfäule

Der Klassiker im Erwerbsanbau. Bildet sehr dichte, selbstbleichende Herzen mit zartem Geschmack.

Vert de Montmagny

Früh

Hoher Frühjahrsertrag, ideal für die erste Schnittwelle.

Resistent gegen: Kälte

Anfällig für: Rostpilze, Blattläuse

Sehr wüchsige, traditionelle Sorte mit stark geschlitzten, dunkelgrünen Blättern.

Clio

Mittelfrüh bis spät

Sehr gleichmäßiger Ertrag über mehrere Schnitte hinweg.

Resistent gegen: Echter Mehltau

Anfällig für: Staunässe

Moderne Selektion für den professionellen Frischanbau mit aufrechtem Wuchs, was die maschinelle Ernte erleichtert.

Amélioré à Cœur Plein

Mittelspät

Hohe Biomasseproduktion, besonders für die späte Herbsternte geeignet.

Resistent gegen: Blattnekrosen

Anfällig für: Echter Mehltau

Bildet breite, fleischige Blätter und ein gut gefülltes Herz, das sich hervorragend zum Bleichen eignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kannst du die Bitterstoffe in den Blättern vor der Ernte reduzieren?

Um den Geschmack für den Frischmarkt abzumildern, kannst du die Kultur etwa zwei bis drei Wochen vor der geplanten Ernte bleichen. Decke die Reihen dazu mit lichtundurchlässigen Folien oder speziellen Bleichhauben ab. Durch den Lichtentzug wird die Chlorophyll- und Bitterstoffbildung gehemmt, wodurch die Blätter milder, zarter und hellgelb werden.

Welche Strategie hilft dir bei der Regulierung der Gemeinen Quecke im Löwenzahnanbau?

Da die Gemeine Quecke (*Elymus repens*) ein ausdauerndes Wurzelunkraut ist, musst du sie unbedingt vor der Aussaat bekämpfen. Nutze eine intensive mechanische Bodenbearbeitung im Vorfeld (z. B. durch mehrmaliges Grubbern bei trockener Witterung), um die Rhizome an die Oberfläche zu bringen und austrocknen zu lassen. Im stehenden Bestand sind chemische Anwendungen aufgrund mangelnder selektiver Herbizide extrem eingeschränkt.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Ernte der Löwenzahnwurzeln?

Wenn du die Kultur zur pharmazeutischen Nutzung der Wurzeln anbaust, solltest du die Ernte im Spätherbst (Oktober bis November) durchführen. Zu diesem Zeitpunkt haben die Pflanzen die maximalen Reservestoffe und Inulinmengen in die Pfahlwurzel eingelagert. Achte darauf, die Wurzeln unbeschädigt zu roden, um Qualitätsverluste bei der anschließenden Trocknung zu vermeiden.

Wie verhinderst du, dass sich der Kulturlöwenzahn ungewollt auf Nachbarflächen aussät?

Um eine unkontrollierte Ausbreitung durch Flugsamen zu verhindern, musst du die Blütenknospen konsequent vor dem Aufblühen entfernen, falls die Kultur zweijährig geführt wird. Für die reine Blatternte empfiehlt sich ein regelmäßiger Schnitt im BBCH-Stadium 4, bevor die Pflanze in die generative Phase (BBCH 5) übergeht. Dies sichert nicht nur die Blattqualität, sondern unterbindet auch die Samenbildung vollständig.

Wie findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Spezialkultur?

Da Löwenzahn als Nischenkultur gilt, sind reguläre Zulassungen rar. Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere gezielt nach Indikationszulassungen oder Genehmigungen für Artikel 51 (Lückenindikation) des BVL. Achte bei der Anwendung unbedingt auf die spezifischen Auflagen und die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen?

Besonders im frühen Rosettenstadium (BBCH 13 bis 19) ist die Kultur extrem empfindlich gegenüber Unkrautkonkurrenz und bodenbürtigen Schaderregern. Behandlungen gegen Blattkrankheiten wie Echten Mehltau solltest du frühzeitig bei den ersten Symptomen einplanen, meist ab BBCH 31 (Beginn des Längenwachstums), um eine Kontamination der erntereifen Blätter im BBCH-Stadium 49 zu verhindern.