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Kultur

Rosmarin

Salvia rosmarinus
RMSOF

Rosmarin (Salvia rosmarinus, EPPO-Code: RMSOF) ist eine mehrjährige, immergrüne Kultur aus der Familie der Lamiaceae, die im mitteleuropäischen Erwerbsanbau zunehmend an Bedeutung gewinnt. Traditionell im Mittelmeerraum beheimatet, profitiert die Kultur im Zuge des Klimawandels von milderen Wintern, wodurch der Freilandanbau auch in vielen Regionen Deutschlands wirtschaftlich attraktiv geworden ist. Sie wird sowohl für den Frischmarkt als Topf- und Bundware als auch für die pharmazeutische Industrie und die Gewinnung ätherischer Öle angebaut.

Die Etablierung einer Rosmarinkultur erfordert aufgrund des langsamen Jugendwachstums und der Frostempfindlichkeit in den ersten Standjahren ein hohes Maß an pflanzenbaulichem Geschick. Da die Kultur sehr empfindlich auf Staunässe reagiert, sind die Standortwahl und die Bodenstruktur die limitierenden Faktoren für einen dauerhaft erfolgreichen, mehrjährigen Anbau im Freiland.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Unterglas-Aussaat zur Jungpflanzenanzucht); Auspflanzung Mitte Mai bis Juni
Erntefenster
Juni bis Oktober (Hauptnutzung im Freiland); ganzjährig bei geschütztem Unterglasanbau
Reihenabstand
50–70 cm x 30–40 cm
Typischer Ertrag
3,0–5,0 t/ha Frischmasse (im ersten Hauptnutzungsjahr); bis zu 8,0–12,0 t/ha ab dem zweiten Standjahr
Wärmesumme (GDD)
1800
Boden-pH
6,5–7,8

Bodenmanagement

Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die physikalische Bodenbeschaffenheit und bevorzugt sandig-lehmige, kalkhaltige Böden mit exzellenter Drainage. Staunässe muss unter allen Umständen vermieden werden, da sie rasch zu Wurzelfäule führt; auf schwereren Standorten ist der Anbau auf Dämmen dringend zu empfehlen. Die Grunddüngung sollte zurückhaltend erfolgen, wobei eine moderate Stickstoffgabe von 40–60 kg N/ha, aufgeteilt auf zwei Gaben im Frühjahr und nach dem ersten Hauptschnitt, für ein ausgewogenes Wachstum und hohe Gehalte an ätherischen Ölen sorgt. Eine organische Mulchauflage kann im ersten Standjahr zur Unkrautunterdrückung und Feuchtigkeitsregulierung beitragen, darf jedoch die Bodenerwärmung im Frühjahr nicht behindern. Regelmäßige mechanische Unkrautregulierung zwischen den Reihen ist besonders in der Etablierungsphase entscheidend, da die Kultur anfangs nur langsam konkurrenzkräftig ist.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz des Rosmarins steht die Prävention von Pilzkrankheiten im Vordergrund, wobei Botrytis cinerea (Grauschimmel) bei feucht-warmer Witterung den bedeutendsten Schaderreger darstellt. Ein weiter Pflanzabstand und ein regelmäßiger Formschnitt fördern die schnelle Abtrocknung des Laubwerks und minimieren das Infektionsrisiko erheblich. Gegen tierische Schaderreger wie Zikaden, Spinnmilben oder den Rosmarinkäfer (Chrysolina americana) ist eine kontinuierliche Bestandsüberwachung ab dem Frühjahr erforderlich. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist aufgrund der Nutzung als Küchenkräuter stark reglementiert; biologische Präparate auf Basis von Kaliumhydrogencarbonat oder nützlingsschonende Behandlungen haben hierbei Priorität. Bei akutem Befall mit bodenbürtigen Erregern wie Phytophthora spp. müssen betroffene Pflanzen umgehend gerodet und aus der Kultur entfernt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Sorten

Arp

mittelfrüh

Konstant hohe Erträge an holzigem und krautigem Material ab dem zweiten Standjahr.

Resistent gegen: Frost, Echter Mehltau

Anfällig für: Staunässe, Botrytis cinerea

Sehr frostharte Sorte (bis ca. -20 °C), die sich besonders für den mehrjährigen Freilandanbau in Mitteleuropa eignet. Wächst aufrecht und buschig mit hellblau-grauen Blüten.

Veitshöchheim

mittelfrüh

Sehr ertragreich für die Frischkrautproduktion mit hohem Blattanteil.

Resistent gegen: Frost, Wurzelfäule

Anfällig für: Staunässe

Robuste Selektion der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Hervorragende Winterhärte und sehr aromatisches, dunkelgrünes Laub.

Abraxas

mittelspät

Hervorragende Erträge an ätherischen Ölen bei der Destillation.

Resistent gegen: Trockenheit

Anfällig für: Frost, Botrytis cinerea

Wüchsige Sorte mit intensiv-würzigem Aroma und hohem Gehalt an ätherischen Ölen. Bevorzugt geschützte Lagen, da nur mäßig frosthart.

Boule

früh

Hoher Ertrag an feinen, weichen Triebspitzen pro Quadratmeter Stellfläche.

Resistent gegen: Wind

Anfällig für: Frost, Spinnmilben

Kompakt und kugelig wachsende Sorte, die sich hervorragend für die Topfkultur und den Frischkräuter-Direktvertrieb eignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kann das Risiko von Botrytis-Infektionen im herbstlichen Freilandanbau effektiv minimiert werden?

Da der Schaderreger Botrytis cinerea besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit und stehender Luft auftritt, sind ein weiter Pflanzabstand und eine windoffene Lage entscheidend. Vermeiden Sie späte Schnitte im feuchten Herbst, da die offenen Schnittwunden ideale Eintrittspforten für den Pilz bieten. Zudem sollte eine eventuelle Zusatzbewässerung ausschließlich bodennah über Tropfschläuche erfolgen, um das Laubwerk trocken zu halten.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung des Hauptschnitts zur Gewinnung ätherischer Öle?

Der optimale Erntezeitpunkt für die Destillation liegt im BBCH-Stadium 61 bis 65 (Beginn bis Vollblüte), da zu diesem Zeitpunkt die Konzentration an ätherischen Ölen in den Blättern ihr Maximum erreicht. Schnitte in späteren Stadien (BBCH 70+) weisen einen deutlich höheren Verholzungsgrad und ein verändertes Monoterpen-Profil auf, was die Qualität und Ausbeute des Öls mindert.

Wie wird die Frosthärte von Freiland-Kulturen vor dem Winter aktiv gefördert?

Eine gezielte Kalidüngung im Spätsommer (August) stärkt das Zellgewebe und erhöht den osmotischen Wert des Zellsafts, was die Frostresistenz der Triebe verbessert. Ab September muss jegliche Stickstoffgabe unterbleiben, um ein verspätetes vegetatives Wachstum zu verhindern, da unausgereifte Triebe extrem frostempfindlich sind. In rauen Lagen empfiehlt sich im ersten Standjahr zudem das Abdecken der Kultur mit leichtem Vlies.

Wie finde ich im Agronomy-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger bei Rosmarin?

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Warum ist die mechanische Unkrautregulierung in jungen Rosmarinbeständen so kritisch und worauf ist zu achten?

Junge Rosmarinpflanzen wachsen nach der Pflanzung sehr langsam und besitzen eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern. Beim mechanischen Hacken muss jedoch äußerst flach gearbeitet werden, da die Kultur ein relativ flaches, empfindliches Wurzelsystem ausbildet. Verletzungen der Wurzeln im bodennahen Bereich begünstigen den Befall mit bodenbürtigen Schaderregern wie Phytophthora-Arten.